DER THEOLOGE
Nr. 15


Die Essener und die Schriften von Qumran: "Verschlusssache Jesus"?

Lange Zeit stand ein Buch über die archäologischen Funde von Qumran auf dem ersten Platz der Bücher-Bestseller-Listen in Deutschland. Der Titel: Verschlusssache Jesus. Die kirchlichen Theologen nahmen das Buch nicht ernst und widerlegten anscheinend locker seine Thesen. Dennoch war es erfolgreicher als die anderen über Jesus von Nazareth. Was war der Grund für diesen Erfolg? Ist es die Ahnung, dass in Jesus von Nazareth eine andere Wahrheit auf diese Erde kam als die katholische oder die evangelische Kirche heute vorgeben? Das genau spüren die Menschen, und das erklärt den Erfolg von Büchern wie Verschlusssache Jesus. Doch worum geht es in der Sache? Wer waren die Menschen von Qumran? Und wie standen sie zu Jesus von Nazareth?

Sie lebten die Gütergemeinschaft

Kult und Waffen

Verschwörung im Vatikan?

Die Essener: "Stoßtrupp" für das Friedensreich

Sie folgten nicht nach

Jesusbewegung: "Wenn und Aber" als Verhängnis

Das Ende von Qumran

In Kommunikation mit der "Erdenmutter": Eine andere Essener-Theorie

Die Funde von Nag Hammadi

Exkurs: Jesus und das jüdische Gesetz

Mystiker und Propheten

Im Jahre 1947 fand ein beduinischer Hirtenjunge nahe dem Toten Meer auf der Suche nach einer verirrten Ziege Schriftrollen und Handschriften in Tongefäßen. Beschrieben wird darin die Lehre einer oder vielleicht auch mehrerer religiöser Gemeinschaften. Die meisten Forscher gehen heute davon aus, dass es sich bei der Gemeinschaft von Qumran um eine Untergruppe der so genannten Essener handelt, von der auch anderweitig berichtet wird, vor allem beim Historiker Flavius Josephus und beim Philosophen Philon von Alexandria, beides Juden, die im 1. Jahrhundert nach Christus lebten. Man spricht deshalb auch von den "Qumran-Essenern" (1). Da es Parallelen zu Jesus von Nazareth und dem Urchristentum gibt, stellen die Bestseller-Autoren Michael Baigent und Richard Leigh zwischen den Qumran-Essenern und den Urchristen eine enge Verbindung bis zur möglichen Identität her. So deuten sie den in den Qumran-Texten genannten "Lehrer der Gerechtigkeit" als Jakobus, den Gemeinde-Ältesten der urchristlichen Gemeinde in Jerusalem, und den "Mann der Lüge" als Paulus. Eine kühne Vermutung, die sich aber letztlich nicht halten lässt (vgl. dazu z.B. eine Darlegung von einigen Forschungsergebnissen bei http://www.wegbegleiter.ch/wegbeg/lehrgere.htm, einer Zeitschrift mit esoterischem Hintergrund). Doch auch die nachweisbaren Fakten beinhalten noch genügend Zündstoff.

Sie lebten die Gütergemeinschaft

So belegen die Schriften mehrere Gemeinsamkeiten zwischen den Essenern von Qumran und Jesus von Nazareth: Die Essener bildeten z. B. eine eigene soziale Gemeinschaft innerhalb, aber am Rande der damaligen Gesellschaft, und sie grenzten sich von den einflussreichsten religiösen Parteien der Pharisäer (http://de.wikipedia.org/wiki/Pharis%C3%A4er) und der Sadduzäer (http://de.wikipedia.org/wiki/Sadduz%C3%A4er) sowie der Volksfrömmigkeit ab. Und wie später bei Jesus von Nazareth und der Jesusbewegung führte dies zu heftigen Konflikten mit dem israelischen Amtspriestertum, dem sich damals überwiegend Sadduzäer verbunden fühlten und dem sich die Essener nicht unterordnen wollten. Mehrere Essener sollen deshalb auch den Märtyrertod gestorben sein.
Ähnlich wie bei Jesus gab es einen engeren Kreis von 12 Männern um den Leiter der Gemeinde, eben dem "Lehrer der Gerechtigkeit". Die Anhänger lebten nach dem Gebot "Bete und arbeite" in Gütergemeinschaft und legten Wert darauf, ihre Sinne zu "disziplinieren", d. h. entsprechend diszipliniert und asketisch zu leben. Angesichts des erwarteten Messias und seines herbei gesehnten "Friedensreiches" verkündeten sie eindringlich die "Buße", also eine Umkehr bzw. eine Notwendigkeit der Vergebung und Erneuerung des Lebens. Doch wie soll diese praktisch aussehen?

Kult und Waffen

Und hier tut sich ein erster wichtiger Gegensatz zu Jesus auf. Die Essener sind bei ihren Erneuerungsbestrebungen, ähnlich wie die Pharisäer, oft auf Äußerlichkeiten fixiert, und sie verschärfen in fanatischer Weise veräußerlichte Kultgesetze wie das Sabbatgebot. Jesus von Nazareth hatte jedoch mit Kult, Ritualen und äußerlichen Frömmigkeitsübungen überhaupt nichts im Sinn.

