Der lebende Weihnachtsbaum
Eine Weihnachts- bzw. Bethlehem-Geschichte für
Kinder und Erwachsene
Die drei Geschwister Thomas, Sara und Kevin haben ihr erstes Weihnachtsgeschenk in diesem Jahr schon einige Tage vor dem Heiligen Abend erhalten. Gerhard und Marion, die Eltern der Kinder, haben nämlich entschieden, dass die Kinder in diesem Jahr den Weihnachtsbaum für das Wohnzimmer aussuchen dürfen - und nicht, wie sonst üblich, der Vater. Und das Besondere dabei ist: Sie dürfen sich den „Christbaum“, wie man auch sagt, sogar direkt im Wald holen. Denn der Förster ist der Bruder von Vater Gerhard, es ist Onkel Martin. Und der Onkel hat versprochen, jeden Baum zu fällen, den sich die drei Geschwister wünschen, und wenn es der schönste Baum des ganzen Waldes ist.
Und so kommt der Tag, an dem die drei Kinder,
Thomas, Sara und Kevin, mit Martin, ihrem Onkel, und dessen Hündin Luzy in den Wald fahren. Sara und
Kevin stürmen gleich auf die Fichtenschonung zu, wo die Bäume vor vielen Jahren
enger gesetzt wurden, weil schon geplant worden war, einst Weihnachtsbäume aus
ihnen zu machen. Doch Thomas, der Dritte im Bunde, ist schon den ganzen
Tag über nachdenklicher als sonst, und ihm scheint es nicht so gut zu gehen.
Schnell haben Sara und Kevin einige Fichten in Wohnzimmerhöhe gemustert, und
nach einigem Hin- und Her-Prüfen, welcher wohl der Schönste sei, zeigen sie beide mit den Händen auf eine der
Fichten. „Diesen Baum möchten wir haben,“ rufen Kevin und Sara. Doch Thomas
zögert: „Ich weiß noch nicht.“ „Willst Du noch etwas weitersuchen“, fragt ihn Förster
Martin. Doch Thomas ist nicht zum Suchen zu Mute. Schon den ganzen Tag scheint
ihn innerlich etwas zu beschäftigen, doch er hat noch mit keinem darüber
gesprochen. Doch jetzt kann er seine Gedanken nicht mehr zurückhalten: „Dieser Baum gehört dann
ja auch
zu den sterbenden Bäumen, wenn wir ihn gefällt haben“, wendet er ein. „Wie?
Sterbende Bäume? Das ist doch normal. Und bis Weihnachten und noch etwas länger
sieht er kräftig aus und gesund“, entgegnet Kevin. „Damit ist
aber im Januar Schluss, wenn wir ihn jetzt mitnehmen. Dann ist er gestorben“,
antwortet Thomas, und sein Einwand führt zu betretenen Gesichtern. „Na,
ja“, überlegt Onkel Martin. „So ganz Unrecht hat euer Bruder nicht. Der Baum stirbt dann gewissermaßen schon
ziemlich schnell. Denn wenn das Weihnachtsfest vorbei ist, wird er ja nicht mehr
gebraucht. Und er hat ja dann auch keine Wurzeln mehr, so dass schon nach ein
paar Tagen die Nadeln abzufallen beginnen.
