DER THEOLOGE
Nr. 19
Es gibt keine ewige Verdammnis
Auch nicht in der Bibel
Die Lehre von der ewigen Verdammnis
stammt nicht von Jesus. Und sie entspricht auch nicht dem Gesamtzeugnis der Bibel.
Sie ist römisch-katholische bzw. evangelische Glaubenslehre und wird von den
Kirchen in die Bibel und in Aussagen von Jesus hineinprojiziert.
Worum geht es bei dieser kirchlichen Lehre genau? Die römisch-katholische Kirche hat diese
Lehraussage klar als ihre Glaubenswahrheit definiert, was z. B. nachzulesen ist in dem Buch
Josef Neuner - Heinrich
Roos, Der Glaube der Kirche in den Urkunden der Lehrverkündigung, neu bearbeitet
von Karl Rahner und Karl-Heinz Weger, Regensburg 1971, 13. Auflage 1992, ISBN
3-7917-0119-3. Dort
ist dieser Glaube vor allem niedergelegt in den Lehrsätzen Nr.
891 -
905.
Ewig verdammt seien demnach alle, welche die
römisch-katholische Lehre nicht vollständig annehmen und nicht die
Entschuldigung einer
„unverschuldeten
Unkenntnis“ haben. Die Belege hierfür finden sich im Einzelnen
aufgeführt in
Der Theologe Nr. 18.
Die evangelisch-lutherische Kirche und die anderen evangelischen Kirchen
haben
am Kern dieser Lehre nichts geändert. Sie haben
allerdings den Kreis der „ewig Verdammten“ anders definiert. Viele
aus katholischer Sicht ewig Verfluchte seien demnach durch den Glauben gerettet,
der ihnen nach dem Hören der evangelischen Predigt und dem Empfang der
evangelischen Sakramente geschenkt würde (vgl. Augsburger Konfession, CA
V). Doch die aus evangelischer Sicht letztlich ewig Verfluchten trifft es insofern
besonders hart, da sie während ihres Erdenlebens aus freiem Willen ihr Schicksal
gar nicht wenden können
(vgl. Augsburger Konfession, CA XVIII). Sie würden vielmehr vom Teufel
selbst in die Hölle hineingeritten, ohne dass sie das verhindern könnten, wie auch Martin Luther selbst in seiner
Schrift Vom geknechteten Willen darlegt
(siehe dazu
http://www.theologe.de/theologe1.htm#Keine_Seligkeit). Außerdem hat die evangelische Kirche
die Lehre vom
„Fegefeuer“ als Vorstufe zum Himmel gestrichen, so dass es aus
evangelischer Sicht nach dem Tod
angeblich sofort heißt: „Schwarz“ oder
„Weiß“.
Demgegenüber glaubt die römisch-katholische Kirche für eine dritte Gruppe noch an ein
„Fegefeuer“
vor deren Eintritt in den Himmel.
Besonders skurril stellt sich diese Situation für überzeugte protestantische
Theologen oder Prediger dar, die zum Teil vehement die Lehre von der ewigen
Verdammnis vertreten und zur deren Bekräftigung zahlreiche Bibelstellen anführen,
welche dies angeblich belegen. Nach dem verbindlichen und
„unfehlbaren“
Lehrgut der römisch-katholischen Kirche
zählen nämlich ausgerechnet jene evangelischen Verfechter dieser furchtbaren Lehre später selber zu den ewig Verdammten, wenn sie
„sich nicht vor dem
Tod ihr [der römisch-katholischen Kirche]“
anschließen, wie es im Lehrsatz
Nr. 381
nachzulesen ist
(siehe dazu auch unten). Darüber sprechen der Papst und die katholischen Kirchenführer
allerdings nicht so gerne, da sie den Druck auf die Evangelischen im Rahmen der „Ökumene“
nur vorsichtig erhöhen, und sie zitieren deshalb lieber aus
„harmloseren“
und unverbindlichen
ökumenischen Verlautbarungen. Nachfolgend zunächst einige kirchliche
Lehrdokumente im Wortlaut:
(a)
Quellentexte zur römisch-katholischen
Kirche:
"[Die heilige römische Kirche, durch das Wort unseres Herrn und Erlösers
gegründet,] glaubt fest, bekennt und verkündet, dass niemand außerhalb der
katholischen Kirche, weder Heide noch Jude noch Ungläubiger oder ein von der
Einheit Getrennter - des ewigen Lebens teilhaftig wird, vielmehr dem ewigen
Feuer verfällt, das dem Teufel und seinen Engeln bereitet ist, wenn er sich
nicht vor dem Tod ihr (der Kirche) anschließt." (381)
"Er (Jesus Christus) wird kommen am Ende der Welt zum Gericht über Lebende
und Tote, einem jeden zu vergelten nach seinen Werken, den Verworfenen wie
den Auserwählten. Diese werden alle mit dem eigenen Leib, den sie hier
tragen, auferstehen, damit die einen mit dem Teufel die ewige Strafe und die
anderen mit Christus die ewige Herrlichkeit empfangen, je nach ihren guten
oder schlechten Werken ..." (896)
"Wer aber ohne Buße in der Todsünde stirbt, wird ohne Zweifel von der Glut
der ewigen Hölle auf immer gepeinigt ..." (898)
"Ferner bestimmen Wir: Wie Gott allgemein angeordnet hat, steigen die Seelen
derer, die in einer tatsächlichen schweren Sünde verschieden [Anmerkung.:
wozu z. B. ein Kirchenaustritt gehört], sofort in die Hölle hinab, wo sie
von höllischen Qualen gepeinigt werden." (905)
"Wer sagt und glaubt: die Strafe der bösen Geister und gottlosen Menschen sei
nur zeitlich und werde nach bestimmter Zeit ein Ende nehmen, und dann komme
eine völlige Wiederherstellung (Apokatastasis) der bösen Geister und
gottlosen Menschen, der sei ausgeschlossen" [Anmerkung: = anathema sit
= der sei verflucht bzw. ewig verdammt]. (891)
(Verbindliche bzw.
sogar [bei Fettdruck] "unfehlbare" Lehraussagen der Römisch-Katholischen
Kirche, zit. nach Josef Neuner - Heinrich Roos, Der Glaube der Kirche, 13.
Auflage, Regensburg 1992, Glaubenswahrheiten Nr. 381, 896, 898,
905, 891; dort finden Sie die jeweils exakten Quellenangaben)
"Jesus ist gekommen, um uns zu sagen, dass er uns alle im Paradies
haben will und dass die Hölle, von der man in unserer Zeit so wenig spricht,
existiert und ewig ist für jene, die ihre Augen vor seiner Liebe
verschließen" (Papst Benedikt XVI. am 25.3.2007 in der römischen Pfarre
Santa Felicita in Fidene am nördlichen Stadtrand Roms; zit. nach
http://kath.net/detail.php?id=16345).
(b) Quellentexte zur evangelisch-lutherischen Kirche:
"Auch wird gelehrt, dass unser Herr Jesus Christus am Jüngsten Tag kommen
wird, zu richten, und alle Toten auferwecken, [um] den Gläubigen und
Auserwählten ewiges Leben und ewige Freude [zu] gebe[n], die gottlosen
Menschen aber und die Teufel in die Hölle und ewige Straf [zu] verdammen.
Deshalb werden die Wiedertäufer verworfen [damnant = verdammt], so lehren,
dass die Teufel und verdammten Menschen nicht ewige Pein und Qual haben
werden."
(Verbindliches Bekenntnis der Evangelisch-Lutherischen Kirche in der
Augsburger Confession 1525, CA XVII, von Martin Luther in seinem
Bekenntnis aus dem Jahr 1528
bekräftigt; zit. nach Die Bekenntnisschriften der evangelisch-lutherischen
Kirche, Göttingen 1982, S. 72)
Das evangelisch-lutherische Bekenntnis lehrt weiterhin, "dass der freie
Wille und Vernunft in geistlichen Sachen nichts vermag"
(z. B. Apologie der Konfession XVIII, in: Die
Bekenntnisschriften, a.a.O., S. 312).
Es bedarf demnach zum Heil und zur Vermeidung der ewigen Verdammnis des
„Heiligen Geistes“, der durch evangelische Predigt und amtskirchlich
gereichte Sakramente vermittelt werde
(z. B. CA V),
wodurch auch hier (wie in der römisch-katholischen Kirche) die Seligkeit an
die Institution Kirche gebunden wird.
Eine Auflistung aller nach evangelisch-lutherischer Lehrer Verdammter und
eine Darlegung zum Verständnis dieser Lehre finden Sie im
Anhang Nr. 3.
Inhalt:
Folter und Hinrichtung von Andersgläubigen
Steigerung der Folter ins Unendliche
Trügerische "Bekehrungen"
in letzter Minute
Überlegung zur kirchlichen Lehre: Ist Satan größer als Gott?
Alles wird wiederhergestellt
Der reiche Mann im Hades
In der "Scheol"
bzw. "Gehenna":
Warten auf die Hilfe Gottes
Die Hölle als Bestimmungsort für Theologen?
Kein endgültiger Straf-Ort
Christus hat die Schlüssel zum Hades
Ein "Äon lang"
ist nicht unendlich
Keine Beweise in der Bibel
Saat und Ernte
Anhang Nr. 1: Drohen sich die Kirchen gegenseitig die ewige Verdammnis an?
Anhang Nr. 2: Gelten die Protestanten am Ende als
"verkappte Katholiken" oder doch als "Verdammte"?
Anhang Nr. 3: Die "Ewig Verdammten" aus
evangelisch-lutherischer Sicht
Anhang Nr. 4: Torwart Robert Enke nach
kirchlicher Lehre ewig verdammt
Folter und
Hinrichtung von Andersgläubigen
Beide Großkirchen lehren eine jenseitige ewige Verdammnis, in der die davon
Betroffenen furchtbare Qualen erleiden sollen. Bevor diese Lehre hier näher
untersucht wird, jedoch zunächst ein Blick ins Diesseits. Denn den kirchlichen Jenseitslehren entsprechen teils furchtbare kirchliche
Praktiken im Diesseits. So haben Kirchenlehrer im Laufe der
Geschichte auch bestialische
Folter- und Hinrichtungsmethoden gegenüber Andersdenkenden erfunden, die den
Eindruck erwecken, als seien sie ein Vorgeschmack auf eine spätere ewige
Verdammnis; nachzulesen z. B. unter
http://www.theologe.de/LInquisition.htm.
Nachfolgend hier ein Ausschnitt aus diesem Text:
Da gab es z. B. die Wasserfolter: Der Körper des Angeklagten wurde auf einer schräg
liegenden Tischplatte festgebunden oder an straff gezogenen Seilen frei in der Luft
schwebend nur von einem Schemel in der Körpermitte gestützt. Dann musste das Opfer
Unmengen von Flüssigkeit schlucken: 6 Liter bei der kleinen, 12 bei der großen
Wasserfolter. Wer die Zähne zusammen presste, dessen Mund wurde vom Henker mit einer
eisernen Zange aufgerissen. Der goss dann weiteres Wasser aus einer Literkanne in den Mund
des Gequälten. Viele der Opfer erstickten daran, oder sie platzten regelrecht, da After
und Harnröhre verstopft oder zugebunden worden waren ... Auch die so genannte
„Judaswiege“ hatte es in sich. Das Inquisitionsopfer
wurde mithilfe einer Seilwinde nach oben gezogen und auf die Spitze einer hölzernen
Pyramide gesetzt. Sein ganzes Gewicht ruhte nun nur noch auf der Scheide oder dem After,
dem Hodensack oder dem Steißbein. Die Qual wurde noch dadurch vergrößert, dass der
Folterer das Opfer hochzog oder herabließ, es schaukelte oder immer wieder auf die Spitze
fallen ließ ... Allein schon die bloße Aufzählung der Folterwerkzeuge - der Daumen- und
Knieschrauben, der eisernen Mundsperren, der Werkzeuge zum Brandmarken, der Halsgeigen und
Halsketten, der um den Hals gehängten „Rosenkränze“ (Länge ein Meter, Gewicht
circa acht Kilo), der im Nacken des Ketzers verschlossenen Eisenringe, der eisernen
Käfige, der Kopfpressen und Schädelschrauben, der Kettengeißeln, der gedornten
Halskrausen, der Zwangsgürtel, der mit scharfen Zacken besetzten
„spanischen
Kitzler“, der Scheren, Platt- und Kneifzangen, des Folter-Rades usw. usf. - vermag
die perverse und erfinderische Leidenschaft der Inquisitoren und ihrer Helfershelfer zu
bezeugen, demonstriert die ungeheuerliche, das kirchliche Christentum vor allen anderen
Religionen auszeichnende „Passion der Grausamkeit“. Man mauerte die Opfer ein oder ließ sie - als Zeichen der Gnade der Tyrannen! -
langsam verhungern, man ertränkte sie in Fässern, die mit Urin oder Jauche angefüllt
waren, man schnitt oder sägte ihre Zunge ab oder brannte sie aus, man röstete die Ketzer
auf glühendem Eisen oder erstickte sie durch das Anzünden feuchten Strohs. Nach der
Erfindung des Schießpulvers ließ man dieses in ihrer Nähe explodieren, so dass es die
Brust der armen Opfer aufriss. Der (Un-)Geist der Grausamkeit fand immer
neue Mittel, um
die Qualen der Inquisitionsopfer zu vergrößern (zit. nach Hubertus
Mynarek, Die neue Inquisition, Marktheidenfeld 1999).