Der zweite gravierende Gegensatz zwischen Jesus und Qumran besteht beim Thema "Gewalt und Feindesliebe". Jesus lehrte und lebte die Feindesliebe vor, und er war, anders als es manche Texte der Qumran-Essener bezeugen, gegen den Gebrauch von Waffengewalt. In der Diskussion über die Verschlusssache Jesus wurde dies aber mehr und mehr in Frage gestellt. So zeichneten Journalisten verschiedentlich ein Bild von einem Jesus, der womöglich nur in seiner Jugend pazifistisch gewesen wäre. Der "ältere" Jesus, der die Ungerechtigkeit der Römer erlebt hätte, hätte seine Überzeugung dadurch womöglich geändert. Diese Beurteilung stützt sich v. a. auf die Bibelstelle in Lukas 22, 36-38, wonach Jesus kurz vor seiner Gefangennahme rät, ein Schwert zu kaufen, woraufhin ihm die Jünger zwei Schwerter präsentieren. Dies sei "genug", so Jesus. Doch diese beiden Schwerter würden zwar einen möglichen Räuber abschrecken - und das ist sehr wahrscheinlich auch ihr ganz praktischer Sinn gewesen -, für eine bewaffnete Auseinandersetzung mit einer ganzen Truppe von Soldaten und Wachleuten sind sie aber völlig unzureichend. Außerdem weist Jesus wenige Augenblicke später den aktiven Einsatz der Schwerter deutlich zurück (Verse 49-51), und er erklärt nach Matthäus 26, 52-53 unmissverständlich: "Alle, die zum Schwert greifen, werden durch das Schwert umkommen."

Ein gewalttätiger Jesus wäre damals wie heute allerdings denen lieber, die selbst in den Kreislauf der Gewalt verwickelt sind, wie z. B. Anhänger zunehmend radikalerer nationalistischer Bewegungen. Dass in "der letzten Zeit" der materialistischen Welt die Gewalt eskaliert, davon hat auch Jesus selbst gesprochen, z.B. in Markus 13, 8: "[In der letzten Zeit] ... wird sich ein Volk gegen das andere erheben und ein Königreich gegen das andere. Es werden Erdbeben geschehen hier und dort, es werden Hungersnöte sein. Das ist der Anfang der Wehen." Doch seine Nachfolger beteiligen sich nicht an den Kriegen und Aufständen, sondern sie befolgen seine Bergpredigt (Matthäus 5-7), in der er u. a. sagte: "Selig sind die Friedensstifter; denn sie werden Gottes Kinder heißen" (5, 9). Dennoch kam es immer wieder vor, dass Jesus für die eigene gewalttätige Partei vereinnahmt wurde. So hat es die Kirche Jahrhunderte lang praktiziert, und so geschieht dies in unserer Zeit z. B. ungeniert durch die Regierungen der USA. Und so rückt auch die Verschlusssache Jesus den Mann aus Nazareth nahe an die Schwertkämpfer der Vergangenheit heran.

Verschwörung im Vatikan?

Was beabsichtigten nun die Autoren mit einem gewaltbereiten Jesus? Obwohl die katholische Hierarchie sich noch nie durch Gewaltfreiheit und Pazifismus ausgezeichnet hatte, sollte mit den Bestseller-"Enthüllungen" von Michael Baigent und Richard Leigh in erster Linie der Vatikan getroffen werden, der die Qumran-Forschung in den 50er-Jahren unter Kontrolle seiner Glaubenskongregation (früher "Heilige Inquisition") brachte. Die Veröffentlichung wesentlicher Dokumente wird nämlich, wie Kritiker immer wieder beklagen, seit Jahrzehnten hinausgezögert oder verhindert, und viele der "renommiertesten" Wissenschaftler in der Qumran-Forschung mussten sich angeblich wegen "persönlichen Versagens" zurückziehen oder sie starben unerwartet.
Das klingt durchaus nach einer möglichen Verschwörung
. Vor allem, wenn man bedenkt, dass die Essener auch im gesamten Neuen Testament nicht erwähnt sind. So kann man fragen, ob die so genannte frühkatholische Kirche z. B. bereits bei der Entstehung des Neuen Testaments massiv in die Darstellung des Urchristentums und des Judentums zur Zeit von Jesus eingegriffen hat. Immerhin kannte der katholische "Kirchenvater" Hieronymus, der im Auftrag von Papst Damasus I. im Jahr 383 eine vereinheitlichte Fassung der Bibel heraus gab (die so genannte Vulgata), nachweislich noch einen "geheimen" Urtext des Matthäusevangelium, der von dem uns heute bekannten Matthäusevangelium erheblich abgewichen hat (vgl. hier).

