DER THEOLOGE
Gastbeitrag zur Ausgabe Nr. 7


Auch in der Bibel wird deutlich:
Tiere sollen nicht getötet werden


Kirchenlehre wider besseres Wissen

"Der Gerechte erbarmt sich der Tiere"

"Und siehe, es war sehr gut"

Nach Christus: "Nicht mehr erlaubt, Tierfleisch zu essen"

Priester erlaubten Fleischessen im Rahmen des Opfers

Auch Paulus wäre heute Vegetarier

Trink- und Essgelage: "Wer so etwas tut, wird das Reich Gottes nicht erben"

Kirchenlehre wider besseres Wissen

Tiere werden, überall auf der Erde, rücksichtslos getötet, und die meisten Menschen nehmen daran keinen Anstoß. Die Hauptschuld dafür tragen die Priester und Theologen der evangelischen und katholischen Kirche, die das Töten der Tiere immer noch erlauben und damit der Lehre Jesu und ihrer eigenen Bibel widersprechen. Sie tun es vorsätzlich, denn sie haben selber die relevante Lehre der Bibel, z. B. in einem Diskussionsbeitrag des Rates der EKD von 1991 zum Tierschutz, herausgearbeitet (Zur Verantwortung des Menschen für das Tier als Mitgeschöpf, Ein Diskussionsbeitrag des Wissenschaftlichen Beirats des Beauftragten für Umweltfragen des Rates der EKD, EKD-Text 41, 1991). Und sie haben dabei selbst mehr als genug biblische Hinweise gefunden und dokumentiert, die sich zu einem zwingenden Plädoyer gegen ein vermeintliches Recht, Tiere töten und verspeisen zu dürfen, verdichten.

In diesem Diskussionsbeitrag der Evangelischen Kirche in Deutschland heißt es z. B., dass die Erde und alles was auf ihr ist und alle, die auf ihr wohnen, allein Gott gehören (Psalm 24, 1). Der Mensch als Gottes Ebenbild (1. Mose 1, 27) soll die Güte Gottes, welcher allen Seinen Geschöpfen gegenüber gütig ist (Psalm 145, 9), verkörpern und, auch das ist klar, Gott hat kein Gefallen am Tode dessen, was lebt.

"Der Gerechte erbarmt sich der Tiere"

Der Mensch soll die Erde "beherrschen", das habe Gott in der Bibel sinngemäß gesagt (1. Mose 1, 28). Aber was der Mensch zerstört, kann er nicht mehr beherrschen. Als Gottes Ebenbild hat er sein Vorbild am Urbild – Gott – zu nehmen; dann aber heißt "Beherrschen" "liebende Sorge", "hegendes Bewahren" (2. Mose 1, 15). Beherrschen fordert die Verantwortung für die Beherrschten ein. Dies gilt gerade für das Verhältnis des Menschen zu seinen Mitgeschöpfen, den Tieren (vgl. Psalm 8). Wie Gott die Herrschaft des Menschen über die Tiere gemeint hat, wird deutlich gesagt: "Der Gerechte erbarmt sich der Tiere; denn nur das Herz der Gottlosen ist den Tieren gegenüber unbarmherzig" (Sprüche 12, 10). Menschen sollen erkennen, dass sie und die Tiere das gleiche Schicksal teilen, denn beide verdanken gleichermaßen Gott ihr Leben – der Mensch hat dem Tier diesbezüglich nichts voraus (Prediger 3, 18-21; siehe auch Jesaja 66, 3: "Wer einen Stier schlachtet, gleicht dem, der einen Mann erschlägt"). Das erkennt man auch an der Sabbatruhe, die gleichermaßen für Mensch und Tier gilt (2. Mose 20, 10). Gott verlangt Rücksichtnahme gegenüber dem Schwächeren. Ein Rind und ein Esel sollen zum Beispiel nicht zusammen zum Pflügen eingespannt werden (5. Mose 22, 10). Dies alles wird in der evangelischen Schrift richtig heraus gearbeitet.

