DER THEOLOGE
Nr. 73


"Wie im" kirchlichen "Himmel so auf Erden"
Dem stummen Frühling entgegen
Das große Bienensterben und die Ausrottung der Tiere auf der Erde


In jedem Frühjahr kommt die Zeit, wo in lauen Nächten die Frösche quaken oder Igel durch die Büsche rascheln. Das klingt recht idyllisch, aber gibt es das überhaupt noch? Nach Untersuchungen der Britischen Gesellschaft für Igelschutz beträgt die dortige Igelpopulation nur mehr 3 % des Nachkriegsbestandes. Und auch in Deutschland ist es nicht viel besser, sechs Bundesländer führen den Igel bereits auf der Roten Liste. Wir sind es zwar gewohnt, in den Massenmedien regelmäßig Meldungen über die Gefährdung von Tier- und Pflanzenarten zu hören oder zu lesen. Doch wer will sich schon gerne mit diesen negativen Meldungen befassen? Bemerken wir in Mitteleuropa überhaupt noch, dass es sich bei den bedrohten Tierarten längst nicht mehr um exotische Ausnahmen handelt, sondern um vertraute einheimische Arten wie Igel, Sperling, Lerche oder Laubfrosch?
Mehr dazu zum Beginn dieser Studie. Teil 2 beschäftigt sich der Bedeutung der Bienen für das Überleben auch des Menschen und Teil 3 speziell mit dem Bienensterben.


Gifte aus der industriellen Landwirtschaft: 3/4 der Amphibien droht Aussterben

Die Zahl der Frösche und Kröten geht in der Tat dramatisch zurück. Fast drei Viertel der heimischen Amphibienarten sind sogar vom Aussterben bedroht. Dafür ist nach Auskunft von Experten hauptsächlich die industrielle Landwirtschaft verantwortlich, die den natürlichen Lebensraum dieser Tiere zum Großteil vernichtet hat. Ungefähr die Hälfte der in Europa vorkommenden Amphibienarten lebt nicht am Wasser, wie man vielleicht annimmt, sondern auf Äckern und Feldern. Viele Tiere sterben auch durch die Agrargifte, die auf den Feldern regelmäßig versprüht werden. Verschwinden aber die Frösche und Kröten, so hat das wiederum Folgen für andere Arten, da Amphibien eine wichtige Rolle im Nahrungskreislauf spielen.
In der Natur steht alles mit allem in Verbindung. Und wir Menschen gehören mit dazu, wir sind ein Teil der Natur. Doch nehmen wir sie auch wahr? Das dramatische Verschwinden von Fröschen und Kröten praktisch vor unserer Haustür verlief lange Zeit unbemerkt.

Vom Menschen verursachter Klimawandel: Auch Sperlinge und Meisen auf der roten Liste der bedrohten Arten

Ähnlich ist es auch bei einem anderen Beispiel, der Kohlmeise. Mit dem Unterschied: Ihr macht nicht nur die industrielle Landwirtschaft zu schaffen, sondern auch der Klimawandel. Die vom Menschen verursachte Klimaerwärmung bewirkt, dass die Pflanzen im Frühjahr früher austreiben, und auch die Raupen auf diesen Pflanzen entwickeln sich entsprechend früher. Die Meisen haben dadurch oft Mühe, Futter für ihre Jungen zu finden.
Wer von uns hätte noch vor wenigen Jahren gedacht, dass ein Vogel, der praktisch in jedem Garten in großer Zahl vorkommt, einmal Gefahr laufen würde, auszusterben? Doch es betrifft nicht nur die Meisen. Etwa die Hälfte der in Bayern vorkommenden über 200 Brutvogelarten steht heute bereits auf der Roten Liste, weitere 34 Arten befinden sich auf einer so genannten Vorwarnliste. Dort stehen unter anderem Feldlerche, Stieglitz, Star, Rebhuhn, Turteltaube, aber auch Feldspatz und Mehlschwalbe.

Der stumme Frühling ist näher als wir glauben

Der stumme Frühling, wie ihn Rachel Carson bereits 1962 in ihrem gleichnamigen Buch beschrieb, ist möglicherweise näher, als wir glauben. Dieses Buch war vor rund 50 Jahren der Auslöser dafür, dass in Deutschland immerhin das Agrargift DDT verboten wurde. Und es war ein Startschuss für die Umweltbewegung. Doch bedeutet die Formulierung „der stumme Frühling“ nicht auch: Der Mensch kann die Sprache der Tiere nicht verstehen, er kann sich kaum noch in die Natur einfühlen. Dies gilt schon seit sehr langer Zeit, dies galt vor 50 Jahren, als das Buch „Der stumme Frühling“ erschien und dies gilt erst recht heute.
Hinzu kommt: Viele fatale Einflüsse des Menschen auf die Natur machen sich erst nach Jahrzehnten bemerkbar. Wissenschaftler um Prof. Stefan Dullinger von der Universität Wien haben im April 2013 dazu eine entsprechende Studie veröffentlicht, und sie stellten fest: Wenn Tiere oder Pflanzen heute sichtbar gefährdet sind, liegt die Ursache dafür oft weit zurück, beispielsweise in der Entwicklung der Industrie vor hundert Jahren. Und was wir heute der Natur in noch viel größerem Umfang antun als vor hundert Jahren, dessen Folgen kommen erst noch auf uns zu.