Doch die Inhalte des Buches Verschlusssache Jesus vergrößern leider nur das Durcheinander anstatt notwendige Klärungen herbeizuführen.
Ein wichtiges Thema ist dabei das Alter der Rollen. Mit Hilfe einer als zuverlässig geltenden Radiocarbon-Methode wird der große Teil der Schriften von den meisten Wissenschaftlern in das 1. Jahrhundert vor Christus datiert. Die Bestseller-Autoren glauben aber anderen Untersuchungen und datieren die Schriften in das 1. Jahrhundert nach Christus, also in die Zeit des Urchristentums. Das stärkste Argument dafür scheint aber ihr Wunschdenken zu sein. Doch auch wenn die Dokumente den Untersuchungen zufolge sehr wahrscheinlich aus dem 1. Jahrhundert vor Christus stammen, wovon die meisten Wissenschaftler ausgehen, bleiben ihre Inhalte dennoch spannend und von großer Bedeutung für die Entstehung des Urchristentums.

Die Essener: "Stoßtrupp" für das Friedensreich?

Denn die Bewegung von Qumran und ihre Lehren stehen trotz einiger Gegensätze immer noch in größerer Nähe zu Jesus von Nazareth als die kirchlichen Lehren. Dass der Mann aus Nazareth keine weltweite katholische Kirche eingesetzt hat und keine Fundamente für die späteren kirchlichen Dogmen und Zeremonien gelegt hat, dafür genügt als Quelle jedoch das Neue Testament. Die Textfunde von Qumran sind hier nur am Rande bedeutsam, da in ihnen - wie bereits dargelegt - eben nicht die Jesusbewegung beschrieben wird, sondern eine andere Gruppierung der damaligen Zeit. Eine an den Haaren herbei gezogene Identifizierung zwischen Jesus und den Essenern ist für das Anliegen, die Fundamente des Vatikan ins Wanken bringen zu wollen, deshalb eher schädlich.

Worum ging es Jesus von Nazareth? Er versuchte, das damalige Volk Israel zu sammeln (z. B. Matthäus 23, 37b) und im Einklang mit den Geboten Gottes zunächst innerlich und dann auch äußerlich zu einen. "Das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen", hat er mehrfach gesagt, und er wollte das Friedensreich aufbauen, das schon von den jüdischen Propheten vorhergesagt wurde. Dieses "Reich" entsteht zuerst im "Inneren" eines jeden Menschen (Lukas 17, 21), der durch das Leben nach den 10 Geboten und der Bergpredigt von Jesus friedfertig geworden ist und seinem Nächsten dient. Und es nimmt mit der Zeit dann auch im Äußeren Gestalt an (siehe z. B. Matthäus 13, 31-32). Was haben nun aber die Essener damit zu tun?

Eine Verbindung von Johannes dem Täufer sowohl zu Jesus als auch zu Qumran gilt als unbestritten. Und weiter: Die Menschen von Qumran wollten bewusst das "Volk David" sein. Die Vision eines erneuerten Volkes war also bei ihnen zentral - wie zuvor schon bei den großen jüdischen Propheten und später in der Jesusbewegung. Die Essener verstanden sich als eine Art "Stoßtrupp" für das Friedensreich des kommenden Messias. Sie wollten mit dem Messias den Durchbruch schaffen, wenn er kommt. Dafür lebten, dafür beteten und arbeiteten sie.

Sie folgten nicht nach

Und so kann man aus geistiger Sicht fragen: Sollte sich die Gemeinschaft von Qumran einige Jahrzehnte vor dem Wirken von Jesus von Nazareth innerlich und äußerlich für dessen Kommen vorbereiten? War dies also der geistige Auftrag von vielen Qumran-Essenern, dass sie durch ihr Leben dem Christus die Wege bereiten sollten? Nach Aussagen der meisten Wissenschaftler habe der "Lehrer der Gerechtigkeit" sogar bereits im 2. Jahrhundert vor Christus gelebt. Wer die Gruppe dann zu Lebzeiten von Jesus leitete, ist nicht bekannt. Doch es wäre ihr auf jeden Fall möglich gewesen, sich Jesus von Nazareth anzuschließen und sich von ihm hier und da korrigieren zu lassen. Doch die Essener hatten eben - wie viele andere religiöse Gruppen auch - ihre speziell eigenen Vorstellungen vom kommenden Messias, die sie nicht aufgeben wollten, z. B. in der Frage von Gewalt und Feindesliebe (siehe oben). Zudem hatten sie sehr strenge und fanatische Vorstellungen vom Tempelkult, und die offiziell durchgeführten Riten im Tempel zu Jerusalem waren für die Essener von Qumran bereits eine Abweichung von den ursprünglichen Tempel-Vorschriften, was wesentlich für ihre Distanzierung vom damaligen israelischen Amtspriestertum war (siehe dazu z.B. http://www.bibelwissenschaft.de/bibelkunde/themenkapitel-nt/religioese-parteien/essener/). Und so waren sie eben - völlig anders als Jesus - dem Kult und seiner angeblich von Gott angeordneten Durchführung verhaftet (siehe oben). Doch Jesus hielt im Gegensatz dazu nichts von Kult und Zeremonien und auch nicht viel von prachtvollen Kult-Häusern aus Stein und Edelhölzern (gleich den früheren Propheten wie z. B. Nathan (2.Samuel 7, 4-7) und Jesaja (66, 1-2); vgl. dazu "Freie Christen Nr. 1": Gott wohnt nicht in Kirchen aus Stein). Er sprach stattdessen vom "stillen Kämmerlein", in das man sich zum Beten zurückziehen solle (Matthäus 6, 5-6). Und während einer seiner Jünger sich vom damaligen Tempel beeindruckt zeigte ("Was für Steine und was für Bauten!" Markus 13, 1), prophezeite Jesus bereits die Zerstörung dieses Monumental-Baus: "Nicht ein Stein wird auf dem anderen bleiben, der nicht zerbrochen werde" (V. 2).