Die Anhänger religiöser Minderheiten wurden also schon zu deren Lebzeiten mit teilweise
unvorstellbarer Niedertracht von der Kirche verfolgt und getötet. Der gelegentliche
kirchliche Rechtfertigungsversuch, die Andersgläubigen wären letztlich von
staatlichen, nicht von kirchlichen Behörden hingerichtet worden, und die Kirche
hätte sogar um die „Schonung des Lebens“ gebeten,
ist hierbei eine an Zynismus kaum mehr zu überbietende Verfälschung der
Tatsachen. Denn tatsächlich waren die kirchlichen Behörden bzw. die
zugrunde liegenden kirchlichen Lehren zunächst die Inspiratoren oder die
direkten Weisungsgeber. Und schließlich war die gelegentliche Bitte um
„Schonung“ nur eine formale Floskel
mit gegenteiligem Inhalt als die Worte vordergründig zunächst suggerieren.
Im evangelischen Lexikon Theologische Realenzyklopädie, Bd. XVI.,
Berlin, New York 1987 heißt es dazu wie folgt: „Noch im 12. Jahrhundert galt im kanonischen Recht
der Grundsatz, dass ein Geständnis nicht durch Folter erzielt werden dürfte“
(S. 192), wobei es sich hauptsächlich um „Streckbett, Wippgalgen und
Versengen der Füße“ handelte (so das ebenfalls evangelische Standard-Lexikon
Religion in Geschichte und Gegenwart, RGG).
„Seit den
dreißiger Jahren des 13. Jh. kam sie [die Folter] aber bei einzelnen Gerichten zur Anwendung
und wurde in der von [Papst] Innozenz [IV.] erlassenen Bulle Ad extirpanda
(1252) ausdrücklich toleriert ...“ Und später heißt es deutlicher: „Die Inquisition hat also den Vorreiter in der
Anwendung der Folter in Religionssachen gespielt, und ihre Regeln sind zur Norm
geworden.“ Mit anderen Worten: Die Folter kam zunächst durch die Anordnungen der
katholischen Inquisition in die Prozesse um den Glauben der Angeklagten hinein.
Da das Opfer in einem Prozess nur einmal gefoltert werden durfte,
wurde das Verfahren „nach jeder Sitzung ´unterbrochen` und später dann
´fortgesetzt`“, „so dass es zu vielen Tagen Folter kommen konnte, die nur als
eine Folterung zählten“. Weiter heißt es wörtlich in der Theologischen
Realenzyklopädie: „Geständnisse, die unter Folter gemacht wurden, galten
nicht, wenn sie nicht anschließend außerhalb der Folterkammer bestätigt wurden:
Ein solches Geständnis galt als frei und nicht unter Zwang abgelegt.“ Doch dies
wurde von den Kirchenbeamten und kirchlichen Staatsbeamten unterlaufen. Denn: „Wer
[außerhalb der Folterkammer] darauf
bestand, sein Geständnis zurückzuziehen, wurde als unbußfertiger Ketzer
behandelt und war dementsprechend [auch] dem Feuertod verfallen.“
Das Opfer der Kirche hatte in einer solchen Situation also keine Chance, selbst
wenn der Betroffene auch nach kirchlicher Lehre unschuldig gewesen wäre.
Entweder er wurde als (unter Folter) „geständiger“ oder als (nach
Widerruf) „unbußfertiger“ Ketzer hingerichtet.
Hierzu wurde der von der kirchlichen
Inquisitionsbehörde gefolterte und „überführte“ Andersgläubige tatsächlich
„weltlichen“ Vollstreckungsorganen zur Hinrichtung übergeben, wie Kirchenmänner
manchmal erklären, um die kirchliche Schuld kleiner ausschauen zu lassen. Doch auch der
staatliche Henker und seine Vorgesetzten wollten ja nichts anderes sein als die
treuen Söhne und Töchter ihrer Kirche. Dabei war ihnen klar, dass die häufig
ausgesprochene „Bitte um Schonung“ des Verurteilten durch das
Inquisitionsgericht nur eine heuchlerisch-zynische Leerformel war, womit die Kirche den
Anschein erwecken wollte, sie beflecke sich nicht mit Blut. Das
römisch-katholische Lexikon für Theologie und Kirche (1996) schreibt zu diesem
Sachverhalt
deshalb auch unmissverständlich: „Zu berücksichtigen ist, dass die Übergabe z.
Verbrennung an den welt. Arm erfolgte, weil die Kirche keine Blutgerichtsbarkeit
ausüben durfte, der dabei ausgesprochenen Bitte um Schonung des Lebens aber kaum
zu entsprechen war, da diejenigen, die diese Vollstreckung nicht zuließen,
selbst exkommuniziert u. der Häresie angeklagt wurden“ (S. 528). Hätte eine staatliche
Behörde die formale „Bitte um Schonung“ also ernst genommen, hätte man ihren Vertretern
anschließend ebenfalls den Prozess gemacht und sie hinrichten lassen.
Steigerung der Folter ins Unendliche
So weit zunächst zu den irdischen Qualen, die Menschen von der Kirche zugefügt worden sind. Eine Steigerung der hier dargelegten bzw. angedeuteten „irdischen“ Verfolgung war nun vielfach nur noch denkbar durch Ausdehnung der Grausamkeiten ins Unendliche. Und hier könnte eine wesentliche tiefenpsychologische Wurzel kirchlicher Verdammnislehren liegen. Ein perverser Sadismus kirchlicher Täter bei den Inquisitionstribunalen ist zudem vielfach nachgewiesen. Auch die oben dargelegten zynischen juristischen Praktiken zeigen dies auf. Hinzu kommen dann die mit Worten nur unzureichend wiedergebbaren Folter- und Tötungsmethoden unter den Augen der Peiniger, wie etwa bei http://www.theologe.de/LInquisition.htm nachlesbar. Weiter lässt sich - zunächst allgemein gesprochen - die sadistische Sucht belegen, die Qualen von Opfern immer weiter steigern zu wollen. Doch was geschah in dem Augenblick, als das Opfer an den Folterungen gestorben war oder die Hinrichtung vollzogen war? Dann konnte ein triebhafter Sadismus - möglicherweise in Verbindung mit höchster sexueller Erregung - nicht weiter erregt und evtl. befriedigt werden, höchstens noch bei Menschen mit einem krankhaften Trieb zur Leichenschändung. Eine weitere Steigerung wäre jedoch gedanklich unter der Voraussetzung möglich, dass das Opfer nun nicht etwa von seinem bestialischen Leiden erlöst sei, sondern dass erst jetzt die noch brutaleren Qualen für das Opfer beginnen und diese auch nie mehr enden würden - keinen Augenblick und ohne Pause. Diese an Sadismus nicht mehr zu überbietende Denkmöglichkeit bietet solchen krankhaften und kriminell veranlagten Menschen nun die Lehre der römisch-katholischen Kirche, und zwar sogar als unumstößliche und „unfehlbare“ Glaubenswahrheit. Es handelt sich um die Lehre der Kirche zur ewigen Verdammnis, die später auch von den evangelischen Kirchen übernommen wurde.

Den "Herren der Kirche" hat es nicht gereicht, Andersgläubige in ein angeblich "ewiges Höllenfeuer" zu schicken. Sie wollten schon auf dieser Erde hautnah erleben, wie ihre Nächsten bei lebendigem Leibe unter unsäglichen Schmerzen im Feuer verbrennen.
Die hier vorgetragenen Gedanken sind ein Ansatz, das Grauen zu erklären, indem man von den Folter- und Tötungsmethoden auf die Lehre von der ewigen Verdammnis schließt. Tiefenpsychologisch ist jedoch auch der umgekehrte Schluss nachgewiesen - von den kirchlichen Verdammnislehren hin zu Folter und Mord. So glaubte z. B. der Seefahrer und Entdecker Christoph Kolumbus, dass „die Versklavung von Nichtchristen mit der Begründung gerechtfertigt sei, dass Heiden ohnehin zur ewigen Verdammnis verurteilt seien“ (Friedhelm von Othegraven, Litanei des Weißen Mannes, Struckum 1986, S. 102). Kolumbus kidnappte aus diesem Grund offenbar ohne große Gewissensbisse zahllose Indianer und verschleppte sie nach Spanien, allein im Februar 1495 vier Schiffe mit je 500 Indianern im Alter von 12-35 Jahren (S. 101). Einer der Auftraggeber für den Sklavenkauf und -verkauf war der römisch-katholische Bischof Rodriguez de Fosca.

Die Indianer wurden von den römisch-katholischen Eroberern meist entweder versklavt oder hingerichtet. Beliebt war das gleichzeitige Aufhängen und Verbrennen von jeweils 13 Indianern "zu Ehren von Christus und den 12 Aposteln". Die Füße der amerikanischen Ureinwohner berührten gerade noch das Holz des Scheiterhaufens. Mit dem Wegbrennen des Holzes zog sich gleichzeitig der Strick um den Hals zu. Das war für die Kirchenchristen nicht so schlimm. Sie führten die Nichtkatholiken mit der Hinrichtung ja nur etwas schneller der "ewigen Verdammnis" zu, wo es für die Opfer der Kirche angeblich noch schlimmer kommen würde. Und dabei hatten sie sogar noch die große "Chance", sich während des langsamen Versengens auf diesem Spezial-Scheiterhaufen zur Kirche bekehren zu können und der "ewigen Verdammnis" dadurch zu entgehen. Zudem konnten sie nun auf der Erde niemanden mehr zum "falschen Glauben" verführen. Also für jemanden, der an die kirchliche Lehre von der ewigen Verdammnis glaubt, gar nicht einmal eine so schlimme Sache, sondern eine "Hilfe" zur Bekehrung ...
Grundsätzlich kann davon ausgegangen werden, dass die Lehre von der ewigen
Verdammnis zu einer wüsten Enthemmung der kirchlichen Glaubensrichter und ihrer
Schergen gegenüber den nach ihrer Meinung von der ewigen Verdammnis Betroffenen
beiträgt.
Denn nach der Lehre der katholischen und evangelischen Kirche konnten auch die
furchtbarsten Inquisitoren und Folterknechte davon ausgehen, dass alles, was sie ihren
Opfern antun, noch lange nicht so schlimm sei als das, was das Opfer nach dem
Tod in der Hölle erwarten würde. Und diese Lehre kann sogar dazu führen, dass sich
der kirchliche Inquisitor mit gutem Gewissen die allerschlimmsten
Foltermethoden ausdenkt, was ja vielfach auch geschehen ist. Er kann sich
nämlich in diesem
kirchlichen Milieu damit
rechtfertigen, dass er dann alles Menschenmögliche getan habe, um das Opfer in seinen
letzten Lebensminuten doch noch dazu zu bringen, sich der Kirche zu unterwerfen
und damit der vermeintlichen ewigen Verdammnis zu entgehen.
Zusammenfassend kann man sagen: Ob man mehr einen kausalen
Ursache-Wirkungs-Zusammenhang von der Inquisition zur Lehre von der ewigen
Verdammnis annehmen sollte oder vor allem umgekehrt, von der Verdammnislehre zur
Inquisition, kann nicht eindeutig beantwortet werden. Eine mögliche Wechselwirkung
wird jedoch nicht bestritten werden können.
Trügerische „Bekehrungen“ in letzter Minute
Inwieweit sich die Kirche bei ihren Verdammnislehren auf die Bibel berufen
kann, gilt als umstritten. Im Gegensatz zur Bibel stehen zunächst die
Auswahlkriterien der Kirche für Seligkeit oder Verdammnis. Denn in der Bibel,
sowohl im Alten als auch im Neuen Testament, wird das Gesetz von Saat und Ernte
gelehrt.