Polarfüchse gegen am Quecksilber zugrunde

Ein Beispiel dazu: Die Arktis erscheint uns fern, doch ist sie das wirklich? Forscher wollten wissen, weshalb die Zahl der Polarfüchse in der Arktis zurückgeht, vor allem an der Küste. Dort ernähren sich die Füchse vorwiegend aus dem Meer, wo derzeit die Quecksilberbelastung zunimmt –  und zwar aufgrund der Emissionen, die seit Beginn der Industrialisierung aus den Kraftwerken bis in die Arktis geblasen wurden, auch aus Europa, und sich dort im Boden ablagerten. Aufgrund steigender Temperaturen werden die Gifte nun wieder frei. Das ohnehin dramatische weltweite Artensterben könnte sich also in den nächsten Jahrzehnten noch deutlich zuspitzen. Trotzdem betrachten die meisten Menschen Tiere und Pflanzen noch immer als verfügbare Masse, als seelenlose Materie, derer sich der Mensch nach Belieben bedienen darf. Über die Folgen dieses Verhaltens machen wir uns kaum Gedanken. Ein fataler Irrtum, wie sich jetzt herausstellt: Die Natur war uns gegenüber bisher zwar erstaunlich tolerant, nicht jede Ursache kam sofort zur Wirkung. Doch nun wird uns mehr und mehr die Rechnung präsentiert.

Was haben die Agrargifte mit den Bienen gemacht?

Doch was haben wir Menschen daraus gelernt? trotz all dieser Erkenntnisse geht die Ausrottung unserer Übernächsten, der Tiere, auch heute noch unvermindert weiter. Auf welche Widerstände ein Umdenken noch immer trifft, zeigt sich am Beispiel der Bienen. Obwohl Umweltverbände und Wissenschaftler seit vielen Jahren darauf hinweisen, dass der Einsatz von Agrargiften in der Landwirtschaft mit großer Wahrscheinlichkeit ein wesentlicher Faktor dafür ist, dass Jahr für Jahr ungezählte Bienenvölker sterben, hat sich die Europäische Kommission erst jetzt dazu aufgerafft, drei der gefährlichsten Pflanzengifte, sogenannte Neonicotinoide, zu verbieten. Die Produzenten dieser Chemikalien bestreiten diese Gefahr bis heute. Dabei sagt uns schon der gesunde Menschenverstand, dass ein Gift nicht erst dann Schaden anrichtet, wenn es Tiere tötet, in diesem Fall Bienen. Alkohol zum Beispiel, im Grunde ein Nervengift, kann schon in geringen Dosen die Orientierungsfähigkeit des Menschen beeinträchtigen. Ebenso können in der Landwirtschaft eingesetzte Nervengifte schon in geringfügiger Menge Bienen die Orientierung erschweren, sodass sie nicht mehr zum Bienenstock zurückfinden.

Weil die Bienen weg sind: In China bestäuben Arbeiter die Obstbäume mit der Hand

Dreiviertel unserer Nahrungsmittel hängen direkt oder indirekt von der Bestäubung durch Insekten ab. In China, das zeigte der Film More than Honey, Mehr als Honig, werden bereits Arbeiter eingestellt, die die Blüten der Obstbäume von Hand bestäuben, weil die Bienen durch eine rücksichtslose Agrarpolitik zu Maos Zeiten in ganzen Landstrichen verschwunden sind. Doch ist es in Mitteleuropa besser, wo die Wildtiere bereits in Scharen in die Städte geflüchtet sind, weil sie in der ausgeräumten Monokulturlandschaft keine Lebensräume mehr finden und zudem von der Giftspritze bedroht werden? Gerade die industrialisierte Landwirtschaft ist nach Aussage von Experten längst zum Artenkiller Nummer eins geworden (mehr zu den Bienen siehe unten)