Während des Auftretens von Jesus sind keine Daten über die Essener bekannt. Wie hätte sich jedoch die Geschichte entwickelt, wenn der größte Teil der jüdischen Bevölkerung einschließlich der Essener Jesus als den "Messias" (den von Gott Gesandten) anerkannt hätte und wenn die Leute damit angefangen hätten, zu tun, was er lehrte? Die Kirche und das abendländische Christentum wären womöglich nie entstanden, zumindest nicht in der römisch-katholischen Ausprägung. Doch die Menschen von Qumran sind als Gemeinschaft Jesus nicht gefolgt.

Als These formuliert, könnten vor allem die beiden Sachverhalte entgegen gestanden haben, über die oben bereits geschrieben wurde, und die hier noch einmal in Worte gefasst werden:

1) Die qumranische Glaubensgemeinschaft war noch stark priesterlichem, hierarchischem und kultischem Denken verhaftet. Priester und Kult spielen jedoch in der Botschaft von Jesus Christus und in seinem geplanten Friedensreich keine Rolle mehr, und eine Hierarchie lag ihm fern, denn "ihr alle aber seid Brüder [und Schwestern]" (Matthäus 23, 8).

2) Es konnte sich in Qumran auch das Vertrauen nicht durchsetzen, dass das Friedensreich nicht mit Waffengewalt gegen die Römer entstehen soll, sondern in jeder Hinsicht gewaltlos nach der Botschaft der Bergpredigt des Jesus von Nazarareth.

Jesusbewegung: "Wenn und Aber" als Verhängnis

Vermutlich gab es Wanderungsbewegungen von Qumran zu den Anhängern von Jesus von Nazareth und in die umgekehrte Richtung, wobei letztlich fast alle damaligen Zeitgenossen Jesus die Gefolgschaft versagten. Doch auch unter den letztlich noch wenigen Anhängern von Jesus verlief die Entwicklung nicht besonders gut. Es entstanden zwar urchristliche Gemeinden, die jedoch vor allem seit dem Auftreten des Paulus durch Unstimmigkeiten und Zerwürfnisse geschwächt wurden (vgl. dazu Der Theologe Nr. 5). Hierarchisches Denken zog auch in diese Gemeinschaften wieder ein, und daraus gingen wieder "geistliche" und priesterliche Obrigkeiten hervor, die Jesus niemals wollte. Damit wurde hier die Saat für eine äußere Kirche gelegt, die sich wieder an den heidnischen und dem jüdischen Kult orientierte und die mit den ursprünglichen Visionen und Plänen von Jesus nicht mehr viel zu tun hatte.

Doch für die inneren Auseinandersetzungen war nicht Paulus alleine verantwortlich. Glaubt man einer "Neu-Offenbarung" von 1989, dann gab darin Christus selbst eine Erklärung hierzu. Es heißt dort: "Der eine glaubte sofort an Meine Sendung, der andere zweifelte daran, da er vieles aus Meiner Rede ... nicht verstehen konnte ... Bei vielen gab es ein langes Hin und Her, ein Wenn und Aber. Die Unentschiedenheit war für viele ein Verhängnis. Sie blieben einige Zeit - dann trennten sie sich wieder von mir ... Die Vorstellungen und Interessen waren mannigfach und das Denken so unterschiedlich wie die Menschen selbst ... Die sich von Herzen entschieden und Meine Lehren verwirklicht haben, standen zu Meiner Rechten und blieben an Meiner Rechten"
(Das ist Mein Wort, S. 93, http://www.das-wort.com/deutsch/gottesprophetie-aktuell/das-ist-mein-wort---alpha-und-omega.php).

Unabhängig von der Glaubwürdigkeit dieser Quelle berichtet der jüdische Wissenschaftler Prof. Dr. Shemaryahu Talmon Ähnliches von Qumran: Es hätte ein Kommen und Gehen gegeben und unterschiedliche Vorstellungen. Das spiegle sich auch darin, dass die Qumran-Schriften nicht als einheitlich anzusehen sind. Möglicherweise hat es in Qumran auch innere Auseinandersetzungen wegen der Botschaft von Jesus von Nazareth gegeben. Das kann man jedenfalls vermuten.