Demnach erntet derjenige Gutes, der zuvor Gutes gesät hat. Und derjenige erntet
Böses, der zuvor Böses gesät hat (vgl. dazu
Der Theologe Nr. 2). Diesen
Gedanken hat die Kirche zwar ansatzweise in ihre Glaubenslehre mit eingeflochten, wenn z. B. die katholische
Kirche lehrt, wer im Zustand einer schweren bzw. einer Todsünde sterbe, müsse in
die Hölle. Doch sowohl gemäß der katholischen als auch der evangelischen Lehre
soll sozusagen in letzter Sekunde auf dem Sterbebett noch Vergebung durch
einen Priester oder Pfarrer und damit noch eine 180-Grad-Wende
von der Hölle in den Himmel möglich sein. So könnte auf diese Weise z. B. ein Massenmörder
doch noch in den Himmel kommen. Seine Opfer müssten jedoch in die Hölle, wenn sie
vor ihrem Tod bewusst keine gläubigen Katholiken oder Protestanten waren. Solche Lehren haben
jedoch mit der Bibel überhaupt nichts zu tun. Es ist durch Jahrhunderte lange
Indoktrination allerdings tief im Unterbewusstsein vieler Menschen gespeichert, was
z. B. auch der bekannte katholische Fernseh-Entertainer Harald Schmidt in einem
Interview bestätigt, wenn er sagt: „Auf dem Sterbebett werden alle katholisch.
Diese Erfahrung habe ich selbst gemacht, denn ich war während des Zivildienstes
in einer Pfarrei beschäftigt. Da wurde der Pfarrer von so genannten Atheisten
schreiend ins Krankenhaus geholt, wenn der Tumor im Endstadium war“
(Interview mit der Weltwoche, zit. nach idea-spektrum Nr. 30/31/2005).
Doch den wenigsten auf diese Weise Sterbenden wird bewusst sein, welche
umfassenden Bedingungen die Kirche an den Eintritt in den von ihr gelehrten
„Himmel“ knüpft und welche Ausschlusskriterien es gibt. Andere Katholiken wissen
es zeitlebens nicht. So gesehen wird der Priester den in letzter Minute
Bekehrten und manchen anderen vielleicht mit Worten in Richtung Himmel heben. Doch
innerlich weiß er, dass er ihn trotzdem in Richtung Hölle schicken muss. Und so
mancher Priester verdrängt diesen Zwiespalt und schiebt das „Geheimnis Gottes“
davor, und mancher betrinkt dies noch mit reichlich Alkohol. Entscheidend ist in
solchen dramatischen Situationen auch, dass die Kirche oft noch das Vermögen des
Verstorbenen erbt. Denn um das Erbe erschleichen zu können, wird dieser in dem aus kirchlicher Sicht irrigen Glauben gelassen, damit der ewigen Verdammnis entgehen zu können
bzw. seine Leidenszeit im
Fegfeuer verkürzen zu können (siehe dazu: Will Durant, Kulturgeschichte der
Menschheit, Band 6, München 1978, S. 454).
Der Theologe Nr. 18 zählt Beispiele dafür auf, wer alles nach römisch-katholischer Lehre in die Hölle muss. Biblisch ist das - wie bereits gesagt - nicht, denn in der Bibel geht es nur um das Verhalten der Menschen während ihres Erdenlebens, nicht um das Für-Wahr-Halten irgendwelcher Glaubenslehren oder Dogmen oder um angebliche Letzte-Minuten-Rettungseinsätze von Priestern.
Überlegungen zur kirchlichen Lehre: Ist Satan größer als Gott?
An dieser Stelle möchten wir
aber zunächst kurz darlegen,
was wir als Verfasser dieses Textes glauben. Wir glauben nicht an eine ewige
Verdammnis. Und es spielt für unseren Glauben auch keine Rolle, ob die
kirchlichen Lehren einer unendlichen Hölle vollständig biblisch belegbar sind,
dort nur teilweise
belegbar sind oder gar nicht. Denn einen Gott, der sich ab einem bestimmten
Zeitpunkt für alle Ewigkeiten von einem Großteil seiner Geschöpfe abwendet, auch wenn
sie verzweifelt nach ihm rufen, erkennen wir aus ethisch-moralischen
Gründen nicht an. Für uns ist ein solcher Gott, der Menschen in einer ewigen Verdammnis die Hilfe verweigert,
nämlich ein dämonischer Götze bzw. der „leibhaftige“ Gott der
Unterwelt. Denn er würde sich ja aktiv dafür entscheiden, ab
einem bestimmten Zeitpunkt nichts mehr für die von nun an „Verdammten“ zu tun.
Die Schöpfung würde dann für immer zweigeteilt bleiben in Erlöste und ewig
Verdammte. Hierzu könnte man sich ein solches Leiden auch einmal
nur ansatzweise vorzustellen versuchen. Wenn man dies tut und auf sich wirken
lässt, beginnt man vielleicht zu ahnen, dass kein Mensch bzw. keine Seele so
etwas aushalten würden. Doch die Kirche lehrt
es. Und wäre diese Lehre richtig, dann wäre
damit auch das Satanische größer als die Liebe
Gottes. Denn es hätte einen großen Bereich für immer aus der von Gott geschaffenen
Schöpfung herausgerissen, und man müsste sogar annehmen, dass dieser Bereich
viel größer sei als der bei Gott verbliebene bzw. zu ihm zurückkehrende. Gäbe es also eine ewige Verdammnis, wie es die Kirchen
lehren (die katholische Kirche sogar als „unfehlbare“ Wahrheit), und seien dort
sogar viel mehr Menschen als im Himmel, wie es ebenfalls in den Kirchen
angenommen
wird, dann hätte der „Teufel“ einen klaren Sieg gegenüber Gott errungen.
Man könnte es auch so sagen: Gäbe es tatsächlich eine ewige Verdammnis, dann
wäre die Sünde mächtiger als die Liebe Gottes. Und das würde auch bedeuten: Gott wäre letztlich ein
grausamer Gott, weil er viele oder gar die meisten seiner Kinder, die z. B. grausam leiden
und irgendwann bitter
bereuen und sehnlich darum bitten, alles Unrecht wieder gut zu machen, auf alle
Zeiten hin ignoriert. Oder er wäre zumindest der von Satan besiegte Gott, der
für alle Ewigkeiten nichts mehr für diese Menschen bzw. ihre Seelen tun kann.
Und hätte Martin Luther recht, dann wäre dieser Gott sogar so brutal, dass er
bereits bei der Zeugung eines später ewig verdammten Menschen diesen dafür
vorher bestimmt (http://www.theologe.de/theologe1.htm#Praedestination).
Diese Lehre von der ewigen Verdammnis ist römisch-katholisch oder evangelisch. Christlich ist sie nicht.
Denn Jesus, der Christus, hat nie einen solchen Gott gelehrt. Sondern er lehrte in seinen
Gleichnissen (z. B. vom verlorenen Sohn, vom verlorenen Schaf oder verlorenen
Groschen), dass Gott jedem Einzelnen nachgeht, um ihn in die Gemeinschaft bzw.
in die Einheit der Schöpfung zurückzuführen (auch das ist ein gravierender
Unterschied zur Inquisitions-Gemeinschaft der Kirchen). Dennoch berufen sich Kirchenlehrer
auf die Bibel.
Da die Bibel
viele uneinheitliche, teils widersprüchliche und außerdem vieldeutige Aussagen
enthält (vgl. Der Theologe Nr. 8), bedarf es hier
der Prüfung.
Dass die kirchlichen Auswahlkriterien unbiblisch sind, wurde ja oben schon kurz
dargelegt. Denn die
Kandidaten für eine so genannte „Hölle“ in der Bibel sind immer Schwerverbrecher
oder Übeltäter oder „gottlose“ Menschen in dem Sinne, dass
ihre Taten moralisch und ethisch verwerflich sind. Die Kirche jedoch denkt
gleichermaßen Kirchenaussteigern dieses bestialische Schicksal zu, wie im
Hinblick auf die
römisch-katholische Kirche z. B. Der Theologe Nr. 18
darlegt. „Wer nicht die ganze kirchliche Überlieferung annimmt, die geschriebene
wie die ungeschriebene, der sei ausgeschlossen“, lautet der „unfehlbare“
Lehrsatz Nr. 85 in dem römisch-katholischen Lehrwerk Der Glaube der Kirche, von
Josef Neuner
und Heinrich Roos, Regensburg 1992. Und im Canon 751 des römisch-katholischen
Kirchenrechts CIC (Corpus Iuris Canonici) wird auch zu den „Häretikern“
gerechnet, wer auch nur an einer „zu glaubenden Wahrheit“ „beharrlich“ zweifelt.
Und ein solcher Häretiker ist nach Canon 1364 § 1 ebenfalls exkommuniziert und
damit nach dem Tod ewig verdammt.
So weit also bereits ein erheblicher
Unterschied zwischen Bibel und Kirche bei der Auswahl der Betroffenen. Doch wie ist es
nun mit der Dauer
dieses furchtbaren Leidens? So wird in den folgenden Kapiteln nun der
Frage nachgegangen, ob sich die Kirchen wenigstens dann auf die Bibel berufen
können, wenn es um die Dauer des von ihr gelehrten jenseitigen Leidens geht. Ist wenigstens die Lehre von der Unendlichkeit einer Hölle
biblisch, oder missbraucht die Kirche auch hier die Bibel für ihre Zwecke?
Zunächst einmal wird hinsichtlich der Dauer einer Entfernung von Gott in der Bibel genau das Gegenteil gelehrt wie in der Kirche. So heißt es in Apostelgeschichte 3, 21: „Ihn [Christus] muss der Himmel aufnehmen bis zu der Zeit, in der alles wiedergebracht wird, wovon Gott geredet hat durch den Mund seiner heiligen Propheten von Anbeginn.“ Was bedeutet nun „alles wiedergebracht“? Wörtlich heißt es „Apokatastaseos („ …eos“ = Genitiv von apokatastasis) panton“ = „Die Wiederherstellung von allen Dingen.“ „Apokatastasis panton“ ist deshalb auch zu einem fest stehenden Begriff für die von Theologen so genannte „Allversöhnungslehre“ geworden, wonach am Ende der Zeiten sozusagen als Zielpunkt wieder alles mit allem versöhnt ist und der Ursprung von Gottes Schöpfung wiederhergestellt ist. Es ist also nicht eine teilweise Wiederherstellung von irgendwelchen speziellen Entwicklungen gemeint, ein bestimmter Teilbereich also. Sondern es geht um das Ganze der ursprünglich guten Schöpfung Gottes. Sie bleibt demnach nicht für alle Zeiten zweigeteilt, wie es die Kirchen lehren, sondern sie würde im Zeitlauf von Äonen wieder vereint. Auf diese biblische Anschauung hatte vor allem der Gelehrte Origenes (185/186-254) hingewiesen, einer der zu seiner Zeit besten Kenner des Urchristentums. Dabei wird angenommen, dass sich die von Gott getrennten Lebewesen früher oder später freiwillig auf den Rückweg begeben, weil sie die mit der gegensätzlichen Entscheidung verbundenen Leiden irgendwann nicht mehr ertragen wollen und weil sie deshalb umkehren. Diese Lehre wurde aber von der Kirche auf der Synode und später auf dem Konzil von Konstantinopel (im Jahr 543 bzw. 553) verflucht - eine Lehrentscheidung, die bis heute Gültigkeit hat (siehe dazu den Lehrsatz Nr. 891 bei Neuner-Roos, a.a.O.).