Und weiteres noch: Alle Aussagen in der Bibel über Mensch und Tier stehen im Licht der Erwartung einer anderen, neuen Welt und des Friedens in und mit der Schöpfung. Die Schöpfungsgeschichte (1. Mose 1, 29 f.) beweist, dass die von Gott sehr gut gemachte Welt kein Blutvergießen unter Tieren und Menschen kannte: Beiden wird pflanzliche Nahrung zugewiesen. Dieser so genannte Schöpfungsfriede ist auch Gegenstand alttestamentlicher Verheißungen der kommenden neuen Welt: "Da werden die Wölfe bei den Lämmern wohnen und die Panther bei den Böcken lagern ..." (Jesaja 11, 6-9; vgl. 65, 17 ff.). An Jesaja schließt Jesus von Nazareth nahtlos an, denn Sein Evangelium vom Reich Gottes soll gerechterweise nicht nur allen Menschen, sondern der ganzen Schöpfung gepredigt werden (Markus 16, 15: "Geht hin in alle Welt und predigt das Evangelium aller Kreatur"). Gottes Gerechtigkeit (dikaiosyne) ist ein gemeinsames Recht aller Geschöpfe, auf dem Boden des Gesetzes Gottes, das Liebe ist. Liebe aber fügt keinem anderen etwas Böses zu. (Römer 13, 10)

Mit dem Kommen des Jesus von Nazareth schließt sich der Kreis. Ausgehend von der sehr gut geschaffenen Welt, über die gefallene sündhafte Welt, kehrt alles wieder zurück in das Reich Gottes, das mit Jesus von Nazareth nicht nur seinen Anfang auf Erden nahm, sondern "inwendig" in jedem Menschen bereits da ist (Lukas 17, 21). Dort, wo die Gesetze Gottes erfüllt werden, ist das Reich Gottes auf Erden bereits gegenwärtig (vgl.: "Wo die Macht der Sünde gebrochen, alles Böse gewichen ist, herrschte nur noch Gott allein, wie es einst zu Beginn der Weltgeschichte gewesen war"; Prof.Dr.Dr. Hartmut Stegemann, Die Essener, Qumran, Johannes der Täufer und Jesus, Freiburg 1993).
 


"Und siehe, es war sehr gut"

"Und Gott sprach: ´Sehet da, ich habe euch gegeben alle Pflanzen, die Samen bringen, auf der ganzen Erde, und alle Bäume und Früchte, die Samen bringen, zu eurer Speise. Aber allen Tieren auf Erden und allen Vögeln unter dem Himmel und allem Gewürm, das auf Erden lebt, habe ich alles grüne Kraut zur Nahrung gegeben.` Und es geschah so. Und Gott sah an alles, was Er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut." (1. Mose 1, 29-31)

War es wirklich sehr gut? Was hat Gott denn da gemacht? Er hat neben den fleischlichen Geschöpfen, Mensch und Tier, pflanzliche Geschöpfe hervorgebracht. Und die pflanzlichen Geschöpfe haben einen Schöpfungsauftrag, eine Aufgabe, einen Zweck: nämlich Nahrung zu sein, für Mensch und Tier. Das ist also schöpfungsbedingt, Gott hat es so gewollt, Er hat es verfügt. Und hat Er das gut gemacht? Ja – Jeder kann dies nachvollziehen, wenn er möchte.

Wenn wir nämlich Pflanzen und die Samen von Pflanzen essen, dann töten wir nicht, wir fügen nicht einmal mehr Schmerz zu. Die Pflanzen sterben nicht daran, dass wir von ihnen essen, sie wachsen einfach wieder neu, immer wieder, sooft wir auch von ihnen essen, Mensch und Tier. Als Vegetarier kennt man mit den Jahren die Argumente der Fleischesser: "Es ist doch dasselbe, ob du Fleisch oder Pflanzen ist, es sind doch beides Lebewesen!"

Doch es ist eben nicht dasselbe. Wenn ich Fleisch essen will, muss ich töten, Leben vernichten. Bei Pflanzen töte ich nicht, sie sterben nicht und sie leiden nicht. Warum? Wenn dir einer die Haare schneidet, tut das nicht weh, außer, er tut es lieblos, grob und reißt daran. So ist es auch bei Pflanzen. Gras schneiden ist vergleichbar wie Haare schneiden, es tut der Wiese nicht weh. Was immer man mit den abgeschnittenen Haaren anschließend macht, es tut dir nicht weh. So auch, wenn du die reife Frucht eines Baumes oder eines Strauches verwendest, du tötest damit nicht den Baum oder den Strauch, und es tut ihm nicht weh. Warum ist das alles so? Weil Gott es so eingerichtet hat, Er hat es sich gut überlegt, wie es am besten ist. Und nachdem Er es gemacht hatte, sah Er alles an und "es war sehr gut", Er freute sich darüber. Gott ist eben genial. So will Gott es haben. Das erfahren wir auf den ersten Seiten der Bibel.
 