Wie eng die Geschichte von Jesus von Nazareth und seiner Anhänger mit der Geschichte von Qumran verbunden ist, kann letzten Endes nicht mit Sicherheit geklärt werden. Und zur Vermeidung von Missverständnissen ist noch ein weiterer Hinweis hilfreich: Manchmal wird neben den Essenern von Qumran auch noch die Gruppe der Nazoräer genannt, die wiederum verschiedentlich mit den so genannten "Essäern" zur Deckung gebracht wird. Von ihnen wird berichtet, dass sie z. B. Fleischnahrung und Tieropfer ablehnten (siehe dazu eine Anmerkung). Anscheinend lehrte diese Gemeinschaft ähnlich bzw. teilweise gleich wie Jesus, pflegte aber - ähnlich wie die Essener von Qumran - mehr ihre Gruppen-Eigenheiten anstatt die "Zeichen der Zeit" zu erkennen und sich dem Mann aus Nazareth anzuschließen.

Das Ende von Qumran

Was ist aus Qumran geworden? Die Essener von Qumran haben sich offenbar am Aufstand gegen die Römer (66-70) beteiligt, was als eine Konsequenz ihrer Überzeugungen zum Thema "Gewalt" auch einleuchtend ist. Über Qumran ist bekannt, dass der Ort von der 10. römischen Legion unter Vespasian im Jahre 68 n. Chr. geschleift wurde. Die Qumraner wurden vermutlich niedergemacht oder in die Sklaverei verkauft. Qumran ist von nun an ein römischer Militärposten. Und im Jahr 70 wurde schließlich auch der Tempel in Jerusalem ganz kurz nach seiner Fertigstellung von den Truppen Roms zerstört. Und in den Jahren 132-135 formiert sich ausgerechnet in Qumran bzw. Mesad Chasidin, wie der Ort jetzt heißt, der letzte jüdische Aufstand unter Bar Kochba. Auch er wird von den Römern niedergeschlagen und mit ihm alle weltlich-militärischen Vorstellungen von einem "Friedensreich", das in Palästina seinen Anfang nehmen sollte.

In Kommunikation mit der "Erdenmutter"?
Eine andere Essener-Theorie

Was bleibt von der "Verschlusssache" Jesus? Hierzu gibt es noch eine bemerkenswerte Variante zu diesem Thema. Der Wissenschaftler Dr. Edmond Bordeaux Székely (der eng mit dem Schriftsteller und Philosophen Aldous Huxley zusammenarbeitete) ist sich wie die Bestseller Autoren Michael Baigent und Richard Leigh sicher, dass der Vatikan wichtige Unterlagen versteckt. Doch geht er von anderen Inhalten in diesen Unterlagen aus. Nach seinen eigenen Angaben wurde ihm vom Leiter der Vatikan-Archive einmal ausnahmsweise Zugang zu einem verschlossenen Raum in den unterirdischen Gewölben gewährt. Er schreibt: "Dort lagern Stapel verstaubter Rollen von uralten Handschriften, darunter mehrere aramäische Essener-Dokumente, aber auch unveröffentlichte Evangelien des Barnabas, Jacob, Peter, Thomas und anderes mehr." Jahre vergingen, bis Edmond Bordeaux Székely nach eigenen Angaben die geheim gehaltenen Inhalte - hauptsächlich durch Inspiration - zu rekonstruieren versuchte und u. a. unter dem Titel Das Friedensevangelium der Essener veröffentlichen konnte (so der Titel von Buch 1, Verlag Bruno Martin, Südergellersen 1977; Buch 2: Die unbekannten Schriften der Essener, Frankfurt 1978). Dieses Evangelium enthält einige Informationen über die Essener, die auch schon durch die antiken Schriftsteller Josephus, Philo und Plinius bekannt wurden, und es rückt die Gemeinschaft von Qumran darüber hinaus sehr nahe an Jesus heran - wie bei der Verschlusssache Jesu, nur in diesem Fall aufgrund ganz anderer Inhalte. Bei Bordeaux Székely sind plötzlich auch die Essener pazifistisch. Sie hätten sich wie Jesus vom Kult und der Hierarchie gelöst und stünden in intensiver Kommunikation mit der "Erdenmutter", mit "Engeln" und mit den Naturkräften.
Diese Thesen mögen vielen im einzelnen zwar sympathisch erscheinen. Doch es stellt sich die Frage, ob es sich hier tatsächlich um Inhalte aus alten "unterdrückten" "Essener"-Schriften handelt. Oder ob die Zuordnung der Essener zu dieser zukunftsweisenden Weltanschauung nur dem Wunschdenken Dr. Edmond Székelys bzw. seiner Inspiratoren entspricht.