Die Kirchen legen dafür andere Bibelstellen vor, aus denen
sie glauben, eine ewige Verdammnis ableiten zu können. Angeführt wird vor allem
die Geschichte vom reichen Mann und armen Lazarus (Lukas 16, 19 ff). Der
reiche Mann muss nach seinem Tod in die „Hölle“, der auf der Erde arme Lazarus kommt in „Abrahams
Schoß“. Hier beginnt schon bei der Übersetzung die Verfälschung. Das griechische Wort für „Hölle“
im biblischen Urtext heißt nämlich „Hades“, was „Unterwelt“ bedeutet (siehe unten
weitere
Erklärungen dazu), keineswegs eine „ewige Verdammnis.“ Die Geschichte
vom reichen Mann und armen Lazarus ist
einfach eine Veranschaulichung des Gesetzes von Saat und Ernte: Was der Mensch
hier auf der Erde getan oder unterlassen hat, das bestimmt seinen Aufenthaltsort
im Jenseits. Dazu heißt es in der Geschichte weiter, es bestehe zwischen diesen
beiden Orten „eine große Kluft, dass niemand, der von hier zu euch hinüber will,
dorthin kommen kann und auch niemand von dort zu uns herüber“ (V. 26), was
ebenfalls logisch ist, denn sonst würde ja der einst „reiche Mann“
den Ort, an dem er sich jetzt befindet, unverzüglich verlassen. Doch es ist kein Beleg für eine ewige
Hölle. Es heißt nur, dass ein Reicher nicht - wie auf der Erde - einfach von
einem bestimmten Ort wieder abreisen kann, wenn es ihm dort nicht gefällt oder
er dort leiden muss. Es heißt aber nirgends
in der Erzählung, dass sich an dieser Situation niemals irgendetwas ändern
könne.
Ein möglicher Lösungsansatz, der gut mit der Geschichte vereinbar ist, könnte
wie folgt skizziert werden: Erst wer im Hades, d. h. in der Unterwelt, das Leid, das
er anderen zugefügt hat, abgetragen bzw. abgebüßt hat (er muss also solange dort
verbleiben, bis dies geschehen ist) und die inneren Ursachen für diese Seelenqual bereut
und bereinigt hat, findet den Weg von dort heraus. In diesem Sinne hat es auch
Jesus klar an anderer Stelle gelehrt (siehe unten).
In der „Scheol“ bzw. „Gehenna“: Warten auf die Hilfe Gottes
Nun weiter zu dem Wort „Hölle“. Im Urtext des Alten Testaments steht
dort, wo im Deutschen von der „Hölle“ die Rede ist, meistens „Scheol“, das bedeutet „Grube“ oder „Grab“. Die Scheol gilt als
Ort des Dunkels und der Verhüllung. Dort warten nach jüdischer Vorstellung die
Menschen auf die Hilfe Gottes und auf neues Leben (siehe
„Lexikon der Bibel“ von Fritz Rienecker, Wuppertal 1988, Stichwort „Hölle“:
1. Samuel 2, 6 (der Herr …
führt in die Scheol und wieder herauf); Psalm 16, 10 (Du wirst mich nicht der Scheol überlassen);
49, 16 (Gott wird mich erlösen aus der Scheol)). Man muss
also ausdrücklich nicht ewig in der Scheol, also in der Hölle, bleiben, sondern es
gibt einen Weg heraus. So steht es unmissverständlich im Alten Testament.
Und wie ist der Befund im Neuen Testament? Im
griechischen Urtext steht dort, wo die Theologen „Hölle“
übersetzen, entweder „Hades“ oder „Gehenna“. Was „Hades“ bedeutet, wurde oben
anhand der Geschichte vom reichen Mann und armen Lazarus schon kurz skizziert
und wird weiter unten noch einmal in anderem Zusammenhang ausgeführt. Die Gehenna ist
nun ein Tal
südlich von Jerusalem, das sprichwörtlich als „Tal der Verdammten“ galt, doch
eben nicht von angeblich „ewig Verdammten“. So werden Leib und Seele des Menschen in
der Gehenna „verdorben“, das heißt, sie leiden Schaden (Matthäus 10, 28). In
Matthäus 18, 8 und 9 ist von einer „Gehenna des Feuers“ die Rede.
Zugegebenermaßen
heißt es allerdings auch, dass die Menschen in der Gehenna Feuer erwartet, das nicht verlöscht
(eine der Übersetzungsmöglichkeiten) bzw.
„unermesslich“ ist (eine andere Übersetzungsmöglichkeit; Markus 9, 43). Doch auch dies ist kein
Beleg für eine „unendliche Hölle“ in der Bibel. Denn das griechische Wort „asbestos“
in seiner Bedeutung „unermesslich“ weist zunächst „nur“ darauf hin, dass hier jedes bekannte Maß überschritten
wird.
Sinngemäß könnte man es deshalb auch mit „unerträglich“ wiedergeben. Doch ließe
sich die Stelle eben auch treffend im Sinne von „andauernd“ mit „unauslöschlich“ übersetzen.
Doch gerade das wäre dann sicher nicht katholisch-dogmatisch im Sinne von
„unendlich“ gemeint, sondern ganz
praktisch: Man kann eben ein Feuer nicht (bzw. nicht so ohne weiteres) löschen, solange es
immer neue Nahrung erhält und brennt. Die kirchliche Lehre einer in die Unendlichkeit
gedachten Feuersbrunst gibt aber auch diese Formulierung nicht her.
Dazu passt auch das Gleichnis, das Johannes der Täufer erzählt. Demnach werde die Spreu vom Weizen
getrennt und komme danach in „asbestos“ Feuer (Matthäus 3, 12). Der wesentliche Unterschied
zur kirchlichen Lehre ist in diesem Fall zunächst: Es handelt sich um ein Gleichnis, und in diesem Gleichnis
brennt nur Streu. Bei den
Opfern der Kirche brennen jedoch Menschen - bei lebendigem Leibe auf dem Scheiterhaufen oder in der Hölle.
Der zweite Unterschied zur kirchlichen Lehre ist schließlich die
Bedeutung des Wortes „asbestos“, worauf ja oben schon hingewiesen wurde. An diesem Gleichnis wird
nun aber klarer, was das Wort für
einen Sinn beinhaltet: Man könne das einmal brennende Feuer
eben nicht mit den üblichen Methoden löschen. Sondern die Spreu wird darin
faktisch verbrennen. Aber es steht nicht da, dass das Feuer für alle Ewigkeiten aus
dieser Spreu lodert und dass - anstatt dass die Spreu irgendwann ganz verbrannt ist
(!) - die Qual nie
ein Ende habe. Sondern Tatsache ist praktisch: Irgendwann ist die Spreu komplett verbrannt und dann ist das
Feuer aus. Nur der einmal
in Gang gesetzte Verbrennvorgang lässt sich nicht stoppen, solange er von der
Spreu am Brennen gehalten wird, sondern
das Feuer wird „unlöschbar“ bis zur vollständigen Verbrennung der Streu lodern.
Und dann ist aber Schluss.
Einen interessanten Aspekt ergänzt Markus 9, 49: Demnach
wird „jeder“ mit Feuer „gesalzen“ werden, was nach der Erläuterung der
katholisch-evangelischen Einheitsübersetzung ein „Läuterungsfeuer“ sei, „das
die Gläubigen reinigt“, was von katholischer Seite im Sinne der eigenen „Fegefeuer“-Lehre
gedeutet wird. Diese Stelle ist
insofern wichtig, da sie deutlich macht, dass „Feuer“ eben nicht Vernichtung
oder unendliche Vergeltung bedeutet, sondern
Leid mit dem Ziel der Läuterung bzw. Reinigung des Menschen bzw. der Seele.
Die Hölle als Bestimmungsort für Theologen?
In Matthäus 23, 15 und 33 wird die Gehenna von Jesus schließlich als der Bestimmungsort der Theologen geschildert (Damals nannte man die Bibelkundigen „Schriftgelehrte“, heute würde man sagen „Theologen“). Ihre Verfehlung gemäß den ernsten Worten von Jesus: Sie machen aus einem Menschen einen „Sohn der Gehenna“, und Jesus hält ihnen vor: „Wie wollt ihr selbst der „Krisis der Gehenna“ entrinnen = dem „Gerichtshof der Gehenna“? Das klingt etwas anders als das Kirchendeutsch Martin Luthers, wonach Jesus rhetorisch fragt, wie die Schriftgelehrten der „höllischen Verdammnis“ entrinnen wollten. Denn der „Gerichtshof der Gehenna“ ist eben nicht identisch mit der „höllischen Verdammnis“ gemäß den kirchlichen Lehrbüchern, auch wenn die Theologen und Zeitgenossen von Jesus dort ihre schlimme Saat ernten und wenn sie dort erleiden müssen, was sie anderen angetan haben, z. B. indem sie sie in die Irre und unter Umständen in furchtbares Elend geführt haben.
An anderen Stellen des Neuen Testaments ist von einer „Finsternis mit Heulen und Zähneklappern“ die Rede (wörtlich mit „Weinen und Knirschen“; Matthäus 8, 12; 22, 13; 25, 30) oder von einem „Kamin mit Weinen und Knirschen“ (Matthäus 13, 42.50), aber auch hier nicht von einer unendlichen Verdammnis.
Und in Markus 9, 48 wird der Schluss des Buches Jesaja aufgegriffen (66, 25), wo der Prophet im Zusammenhang mit Bergen von Leichen ein Bild gebraucht. Die Szenerie wird verglichen mit einem sich „krümmenden Wurm“ dieser Menschen, der nicht zum „telos“ = „Ziel“ gelangt. D. h., man sieht offenbar nicht, wo dieser Wurm aus schier zahllosen aneinander gereihten „Gottlosen“ aufhört. Oder die Bedeutung, die hier nicht klar zu bestimmen ist, könnte sein: Es ist die Seele des „Gottlosen“, die hier mit einem Wurm verglichen würde, der nicht stirbt. Das Feuer würde nicht gezähmt werden = nicht ausgehen = sich nicht legen, also nicht verlöschen, heißt es weiter - ein mittlerweile schon bekanntes Bild. Die Betroffenen leben also in diesen qualvollen Umständen weiter. Doch auch hier wird keine Aussage darüber gemacht, wie sich das Schicksal der auf diese Weise Leidenden weiter entwickelt. Gerade dem Alten Testament und seiner Vorstellung von der Scheol ist die katholisch-philosophische Vorstellung der ins Endlose verlängerten Zeit (oder dem „Anderen“ zur Zeit, wie es in einer modernisierten katholischen Theorie heißt) fremd. Dazu steht auch im Lexikon zur Bibel, herausgegeben von Fritz Rienecker, Wuppertal 1988, unter dem Stichwort „Hölle“ klar zu lesen: „Scheol und Hades meinen nicht den endgültigen Strafort ..., sondern das Totenreich, die Unterwelt“, was ja oben am Beispiel der Scheol schon dargelegt wurde.
Christus hat die Schlüssel zum Hades
An dieser Stelle noch einmal zu dem Wort „Hades“. Es steht wie „Gehenna“ ebenfalls an Stellen, an denen im Deutschen mit „Hölle“ übersetzt wurde. So wird es z. B. in der Geschichte vom reichen Mann und armen Lazarus verwendet, wie oben bereits dargelegt. Da den zeitgenössischen Lesern das Wort „Hades“ auch aus der griechischen Mythologie vertraut ist, versteht es sich von daher fast von selbst, dass es hier nicht um eine „ewige Verdammnis“ gehen kann. Denn wenn ein griechisch sprechender Zeitgenosse „Hades“ hört, dann kommen ihm sofort die bekannten Assoziationen der dunklen Unterwelt in den Sinn und der Ruf der dort Herumirrenden nach Erlösung.azu passt, dass Christus nach dem Prophetenwort in Offenbarung 1, 18 sagt: „Ich habe die Schlüssel des Hades.“ Und zwar nicht, um letztlich das Tor abzuschließen und keinen von dort mehr herauszulassen, wie es die Kirchen lehren (siehe z. B. oben der Lehrsatz der evangelisch-lutherischen Kirche). Sondern um - notfalls immer wieder - in den Hades hinab zu steigen und den Menschen den Weg von dort heraus zu zeigen. Und wie übersetzt z. B. Martin Luther diese Stelle? Jesus habe nach Luther „die Schlüssel des Todes und der Hölle“. Doch Hades ist eben nicht Hölle.
„Ein Äon lang“ ist nicht „unendlich“
Schließlich muss man noch das Wort „aionios“ = „ewig“ näher betrachten. Nach kirchlicher Deutung ist bei diesem Wort die ins Unendliche verlängerte Zeit mitgedacht, auch wenn man andere Bedeutungen inzwischen ergänzt hat. Doch hier kann man schon vorab sagen: Wörtlich heißt „aionios“ „einen Äon lang dauernd“, also zwar sehr lange, eben „einen Äon lang“, „eine Weltzeit dauernd“, oder [lediglich] „ein Menschenalter dauernd“, aber eben nicht unendlich. Und so leiden die Menschen zur Linken des Weltenrichters nach Matthäus 25, 46 zwar sehr lange, aber nicht „ewig“ im Sinne von „unvergänglich“. Auch das ist nachvollziehbar, wenn man z. B. an die Schuld von Diktatoren denkt, welche im Krieg Hunderttausende von Menschen in den Tod getrieben haben. Oder an die Schuld von Kirchenheiligen, welche unzählige Menschen unter dem Anspruch der „unfehlbaren Wahrheit“ in die Irre und Verzweiflung geführt haben und um die Chancen ihres Lebens gebracht haben. Die Abtragung dieser Schuld und ihrer Folgen und Verzweigungen dauert eben „eine Weltzeit lang“, aber irgendwann wird es getan sein, auch wenn der Zeitraum unvorstellbar lang ist. Nur kirchliche Sadisten wollen darüber hinaus noch eine „Ewigkeit“ festschreiben, die niemals aufhört.