Man kann den Baum dann aber noch verbrennen, wenn man ihn nicht wegwerfen will. Das gibt
noch ein schönes warmes Feuer. Das habe ich auch schon so gemacht.“
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Link: Lesen Sie hier auch eine Weihnachtsgeschichte über die Geburt von Jesus, befreit von kirchlichem Dogma und Kitsch und unter Berücksichtigung von urchristlichen Schriften außerhalb der Bibel. |
Wegwerfen? Verbrennen? Den schönen
Weihnachtsbaum. An so etwas hat Sara bis dahin noch gar nicht
gedacht. Und es kommen ihr Zweifel: „Tut das dem Baum eigentlich weh, wenn
man ihn fällt?“, fragt Sara ihren Onkel, den Förster. Jetzt wird auch der Onkel
immer nachdenklicher. „Ich bin zwar Förster. Aber das weiß ich
nicht genau. Ich glaube zwar nicht, denn es ist ja nur ein Baum. Aber ehrlich gesagt:
Sicher bin ich
mir nicht“, sagt
Förster Martin, und er fügt mit etwas kräftigerer Stimme hinzu: „Ich habe
jedenfalls noch keinen Baum schreien hören. Also: Es ist ja nur ein Baum und
nicht ein Mensch oder ein Tier, die uns mitteilen können, wenn sie Schmerzen
haben.“ Jetzt wird Thomas ganz unruhig und
fängt an, seine Arme zu bewegen, und mit
aufgeregter Stimme sprudeln die Sätze jetzt richtig aus ihm heraus: „Ich habe
aber zu Hause ein Buch. Und da steht drin, dass Bäume rufen können und
dass Bäume, die man absägt, dabei Schmerz empfinden. Und dass Bäume, die man gefällt
hat, sterbende Bäume sind. Und es ist nämlich so: Ich hab´ das schon einmal
gesehen. Ich hab´ nämlich
zugeschaut, wie man den großen Baum am Eingang vom Dorf gefällt hat. Das war,
als man die Straße dort breiter gemacht hat. Und da habe ich das schon einmal
ausprobiert. Und ich habe mal getestet, ob der Baum schreit. Und ich glaube,
das stimmt. Als der Baum umgefallen ist, da hat er, glaub´ ich, geschrieen.“
Danach atmen alle anderen erst mal richtig durch, bis Kevin das Wort ergreift:
„Das
kann ich mir nicht vorstellen, ha, ha. Das war
doch nur das Krachen, als der Baum umgefallen ist, und das Rascheln der Äste und
Zweige. Und das ist doch normal, wenn man einen Baum fällt.“
„Nein“, widerspricht Thomas. „In dem Buch steht, dass die Seele
des Baumes schreit, wenn er umgehauen wird. Und ich habe das mal ausprobiert,
auf die Seele des Baumes zu hören. Und außerdem habe ich mir das nicht ausgedacht. Es haben weise alte
Menschen so gesagt und auch richtige Indianerhäuptlinge waren dabei. Denen ging
das auch so ähnlich. Und die kennen
sich mit Bäumen besonders gut aus.“ „Na, ja, ich bin zwar kein Häuptling“,
entgegnet Onkel Martin, der Förster, „aber ein bisschen kenne ich mich wohl auch
mit Bäumen aus. Und ich kann mich auch an diesen Tag erinnern. Es war wirklich
eine prächtige große Eiche, die man damals gefällt hat. Wirklich schade um den
schönen Baum. Also, ich vermisse ihn schon. Aber dass die Eiche damals
geschrieen hat, also, das musst du uns schon etwas genauer erklären, Thomas. Was
meinst Du, hat denn die Eiche gerufen?“ möchte Onkel Martin wissen. Und
plötzlich scheint wieder etwas aus Thomas heraus zu brechen, was er lange in sich
hinein gegrübelt hat. „Also. Es war so wie ein
Schrei. Aber ich habe das nicht direkt so gehört. Sondern mehr so gespürt. Und
so steht es ja auch in dem Buch, dass man das spürt.“
„Hör auf damit, Thomas, hör endlich auf! Mir ist
das ganz unheimlich“,
unterbricht ihn seine Schwester Sara.