Nach Christus: "Nicht mehr erlaubt, Tierfleisch zu essen"

Das alles hatte übrigens auch schon Kirchenvater Hieronymus, der die bis heute verbindliche katholische Bibel, die Vulgata, zusammenstellte, erkannt, als er schrieb: "Der Genuss des Tierfleisches war bis zur Sintflut unbekannt; aber seit der Sintflut hat man uns die Fasern und die stinkenden Säfte des Tierfleisches in den Mund gestopft; wie man in der Wüste dem murrenden, sinnlichen Volk Wachteln vorwarf. Jesus Christus, welcher erschien, als die Zeit erfüllt war, hat das Ende wieder mit dem Anfang verknüpft, so dass es uns jetzt nicht mehr erlaubt ist, Tierfleisch zu essen" (Adversus Jovinianum I, 18) – ein Satz, der allerdings in der EKD-Studie nicht vorkommt – vermutlich, weil Hieronymus Klartext spricht.
Und man kann sich natürlich fragen: Hat Hieronymus da etwas falsch verstanden oder wusste er nur noch mehr als die heutigen Konfessionen wahrhaben wollen? Und jeder, der eine ehrliche Antwort auf ehrliche Fragen finden will, wird Hieronymus recht geben. Dass es zwischenzeitlich anders war und der Fleischkonsum von Priestern und Schriftgelehrten erlaubt wurde (z. B. Priester im Alten Testament, Paulus), wird am Ende der Zeit endgültig überwunden. So hat es der Gottesprophet Jesaja beschrieben ("Löwen werden Stroh fressen wie die Rinder ... Und ein Kind wird seine Hand stecken in die Höhle der Natter"; 11, 7-8) Und so hat es auch Jesus selbst gelehrt, was noch deutlicher wird, wenn man die Aussagen von und über Ihn außerhalb der Bibel mit einbezieht. So schreibt z. B. der Kirchenvater Epiphanius, dass die von ihm (nach einem Mann namens Ebion) so genannten Ebionäer oder Ebioniten auf die Frage, warum sie Fleischspeisen und Opferkult strikt ablehnten, erklärten, Jesus habe es ihnen so gesagt (Panarion 30, 18, 9), ein sehr wesentliches antikes Zeugnis für das Denken von Jesus von Nazareth. Und genau dies bestätigt auch der für die katholische Kirche "heilige" Kirchenvater Hieronymus. Seit Christus sei es uns "nicht mehr erlaubt", "Tierfleisch zu essen".

Mit Recht wird immer gesagt, dass die Umkehr des Menschen und sein Friedenswille in der unmittelbaren Umgebung des Menschen beginnen muss; und das bezieht sich nicht nur auf die Mitmenschen, sondern ebenso auf die Mitgeschöpfe, auf die Tiere und die ganze Natur. Die Herrlichkeit des Reiches Gottes bezieht ausdrücklich die ganze Schöpfung mit ein (Römer 8, 18-25). Alle Hoffnungen auf Frieden und Gewaltlosigkeit werden auf- und wachgerufen, wenn wir im Vaterunser beten: "Dein Reich komme." (Matthäus 6, 10)