Und so brennt es auch im „feurigen Pfuhl“ in
Offenbarung 20, 10-15 „eis tous aionas ton aionon“, also „von Äon zu Äon“ bzw.
„von Menschenalter zu Menschenalter“. Sehr interessant ist die Tatsache, dass
dieser Zusatz, der in den deutschen Bibeln mit „von Ewigkeit zu Ewigkeit“
übersetzt wird, in manchen der alten Handschriften fehlt - ein Zeichen, dass
hier kirchliche Überarbeitungen stattgefunden haben.
Ebenfalls ein unsicherer
Text liegt bei der Gehenna-Stelle in Markus 9, 43-48 vor, gleichfalls ein
Zeichen für Überarbeitung. Unterschiedliche Textvarianten sind Indizien, dass hier nicht mehr die
ursprünglich gegebene Lehre vorliegt, und wer weiß, was man bereits zuvor geändert hatte
und was sich nicht mehr nachweisen lässt. Tatsache ist auch hier: Ein „feuriger Pfuhl“ ist
schon grausam genug. Ein „feuriger Pfuhl“, der „von Äon zu Äon“ brennt, wie die
Ergänzung lautet, ist noch eine
Steigerung. Aber selbst er ist noch keine „ewige Verdammnis“.
An manchen Stellen, wo im Deutschen mit „Verdammnis“ übersetzt wird (z. B.
Philipper 1, 28; Offenbarung 17, 11), steht im griechischen das Wort „apoleia“, was
man treffender mit „Verderben“, „Untergang“ übersetzen könnte.
Auch hier ist nicht von einer unendlichen Dauer die Rede, so dass sich das kirchliche
Dogma auch darauf nicht berufen kann. Manche kirchliche Ausleger sehen dafür
aber Johannes 17, 12 als einen Beleg für die ewige Verdammnis. Demnach sagt Jesus,
keiner der Jünger „geht unter“ bis auf den „Sohn des Untergangs“, womit Judas
gemeint ist. Dieses Wortspiel (untergehen - Untergang) steht bereits im griechischen Text: Keiner „apoleto“ bis
auf den „Sohn der Apoleia“, so der Urtext wörtlich. Doch wie gesagt: Weder im griechischen Wortsinn noch
im Deutschen bedeutet „Untergang“ oder „Verderben“ gleich Untergang oder
Verderben für alle Zeiten.
Ein weiterer Gedanke in diesem Zusammenhang zu Judas: In prophetischen
Neuoffenbarungen aus dem 20. Jahrhundert heißt es, Jesus habe Judas verziehen.
Das kann man zwar nicht beweisen, doch kann man sich gut vorstellen, dass es stimmt. Es passt zu Jesus,
der ja sogar, während er am Kreuz furchtbare Qualen litt, den schier
unglaublichen Satz betete: „Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie
tun“ (Lukas 23, 34). Und ist es nicht wahrscheinlich, dass er für Judas an
anderer Stelle ein ähnliches Gebet sprach oder ihn hier sogar mit einbezogen hatte?
Schließlich noch ein Blick auf die Stelle in Daniel 12, 2, wonach Menschen „unter der Erde schlafen“, um dann entweder zum „ewigen Leben“ oder zur „ewigen Abscheu“ bzw. „ewigen Schande“ aufzuerstehen. Hier ist ein Wort interessant. Es heißt nämlich wörtlich: „Von denen, die im Land des Staubes schlafen, werden v i e l e erwachen“, also nicht alle, wie es bei der kirchlichen Verdammnislehre sein müsste. Diese prophetische Vision kann also gar nicht die spätere kirchliche Lehre beschreiben. Zudem hat das hebräische Wort für „Ewigkeit“, das hier verwendet wird, „olam“, ähnlich wie im Griechischen andere Bedeutungen als die kirchlich-abendländische Deutung des Wortes „Ewigkeit“. Im Hebräischen ist nach dem wissenschaftlichen Handwörterbuch für das Alte Testament von Wilhelm Gesenius, Berlin / Göttingen / Heidelberg 1962, folgendes damit gemeint: Weltzeit (vgl. Äon); verborgene, unbekannte Zeit; ferne Zeit; Vorzeit; Urzeit; lange Zeit.
Was kann man zusammenfassend sagen? Der bekannte evangelische Theologe Fritz Rienecker
wagt getreu dem
evangelischen Bekenntnis nicht, eine „zeitliche Begrenzung“ der hier
geschilderten Zustände
in der Bibel zu behaupten. Doch eine zeitliche Unbegrenztheit kann man genauso
wenig behaupten, wie diese Untersuchung ergibt. Natürlich kann nicht
ausgeschlossen werden, dass der eine oder andere Bibelschriftsteller an eine
solche
Unbegrenztheit gedacht hat, so wie man auch sonst manches in der Bibel findet,
was nicht von dem Gott stammen kann, den Jesus lehrte (vgl. dazu
http://www.theologe.de/theologe8.htm). Doch von einer unendlichen Hölle ist nirgends ausdrücklich
die Rede. Bei genauerer Prüfung der Bibelstellen ergibt sich
also, dass eine Lehre von einer unendlichen Zeitdauer der Verdammnis aufs Ganze
gesehen nicht biblisch ist. Also ist es auch dem bibelgläubigen Leser
möglich, Herz und Verstand zu gebrauchen und zu einer anderen Entscheidung zu
kommen als die beiden Großkirchen. Dass kirchliche Theologen wie Fritz Rienecker
ihrer Kirche nicht gerne widersprechen, ist verständlich. Doch auch Fritz
Rienecker gibt im Lexikon zur Bibel (a.a.O.) unter dem Stichwort „Hölle“
zumindest zu: „Als das Reich, in dem der Satan herrscht, erscheint die Hölle
in der Heiligen Schrift jedoch nirgends.“
In diesem Zusammenhang weisen natürlich manche Kirchenmitglieder darauf
hin, dass „ihr“ Pfarrer auch nicht an die ewige Verdammnis glaube, weswegen man
als einfacher Gläubiger ja wohl auch nicht daran glauben müsse. Doch das zweite
ist unzutreffend. Hierzu ist zu
sagen, dass einzelne Pfarrer kommen und gehen und man sie aus Gründen des
Zeitgeistes vielfach gewähren lässt, obwohl sie dem Bekenntnis ihrer eigenen
Kirche widersprechen. Damit sollen auch kirchenkritische Mitglieder bei der
Stange gehalten werden. Das kirchliche Bekenntnis jedoch gilt und bleibt, und es
ist sowohl für die römisch-katholische als auch für die evangelischen Großkirchen
unverrückbar und fest, und es überdauert den Zeitgeist - ganz gleich, was einzelne Pfarrer
oder Priester zwischenzeitlich behaupten. Es sei denn, es würde eines Tages offiziell für nichtig
erklärt, was in der römisch-katholischen Kirche aber gar nicht möglich ist, weil man
damit die eigene Unfehlbarkeit in lehramtlichen Entscheidungen ad absurdum
führen würde. Die sympathischen Pfarrer, die also nicht an die von ihren Kirchen
gelehrte ewige Verdammnis glauben, gelten demnach in ihren eigenen Institutionen
als verworfene bzw. später ewig verdammte Irrlehrer (siehe dazu die
Bekenntnisse der beiden Großkirchen), auch wenn
es praktisch so niemand ausspricht.
Eine Alternative
zu dieser kirchlichen Lehre kann mit wenigen Sätzen skizziert werden: „Was der Mensch
sät, das wird er ernten“, heißt es auch wörtlich im Neuen Testament (Paulus,
Galater 6, 7). Es gibt also keinen kirchlich definierten Schwarz-Weiß-Endzustand, eventuell mit dem Zwischenstück „Fegefeuer“, sondern
immer eine Ernte
einer bestimmten Saat. Und wenn die Ernte natürlicherweise genau der Saat entspricht, dann ist
diese Ernte gerecht. Und so hat eine Schuld bei
aller denkbaren Schwere auch eine bestimmte Begrenzung. Und analog dazu wären
auch die Auswirkungen dieser Tat begrenzt. Und
wenn man einen gütigen Gott voraussetzt, dann zeigt dieser immer einen nächsten Schritt, auch wenn der Weg heraus aus
schwerem Leid sehr lange dauern kann. Und damit es dazu,
zu diesem schweren Leid,
gar nicht erst kommt, lehrte Jesus in der Bergpredigt
(Matthäus 5, 25-26): „Vertrage dich mit deinem Gegner sogleich, solange du noch
mit ihm auf dem Weg bist, damit dich der Gegner nicht dem Richter überantworte
und der Richter dem Gerichtsdiener und du ins Gefängnis geworfen werdest.
Wahrlich, ich sage dir: Du wirst nicht von dort herauskommen, bis du auch den
letzten Pfennig bezahlt hast.“
Deutlicher kann man es nicht sagen: Du wirst herauskommen. Doch du musst auch den letzten
Pfennig zuvor bezahlt haben. Und weil das eben sehr lange dauern kann, versöhne
dich lieber gleich. Und wenig später heißt es (5, 44): „Liebt eure Feinde und
bittet für die, die euch verfolgen, damit ihr Kinder seid eures Vaters im
Himmel.“ Das ist offenbar der schnellste Weg aus jeder selbst geschaffenen Hölle
heraus. Ein unendliches Gequält-Werden,
wie es im kirchlichen Dogma von der ewigen Verdammnis angelegt ist, haben sich
kranke und vermutlich sadistische Kirchenköpfe ausgedacht, und sie werden eines
Tages froh und dankbar sein können, wenn das, was nach ihren Vorstellungen andere erleiden
müssen, sie nicht selber trifft.
So dürfen also auch die Theologen früher oder später diesen Ort wieder
verlassen, den sie millionen- und milliardenfach Andersgläubigen ohne zeitliche
Begrenzung zugedacht haben. Und so wird sich wohl bewahrheiten, was Jesus von
Nazareth über die Theologen sagte, als er den Schriftgelehrten seiner Zeit
prophezeite: „Wahrlich, ich sage euch: Die Zöllner und Prostituierten kommen eher
ins Reich Gottes als ihr“ (Matthäus 21, 31). Doch irgendwann, wenn sie
von ihrem hohen Ross herabgestiegen oder herab gefallen und umgekehrt
sind, werden auch die Kirchenmänner und Theologen - offenbar mit als Letzte
unter allen Menschen - den Weg zurück zu Gott finden.
Anhang Nr. 1:
Drohen sich die Kirchen weiterhin gegenseitig die „ewige Verdammnis“ an?
Wie weit sich die Kirchen mit ihren (weitgehend staatsfinanzierten) intellektuellen Verrenkungen von jeder Gotteserfahrung entfernt haben, zeigt auch ein kurzer Blick auf die Ökumene.
Dazu die Frage: Drohen sich die römisch-katholische Kirche und z. B. die
evangelisch-lutherische Kirche gegenseitig die ewige Verdammnis an? Oder haben
sie die
Verdammungsurteile aufgehoben? Was die gegenseitige Androhung der
Konfessionen mit der ewigen Verdammnis betrifft, haben die evangelischen
Kirchen seit dem Deutschlandbesuch von Papst Johannes Paul II. im Jahr 1980 sich
sehr bemüht, diese aufzuheben.