Die Hoffnung der Erde beginnt in Oasen

Was können wir also tun? Wir könnten uns zum Beispiel darüber informieren, wie die Nahrungsmittel, die wir zu uns nehmen, angebaut und hergestellt werden. Auf friedfertige Weise – oder auf Kosten der Natur und der Tiere. Wir könnten auch unsere Hausgärten von Gift freihalten und  dort im Rahmen des Möglichen für einen gewissen Artenreichtum an Blumen und Sträuchern sorgen, die Insekten und Vögeln Nahrung bieten. Auch der Mensch freut sich über ein Stück natürlicher Blumenwiese. Und Vögel sind darüber hinaus dankbar, wenn wir sie das ganze Jahr über füttern.
Das sind zwar erst einfache Schritte, doch auch die können Kreise ziehen. Es lohnt sich allemal, etwas für die Tiere tun und der Spirale nach unten mit immer mehr sterbenden Arten etwas entgegenzusetzen: Die Hoffnung für die Erde mit kleinen Oasen überall auf der Welt, wo der Artenreichtum zum Wohle aller sich wieder entfalten kann. Jeder von uns kennt die Goldene Regel der Bergpredigt Jesu. Sie bedeutet, alles Leben, das uns umgibt, so zu behandeln, wie wir auch selbst behandelt werden möchten, das gilt auch für die Natur.

Die Kirche lehrt einen Himmel ohne Tiere

Anders lehren es die Institutionen Kirche. Nach kirchlicher Lehre müssen alle Lebewesen dem Menschen und seinen Interessen unterworfen werden, weil sie nur für das Wohl des Menschen da sein sollen. Im späteren "Himmel" der Institutionen Kirche soll es keine Tiere mehr geben, denn Tiere kämen angeblich nicht in den Himmel, nur Menschen. Tiere sind auch nicht "katholisch" oder "evangelisch" und erfüllen von daher nicht die Voraussetzungen, welche diese Religionen für den Himmelseintritt vorschreiben. Welch ein Ort des Jammers mag das dann sein? Die Kirchenchristenheit betet in ihrem "Vaterunser"-Gebet auch "Wie im Himmel, so auf Erden". Versteht man dieses Gebet zum Gott der Kirche so, dass die kirchlichen Vorstellungen über den "Himmel" sich auch auf der Erde ausbreiten sollen, dann bewahrheitet sich das auf erschreckende Art und Weise mehr und mehr im Hinblick auf die Tiere. Die Tiere weichen, bis es am Ende womöglich keine Tiere mehr gibt - "wie im Himmel"; vielleicht bis auf ein paar gegen alle zerstörerischen Einflüsse resistenten Insekten. Wer das jedoch nicht will, darf dies nicht zulassen und sollte das Gebot der Nächstenliebe auch auf die Tiere anwenden.

Anfang des 19. Jahrhunderts gab es auf dem Gebiet der heutigen USA ca. 60 Millionen Bisons. Im Jahr 1902 gab es nur noch 23 einzelne dieser prachtvollen Büffel. Dazwischen kamen die weißen Siedler, überwiegend Protestanten, und metzelten alle Tiere nieder - teils für Schuhsohlen, teils, um den Indianern die Ernährungsgrundlage zu entziehen und um sie auszuhungern, teils aus Spaß am Morden. Die letzten 10.000 Bisons wurden durch Scharfschützen an den Wasserstellen abgeknallt. "Allein der Glaube genüge für das Seelenheil", so die Religion des weißen Mannes.   
Foto: Jack Dykinga, Lizenz: Wikimedia Commons
 

 


Teil 2

Bienen in Gefahr, doch: Ohne sie kein Überleben
Flugkünstler sichern das Leben des Planeten

Sie sind die exaktesten Baumeister der Welt, sie navigieren nach einer inneren Landkarte, führen detaillierte Sonnenstandsberechnungen durch, unterscheiden Hunderte von Düften und leisten Großartiges für unseren Planeten: »Wenn die Biene von der Erde verschwindet, dann hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben«. Dieses Zitat über ein Insekt, das wir oft schlicht nur als Honiglieferant betrachten, wird Albert Einstein zugeschrieben. Die Aufgabe der Bienen auf unserem Planeten ist aber keineswegs, für höher entwickelte Säugetiere Naschereien zu produzieren, sondern sie übernehmen die Bestäubung von Abermillionen von Blüten - an Obstbäumen, in Gemüsegärten, auf Wiesen, Feldern und in Wäldern. »Ohne Bienen keine Bestäubung, keine Pflanzen, keine Tiere, keine Menschen«, lautet ganz schlicht die Einsteinsche Bienenformel. Die Gefahr ist real. Denn derzeit beobachtet man ein Bienensterben.

Sechs Berufe in 30 Tagen

Bienen leben im Kollektiv

Königin oder Arbeitsbiene?

Neuronen und das Bewusstsein der Bienen

Der Überlebenskampf der Bienen

Anhang: Honig   Insekten   Bienenstich   Die Milbe

 

Sechs Berufe in 30 Tagen?