Das verlorene Paradies wird also zurück gewonnen. Am Ende wird es sein, wie es am Anfang war. Im Reich Gottes wird kein Blut mehr vergossen (Offenbarung 21, 3-4; Jesaja 11, 6-9). Wie soll das Reich Gottes aber nun kommen, wenn nicht wir Menschen aufhören, Blut zu vergießen? Während wir auf die Wiederkunft Christi warten, sollen wir bereits unser Möglichstes tun, um so zu leben, wie Christus uns haben will – sanftmütig, gerecht und barmherzig (Matthäus 5, 5-7). Das war und ist der Wille Gottes. Spätestens ab jetzt kann sich niemand mehr heraus reden und sagen: "Ich weiß doch nicht, was Gott will." Auch der, der nur die Bibel gelten lässt, kann es dort vielfach lesen. Wir wissen, was Gott am Anfang wollte. Wir wissen, wie Er das Ende will. Aus dem, was am Anfang im Paradies war und was am Ende im Friedensreich Gottes sein wird, erkennt also auch ein bibelgläubiger Mensch, was gemäß seines Glaubens Gott will. Und wie verhalte ich mich dann in der Zwischenzeit? Auch im 2. Petrusbrief finden wir dazu klare Worte: "Wir warten aber auf einen neuen Himmel und eine neue Erde nach seiner Verheißung, in denen Gerechtigkeit wohnt. Darum, meine Lieben, während ihr darauf wartet, seid bemüht, dass ihr vor ihm unbefleckt und untadelig im Frieden befunden werdet" (3, 13-14). Das heißt doch: Ich lebe schon jetzt so, wie es dem neuen Himmel und der neuen Erde entspricht, was auch bedeutet: Ich lasse keine Tiere mehr für meinen Gaumengenuss töten und esse nicht mehr ihr Fleisch.

Priester erlaubten Fleischessen im Rahmen des Opfers

Diesen vielen klaren biblischen Worten stehen in der Bibel, nachdem die Opfer durch Jesus von Nazareth abgeschafft wurden, vor allem noch zwei Sätze gegenüber, in denen das Fleischessen und damit das Töten der Tiere ausdrücklich erlaubt wird: 1. Mose 9, 2-3 und 5. Mose 12, 15 – und beide Stellen wurden von Priestern für die sündhafte, gefallene Welt geschrieben, um dort das Opfern zu ermöglichen. Und wer an ihnen festhält, hält damit an der alten sündhaften Welt fest. Jesus kam aber, um diese zu überwinden. Folglich sind auch diese letzten beiden Sätze von Christen in der Nachfolge Jesu zu überwinden und aufzugeben. Es hält ja heute auch kein Christ mehr an den alttestamentlichen Opfergesetzen fest. Auch sie sind durch Christus überwunden.

Bibelwissenschaftlern zufolge wurde 1. Mose 9, 3 von Priestern notwendigerweise deshalb geschrieben, um die Tieropfer einsetzen zu können. Ohne 1. Mose 9, 3 wäre kein einziges Tieropfer in der Bibel möglich gewesen, da diese sonst alle im Widerspruch zu 1. Mose 1, 29 stünden. Und 5. Mose 12, 15 wurde von Priestern womöglich deshalb geschrieben, um die Zentralisierung der Opfer in Jerusalem unter König Josia und König Hiskia zu ermöglichen. Aus diesem religionspolitischen Grund hat man für weiter entfernte Stämme als Zugeständnis den Fleischkonsum vom Opfer abgekoppelt. Das heißt: Wenn diese Fleisch essen wollen, müssen sie dazu ausnahmsweise nicht opfern, wozu sie hätten extra nach Jerusalem reisen müssen.
Alle diese Entscheidungen trafen Priester, es hatte also alles religiöse Bedeutung. Und es waren immer die Priester, welche die Opfer wollten und die deshalb das Töten der Tiere gemäß ihrer Opfervorstellungen regulierten. Doch Gott wollte niemals Opfer (Jeremia 7, 22: "Tut eure Brandopfer zu euren Schlachtopfern und fresst Fleisch! Ich aber habe euren Vätern an dem Tage, als ich sie aus Ägyptenland führte, nichts gesagt noch geboten von Brandopfern und Schlachtopfern."). Und Gott wollte auch nicht, dass Tiere getötet werden (1. Mose 1, 29) auch nicht außerhalb von Opferhandlungen. Gegenüber schwerwiegenden Aussagen in der Bibel, die das Töten und Opfern der Tiere verbieten, wie z. B. 1. Mose 1, 29, legten die Pfarrer und Priester den Menschen immer wieder das Gegenteil nahe – bis heute.


Dabei ist es heute um vieles schlimmer als in den Zeiten des Alten Testaments.