Der „Erfolg“ war ein Bericht der nach dem Papstbesuch eingerichteten
„Gemeinsamen Ökumenischen Kommission“ von 1985, in der „erarbeitet“ wurde, dass
die gegenseitigen Lehrverurteilungen aus dem 16. Jahrhundert die damaligen
Adressaten heute nicht mehr betreffen. Auf katholischer Seite war vor allem Karl
Lehmann bei den Formulierungen engagiert. Doch auch Joseph Ratzinger war tätig, schied jedoch nach
seiner Wahl zum Papst 2005 aus dem „Ökumenischen Arbeitskreis evangelischer und
katholischer Theologen“ aus, der sich im Auftrag der „Gemeinsamen Kommission“ um
die Detailfragen kümmerte. Während die evangelischen Kirchen im Jahr 1994 dieser
zentralen Aussage, dass die früheren Lehrverurteilungen den jeweils anderen
nicht mehr träfen, nun unter dem Vorbehalt zustimmten, dass auch die
römisch-katholische Kirche zustimme, sprach die Deutsche Bischofskonferenz am
21.6.1994 nur von einer „wichtigen Etappe auf dem Weg zu einem gemeinsamen
Bekenntnis“ und verwies auf die letztliche Zuständigkeit des Vatikan. Dieser
hat aber keinesfalls zugestimmt, sondern bis heute alles in der Schwebe gelassen (mehr dazu unten im
Anhang Nr. 2).
So behält sich also die katholische Kirche tatsächlich vor, die Protestanten
ewig zu verdammen, auch wenn man sich offiziell so nicht äußert. So heißt es
z. B. in der oben genannten Stellungnahme der Deutschen Bischofskonferenz
wachsweich: „Dabei versetzt uns der gegenwärtige
Stand der Dialog-Ergebnisse leider noch nicht in die Lage, in jedem Fall
verbindlich zu entscheiden, ob die verbleibenden Unterschiede noch
kirchentrennenden Charakter haben oder als Ausdruck unterschiedlicher
theologischer Schulen im Verständnis des gemeinsamen Glaubens betrachtet werden
können.“ Und aufgrund dessen sind die gegenseitigen Verdammungen
tatsächlich nicht aufgehoben, da ja auch die evangelischen Kirchen im Jahr 1994 der
Aufhebung nur
zustimmen, wenn auch der Vatikan zustimmt. Doch der hält sich auch Jahre später
- gelinde gesagt - weiter bedeckt. Und er
wird wissen, warum. In der Öffentlichkeit wird jedoch so getan, als seien
aufgrund der oben zitierten Absichtserklärungen der Kommission die
Verurteilungen aufgehoben, was einmal mehr eine Täuschung der Menschen
darstellt.
Anhang 2:
Gelten die Protestanten am Ende als
„verkappte“ Katholiken
oder doch als „ewig Verdammte“?
Das Dogma der
römisch-katholischen Kirche kennt keinen Spielraum. Und folgender Lehrsatz Nr.
381 aus dem Standardwerk von Neuner-Roos, Der
Glaube der Kirche, ist nach römisch-katholischer Lehre "unfehlbar":
381 -
„[Die heilige römische Kirche, durch das
Wort unseres Herrn und Erlösers gegründet,] glaubt fest, bekennt und
verkündet, dass niemand außerhalb der katholischen Kirche, weder Heide
noch Jude noch Ungläubiger oder ein von der Einheit Getrennter - des ewigen
Lebens teilhaftig wird, vielmehr dem ewigen Feuer verfällt, das dem Teufel
und seinen Engeln bereitet ist, wenn er sich nicht vor dem Tod ihr (der
Kirche) anschließt. So viel bedeutet die Einheit des Leibes der Kirche,
dass die kirchlichen Sakramente nur denen zum Heil gereichen, die in ihr
bleiben, und dass nur ihnen Fasten, Almosen, andere fromme Werke und der
Kriegsdienst des Christenlebens den ewigen Lohn erwirbt. ´Mag einer noch so
viele Almosen geben, ja selbst sein Blut für den Namen Christi vergießen, so
kann er doch nicht gerettet werden, wenn er nicht im Schoß und in der
Einheit der katholischen Kirche bleibt.`“
(Fulgentius)
In einem Kompendium zum Katholischen Katechismus auf den offiziellen
Vatikanseiten
www.vatican.va wird diese Lehre jedoch verharmlosend in modernere Sprache
umformuliert, ohne dass dadurch die klaren Dogmen aufgehoben sind. So heißt es
dort:
168.
Wer gehört zur katholischen Kirche? - Nr.
836-838 - Alle Menschen gehören auf verschiedene
Weise der katholischen Einheit des Gottesvolkes an oder sind ihr zugeordnet. Der
Kirche voll eingegliedert ist, wer sich, im Besitz des Geistes Christi, durch
die Bande des Glaubensbekenntnisses, der Sakramente und der kirchlichen Leitung
und Gemeinschaft mit ihr verbindet. Die Getauften, die diese katholische Einheit
nicht voll verwirklichen, stehen in einer gewissen, wenn auch nicht vollkommenen
Gemeinschaft mit der katholischen Kirche.
169. In welchem Verhältnis steht die katholische
Kirche zum jüdischen Volk? - Nr. 839-840
- Die katholische Kirche erkennt ihr Verhältnis zum jüdischen Volk in der
Tatsache, dass Gott dieses Volk als erstes unter allen Völkern erwählt hat, um
sein Wort aufzunehmen. Das jüdische Volk besitzt „die Sohnschaft, die
Herrlichkeit, die Bundesordnungen, ihm ist das Gesetz gegeben, der Gottesdienst
und die Verheißungen, sie haben die Väter, und dem Fleisch nach entstammt ihnen
der Christus“ (Röm 9,
4-5). Im Unterschied zu den anderen nichtchristlichen Religionen ist der
jüdische Glaube schon Antwort auf die Offenbarung Gottes im Alten Bund.
170. Welche Verbindung besteht zwischen der katholischen Kirche und den
nichtchristlichen Religionen? -
Nr. 841-845 - Es gibt eine Verbindung, die vor
allem auf dem gemeinsamen Ursprung und Ziel des ganzen Menschengeschlechtes
beruht. Die katholische Kirche anerkennt, dass alles, was sich in den anderen
Religionen an Gutem und Wahrem findet, von Gott kommt, ein Strahl seiner
Wahrheit ist, auf die Annahme des Evangeliums vorbereiten und zur Einheit der
Menschen in der Kirche Christi hindrängen kann.
171. Was bedeutet die Aussage: „Außerhalb der Kirche kein Heil“? -
Nr. 846-848 - Diese
Aussage bedeutet, dass alles Heil von Christus, dem Haupt, durch die Kirche,
seinen Leib, kommt. Darum können jene Menschen nicht gerettet werden, die
wissen, dass die Kirche von Christus gegründet wurde und zum Heil notwendig ist,
in sie aber nicht eintreten oder in ihr nicht ausharren wollen. Zugleich können
durch Christus und seine Kirche diejenigen das ewige Heil erlangen, die ohne
eigene Schuld das Evangelium Christi und seine Kirche nicht kennen, Gott jedoch
aufrichtigen Herzens suchen und sich unter dem Einfluss der Gnade bemühen,
seinen durch den Anruf des Gewissens erkannten Willen zu erfüllen.
Manche Katholiken möchten deshalb gerne so
tun, als ob die
Protestanten eben auf andere Weise als die Katholiken „der katholischen Einheit
des Gottesvolkes“ angehören bzw. „ihr zugeordnet“ seien. Sie könnten demnach
dann als „die Getauften gelten, die diese katholische Einheit nicht voll
verwirklichen“, und nicht als diejenigen, die „nicht eintreten wollen“ und
deshalb nicht gerettet würden. Doch das sind theologische Spitzfindigkeiten. Vermutlich
ist die Unklarheit ganz bewusst so gewollt, so dass man es jeweils nach Bedarf
auslegen kann. Wäre es nämlich klar, könnte die katholische Kirche ja ohne
weiteres sagen: „Die
Protestanten werden auf ihre Weise gerettet.“ Doch genau das wird eben ganz
bewusst nicht
gesagt, so dass die Situation immer auf eine eigentümliche und bedrohliche Art
in der Schwebe bleibt, so ganz nach dem katholischen Motto für die einfachen
Leute: „Lieber doch voll römisch-katholisch werden, man kann ja nie wissen.“
Dagegen steht die befreiende Erfahrung aller freien Christen: Aus der Kirche
austreten und Gott erfahren!
Anhang 3:
Die „ewig Verdammten“ nach der bis heute
verbindlichen evangelisch-lutherischen Augsburger Konfession (= Confessio Augustana = CA)
Derhalben werden verworfen alle Ketzereien, so diesem Artikel [über die angebliche Dreieinigkeit Gottes] zuwider seind [ausdrücklich genannt werden die Manichäer, Valentianer, Arianer, Eunomianer, Mahometisten, Samostaner]. (CA I)
Hieneben werden verworfen die Pelagianer und andere, so die Erbsund nicht fur Sund halten. (CA II)
Und werden verdammt die Wiedertaufer und andere, so lehren, dass wir ohn das leiblich Wort des Evangelii [das Predigtamt] den heiligen Geist durch eigene Bereitung, Gedanken und Werk erlangen. (CA V)
So sind die Sakrament gleichwohl kräftig, obschon die Priester, dadurch sie gereicht werden, nicht fromm sind ... Derhalben werden die Donatisten und alle anderen verdammt, so anderst halten. (CA VIII)
Derhalben werden die Wiedertaufer verworfen, welche lehren, dass die Kindertauf nicht recht sei. (CA IX)
Hie werden verworfen die, so lehren, dass diejenigen, die einst seind fromm worden, nicht wieder fallen mugen. Dagegen auch werden verdammt die Novatiani, welche die Absolution denen, so nach der Tauf gesündigt hatten, weigerten. Auch werden die verworfen, so nicht lehren, dass man durch Glauben Vergebung der Sünde erlange, sondern durch unser Genugtun. (CA XI)
Hie werden verdammt die Wiedertaufer, so lehren, dass der obangezeigten [Polizei, Regierung, Fürsten, Richter, Todesstrafe, gerechte Kriege, Streit, Kauf und Verkauf, Eide, Eigentum, Ehe] keines christlich sei. Auch werden diejenigen verdammt, so lehren, dass christliche Vollkommenheit sei, Haus und Hof, Weib und Kind leiblich verlassen. (CA XVI)
Derhalben werden die Wiedertaufer verworfen, so lehren, dass die Teufel und verdammte Menschen nicht ewige Pein und Qual haben werden. Item, werden hie verworfen auch etlich judisch Lehren, die sich auch itzund eräugen, dass vor der Auferstehung der Toten eitel Heilige, Fromme ein weltlich Reich haben und alle Gottlosen vertilgen werden. (CA XVII)
Auf der anderen Seite heißt es jedoch in Artikel CA IV:
„Weiter wird gelehrt, ... dass wir Vergebung der Sunde bekommen und vor Gott
gerecht werden aus Gnaden umb Christus willen durch den Glauben, so wir glauben,
dass Christus für uns gelitten habe und dass uns umb seinen willen die Sunde
vergeben, Gerechtigkeit und ewiges Leben geschenkt wird. Dann diesen Glauben
will Gott für Gerechtigkeit vor ihme halten und zurechnen, wie Sant Paul sagt
zun Romern am 3. und 4.“
Demnach hat es den Anschein, dass letztlich die hier angeführte knappe
Bedingung („so wir glauben, dass Christus für uns gelitten habe und dass uns umb
seinen willen die Sunde vergeben, Gerechtigkeit und ewiges Leben geschenkt
wird“) ausreichen könnte, um nach evangelisch-lutherischer Lehre ewiges Leben zu
bekommen, selbst wenn man wegen seiner Haltung zu den anderen Glaubensätzen
(siehe oben
CA I, CA V, CA VII, CA IX, CA
XI) zu den Verdammten zählen würde. Und das würde
dann konkret bedeuten: Zwar würde der Mensch
N.N. aufgrund der abweichenden Haltung nach den oben erwähnten Lehrsätzen nach
evangelisch-lutherischer Lehre verdammt, doch der evangelische Gott würde
ihm trotz seiner Abweichungen zu guter Letzt seinen „Glauben“ nach
Artikel IV zur
„Gerechtigkeit“
„zurechnen“. Doch kann das stimmen?
Sicher wird jemand so argumentieren, der die
evangelische Lehre gegenüber kritischen Zeitgenossen zu verteidigen versucht.