Um diese Aufgabe, die den Fortbestand allen Lebens sichert, zuverlässig durchführen zu können, haben sich die Bienen so perfekt und harmonisch organisiert, wie man es unter Menschen noch nirgends vorgefunden hat: »Das Faszinierende an den Bienen ist ihr Wesen selbst«, erklärt der langjährige Imker Hermann Glas. »Faszinierend deshalb, weil alles 100%ig funktioniert. Die Biene kommt auf die Welt und sie weiß vom ersten Tag an, was zu tun ist. Die Aufgabe ist in ihr drin.« Dabei geht es längst nicht nur um das Bestäuben von Blüten - im Laufe Ihres kurzen Lebens (30 bis 70 Tage) führt die Biene sechs verschiedene Berufe aus: Nach dem Schlüpfen reinigt sie während ihrer ersten vier Lebenstage als Putzbiene die Wabenzellen und den Stock, denn in ungeputzte Waben legt die Königin keine neuen Eier. Vom 5. bis 11. Tag ist sie Amme und füttert die Larven. Danach ist sie 3 Tage lang als Lagerarbeiterin tätig: Sie verstaut den Nektar in den Zellen und belüftet den Bienenstock, indem sie ganz schnell mit ihren Flügeln schlägt. Am 14. Lebenstag schließlich wird sie zur Baubiene und konstruiert Wabenzellen - sechseckig, eine wie die andere. Am 18. Tag wechselt die Biene zu den Wehrbienen und hält am Eingang zum Stock Eindringlinge wie Wespen, Hornissen und Schmetterlinge fern. Dann erst, an ihrem 22. Lebenstag wird die Biene zur Sammlerin. Sie fliegt von Blüte zu Blüte, um Nektar, Pollen und Propolis (eine Art Baumharz) zu ernten, Nahrung für den Bienenstock. 
Woher weiß die Biene, was zu tun ist? Wer gibt den Impuls, von einem Arbeitsplatz zum nächsten zu wechseln? Wer hat sich den berühmten und lange erforschten Rundtanz und den Schwänzeltanz ausgedacht, mit dem die Biene bei der Rückkehr zum Stock den anderen Bienen den exakten Standort, die Entfernung und Qualität einer Nahrungsquelle übermittelt?

Bienen leben im Kollektiv

»Bienen sind hochintelligente Wesen. Diese Findigkeit, diese Ordnung - so etwas bekommen wir Menschen nicht zustande«, schwärmt der Imker Hermann Glas, der an die 40 Völker betreut. Für ihn sind Bienen keine Einzelwesen, sondern eine Einheit: »Ein Bienenvolk ist wie ein Wesen, es hat so etwas wie eine Kollektivseele.« So sprechen auch ganz alte Imker niemals von »den Bienen«, sondern immer von »dem Bien«. Und der ist dreigeschlechtlich: Da gibt es die Königin, die sich mit dem wertvollen Gelee Royale füttern lässt und während ihres 3-4 jährigen Lebens als Eierlegerin an die zwei Millionen Eier in die Wabenzellen legt - um die Sonnenwende bis zu 2.000 Eier täglich; es gibt die weiblichen Arbeitsbienen, die den Stock bauen, ihn in Ordnung halten, Nektar sammeln und die Larven füttern, und die männlichen Drohnen, von denen es im Bienenstock nur einige Hundert gibt. Die Drohnen spielen im Bienenvolk eher die tragische Rolle. Etwas plumper und haariger als die Arbeitsbienen werden sie im Stock nur als mögliche Befruchter der Königin geduldet. Sie können sich nicht allein ernähren und werden von den Arbeitsbienen versorgt. Auch zur Verteidigung können sie nicht beitragen - ihnen fehlt der Stechapparat. Ihre Aufgabe ist schlicht, im Frühjahr/Sommer zum Hochzeitsflug anzutreten und die Königin zu besamen - was nur wenigen gelingt und den sofortigen Tod nach sich zieht. 

Königin oder Arbeitsbiene?

Ob die Biene als Drohne, Arbeiterin oder Königin ihr Dasein verbringt, entscheidet nicht etwa die genetische Bestimmung, sondern schlicht die Behandlung des Eies: Für die Königinnenlarven etwa werden speziell geformte, größere »Königinnenwiegen« gebaut. Die Larven werden mit einem besonderen Saft, dem Gelee Royale, gefüttert, den die Jungbienen in ihren Drüsen produzieren. Die Larven von zukünftigen Arbeitsbienen hingegen erhalten ab dem 6.-7. Tag eine Mischung aus Pollen, Honig und Wasser als Nahrung. Die Drohnen wiederum erhalten dasselbe Futter, nur stammen sie aus unbefruchteten Eiern. Und wer nun regelt die Aufteilung in Königin, Arbeitsbiene und Drohne? Wohl wiederum »der Bien«, die Seele des Bienenvolkes. Diese registriert auch, wenn das Volk zu groß wird. Dann wird die Königin auf Diät gesetzt, so dass sie weniger Eier legt, schlanker wird und somit flugfähig. Nun teilt sich das Volk, es »schwärmt«: Die alte Königin verlässt mit einem Teil ihres Hofstaates den Bienenstock und sucht sich eine neue Bleibe. Für königlichen Nachwuchs ist längst gesorgt - eine junge Königin wurde in einer neuen Königinnenwiege herangezogen. Die übernimmt nach ihrem Hochzeitsflug fortan das Eierlegen und sorgt durch ihren Duftstoff für Harmonie im Stock. 