„Also: Ich
möchte nur dann einen Weihnachtsbaum fällen, wenn er bestimmt nicht schreit.“
„So Freunde“, raunzt jetzt der Förster mit nachdenklicher Miene und versucht, wieder Klarheit zu
schaffen: „Jetzt mal wieder etwas mehr Ruhe. Ihr
verschreckt hier sonst noch alle Tiere. Was machen wir jetzt? Wollt ihr
jetzt diesen schönen Baum für das Weihnachtsfest mitnehmen oder nicht? Oder
soll´ ich euren Eltern sagen, der Thomas hat plötzlich Gewissensbisse bekommen,
weil er Bäume vielleicht schreien hört. Und Sara möchte den Weihnachtsbaum nur
haben,
wenn er nicht schreit.“ Keiner der Kinder
antwortet, und so fährt der Förster fort: „Hm. Dann müsste man halt mal überlegen,
ob deine Häuptlinge und weisen alten Leute
überhaupt Weihnachten feiern. Bestimmt haben die aber andere Bräuche. Aber hier im Dorf holen
sich die Leute halt zu Weihnachten immer einen Baum für ihre Wohnzimmer. Und in
der Kirche, das wisst ihr ja, steht immer der schönste und größte, und der Pfarrer bedankt sich
dafür jedes Jahr bei mir persönlich. So ist das eben bei uns. Und so ist es auch
dieses Jahr wieder ...“
„Ja“, unterbricht ihn jetzt Sara. „Aber ich habe jetzt gar keine richtige Lust mehr, den Weihnachtsbaum herauszusuchen. Was ist, wenn es ihm dann auch weh tut wie der Eiche, und der Thomas merkt wieder, wie der Baum schreit? Das finde ich überhaupt nicht lustig. Dann soll lieber unser Vater wieder den Baum holen.“ Thomas ist überrascht, dass seine Schwester von seinen Bedenken so getroffen wurde, und er versucht sich jetzt fast dafür zu entschuldigen: „Ich habe es ja nicht so richtig gehört damals, ich habe es mehr gespürt, das habe ich doch schon gesagt“, so Thomas. „In dem Buch steht eben: ´Die Bäume rufen. Du musst nur genau hinhören.` Ich muss das aber noch etwas üben, bis ich es richtig höre. So etwas muss man nämlich üben, das genaue Hinhören. Ich meine, der Weihnachtsbaum ist auch nicht so groß wie die Eiche damals. Vielleicht schreit er auch etwas leiser.“
„Ich hör nix“, raunt Kevin. „Ein
Baum ist halt ein Baum. Aber wenn Thomas solche Bücher liest, dann ist das kein
Wunder. Vielleicht wird es
dann bei uns im Wohnzimmer an Weihnachten spuken, huuuuh - der Fluch der
Waldgeister.“
Darauf weiß erst einmal keiner etwas zu antworten, und für einige Augenblicke ist es ganz ruhig.
Dann setzt ausgerechnet Kevin wieder an und spricht nun ernster und mit leiserer Stimme. „Aber
eigentlich möchte ich den Baum auch lieber nicht fällen. Ich finde, solche Bäume
gehören doch besser hier in den Wald als in ein Wohnzimmer. Einfach mal
ganz praktisch gedacht.“ Kevin unterstreicht seine Worte nun mit einem
deutlichen Nicken. In diesem Augenblick bellt Luzy, die Hündin des Försters,
seine treue Begleiterin. „Seht ihr, Luzy will auch nicht, dass wir den Baum fällen“, sagt Sara und
presst die Lippen zusammen. „Jetzt sag bloß, du bist auch so eine Künstlerin“,
wundert sich Kevin und wird wieder etwas frecher. „Der Thomas hört die Bäume rufen, und jetzt kommst du und
willst uns hier erzählen, was das Bellen bedeutet.“ „Bei den Tieren kann man
das viel leichter herausbekommen, was sie meinen,
als bei den Bäumen“, erklärt Sara, und Förster Martin seufzt: „Ich merke schon:
Da wollten
euch eure Eltern eine Freude machen, dass ihr den Weihnachtsbaum in diesem Jahr aussuchen dürft, und jetzt
wollt ihr nicht mehr. Was sagen wir jetzt bloß dem Gerhard und der Marion? Dass ihre Kinder
Revolutionäre sind und Weihnachten in diesem Jahr ganz ohne Baum feiern wollen?“
„Wieso denn, hier sind doch Hunderte, ja Tausende,
Millionen von Bäumen?“
entgegnet Kevin leicht ironisch. „Feiern wir Weihnachten doch mal hier draußen,
mit warmem Glühwein und Geschenke-Verstecken im Schnee.“
Die anderen schauen etwas verdutzt und sind sich nicht sicher, wie ernst dieser Vorschlag gemeint ist.