Wenn es unter Menschen des Alten Testaments in der Regel keine andere Möglichkeit gab, um zu einer Fleischmahlzeit zu kommen als über den Weg des Opferns (mit der Ausnahme von Fisch und Geflügel, oder – wie hier eben dargelegt – man wohnte weit entfernt vom Heiligtum), dann können wir mit diesen Umständen nicht unseren heutigen Fleischkonsum rechtfertigen. So, wie wir heute zu unserer Fleischmahlzeit kommen, ist es nirgends in der Bibel erlaubt. Dort stehen im Gegenteil immer Gesetze, um den heute üblichen hemmungslosen Fleischkonsum zu unterbinden. Und wenn das wenige Fleisch, das die Menschen damals aßen, immer in Verbindung mit einem religiösen Akt zubereitet werden sollte, und wenn Gott alle Tiere der Fürsorge des Menschen anvertraut hatte, dann kann die Kirche unmöglich behaupten, Massentierhaltung und Großschlachthöfe seien von der Bibel her erlaubt. Selbst der Braten, welcher der bäuerlichen Fleischerzeugung im Alpenraum entspringt, steht im Widerspruch zu diesen Geboten.
Wenn die Menschen in der Zeit des Alten Testamentes gelegentlich Fleisch essen wollten, konnten sie ihr Schaf also nicht einfach zu Hause opfern. Wohlgemerkt "opfern", nicht einfach schlachten. Sie mussten das Schaf zu einem Priester am Altar bringen. Die heute geübte Praxis des grenzenlosen und hemmungslosen Fleischkonsums wird im Alten Testament eben gerade durch religiöse und kultische Gesetze und Vorgaben unterbunden. Und Verstöße gegen diese Regeln wurden sehr streng bestraft, wie in 3. Mose 17 nachzulesen ist. Wir können unmöglich sagen: Im Alten Testament wurde das Fleischessen im Zusammenhang der Opferung ermöglicht, opfern tun wir seit Jesus nicht mehr, aber Fleischessen tun wir dennoch weiterhin – eben ohne Opfer. Es sei denn, dass jemand aufsteht, um zu behaupten, die Fleischtheke im Supermarkt sei der gottgewollte Ersatz für den Altar des jüdischen Tempels in Jerusalem! Doch diese Fleischtheken sind auch in den Bibeln der Kirche durch nichts zu rechtfertigen.
Jesus lehrte die Jünger, keine Tiere zu töten und nicht ihr Fleisch zu verspeisen. Dass Er gelegentlich doch Fleisch oder Fisch aß, hatte seinen Grund darin, dass Er einen Gastgeber, der es gut meinte, nicht brüskieren wollte. Das steht so in außerbiblischen Evangelien. Bei Gelegenheit klärte Jesus jedoch auf, was Gottes Willen ist (siehe dazu vor allem die Passagen aus Das Evangelium Jesu: Jesus war eine Freund der Tiere).

Auch Paulus wäre heute Vegetarier

Im kirchlichen Christentum beruft man sich jedoch auch gerne auf Paulus. Und was sagte Paulus zu dem Thema?
Paulus wird von Bibellesern heute ebenfalls gerne als Rechtfertigung für das Fleischessen herangezogen – zu Unrecht, wie sich bei näherer Betrachtung erweist. Paulus legt sich nicht fest und überlässt die Entscheidung, Fleisch zu essen oder nicht, jedem Einzelnen – wohl ebenfalls, um niemanden zu verprellen. Es gibt drei Bibelstellen, in denen Paulus über das Fleischessen schreibt: 1. Korinther 8, 4 ff., 1. Korinther 10, 21-33 und Römer 14, 13-21. Und es geht Paulus, wenn er über Fleischnahrung spricht, nicht um das Leid der Tiere und um das Mitgefühl mit ihnen, sondern um drei andere Dinge: Erstens müsse sich ein Christ entscheiden, ob er weiterhin an anderen unchristlichen Kulten teilnimmt, in denen Fleisch geopfert und gegessen wird. Zweitens geht es um die Frage, was ein Christ in diesem Zusammenhang essen darf, wenn er bei Nichtchristen zu Gast ist. Und drittens geht es Paulus um eine bestimmte Deutung der Freiheit bzw. darum, dass der Christ nicht mehr unter dem Gesetz des Alten Testaments steht.
Im Römerbrief schreibt Paulus: "Der eine hat den Glauben, alles essen zu können, der Schwache aber isst kein Fleisch ... So wird denn jeder von uns für sich selbst Gott Rechenschaft ablegen. Darum lasst uns nicht mehr einander richten, sondern vielmehr sei dies eure Entscheidung: Einem Bruder keine Ursache des Strauchelns zu geben noch ihm einen Fallstrick zu legen ... Denn wenn dein Bruder wegen einer Speise betrübt wird, so wandelst du nicht mehr gemäß der Liebe. Verdirb durch deine Speise nicht den, für den Christus gestorben ist ... Es ist gut, nicht Fleisch zu essen noch Wein zu trinken, noch sonst etwas zu tun, woran dein Bruder Anstoß nimmt". Und im 1. Korintherbrief: "Wenn daher Speise meinen Bruder zum Straucheln bringt, will ich überhaupt nie wieder Fleisch essen, damit ich meinen Bruder nicht zum Straucheln bringe." (1. Korinther 8, 13)
Und es geht hierbei eben nicht um das Mitgefühl mit den Tieren, das er offenbar nicht hat, sondern vor allem um Speisen, die bei Götzendiensten geopfert werden, und welche Auswirkung das auf andere Menschen hat, wenn man als Christ dort gesehen wird, wie man Götzenopfer isst. Doch heute haben wir andere Probleme zu lösen: Z. B. die ethischen Grundfragen von Massentierhaltung, Tiertransport, Massenschlachtung, Zwangsbefruchtung, Genmanipulation, Urwaldrodung, Hunger in der Dritten Welt, vermehrte Zivilisationskrankheiten, soziale Ungerechtigkeit usw., wozu Paulus nichts sagt.