Neuronen und das Bewusstsein der Bienen

Ist es bloßer Instinkt, der das Leben im Bien steuert? Haben Bienen ein Bewusstsein? Denken sie? Diesen Fragen widmen sich derzeit Forscher aller Nationen. Der Biologe James L. Gould von der Princeton-Universität stieß bei seinen Studien auf einen Fall, mit dem niemand, nicht einmal er selbst, gerechnet hatte: Gould richtete für seine Bienen eine mobile Futterstation ein und versetzte sie jeden Tag um das gleiche Stück. Wie zu erwarten, spürten die Sammlerinnen jedes Mal den neuen Standort auf. Aber was dann geschah, ging über alles hinaus, was man Sinnvollerweise erwarten durfte: Nach ein paar Tagen »wussten« die Bienen, wo die Futterstation heute stehen würde, und drehten dort bereits ungeduldig ihre Runden, als Gould mit dem Futter eintraf. Hatten die Bienen das Prinzip seines Versuchs durchschaut? Eine vernünftige Erklärung konnte Gould dafür nicht finden.
Aber seine Ratlosigkeit sollte nochmals gesteigert werden, als er den Versuchsablauf drastisch erschwerte. Er versetzte die Futterstation nicht um eine gleich bleibende Strecke, sondern steigerte die Versetzung von Mal zu Mal um den Faktor 1,25 - alles andere als eine leicht zu durchschauende Gesetzmäßigkeit. Und trotzdem wussten die Bienen damit umzugehen. Als hätten sie die Regel im Laufe des Versuchs begriffen, zogen sie an der richtigen Stelle ihre Warteschleifen und rechneten mit Futter. Sie handelten offenbar nach der Regel: Nimm die letzte Versetzung und addiere 25 % dazu, dann kriegst du was zu essen.
Bis heute hat niemand eine schlüssige Erklärung, wie die Insekten mit ihrem Milligrammgehirn solche schier »unmöglichen« Leistungen zustande bringen. Die meisten Biologen halten sich bedeckt. Ausgenommen vielleicht Donald F. Griffin, der Vordenker der Erforschung des Kognitiven. Er spricht aus, was seine Kollegen »beim derzeitigen Forschungsstand für unbegründet« halten: dass nämlich Bienen möglicherweise zu einfachsten Gedanken und Bewusstseinsvorgängen fähig sind. Dabei kehrt Griffin den Argumentationsspieß um. Eben weil die Bienen so wenig Neuronen im Kopf hätten und entsprechend wenig feste Programme speichern könnten, seien sie viel mehr als große Tiere auf die Hilfe des Bewusstseins angewiesen, um sich sinnvoll verhalten zu können. Ist dies tatsächlich ein solches Wunder? Wenn man davon ausgeht, dass alles Leben beseelt ist, dass der Allgeist, Gott, jede Lebensform durchströmt, dann liegt der Gedanke nahe, dass sich das Bewusstsein der einzelnen Bienen im Bienenvolk potenziert. Durch das Leben im Verbund entsteht ein höheres Bewusstsein, das man nicht mehr an der Anzahl der Neuronen des einzelnen Bienengehirns festmachen kann.