Doch nimmt man dann diese Lehre wirklich ernst, was man auf jeden Fall tun
sollte, denn bei ihrer Lehre versteht die Kirche keinen Spaß? Und wenn man das
tut, muss man schon von folgendem ausgehen: Bei dem zentralen evangelischen Glaubenssatz
„Allein der Glaube genüge“ und seiner Erklärung in
CA IV
soll natürlich immer das ganze Glaubensgebäude um diesen Glauben herum mitgedacht
werden, nicht nur eine Kurzfassung. Und so gesehen könne jemand dann diese „Zurechnung“
seines Glaubens für das Seelenheil nach
CA IV nicht für sich geltend machen, wenn er in
einem der oben genannten für die Kirche wesentlichen Bereiche des Glaubens
abweicht. Denn diese Bereiche sind ja keineswegs Randgebiete. Sondern sie sind
offizielles Bekenntnis, gehören also zum Zentrum der Lehre. Und wenn jemand
davon abweicht, dann würde er dadurch eben nur deutlich machen,
dass das Kernstück seines
Glaubens („Allein der Glaube genüge“) bei ihm auch nicht stimmig sein kann. Denn würde das
andere Wesentliche nicht mitgeglaubt, wäre es eben auch nicht der nach
CA IV gemeinte Glaube, so wie er „zugerechnet“ werden könnte.
Und genau deshalb wird ja eben bei Abweichungen
bei den oben aufgeführten Themen
(CA I, CA V, CA VII, CA
IX, CA XI) ausdrücklich die Verdammnis des so angeblich falsch Glaubenden
festgeschrieben, auch wenn bei den Betroffenen alles andere konform wäre. Denn dann
wäre es eben summa summarum logischerweise doch nicht der richtige Glaube. Und es
heißt deshalb ausdrücklich nicht: Die zugesprochene Verdammnis nach
CA I, CA V, CA VII, CA IX und CA XI
gelte nicht, wenn der
Betreffende wenigstens
CA IV annehme.
Die Menschen sollten sich also nicht von den butterweichen Verharmlosungen ihrer
Lehre durch die heutigen evangelischen Pfarrer täuschen lassen. Doch selbst wenn
die evangelische Kirche durch eine neue Lehrentscheidung den oben verdammten
Personenkreis über eine Hintertür doch in ihr "rettendes" Boot zurückholen
würde, so gilt dennoch: Diese Lehre ist eben evangelisch-lutherisch. Und wer sich so
nennt, der sollte sich diese Lehre konsequenterweise eben in dieser Weise aneignen,
wie es gemeint ist. Mit
Jesus, dem Christus und der Wahrheit, die er brachte, hat die evangelische Lehre aber nichts zu tun.
Für den, der hier
nun tiefer einsteigen möchte, wird es jedoch noch komplizierter. Interessanterweise
werden einzig bei der Abendmahlslehre nicht
diejenigen verdammt, die es anders glauben. Sondern hier werden ausnahmsweise nicht die
Personen, sondern die Lehre verdammt.
Wörtlich heißt der ganze
Artikel CA X:
„Von dem Abendmahl des Herren wird also gelehrt, dass wahrer Leib und Blut
Christi wahrhaftiglich unter der Gestalt des Brots und Weins im Abendmahl
gegenwärtig sei und da ausgeteilt und genommen werden. Derhalben wird auch die
Gegenlehr [wobei nicht ganz klar ist, welche genau gemeint ist; die katholische oder
die evangelisch-reformierte, wobei es auf beide hinaus läuft] verworfen.“
Wer also den
Artikel CA X nicht so glaubt, den
Rest aber schon, würde dann wenigstens derjenige nach evangelisch-lutherischer
Lehre sicher nicht ewig verdammt? Dies scheint logischerweise so zu sein. Bei den
Details der Abendmahlslehre würden Abweichungen evangelischerseits demnach
offenbar
nicht zum Verlust des Seelenheils führen, obwohl die Abweichungen als solche
„verworfen“ werden. Und nur letzteres kann sicher aus
CA X
entnommen werden. Bei der Kindertaufe z. B. (CA IX)
ist es
jedoch anders. Hier kennt die Kirche bei Abweichungen keine Gnade. Und hier wird
ja auch die Kirche in ihrer Substanz und in ihrem finanziellen Mark, in der
Mitglieder-Rekrutierung schon im Säuglingsalter, getroffen (siehe dazu
Der Theologe Nr. 40).
Wem das alles nicht behagt, der
könnte
einfach austreten. Schon allein der Kirchenaustritt bringt einen Menschen Gott
ein Stück näher. Denn der Schöpfergott wollte niemals eine institutionalisierte
katholische oder evangelische Kirche mit Dogmen
und Bekenntnissen, die das Gehirn und das Gemüt des Menschen schwer belasten.
Und wer austritt, erfüllt deshalb in diesem Aspekt bereits den Willen Gottes. Und der
Staat sollte die katholische und evangelische „Wissenschaft“ nicht länger mit
Millionen und Milliarden von Euro subventionieren. Das eingesparte Geld könnte
z. B. für eine gesunde Natur verwendet werden, die überlebenswichtig für den
ganzen Planeten ist und alle seine Bewohner ist und wo Menschen z. B. wirkliche Gotteserfahrung machen können
(mehr dazu z. B. in der
Schrift Freie Christen Nr. 1).
Anhang 4:
Torwart Robert Enke wird nach kirchlicher Lehre
ewig verdammt
Gigantischer Etikettenschwindel der Kirche
in der Öffentlichkeit
12.11. / 18.11. / 29.12.2009 - Der Selbstmord des deutschen
Fußball-Nationaltorhüters Robert Enke (32; Torwart von SV Hannover 96) am
10.11.2009 hat die meisten Menschen bestürzt und tief erschüttert. Robert Enke litt an schweren
Depressionen und hat sich auf einem Bahngleis bei Hannover von einem Regionalzug
überfahren lassen. Tags darauf wurde in der Marktkirche in Hannover eine
ökumenische Trauerandacht gehalten mit der evangelisch-lutherischen
Landesbischöfin Dr. hc. Margot Käßmann und dem katholischen Pfarrer und Anhänger
von Hannover 96, Heinrich Plochg. Der katholische Priester hielt auch die
Ansprache bei der großen Trauerfeier am 15.11.2009 in der AWD-Arena. Robert Enke hatte ihm nach einem Spiel einmal
seine Torwart-Handschuhe geschenkt. Die Kirchen sind dabei allerdings doppelzüngig. Nach außen bieten sie den Trauernden vermeintlich Trost und
Beistand an und organisieren z. B. eine solche ökumenische Andacht oder werden
eingeladen, bei Trauerfeiern Reden zu halten. Dabei
verschweigen sie den Menschen aber gezielt ihre Lehre, denn diese steigert die Tragödie des
Selbstmords ins Unerträgliche hinein. Und so verschwieg der katholische Priester
auch bei der großen Abschiedsfeier für Robert Enke die kirchliche Lehre und
versuchte stattdessen mit Worten von der Nähe Gottes zu trösten, welche seiner
eigenen Kirche widersprechen. Und Pfarrer Heinrich Plochg sagte weiter wörtlich: "Er
war nicht nur Idol, sondern ein Ideal, ein ideales Vorbild" (stern.de,
16.11.2009). Krasser kann der
Gegensatz zur gültigen Lehre der katholischen Kirche überhaupt nicht formuliert
werden, wonach Robert Enke als Selbstmörder unsere Zivilisation "schändete",
"zersetzte" und "entwürdigte" (siehe
hier), sich in "die Gewalt des Teufels"
begab und die "Rechtfertigungsgnade" damit für immer verloren habe
und deshalb den unendlichen Rest seiner ewigen Existenz in die Hölle müsse
(siehe hier). Das ist die verbindliche
römisch-katholische Lehre. Wer das jedoch nicht so sieht,
der sollte deshalb aus der katholischen Kirche austreten. Pfarrer Heinrich Plochg hat die
Menschen in der AWD-Arena über die wahren Inhalte des Katholizismus getäuscht.
Der Priester sprach dort auch das Vaterunser in der kirchlichen
Fassung, in der es über Gott heißt: "Führe uns nicht in Versuchung!" Das
bedeutet in diesem Zusammenhang: Gott habe wohl Robert Enke in Versuchung geführt, uns möge
er jedoch davor
bewahren. - Doch die Worte von Jesus sind in der Bibel falsch überliefert. In Wirklichkeit sprach Jesus
nämlich vertrauensvoll über Gott,
der keinen einzigen Menschen in Versuchung führt. Denn bei Gott gilt: "Du
führst uns in der Versuchung" (siehe hier),
und das gilt für alle ausnahmslos. So ist der richtige Text, wie ihn die
Urchristen beteten. Die Kirchen halten jedoch beim Vaterunser an der falschen
Formulierung fest.
Gleich "dreimal" verdammt: Nicht getauft, nicht kirchlich geglaubt und in "Todsünde" verstorben
Noch einmal zurück zu der Frage, was nun mit dem Verstorbenen
nach römisch-katholischer Lehre geschieht. Robert Enke war erstens mit an Sicherheit
grenzender Wahrscheinlichkeit
konfessionslos, erfüllt also nicht einmal die erste
aus Sicht der Kirche "heilsnotwendige" Bedingung für das Seelenheil, nämlich eine kirchliche
Taufe.* Dass die Taufe für die Kirche tatsächlich "heilsnotwendig" ist,
bekräftigt sie vielfach (z. B. unten). Wäre es
nicht so, könnte die Kirche ja auch das Instrument der "Nottaufe"
abschaffen, mit dem sie bei Todesgefahr einem Menschen schnell noch das
"heilsnotwendige" "Sakrament" unter vereinfachten Umständen spenden will, um
damit angeblich dessen Seele zu retten. Deshalb ist bei Todesgefahr eines
Nichtgetauften jedes
Kirchenmitglied als Täufer
autorisiert.
Doch selbst wenn der Torwart noch in letzter Minute von einem Kirchenmitglied
"notgetauft" worden wäre, hat er zum zweiten offenbar auch nicht im Sinne der kirchlichen Lehren
geglaubt (siehe hier). Und so könnte ihm solches auch
nicht für sein
Seelenheil "zugerechnet" werden, wie es in den Kirchen gelehrt wird. Und drittens ist er in einer nach
katholischer Lehre schweren "Todsünde" verstorben, welche sowieso und
unmissverständlich die ewige Verdammnis nach sich ziehe, selbst wenn jemand nach
katholischer Lehre die ersten beiden Bedingungen erfüllen würde.
Es besteht also nach gültiger kirchlicher Lehre überhaupt kein Zweifel über das jenseitige
Schicksal von Robert Enke, auch wenn die Kirchenführer ihn als Menschen schätzten.
Doch die guten Taten, die ein Mensch zu Lebzeiten vollbrachte, sind weder nach
katholischer und erst recht nicht nach evangelischer Lehre für das Seelenheil
entscheidend, was einige der unten aufgeführten Belegstellen deutlich
machen.
Damit eines ganz klar ist: Wir halten
die kirchlichen Lehren für grausamen Unsinn, und wir glauben, dass der ewige und liebende Gott
den verstorbenen Robert Enke, seine Angehörigen und alle Trauernden trösten
möchte und dass Seine Hand auch jetzt in dieser Situation sie führen möchte und
führt, wenn der Mensch sich führen lässt - im Diesseits und im Jenseits. Auch glauben wir, dass alles von Bedeutung ist, was jemand auf
dieser Erde an Ungutem oder an Gutem getan an, ob gegenüber Menschen oder
Tieren, denn alles wird im weiteren Leben gerecht gewogen (mehr dazu siehe z. B.
Der Theologe Nr. 2 oder
Freie Christen Nr. 6). Das ist auch das Urwissen der Menschheit.
"Gespaltene Zungen": Sie reden süß und lehren tödlich
Gerade deshalb weisen wir auf die Heuchelei
der
Kirche hin, die nach außen mitmenschlich tut, jedoch ihre grausame Lehre
keineswegs zu
ändern gedenkt, wie zuletzt erst wieder der Eichstätter Bischof Gregor Maria
Hanke betonte (siehe hier).
Und ein gutes Verhältnis zur Landesbischöfin Dr. Margot Käßmann und zu Pfarrer
Heinrich Plochg und ein guter Charakter reichen
eben nach kirchlicher Lehre für Robert Enke nicht für das spätere Seelenheil aus.
Und falls die Landesbischöfin das anders sehen sollte, dann müsste ihre Kirche hier sofort ihre Lehre
unmissverständlich ändern statt
scheinheilig "süß" predigen zu lassen, aber "tödlich bitter" zu lehren
und zu verdammen gleich dem Katholizismus. Denn dadurch werden die Menschen, die sich damit näher befassen und
dies glauben, in
noch größere Verzweiflung und Seelenpein geführt.