Kevins Schwester ist jedoch gleich begeistert: „Super. Wir feiern einfach mit allen den Tausend Bäumen
hier“, und sie breitet ihre Arme weit aus. Und unser Baum, den wir herausgesucht
haben, bleibt stehen, und nächstes Jahr zu Weihnachten kommen wir und besuchen
ihn wieder.“ „Genau“,
bemerkt Kevin immer noch ein wenig ironisch. „Wir haben ihn dann sozusagen vor
dem Holzfäller
´gerettet`, wenn Onkel Martin ihn nicht für jemand anderen umhaut.“ Thomas zieht an dieser Stelle wieder sein besonders ernstes
und nachdenkliches Gesicht auf. „Das ist schon kein guter Brauch. Während
ihr Christbaum im Wohnzimmer langsam stirbt, feiern die Leute Weihnachten und singen
fromme Lieder ...“
„Ich
hab´ noch eine Idee“,
unterbricht ihn Sara. „Wo
wir uns doch schon einen Baum herausgesucht haben! Wir schmücken ihn einfach
nicht im Wohnzimmer, sondern hier draußen im Wald.
Und wir bringen auch die Geschenke hier raus.“ „Und
Luzy passt auf, dass sie keiner klaut“,
ergänzt Kevin und zeigt auf den Hund, und man kann immer noch nicht sicher sein, was er nur zum Spaß
sagt und was er ernst meint. Doch dann spricht er Klartext: „Also
Leute, macht, was ihr wollt, ich bin dabei.“
Onkel Martin schaut ein wenig ungläubig vor sich hin, als ihn plötzlich Sara an die Hand
nimmt, und ihn ganz charmant umschmeichelt: „Onkel Martin, dürfen wir? Du musst es uns
erlauben.“ Und der Onkel schüttelt immer noch ein wenig ungläubig, aber sehr
wohlwollend den Kopf und sagt: „Na, da wollen wir mal sehen, was Eure Eltern
dazu sagen. Die müssen es Euch erlauben. Nicht ich. Und ich stimme aber
nur zu, wenn ihr keinen solchen Krach macht. Ihr wisst ja: Der Wald ist
das Zuhause der Tiere. Und die Tiere verdienen unseren großen Respekt.“ Förster
Martin sagt diese Sätze langsam, nachdrücklich und ganz bewusst. Denn er ist der
einzige Förster weit und breit, der sich dafür einsetzt, dass Tiere in Zukunft nicht mehr gejagt werden
dürfen. Und der an Weihnachten mit seiner Frau schon lange kein geschossenes
oder geschlachtetes Tier mehr verspeist. Und der auch sonst kein Fleisch und
keine Wurst mehr isst. Weil er nämlich die Tiere sehr gern hat und weil er deshalb nicht möchte,
dass wegen ihm irgendein Tier getötet wird.
Und so kommt tatsächlich alles anders als man es ursprünglich
geplant hatte. Und wie es weiter geht, sei schnell erzählt: Vater Gerhard und Mutter
Marion lassen sich ebenfalls von der Idee
der Kinder anstecken. Und so wird im Familienrat beschlossen, sich an Heiligabend mit den Kindern
auf den Weg zu Martin, dem Onkel und Förster, in den Wald
zu begeben. Doch das soll noch nicht alles gewesen sein.
Einige Tage später ist es zunächst so weit. Es ist Heiliger Abend: Und als die Familie
gerade das
Haus verlässt, kommen ihr die beiden Nachbarskinder entgegen. „Geht ihr jetzt schon
in die Kirche?“ fragt eines der Kinder und schaut auf seine Uhr. „Ihr seid doch viel zu früh dran.“ „Nein“,
philosophiert Thomas. „Wir
gehen zu den lebenden Bäumen in den Wald, nicht zu dem großen sterbenden Baum in der
Kirche“. Und während er das sagt, deutet er mit seinen weit ausgebreiteten
Händen die Größe des Baumes an. Und dabei schaut er so ernst, dass man meinen
könnte, er habe seinen Gesichtsausdruck von den Fotos der weisen Menschen in
seinem Buch abgeschaut.
„Aha, der Thomas hat wohl wieder zu viel in seinen
Naturbüchern
gelesen“, sagt das andere Nachbarskind verschmitzt.