Der Überlebenskampf der Bienen 

Wie auch immer man zu dieser Frage stehen mag, ob man Bienen Instinkt, Bewusstsein oder eine Gemeinschaftsseele zuerkennt: Wer in die Abläufe und Gesetze eines Bienenvolks eintaucht, ist fasziniert, empfindet Achtung, empfindet Ehrfurcht vor diesen Wesen, von denen im Grunde unser Überleben abhängt. Umso unverständlicher ist, wie wenig für Ihren Erhalt und Ihren Schutz getan wird. Egoistisch wie sonst auch hat der Mensch die Biene zum Honigproduzenten degradiert - nicht ohne Folgen: Der Zuchtehrgeiz der Imker schafft Monsterkreuzungen, die man nur schwer in den Griff bekommt, wie das Beispiel der »Killerbienen« in Brasilien gelehrt hat. Ehrgeizige Züchter hatten 1956 eine neue Bienenrasse mit besonders hoher Ertragsrate geschaffen. Der Nebeneffekt: Sie entwickelte gleichzeitig aggressives Verhalten. 600 Menschen starben an den Folgen eines Killerbienen-Überfalls. 
Die jüngste selbst geschaffene Katastrophe, die Europas Imkerei seit ca. 25 Jahren bedroht, ist die Varroa-Milbe, an der ganze Bienenvölker zugrunde gehen. Ein Wissenschaftler hatte eine asiatische Bienenrasse für Forschungszwecke nach Deutschland geholt - und dabei eine asiatische Milbenart eingeschleppt, die für die Bienen tödlich ist. Seither gehen jedes Jahr rund 10 % der Bienenvölker an der Milbe zugrunde. Zu Beginn 2001 gab es aufgrund des warmen Winters mehr Milben, wodurch 40 % der heimischen Bienenvölker starben - unter Imkern Gesprächsthema Nummer eins. Während sich in Spanien bereits die Regierung eingeschaltet hat, um den Hobby-Imkern mit Subventionen bei ihrem Kampf ums Überleben der Bienen beizustehen, scheint das Bienensterben deutsche Politiker wenig zu beeindrucken. 
Doch nicht nur die Zahl der Bienen geht zurück, auch die Zahl der Imker. Der größte Teil der 90.000 Hobby-Imker ist über 60 Jahre, die nächste Generation lässt sich für die Imkerei offenbar nicht erwärmen. Dabei: »Es macht sehr großen Spaß, Bienen zu betreuen, es wird nie langweilig«, sagt Hermann Glas, nach 58 Jahren Imkerei immer noch begeistert. »Es gibt noch so viele Geheimnisse, Ungeklärtes. Was in einem Jahr funktioniert hat, ist im nächsten Jahr ganz anders. Das Verhalten der Bienen ändert sich ständig. Die Arbeit mit den Bienen erfordert viel Gefühl, man kann nicht nach Schema F vorgehen, sondern muss dem Wesen der Bienen nachspüren, sie kennen lernen. Das heißt auch, dass man sich selber kennen lernt: Wenn ich unwirsch und unkonzentriert zu den Bienen gehe oder in Gedanken gegen irgendjemanden meine Stacheln ausfahre, kann ich sicher sein, dass die Bienen auch unruhig sind und die Wahrscheinlichkeit, gestochen zu werden, ist größer ...« So kann der Imker am eigenen Leib die Gesetze der Natur erfahren lernen, die Harmonie der Geschöpfe untereinander, die naturgegebene Friedfertigkeit aller Lebensformen, welche letztlich nur durch das Eingreifen des Menschen aus der Bahn gerät.
Wer sich auf eine derartige Expedition einlassen möchte, kann sich zunächst in einem Meer von Literatur einlesen oder gleich einen Imker in der Nähe ausfindig machen. Vielleicht ist auch der allererste Schritt, den kleinen gestreiften Wesen mehr Achtung und Respekt zu schenken, wenn sie uns umschwirren oder wir einmal die Gelegenheit haben, sie beim Nektarsammeln aus der Nähe zu beobachten. Denn wir überleben, weil sie sammeln!
(Silke Dziallas)

Literatur: 
Volker Arzt, Immanuel Birmelin: Haben Tiere ein Bewusstsein? Wenn Affen lügen, wenn Katzen denken und Elefanten traurig sind, München 1993
Vitus B. Dröscher in »Tierisch erfolgreich, Überlebensstrategien im Tierreich«, Goldmann-Verlag 1994 

 

Nachgefragt:

Honig

Für ein Glas Honig fliegt die Biene 40.000 mal aus, besucht 1,5 Millionen Blüten und fliegt quasi 1 x um die Erde. Bienen sammeln in ihren Waben mehr Honig, als sie selbst benötigen. Was die Bienen nicht selbst brauchen, kann der Mensch entnehmen und er erhält mit diesem Honig etwas sehr Wertvolles: Honig enthält zum Beispiel natürliches Penicillin und stärkt die Abwehr. Deshalb kann ein Glas Tee mit Honig auch einmal über den Anflug einer Erkältung hinweghelfen.
 

 

Nachgefragt:

Insekten

Warum sind Bienen für die Bestäubung derart wichtig? Schließlich gibt es noch viele andere Insekten ..., mag der Laie denken. Tatsache ist: Von den 80 % der Pflanzen, die sich durch Bestäubung vermehren, können wiederum 80 % nur durch Bienen bestäubt werden. 
Apfelblüten beispielsweise können auch durch andere Insekten bestäubt werden, doch ist die Qualität der Äpfel, der Geschmack, die Widerstandsfähigkeit und die Konsistenz bei Bienenbestäubung weitaus besser. Woran das liegt? Das ist noch ein Geheimnis. Hobby-Imker Hermann Glas, der die Bienen im friedfertigen Landbau betreut: »Ich vermute - aber das ist nur eine Vermutung -, dass die Bienen bei Ihrem Besuch ein winziges bisschen ihres Serums in der Blüte hinterlassen, das dann die Qualität der Äpfel beeinflusst.«
 

 

Nachgefragt:

Bienenstich

»Früher ging ich in Ritterrüstung zu den Bienen - stichsicher eingemummt«, erzählt Hermann Glas, Hobby-Imker seit 58 Jahren. Doch nach all der Zeit habe ich gelernt: Wie ich zu den Bienen bin, so sind die Bienen auch zu mir. Wenn ich zum Kasten gehe - Sie lachen jetzt vielleicht - rede ich mit den Bienen, ich sage ihnen, was ich tun will. Dann sind auch die Bienen ganz ruhig. Ich mache heute alle Arbeiten mit bloßen Händen, da habe ich viel mehr Gefühl. Und wenn ich doch mal einen Bienenstich abkriege, was selten vorkommt, dann nur, weil ich die Biene versehentlich eingeklemmt oder beunruhigt habe.«
 

 

Nachgefragt:

Die Milbe

Die Varroa-Milbe wurde 1977 von Wissenschaftlern aus Asien eingeschleppt. In einigen Regionen Deutschlands gingen in jenem Jahr 80 % der Bienenvölker zugrunde. Heute sterben jedes Jahr rund 10 % der Bienenvölker durch die Milbe. 
In der konventionellen Bienenzucht wird der Varroa-Milbe mit Gift zu Leibe gerückt: »Bayvarol«, das aus dem synthetischen Pyrethroid Flumenthrin besteht sowie das »Perizin«, das einen organischen Phosphorsäureester enthält, sind weit verbreitet. Wegen Rückständen dieser Gifte im Honig steht die chemische Keule als Milbengift im Kreuzfeuer der Kritik. Vor allem Perizin können die Experten der Universität Hohenheim im Honig nachweisen, jedoch deutlich unter dem Grenzwert. Ein weiterer Nachteil dieser Methode: Gegen Perizin und Flumenthrin wird die Varroa-Milbe sehr schnell resistent. Hermann Glas betreut die Bienen im friedfertigen Landbau. Gegen die Milbe versucht er seine Bienen auf andere Weise zu schützen. »Die Milbe nicht töten, sondern schwächen«, ist seine Devise. Die Schwächung erfolgt mit verdünnter Ameisensäure und ätherischen Ölen. »Die Milben sterben dadurch nicht, aber die Bienen bekommen sie in den Griff, sie lernen, sich selbst zu wehren und mit den Milben zu leben.
 

 


 

Teil 3

Das rätselhafte Bienen-Sterben

»Wenn die Biene von der Erde verschwindet, dann hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben«. Dieses Zitat wird Albert Einstein zugeschrieben. Und Tatsache ist: Viele Nahrungspflanzen des Menschen sind auf die Bestäubung durch Bienen angewiesen. Um so bedrohlicher ist das massenweise Sterben von Bienenvölkern.

In Deutschland z. B. gingen in der ersten Hälfte des Jahres 2003 bereits 10.000 Völker ein, meist durch den Befall der Varroa-Milbe. In manchen Regionen starben bis zu 80 % der Völker.
Diese Milbe legt ihre Eier bereits in den heranreifenden Nachwuchs der Bienen hinein, so dass diese oft schon behindert oder verstümmelt zur Welt kommen. Auch gesunde Bienen werden durch die Milbe geschädigt, weil diese die Bienen regelrecht aussaugt.
Doch was ist die eigentliche Ursache – außer dass leichtfertige Wissenschaftler die Milbe 1977 zu »Forschungszwecken« aus Asien eingeschleppt haben? Und außer dass es mittlerweile bereits einen weiteren gefährlichen Bienen-Gegner gibt, den Kaschmir-Virus, der wahrscheinlich – Ironie des Schicksals – zusammen mit Bienenvölkern von weit her importiert wurde, um die Verluste durch die Varroa-Milbe wieder aufzufüllen.

Die Experten, wie könnte es anders sein, sind sich uneinig. In Frage kommt zum einen die Veränderung des Klimas: Die kühle und feuchte Witterung habe die Bienen geschwächt. Andere Experten verweisen auf die vom Menschen verursachte Veränderung der Landschaft: Hecken wurden beseitigt; Wiesen werden überdüngt und außerdem zu früh gemäht; der häufig angebaute Raps blüht nur kurz – dies alles führt dazu, dass das Nahrungsangebot für die Bienen, vor allem der Blütenpollen für den Nachwuchs, zurückgehe. Der Parasit profitiere dann davon, dass die Bienen schlecht ernährt sind. Schließlich könnten auch Agrargifte wie z. B. Insektizide die Bienen in ihrer Gesundheit beeinträchtigen und anfällig machen.

Die Bienen zeigen also auf, wie wichtig eine Umorientierung der Landwirtschaft ist, hin zu einem naturgemäßen, friedfertigen Umgang des Menschen mit der Natur und den Tieren. Und die Milben? Vielleicht spiegeln sie uns Menschen, wie wir uns der Mutter Erde gegenüber verhalten: wie ein Parasit, der seinen Wirt aussaugt.
(Silke Dziallas)

 

Die Bienen als eigenständige Wesen respektieren

Interview aus dem Jahr 2003 mit Hermann Glas, einem erfahrenen Imker

Frage: Hermann, es war nicht ganz einfach, einen Interview-Termin zu bekommen. Die Bienen halten dich wohl ziemlich auf Trab?