Doch selbst, wenn Paulus im 1. Korintherbrief auch schreibt, dass man ohne Gewissensbisse alles, was auf dem Fleischmarkt angeboten wird, essen könne (weil es ihm im Gegensatz zu Jesus am Mitgefühl für die Tiere weitgehend fehlt), so wird doch selbst bei Paulus noch klar, dass der Vorteil beim Vegetarier liegt. Denn nach Paulus ist es gut, alles zu lassen, woran der Bruder Anstoß nimmt. Und dadurch, dass ich Gemüse und Brot esse, kann niemand "betrübt sein". An einer Fleischmahlzeit kann aber jemand Anstoß nehmen, denn dafür wurden Tieren nachweislich Schmerzen zugefügt und sie getötet. Und dafür müssen andere Menschen verhungern, denn die Nahrung und das Wasser zur Aufzucht der Rinder für den Fleischkonsum der Reichen fehlt den Armen. Schon von Paulus her wäre es deshalb für den Christen geboten, kein Fleisch zu essen. Die Eltern der verhungernden Kinder in der Dritten Welt müssen sehr "betrübt sein", dass wir lieber unsere Schweine mästen als die Getreideernten so zu verteilen, dass für ihre Kinder etwas übrig bleibt.
Aber andererseits wäre auch die Vorsicht im Sinne des Paulus: Nämlich die Fleischesser, welche in das noch junge Christentum hinzu kommen wollen, nicht durch Fanatismus zu verprellen. Paulus wollte die Schwelle nicht zu hoch legen. Er hat also gegen einen engstirnigen, fanatischen Dogmatismus geredet – und zwar in einer Zeit, in der die Menschen ohnehin schon zum überwiegenden Teil vegetarisch lebten und oft Mühe hatten, überhaupt genügend Nahrung zu bekommen. Vegetarismus wäre also von daher keine Eingangsvoraussetzung für Christen.
Doch alle Textstellen bei Paulus, die von bibelgläubigen Menschen gezielt zur Rechtfertigung des Fleischkonsums herangezogen werden, sprechen in Wirklichkeit eher gegen das Fleischessen: "Denn wenn dein Bruder wegen einer Speise betrübt wird, so wandelst du nicht mehr gemäß der Liebe." "Darum, ob ihr esst oder trinkt, tut alles zur Verherrlichung Gottes" (10, 31). Ja, wie denn nur? Durch Tierquälerei und Massentiermord und Hunger in der Dritten Welt? Soll das etwa der Verherrlichung Gottes dienen?
Und man kann doch nicht einerseits in der Kirche sagen, dass die Bibel über jedem anderen Schrifttum steht, sich dann aber an ihre Lehre nicht halten.