„Wir gehen in den Wald und feiern dort
unsere Bescherung“, erklärt Mutter Marion ganz bedächtig. Und sie ahnt noch gar nicht, was sie damit
bei den beiden Nachbarskindern auslöst. „Oh, das ist ja toll“, sagen die beiden, „wie
macht ihr denn das genau? Bekommt ihr eure Geschenke im Wald?“
Und auch an dieser Stelle sei die Fortsetzung der Geschichte schnell erzählt. Die beiden Nachbarskinder fangen ebenfalls Feuer bei dieser Idee, und Thomas, Sara, Kevin und ihre Eltern hätten auch gar nichts gegen eine größere Runde einzuwenden. Nur würde dies wegen der Eltern der beiden anderen Kinder wohl nicht gehen, die natürlich schon alles anders organisiert haben. Und außerdem sind diese sehr religiös, und das ist manchmal schwierig für die Kinder. Doch die fünf Kinder schmieden schnell einen Plan. Da die Nachbarseltern immer besonders an die Geburt von Jesus vor ca. 2000 Jahren denken möchten und in der Bibel lesen, beauftragt man Thomas, der am meisten über diese Dinge Bescheid weiß, sich ein paar gute Argumente zu überlegen. „Kein Problem“, sagt Thomas. „Da passt doch fast alles. Jesus kam in einem Stall bei den Tieren zur Welt. Und da gab es auch keinen sterbenden Baum, den jemand gefällt und in den Stall gestellt hat. Und da war es ziemlich kalt, so ähnlich wie bei uns im Wald. Und im Wald, da sind ja auch Tiere, wie bei Jesus. Und das mit den Hirten damals, das war doch auch alles in freier Natur. Und die Geschenke der Könige, die wurden ja auch nicht in ein Wohnzimmer gebracht.“
Doch die Kinder müssen gar keine große Überzeugungsarbeit leisten, denn zu ihrer Überraschung haben auch diese Eltern gar keine so starren und traditionellen Vorstellungen, wie der Heilige Abend genau abzulaufen hat. Und so nimmt das Weihnachtswunder seinen Lauf, und es geschieht etwas, was man in diesem Dorf eigentlich nicht für möglich gehalten hätte.
So sind es also fünf Kinder und sechs Erwachsene,
denn es kommen noch Förster Martin und seine Frau hinzu, die sich am Heiligen
Abend nicht um einen
großen sterbenden Baum in der Kirche oder in einem Wohnzimmer versammeln.
Sondern die die
lebenden Bäume im nahen Wald besuchen und dort eine Waldweihnacht feiern. Und an einem der Bäume, den sich Sara,
Kevin und Thomas ausgesucht haben, brennen die Weihnachtskerzen und hängen
Weihnachtskugeln und ein paar Streifen Lametta. Und rund herum stecken brennende Fackeln im
Schnee. Und die Mutter der Nachbarskinder spielt mit der Gitarre ein paar
bekannte Lieder zum Mitsingen. Und Förster Martin legt Wert darauf, dass man
schön singt und vor allem nicht zu laut. Wenn man schon an diesem
„heiligen Abend“
die Tiere im Wald irritiert, dann soll der Gesang zumindest richtig sein und
nicht schief. Und außerdem hat sich Förster Martin durchgesetzt, dass es
anschließend im größeren Familienkreis kein geschlachtetes Tier zum Essen gibt,
sondern ein schmackhaftes vegetarisches Weihnachtsmenü. Schließlich hätten Maria
und Josef wohl auch bestimmt etwas dagegen gehabt, wenn man eines der Tiere im Stall von
Bethlehem geschlachtet hätte.
Doch bevor es so weit ist, tragen die Eltern im Wald in großen Taschen erst
einmal die
Geschenke für die Kinder herbei. Anschließend breiten sie diese um den schönen Weihnachtsbaum
herum aus. Doch auch die Tiere im Wald
werden an diesem Abend nicht vergessen. Für die Vögel werden Meisenknödel an
mehreren Bäumen befestigt. Und auch wenn das Füttern größerer Tiere verboten ist
und nur den Jägern erlaubt, welche die hungrigen Tiere dann oft bei ihrer Futtersuche
abschießen, legen die Kinder als Zeichen der Freundschaft einige Äpfel aus. Denn
sie ahnen, dass gerade die größeren Tiere in der kalten Jahreszeit sehr leiden. Und
Förster Martin als Amtsperson hat es einfach nicht gesehen.
Und als die Kinder schließlich anfangen, ihre eigenen Geschenke auszupacken, kommen dem Vater der
Nachbarskinder sogar die Tränen.