Andere Gläubige dagegen würden endlich aufbegehren gegen diese doppelzüngige
Gebilde. Würde die Kirche ihren
Gläubigen nämlich reinen Wein über die wahre kirchliche Lehre
einschenken (auch im Hinblick auf Robert Enke), statt vordergründig mit Worten
über Mitmenschlichkeit die Zustimmung der Menschen erheischen zu wollen, dann würden
Zehntausende sofort austreten. Und das will die Kirche natürlich verhindern -
deswegen das verlogene "Spiel" in der
Öffentlichkeit. In indianischen Kulturen würde man von Menschen mit "gespaltener
Zunge" sprechen.
Jeder Mensch muss sich letztlich entscheiden:
Entweder für einen liebenden Gott und für Menschen wie Robert Enke und seine
Angehörigen und Freunde - oder für die Dogmen und Bekenntnisschriften der Kirche und gegen
Menschen wie Robert Enke und die Hoffnung seiner Angehörigen und Freunde. Beides zusammen geht
nicht. Zwar kann eine Frau wie Landesbischöfin Dr. Margot Käßmann mit ihrem
Charme und ihrer Redegewandtheit die kirchliche Lehre eine Zeitlang verschleiern und
umnebeln, doch auf Dauer lassen sich die Menschen nicht mehr irreführen.
Die Beweise
Hier einige Belegstellen, die das
beweisen, was wir oben dargelegt haben:
1) Robert Enke und die Religion: "Ich
bin nicht gläubig ... Ich
weiß nicht, ob jemand das Leben lenkt. Aber so viel weiß ich: Man kann es nicht
ändern" (Frankfurter Rundschau,
24.12.2008).
2) Evangelische Kirche:
- Die Taufe "wirket Vergebung der Sünden, erlöst vom Tod und Teufel und gibt die
ewige Seligkeit allen, die es glauben, wie die Worte und Verheißungen Gottes
lauten, da unser Herr Christus spricht bei Markus ...: ´Wer da glaubet
und getauft wird, der wird selig. Wer aber nicht glaubet, der wird verdammt"
(Martin Luther, Kleiner Katechismus, Die Bekenntnisschriften der
Evangelisch-Lutherischen Kirche, Göttingen 1982, S. 516).
- "Weiter wird gelehrt, dass wir Vergebung der Sünde und Gerechtigkeit vor Gott
nicht erlangen mögen durch unser Verdienst, Werk und Genugtun, sondern ... so
wir glauben, dass Christus für uns gelitten habe und dass uns um seinetwillen
die Sünde vergeben, Gerechtigkeit und ewiges Leben geschenkt wird. Denn diesen
Glauben will Gott für Gerechtigkeit vor ihm halten und zurechnen ..."
(Augsburger Konfession IV, zit. nach Die Bekenntnisschriften, a.a.O.)
- "Von der Taufe wird gelehret, dass sie nötig sei ..." (Augsburger
Konfession IX., zit. nach Die Bekenntnisschriften, a.a.O.).
-
"Wir bekennen, dass die
Taufe zur Seligkeit vonnöten sei"
(Apologie der Konfession IX.2., zit. nach Die Bekenntnisschriften, a.a.O.).
- "So kann ich auch rühmen, dass die Taufe kein Menschenwerk sei, sondern von
Gott selbst eingesetzt, dazu
ernstlich und streng geboten, dass wir uns müssen taufen lassen oder sollen nicht selig werden"
(Martin Luther, Großer Katechismus, zit. nach
Die Bekenntnisschriften, a.a.O., S. 692).
Und Robert Enke war offenbar weder "nötig" getauft
noch hat er in diesem Sinne geglaubt. Und sein "Verdienst" und "Werk" spielen
demnach keine Rolle.
3) Katholische Kirche:
- "[Die
heilige römische Kirche, durch das Wort unseres Herrn und Erlösers gegründet,]
glaubt fest, bekennt und verkündet, dass niemand außerhalb der katholischen
Kirche, weder Heide noch Jude noch Ungläubiger oder ein von der Einheit
Getrennter - des ewigen Lebens teilhaftig wird, vielmehr dem ewigen Feuer
verfällt, das dem Teufel und seinen Engeln bereitet ist, wenn er sich nicht vor
dem Tod ihr (der
Kirche) anschließt. So viel
bedeutet die Einheit des Leibes der Kirche, dass die kirchlichen Sakramente nur
denen zum Heil gereichen, die in ihr bleiben, und dass nur ihnen Fasten,
Almosen, andere fromme Werke und der Kriegsdienst des Christenlebens den ewigen
Lohn erwirbt. ´Mag einer noch so viele Almosen geben, ja selbst sein Blut für
den Namen Christi vergießen, so kann er doch nicht gerettet werden, wenn er
nicht im Schoß und in der Einheit der katholischen Kirche bleibt`
(Fulgentius)"
(zit. nach Neuner-Roos, Der Glaube der Kirche, Nr. 381, siehe
hier).
-
"Außerhalb der Kirche kann niemand gerettet werden.
Freilich sind nicht alle, die in unüberwindlicher Unwissenheit über Christus und
seine Kirche leben, schon aufgrund dieser Unwissenheit ewig zu verdammen ... Er
[Christus] schenkt auch jedem seine Gnade, der sich nach Kräften müht, so dass
er die Rechtfertigung und das ewige Leben erreichen kann. Diese Gnade erhält
aber keiner, der von der Einheit des Glaubens oder von der Gemeinschaft der
Kirche aus eigener Schuld getrennt ist und so aus diesem Leben scheidet"
(zit. nach Neuner-Roos, Der Glaube der
Kirche, Nr. 369, siehe hier).
- "Was ferner zum Leben selbst im Gegensatz steht, wie jede Art Mord,
Völkermord, Abtreibung, Euthanasie und auch der freiwillige Selbstmord
... all dies und anderes Derartiges ist ohne Frage eine Schande, und indem es die
menschliche Zivilisation zersetzt, entwürdigt es ... jene, die sich so verhalten
... und widerspricht in höchstem Maße der Ehre des Schöpfers" (2.
Vatikanisches Konzil, Pastoralkonstitution Gaudium et spes, 1965, zit. nach
Denzinger/Hünermann, Kompendium der Glaubensbekenntnisse und kirchlichen
Lehrentscheidungen, Nr. 4327, Freiburg 2009).
Dies und nichts anderes ist die Lehre der römisch-katholischen Kirche. Das
bekräftigte am 18.11.2009 noch einmal Bischof Gregor Maria Hanke aus Eichstätt.
Es sei an der Zeit, so der Bischof
"dass Christen noch mehr als bisher im Sinn des Zweiten Vatikanischen Konzils
und seiner Konstitution ´Gaudium et spes` ihren Weltauftrag wahrnehmen"
(http://www.domradio.de/aktuell/artikel_58639.html). Das heißt ganz klar:
Demnach habe Robert Enke in Schande dazu beigetragen, die menschliche
Zivilisation zu zersetzen und habe sich damit selbst entwürdigt und den Schöpfer
entehrt.
- Der Selbstmord zählt deshalb für die katholische
Kirche auch unmissverständlich zu den
"Todsünden". Und hier
nach römisch-katholischer Lehre die "Wirkungen der Todsünde: Feindschaft mit Gott: 1680
(Lehrsatznummer nach Denzinger/Hünermann, Kompendium der Glaubensbekenntnisse); Verlust der
Rechtfertigungsgnade 1705; Ausschluss aus dem Reich Gottes 835; Überführung in
die Gewalt des Teufels 1347 1349 1521 1668; ewige Verdammung, Hölle 780 839 858
1002 1075 1306 ... Die Seelen der in einer aktuellen Todsünde Verstorbenen
kommen in die Hölle (228 342) 839 858 926 1002 1075 1306; vgl. M 3d
(Verwerfung des Menschen)" (Denzinger/Hünermann, Kompendium der
Glaubensbekenntnisse und kirchlichen Lehrentscheidungen, D3b, Freiburg 2009, S.
1634).
Auch Fußballspieler Lukas Podolski droht nach katholischer Lehre die Hölle
Die römisch-katholische
Kirche lässt nach ihren Dogmen und Lehrentscheidungen auf diese Weise keinen
Zweifel daran, was nach ihrem Glauben mit Robert Enke passiert ist. Den
Fußballstürmer Lukas Podolski vom 1. FC Köln hat sie jedoch bis jetzt genauso
getäuscht wie zahllose andere Menschen. Nachdem Lukas Podolski im Länderspiel
Deutschland-Elfenbeinküste (2:2) zwei Tore für Deutschland geschossen hatte,
sagte er: "Alle wissen ja, ich bin
Katholik. Die Tore waren für Robert. Der Robert schaut von oben zu" (taz,
21.11.2009). Mit dieser "ketzerischen" Haltung, wonach Robert Enke
"oben" sei und damit "gerettet", droht auch Lukas Podolski die
Verdammnis, wenn er sie nach entsprechender Aufklärung nicht widerruft. Denn es
gilt u. a. der "unfehlbare" Lehrsatz: "Wer nicht die ganze kirchliche
Überlieferung annimmt, die geschriebene wie die ungeschriebene, der sei
ausgeschlossen" (= verdammt; siehe hier).
Derzeit könnte Podolski nur eventuelle "unverschuldete" "Unwissenheit" noch vor der Hölle bewahren
(siehe hier).
Mit dem
christlichen Glauben hat der katholische Glaube jedoch nichts zu tun.
Nach
urchristlicher Lehre ist die Seele eines Menschen, der den Freitod bzw.
Selbstmord wählte, noch so lange "erdgebunden" wie seine Lebensspanne noch
gedauert hätte. Die Seele bleibt also - unsichtbar für die Menschen - auf der
Erde und bekommt mit, was ihre Angehörigen, Freunde usw. denken und fühlen. Das
ist für die Seele mit neuem zusätzlichen Leid verbunden. Doch dieses dauert
nicht "ewig". Auch diese Seele wird im Jenseits oder eventuell in einem weiteren
irdischen Leben ihren Weg weiter gehen und in der Regel früher oder später
wieder an eine ähnliche Hürde geführt werden, der sie einst durch den Selbstmord
entkommen wollte - um die Hürde dieses Mal zu bewältigen.
Zum Thema "Depressionen" siehe auch:
http://www.das-weisse-pferd.com/99_21/depressionen.html
* PS: In manchen Internet-Foren
wird zwar spekuliert, er könnte katholisch gewesen sein, weil der katholische
Pfarrer Plochg an den Zeremonien beteiligt war. Auf allen katholischen Seiten
wird solches jedoch nicht bestätigt. Das Engagement des Priesters und
Hannover-96-Fans wird stattdessen mit seiner "persönlicher Begleitung der
Familie" erklärt und mit den "engen Beziehungen zwischen der katholischen Kirche
in Hannover und Hannover 96" (kath-kirche-hannover.de). Außerdem fand die
erste Andacht in der evangelischen Kirche statt. Und Robert Enke selbst, der die
ersten Lebensjahre in der DDR aufwuchs, bezeichnete sich selbst auch als "nicht
gläubig" (siehe hier).
Weiterführende Literatur zum Thema:
Freie Christen Nr. 1 - Gott wohnt nicht in Kirchen aus Stein. Darum treten Sie aus, Sie sind nicht allein.
Der Theologe Nr. 1 - Wer folgt Luther nach, und wer folgt Christus nach?
Der Theologe Nr. 2 - Reinkarnation: Wer nützt die Zeit auf der Erde?
Der Theologe Nr. 9 - Todesfalle Kirche - Warum musste Anneliese Michel sterben?
Der Theologe Nr. 18 - Der Glaube der Kirche
Der Holocaust und die kirchliche Lehre von der ewigen Verdammnis in: Der Theologe Nr. 4
Der Text kann wie folgt zitiert werden:
Zeitschrift "Der Theologe", Hrsg. Dieter Potzel, Ausgabe Nr. 19: Es gibt keine ewige Verdammnis - auch nicht in der Bibel, Wertheim 2005, zit. nach http://www.theologe.de/theologe19.htm, Fassung vom 21.11.2009Hier eine Auswahl der Theologen-Ausgaben und einiger anderer interessanter Texte.
Alle Theologen-Ausgaben finden Sie auf der Startseite [ www.theologe.de ]
Weitere Seiten mit Hintergrundinformationen finden Sie bei [ Inhaltsverzeichnis ][ 1 - Luther-Evangelische Lehre ] [ 2 - Reinkarnation ] [ 3 - Luther-Christus ] [ 4 - Kirche-Holocaust ]
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