Trink- und Essgelage:
"Wer so etwas tut, wird das Reich Gottes nicht erben"

Das Blut von 47 Milliarden geschlachteter Tieren jährlich schreit zum Himmel, und wer sich Christ nennt, kann doch nicht einfach weghören. Und selbst wenn das Gewissen dem Tierleid gegenüber abgestumpft und ist, wie möglicherweise auch bei Paulus, dann merkt der Christ doch, wie andere Menschen dafür ein Empfinden haben und mitleiden. Zudem können die konfessionellen Christen doch unmöglich sagen: "Die Menschen im Alten Testament, Jesus und Paulus haben Fleisch gegessen, also tun wir es auch". Denn auch wenn das Zeugnis der Bibel zum Fleischkonsum nicht einheitlich ist, so kann man doch sicher sagen: So, wie wir es tun, mit allen seinen Folgen, haben die Menschen im Alten Testament, Jesus und Paulus niemals Fleisch gegessen, und das lässt sich zweifelsfrei aus allen Stellen der Bibel herleiten. Verglichen mit den damaligen Lebensverhältnissen erfüllen wir mit unseren heutigen Essgewohnheiten längst den Tatbestand des "Prassens und Schlemmens". Zu unseren Problemen gehört es doch, wie wir ein epidemisches Übergewicht in den Griff bekommen. Und dazu hat Paulus gesagt: "Die Werke des Fleisches sind deutlich erkennbar: ... Ausschweifendes Leben ... Eigennutz ... Trink- und Essgelage und ähnliches mehr. Davon habe ich euch voraus gesagt und sage noch einmal voraus: Wer so etwas tut, wird das Reich Gottes nicht erben" (Galater 5, 19-22). Das ist deutlich.
Und zum Fleischessen in den Industrieländern gehört der Hunger in der Dritten Welt. Beides gehört untrennbar zusammen. Und Paulus sagte selbst gegenüber einem "Feind": "Wenn dein Feind hungrig ist, speise ihn; wenn er durstig ist, gib ihm etwas zu trinken ... Lass dich nicht vom Bösen besiegen, sondern besiege das Böse stets mit dem Guten" (Römer 12, 21-22). Und wenn das schon gegenüber dem "Feind" gilt, dann gilt das doch genauso gegenüber dem Freund und Bruder: "Gib ihm zu essen". Allein wegen dieses Satzes wäre Paulus heute Vegetarier, damit nicht so viele Menschen in der Dritten Welt den Hungertod erleiden, weil dort z. B. das Getreide an riesige Viehherden für den Fleischexport in die reichen Länder verfüttert wird.
Und ein solches Verhalten ist doch für einen Menschen in den Industrieländern gar nicht so schwer.

Es sind die Pfarrer und Priester, die sagen, die Verwirklichung des Schöpfungsfriedens im Reich Gottes, wozu der Friede zwischen Mensch und Tier gehört, sei eine rigoristische Überforderung des Menschen und könne von ihnen nicht geleistet werden. Christus müsse den Frieden schaffen, wenn Er wieder käme. Damit widersprechen die Pfarrer und Priester aber der eindeutigen Lehre Jesu, der sagte: "Wer diese meine Lehre hört und sie tut, der ist ein kluger Mann" (Matthäus 7, 24). Zu allen Zeiten erlaubten die Pfarrer, Priester und Theologen den Menschen das Töten der Tiere. Deshalb tragen sie die Hauptschuld an diesem ganzen Leid und Elend in der Tierwelt, denn sie hätten durch ihre Bibel die bessere Lehre, die Vorbildfunktion und die Möglichkeiten gehabt, um es den Menschen richtig zu lehren.
Die biblische Vorstellung vom verheißenen Schöpfungsfrieden, der kein Blutvergießen kennt, verleiht dem Denken und Handeln zugunsten der Mitgeschöpfe auch nach evangelischer Sicht eine starke Dynamik, wie es der eingangs erwähnte EKD-Text beschreibt. Und die daraus folgende Ethik der Mensch-Tier-Beziehung, die wir hier dargelegt haben, ist nicht utopisch und unerreichbar. Wenn also die Pfarrer und Priester anderes lehren, dann tun sie das wider besseres Wissen. (Alfred Schulte)

 

Der Text  kann wie folgt zitiert werden:
Alfred Schulte, Auch in der Bibel wird deutlich: Tiere sollen nicht getötet werden, zit. nach http://www.theologe.de/bibel_tiere.htm, Fassung vom 18.2.2018


Folge 22:
http://www.der-freie-geist.de/video/der_krieg_gegen_die_tiere_und_ein_plaedoyer_fuer_die_all-einheit_des_lebens

 

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