Und während die Nachbarskinder noch mit den Geschenken beschäftigt sind, begutachtet
Kevin nachdenklich den geschmückten Baum und blickt auf seinen Bruder. „Na,
Thomas, was sagt uns jetzt dieser Baum?“
„´Danke`, sagt er, ganz einfach,“ so die knappe Antwort. „Ok.“,
antwortet Kevin.
„Jetzt probiere
ich es mal mit dem Hinhören.“ Und nach einer kurzen Pause fragt Thomas:
„Und? Was hörst
du?“ Da
drückt Kevin seine Lippen fest zusammen und sagt:
„Ich glaube,
der Baum sagt: ´Ich möchte auch ein Geschenk.`“
„Nun“,
so Thomas,
„er hat doch
schon die Kugeln, die Kerzen, das Lametta ...“.
„Das ist doch
mehr etwas für uns Menschen, damit es feierlich aussieht“,
antwortet Kevin.
„Als Baum würde
ich sagen: ´Wie wär´s mit etwas Dünger? Für mich und meine Freunde um mich
herum.`“
Darauf hin fängt Kevin an, herzhaft zu lachen und er fügt aber gleich hinzu:
„Du Bruder,
das ist kein Witz. Ich meine das ernst. Ich werde mal Onkel Martin fragen, was
er davon hält.“ Und für Sara, die hinzu gekommen ist, ist der Fall sowieso klar,
und sie sagt: „Ist doch logisch, dass der Baum sich bedankt, dass wir ihn stehen
gelassen haben und dass er sich über etwas Dünger freuen würde. Das ist bei den
Pflanzen in meinem Zimmer genauso.“
Und so erleben die beiden Familien mit ihren Kindern und Förster Martin und
seine Frau einen Heiligen Abend, der sie im Inneren sehr bewegte. Und der
Förster sagt noch einige Wochen später: „Das war mein bisher schönstes
Weihnachtsfest. Und immer, wenn ich seither in den Wald gehe, muss ich daran
denken, was mir die Kinder damals beigebracht haben: ´Die Bäume rufen. Du musst
nur genau hinhören`.“
|
Der Text kann wie folgt zitiert werden: |
Lesen Sie hier auch eine Bethlehem-Geschichte über die Geburt von Jesus ohne Dogma und Kitsch
... sowie bleibend
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die
kirchliche Inquisition
Hintergrundinformationen:
1) Die Weihnachtsbaum bzw.
Tannenbaum oder Christbaum
Der Brauch, Bäume zu schmücken,
stammt aus der Wintersonnenwende des antiken Mithras-Kults. Dort wurden die
Bäume jedoch nicht abgehackt, sondern an ihrem Standort in der Natur geschmückt. Und die Römer oder
die Menschen in nordischen Ländern
begnügten sich in der Folgezeit mit einigen Zweigen, mit denen sie ihre Wohnungen schmückten.
Erst im kirchenchristlichen Abendland im Mittelalter begann man dann mit der
Barbarei, im Saft stehende Bäume zu Hunderten und heute gar zu Millionen
(alleine 16 Millionen in Deutschland) abzuhacken und die abgeschlagenen Bäume
dann als
"Christbäume" zuerst zu schmücken und dann langsam
sterben zu lassen. Zwar sprach die offizielle Kirche zunächst noch von einem
"heidnischen" Brauch und wollte als "Waldbesitzerin" eine Plünderung "ihres" Waldes nicht
befürworten. Doch ist es kein Zufall, dass die Barbarei
an der Natur sich in ihrem Umfeld entwickelte. Denn die Kirche lehrt, dass Tiere
und Pflanzen unbeseelte Wesen bzw. Objekte sind, die keinen oder kaum
Schmerz empfinden und die mit ihrem Tod zugrunde gehen (siehe dazu
Der Theologe Nr. 7; PS: Doch wie
ärmlich müsste es in einem "Himmel" zugehen, wo man zwar auf über 200 ehemalige
Päpste treffen würde, jedoch z. B. auf kein einziges Tier). Angeblich nur der Mensch sei voll
schmerzempfindlich und habe eine unsterbliche Seele. Und bald hatten die beiden
Großkirchen den "Brauch" auch komplett übernommen. Doch damit nicht genug: Die
Kirche wollte sich sogar besonders dabei hervor tun und trieb ihn nun im
wahrsten Sinne des Wortes auf die Spitze. Und so hatte zuerst die evangelische und dann auch die römisch-katholische Kirche ab dem 19.