Die Funde von Nag Hammadi

Gesichert sind in diesem Zusammenhang jedoch andere Inhalte. Dazu gehören die Funde von Nag Hammadi am Nil. Dort lagen außerbiblische Evangelien seit dem 1. Jahrhundert unter dem Wüstensand verschüttet (z. B. das Thomasevangelium), und sie entgingen so der kirchlichen Dokumentenvernichtung, die v. a. im 4. Jahrhundert wütete. Ein tragischer Höhepunkt war das "versehentliche" Niederbrennen der größten Bibliothek der Antike in Alexandria im Jahr 389, neun Jahre nachdem der Katholizismus zur Staatsreligion aufgestiegen war. Die Mönche der Kirche hätten angeblich "nur" den benachbarten heidnischen Serapis-Tempel in Schutt und Asche legen wollen.
Die Kirchenforschung bezeichnet diese Funde heute als "gnostisch" - ein negativer Sammelbegriff, mit dem im kirchlichen Sprachgebrauch viele mystische bzw. esoterische Strömungen von sehr unterschiedlicher Qualität zusammengefasst werden, um sie von den eher kirchenkonformen Dokumenten einer zunehmend veräußerlichten Religiosität zu unterscheiden. In Wirklichkeit sind sie zu einem Teil "urchristlich".
Die Texte von Nag Hammadi (http://de.wikipedia.org/wiki/Nag-Hammadi-Schriften) sind also sehr verwandt mit den inspirierten Texten von Dr. Edmond Bordeaux Székely und sie stehen Jesus von Nazareth und dem Urchristentum vielfach nahe. Von daher sind Querverbindungen von deren Autoren zur Jesusbewegung hier viel deutlicher als bei den Qumran-Texten.
Allerdings gibt es auch sehr große Unterschiede zwischen den "gnostischen" Texten und den urchristlichen, was man am Beispiel des im Jahr 2006 erstmals in Auszügen veröffentlichen Judasevangeliums sehen kann, das in den 70er-Jahren des 20. Jahrhunderts in Mittelägypten gefunden wurde. Demnach habe Jesus Judas um den Verrat gebeten, um von seiner "körperlichen Hülle" befreit zu werden - ein scheinheiliger Unsinn, denn Jesus wollte mit seinen Jüngern und dem Volk die Fundamente für das Friedensreich auf Erden legen und dies weiter aufbauen, und Jesus litt nicht an einer psychisch hochproblematischen oder gar krankhaften Todessehnsucht oder dergleichen.
Zusammenfassend kann man sagen, dass die religiösen Anschauungen im Palästina des 1. Jahrhunderts sehr vielfältig waren und dass es der Jesus-Bewegung nicht gelungen ist, zu einer mächtigen und friedvollen Alternative heran zu wachsen, zu der Zug und Zug auch immer mehr ehemalige "Gnostiker", ehemalige "Qumran-Essener", ehemalige Pharisäer usw. hinzu gekommen wären.

Exkurs: Jesus und das jüdische Gesetz

An dieser Stelle ist es sinnvoll, einmal inne zu halten, und sich die Botschaft des Jesus von Nazareth, so weit sie bekannt ist, einmal näher zu betrachten, wenn man sie etwa mit den einflussreichen Lehren der herrschenden Parteien der Pharisäer und Sadduzäer vergleicht. Vor diesem Hintergrund kann man dann auch die Überzeugungen des Qumran-Essener besser verstehen. Bezieht man hierzu die gesicherten Funde von Nag Hammadi in ein mögliches Gesamtbild der damaligen Situation mit ein, dann könnte die Botschaft von Jesus von Nazareth wie folgt in das zeitgeschichtliche jüdische Umfeld eingeordnet werden:

Jesus und seine Nachfolger brachten keine neue Religion, sondern sie wollten den Bund Gottes mit Mose im "Reich Gottes auf Erden" praktisch in die Tat umsetzen. Wenn Jesus von Nazareth hierbei von der Erfüllung des "Gesetzes" sprach (Matthäus 5, 17 ff.), dann bezog er sich aber auf ein ursprüngliches "Gesetz Gottes" und nicht auf das bis heute im Alten Testament stehende "Gesetz", das durch die Fälschungen von Priestern im Laufe der Jahrhunderte entstanden ist und das zu Lebzeiten von Jesus vor allem den Sadduzäern und Pharisäern als Grundlage diente.
Jesus ging davon aus, dass Mose in der Tat Grundzüge und viele Einzelheiten des ursprünglichen "Gesetzes Gottes" offenbart wurden, wobei "Gesetz Gottes" einfach ein anderes Wort ist für ein praktisches Leben im Geiste Gottes. Später erhielt Mose dann als vereinfachten Auszug daraus die Zehn Gebote. Was dieses "Gesetz" an weiteren Einzelheiten beinhaltete, kann man wiederum an der Lehre von Jesus ablesen, denn er sagte, nicht der "kleinste Buchstabe" würde vergehen (Matthäus 5, 18).
Demnach muss man eine Identität dieses Gesetzes mit der Lehre von Jesus annehmen. Was heute jedoch über Mose und das
"Gesetz Gottes" im Alten Testament zu lesen ist, steht aber vielfach im Widerspruch zu Jesus von Nazareth. Und dafür gibt es eben diese einfache Erklärung, die auch durch viele Indizien belegt wird: Die Texte im heutigen Alten Testament wurden von Priestern massiv überarbeitet und verfälscht. So lautet z. B. eine alttestamentliche Quellenschrift auch "Priesterschrift". Die Priester haben also dort (und nicht nur dort, sondern z. B. auch in den Prophetenbüchern) die Geschichte Israels und seine Ethik nach ihren priesterlichen Interessen umgeschrieben. In Wirklichkeit hat Mose aber z. B. gar keine Gesetze verkündet, welche die Ermordung von Menschen und Tieren (als Schlachtopfer) vorschreiben (siehe dazu auch Der Theologe Nr. 26, Die Aufforderung zum Völkermord in der Bibel und Der Theologe Nr. 8 über Widersprüche in der Bibel). Das ist die Geschichtslüge der Priesterschrift bzw. ihrer Hintermänner, denn diese Vorschriften stammen weder von "Gott" noch von Mose. Und Jesus hat klar auf diesen Sachverhalt hingewiesen. Deshalb sahen sich die Priester und religiösen Obrigkeiten zur Zeit von Jesus aus den Kreisen der Pharisäer und Sadduzäer von diesem auch entlarvt, und sie stellten sich folglich gegen ihn. Und auch die Bevölkerung und ihre zahlreichen weiteren Interessengruppen sind dem Mann aus Nazareth schließlich nicht gefolgt.

 Mystiker und Propheten

In diesem Zusammenhang noch einmal zurück zu den Essenern von Qumran. Ganz offensichtlich sind nun auch die Essener der Geschichtsfälschung der herrschenden Priester aufgesessen (obwohl sie mit dem offiziellen Amtspriestertum im Widerstreit standen), und wahrscheinlich ist dies der tiefere Grund, warum sie an ihren Überzeugungen festhielten. Es waren ja immerhin "heilige Schriften", auf die sie sich berufen hatten, und es wäre ein wenig Mut nötig gewesen, diese in Frage zu stellen. Stattdessen wollten die Qumran-Essener diese aber offenbar besonders gut erfüllen. Jesus von Nazareth hatte diesen Mut und auch den Verstand und das Bewusstsein dafür, den überlieferten Betrug zu durchschauen: "Ich aber sage euch" - mit diesen kraftvollen Worten widersprach er immer wieder der gefälschten "heiligen" Überlieferung. Vieles davon ist in der Bibel nachzulesen, vor allem in der Bergpredigt im Matthäusevangelium (Kapitel 5-7). Doch in all der Zeit seither stellten sich - wie schon zu seinen Lebzeiten - wiederum die Priester gegen ihn; einst die jüdischen, später die kirchlichen. So versucht seit ca. 1700 Jahren die Kirche, die Inhalte dieser Bergpredigt im kirchlichen Sinne zu verbiegen. Und manches ist bereits im Neuen Testament selbst verfälscht dargelegt (siehe dazu Der Theologe Nr. 14, Hieronymus und die Entstehung der Bibel).
Und es wäre auch kein Wunder, wenn in den dunklen Kellergewölben in Rom tatsächlich Informationen über Jesus und das Urchristentum unter Verschluss gehalten werden. So sprach - wie oben bereits dargelegt - Kirchenvater Hieronymus, der Letzt-Verfasser der katholisch verbindlichen Bibel, der lateinischen Vulgata, z. B. von einem "geheimen" Urtext des Matthäusevangeliums, das sich von dem biblischen unterscheide (vgl. hier). Allein dieser Umstand müsste eigentlich genügen, um der kirchlichen Bibel mit Nachdruck zu misstrauen. Eine bleibende Frage für alle Gottsucher lautet deshalb: Wo findet man heute die unverfälschte Wahrheit über Jesus?

Eine mögliche Antwort dazu: Neben all den Fragmenten gab es zu allen Zeiten auch einen lebendigen Gottesgeist, der durch Mystiker und Propheten sprach (siehe dazu auch Elia, Amos, Jeremia - Propheten als unbequeme Mahner für ihr Volk - Gegensatz von Priester und Prophet). Diese Propheten kamen meist auf den Scheiterhaufen der Kirche ums Leben. Doch waren es keineswegs die "falschen" Propheten, vor denen einst Jesus warnte. Denn das Kriterium zur Unterscheidung von "richtig" und "falsch" ist nach Jesus: "An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen" (Matthäus 7, 20-21). Und die meisten der Ermordeten wiesen nachweislich "gute Früchte" auf, während die Geschichte der Kirche von einer grässlichen Blutspur durchzogen ist, woraus sich für alle offensichtlich ableiten lässt, wer die "falschen Propheten" sind, welche die Menschen in die Irre geführt haben.
 
Und auch in unserer Zeit gibt es weise Menschen, und Propheten, durch die z. B. Christus zu den Menschen sprechen kann, wie er dies auch in der Zeit des frühen Urchristentums getan hat. Die durch eine Prophetin vermittelte umfangreiche Darlegung Das ist Mein Wort aus dem Jahr 1989 (siehe oben) ist eines der aktuellsten Beispiele für mögliche Christusworte durch Prophetenmund in unserer Zeit.


Anmerkungen:

1) Inwieweit die Gemeinschaft von Qumran mit den "Essenern" identisch ist oder sich von ihnen unterscheidet bzw. dass es sich in Qumran um eine bestimmte Gruppe der Essener handelt, wie mehrheitlich angenommen, wird hier nicht weiter vertieft. Wir schließen uns der überwiegend anerkannten Sichtweise an und gehen von einem wesentlichen Zweig der essenischen Bewegung aus, in der Literatur auch "Qumran-Essener" genannt. Qumran könnte dabei auch das Zentrum dieser Bewegung gewesen sein. Der Einfachheit halber sprechen wir in dieser Studie in der Regel von den "Essenern von Qumran". Bei Interesse an einer Vertiefung dieser Thematik verweisen wir auf die entsprechende Fachliteratur.

2) Meistens gelten die Begriffe
Essener und Essäer als zwei unterschiedliche Bezeichnungen für dieselbe Gruppe, und sie werden dann wie Synonyme verwendet. Dies geht zurück auf die antiken Schriftsteller Josephus, der von "Essenoi" (= Essener) sprach bzw. von Philo, bei dem von "Essaio" (= Essäer) die Rede ist. In dieser Studie wird - wie mehrheitlich - von den Essenern gesprochen (Die Betonung liegt dabei auf dem zweiten "E" im Unterschied zu den Bewohnern der Stadt Essen, bei denen das erste "E" betont wird).
Denkbar ist jedoch auch, dass die
Essäer eine eigenständige Gruppierung sind, die möglicherweise identisch mit den Nazoräern ist.
 
Das Wort
"Nazoräer" war ursprünglich ein Wortspiel des Evangelisten Matthäus, das auf die Nazarener abzielte, die Bewohner der Stadt Nazareth (2, 19-23). In Anlehnung an den aus dieser Stadt stammenden - und deshalb im Volksmund auch "Nazarener" genannten - Jesus nannte man auch seine Anhänger manchmal "Nazarener", bevor sich mit der Zeit das Wort "Christen" durchsetzte. Das Wort "Nazoräer" dient später offenbar jedoch auch einer urchristlich orientierten Kleingruppe als Selbstbezeichnung. In der kirchlich-theologischen Wissenschaft identifiziert man sie mit den syrischen "Judenchristen" (also den Juden, die in Syrien Christen geworden waren) und man weiß auch von einem Nazöräerevangelium.

3) Verwechslungsgefahr besteht hier auch mit den "Nasiräern". Ein Nasiräer war ein gläubiger Jude, der sich gemäß dem 4. Mosebuch, Kapitel 6 besondere Verpflichtungen auferlegte, um sich durch eine gewisse Enthaltsamkeit und durch das Erfüllen bestimmter kultischer Vorschriften Gott "weihen" zu wollen. Dazu gehörte vor allem, keinen Alkohol zu trinken, sich keinem Grab oder einer Leiche zu nähern und sich Haare und Bart nicht zu schneiden. Das Nasiräer-Gelübde wurde meist auf Zeit abgelegt, und an dessen Ende musste ein Tier zur Opferung geschlachtet werden. Doch auch ein lebenslanges Versprechen war möglich. Mit Jesus von Nazareth und dem Urchristentum hat dieses kultische Gelübde allerdings nichts zu tun: Jesus trank gelegentlich Wein, hatte keine Berührungsängste bei Verstorbenen und ein seriöses und gepflegtes äußeres Erscheinungsbild - andernfalls wäre ihm das sicher von seinen Gegnern vorgehalten worden. Des weiteren lehnte er Tieropfer ab und kultische Vorschriften waren ihm - gelinde gesagt - unwichtig. Jedoch sollen einige Nachfolger von Jesus in ihrer Vergangenheit einmal das Nasiräer-Gelübde abgelegt haben, was gut vorstellbar ist, da vor allem ernsthaften Gottsuchern das Ablegen dieses Gelübdes nahe gebracht worden war. Vielleicht war Johannes der Täufer zumindest zeitweise Nasiräer (vgl. Lukas 1,15; doch Achtung! Wenn jemand aus welchen Gründen auch immer auf das Trinken von Alkohol verzichtete, war er damit noch lange kein "Nasiräer") und später vielleicht auch der Kirchenlehrer Paulus (Apostelgeschichte 18, 18).

 

Der Text  kann wie folgt zitiert werden:
Zeitschrift "Der Theologe", Hrsg. Dieter Potzel, Ausgabe Nr. 15: Die Essener und die Schriften von Qumran, Würzburg 1992, zit. nach http://www.theologe.de/theologe15.htm, Fassung vom 17.8.2010

 

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