Jahrhundert bald den
größten abgeschlagenen und damit sterbenden Baum in einem Dorf oder in einer Stadt.
Seine Spitze reichte am weitesten an den "Himmel" heran, so eine der Symboliken. Und einer der
größten Bäume weltweit wird bis heute alljährlich irgendwo in Europa für den Petersplatz im Vatikan gefällt,
mit gigantischem Aufwand dort hingefahren und unter großem Brimborium aufgestellt.
2)
Wie der Christbaum stirbt - Eine Wissenschaftlerin erklärt:
Vordergründig sieht man den schönen Schein, z. B. den aufwändig geschmückten
Weihnachtsbaum bzw. Christbaum. Doch der junge Baum ist bereits im Alter
zwischen acht und zwölf Jahren im Todeskampf. Er kämpft um sein Leben
und wird verlieren. Andrea Polle von der Abteilung Forstbotanik der
Universität Göttingen erklärt: "Wenn die Zellen des Baumes noch ausreichend
mit Wasser gefüllt sind, betreiben sie Stoffwechsel - sie leben also"
(Main-Echo, 24.12.2009). Deshalb sieht der Bauch im Wohnzimmer auch
noch schön aus, weil er noch lebt. Allerdings fehlt jetzt ein
lebenswichtiges Organ, die Wurzel. Pflanzen können sich nun unter
Umständen helfen, neue Wurzeln zu schlagen, um zu überleben. Das
Main-Echo schreibt: "Für eine abgesägte Tanne oder Fichte gilt das
nicht. Sie können an der Schnittfläche keine neuen Wurzeln bilden, denn am
Stamm ist das Pflanzengewebe zu stark verholzt." Die Wissenschaftlerin
Andrea Polle weiter: "Die Vertrocknung setzt dem Leben des
Weihnachtsbaumes schließlich ein Ende". Wenn die Wurzeln kein Wasser
mehr nachliefern können, würden irgendwann auch die Zellen in den letzten
Nadeln absterben.
Während beim Menschen und beim Tier der Atem entscheidend ist für Leben oder
Tod, atmet die Pflanze also ein einem anderen, in einem längeren Rhythmus.
Sie stirbt also langsamer, weil sie einen anderen Atem-Rhythmus hat.
Die Wissenschaftlerin tröstet sich wegen der sterbenden Bäume mit den
Worten: "Der Weihnachtsgans geht es ja auch nicht anders." So ist es: Erst
der Baum, dann das Tier, dann der Mensch. Wie sich die Menschheit gegenüber
Gottes Schöpfung gebärdet, das kann nicht mehr lange gut gehen. Die
Apokalypse hat bereits begonnen ...
3) Im Jahr 2008 neuer
Höhenrekord: 33 m hohe und 120 Jahre alte Fichte für den Vatikan abgeschlagen.
Lesen Sie
hier.
Zum Vergleich:
Der Weihnachtsbaum, den die USA vor dem Kapitol in Washington aufstellen ließ,
ist acht Meter hoch. Und der im Vergleich "riesige" Weihnachtsbaum,
der während der Straßenunruhen in Athen abbrannte, war "nur" 20 m hoch.
Der Vatikanbaum überragt diese Bäume bei weitem.
Der Weihnachtsbaum im Vatikan ist ein Symbol.
Lesen Sie hier.
Aktualisierung: Im Jahr 2009 ist der Weihnachtsbaum im Vatikan 30
m hoch.
PS:
Wer auf einen Weihnachtsbaum im Wohnzimmer nicht verzichten will, könnte ja auch
einen edlen Baum mit künstlichen Nadeln in seinem Wohnzimmer schmücken. Es gibt
hier so gut gearbeitete Zimmer-Bäume, dass man den Unterschied zu einem Baum aus
der Natur auf den ersten Blick gar nicht sieht.
Online-Zeitschrift "Der Theologe":