Hermann Glas:
Die haben derzeit einen sehr hohen Schwarm-Drang.

Was heißt das?


Die Bienenvölker sind rasch gewachsen. Sie teilen sich, es kommt zum Schwarm. Der Schwarm ist die natürliche Vermehrung, das Wachstum gemäß der Naturgesetze.

Foto Biene: Steffen Banhardt (gemeinfrei)

Die Bienen bilden neue Völker. Ich habe den Eindruck, sie wollen die Verluste des Frühjahrs rasch wieder auffüllen.

Hattet ihr hohe Verluste?


Nicht allzu hohe. Der Gesamtausfall beläuft sich unter dem Strich auf ca. 25 %. An zwei von unseren drei Standorten hatten wir fast keine Verluste, nur an einem Platz hatten wir stärkere Ausfälle. Dort waren Jungvölker, also Völker mit jungen Königinnen, eingewintert, die frühzeitig das Brutnest angelegt haben. Im Januar wurde schon fleißig gebrütet; im Februar kam dann die Kälteperiode mit 10 Grad minus und mehr. Im Brutnest sind 35 Grad erforderlich. Somit mussten die Bienen ein Temperaturgefälle von ca. 45 Grad auffangen. Dabei haben sich die Völker regelrecht verausgabt. Die Folge war eine Darmerkrankung, die Nosema.


Aber durch die Milbe hattet ihr keine Probleme?


Die Varroa-Milben sind in jedem Bienenvolk zu finden. Es ist nur die Frage, wie man damit zurechtkommt. Die Milbe saugt das Blut der Bienen, was diese naturgemäß schwächt. Ich schätze, das ist die Hauptursache für die enormen Ausfälle überall. Um die Milbe in Schach zu halten, behandle ich die Bienenvölker vor der Winterauffütterung drei- bis viermal mit 60-prozentiger Ameisensäure. Das schwächt die Milbe im Vorfeld. Nach der Auffütterung behandle ich mit Duftstoffen aus Kräuter-Ölen. An den Duftstoffen berauschen sich die Milben, was die Fortpflanzung stark einschränkt.


Womit könnte es zusammenhängen, dass sich die Verluste auf den Höfen des Friedfertigen Anbaus im Rahmen halten?


Es wird ja viel über die Ursachen des Bienensterbens spekuliert, diskutiert und geschrieben. Manche nehmen an, dass das Immunsystem der Bienen generell geschwächt ist durch Umwelteinflüsse, auch durch die Milbe. Dann kommt das Problem mit dem Nahrungsangebot hinzu, das sich durch Rodungen von Hecken usw. stark verringert hat. Bei uns haben die Bienen es gut, weil wir Hecken anlegen, weil wir die Wiesen wachsen und blühen lassen, weil wir Wiesen und Felder weder düngen noch spritzen. Wir nutzen das Brachland, das bei der Dreifelderwirtschaft anfällt, um Bienenweide auszusäen, z. B. das Tübinger Samengemisch mit sieben verschiedenen Trachtpflanzen. Natürlich verwenden wir auch sonst keinerlei chemische Stoffe bei der Imkerei. Vor allem ist es aber wichtig, die Bienen als eigenständige Wesen, als Teil der Schöpfung zu respektieren, also wesensgerecht mit ihnen umzugehen. Ich nehme mir viel Zeit für die Bienen. Vor allem ist ein ruhiges und sorgfältiges Arbeiten mit ihnen erforderlich.


Und die Bienen wissen das zu schätzen?


Ich brauche jedenfalls kaum noch Schutzkleidung, wenn ich bei den Bienen arbeite. Ich habe nur ein Pfeifchen zum Blasen, um etwas Rauch um mich zu verbreiten. Gesichtsschutz verwende ich nur bei längeren Arbeiten am Bienenvolk oder wenn ich einen Schwarm berge, also einfange.


Was wäre eigentlich, wenn es keine Bienen und Imker gäbe? Würden dann Wildbienen oder andere Insekten die Aufgabe des Bestäubens, z. B. von Apfelbäumen übernehmen?


Das kann ich mit einem klaren »Nein« beantworten. 80 % aller Pflanzenarten sind bei ihrer Vermehrung auf Bestäubung angewiesen – und wiederum ca. 80 % dieser Arten werden ausschließlich von Bienen bestäubt. Wildbienen und andere Insekten gäbe es viel zu wenige, um die vielen Früchte hervorzubringen, die der Mensch angebaut hat. Es gäbe dann viel weniger Obst, und das wenige wäre kleiner gewachsen oder teilweise verkümmert. Seit 1977, als die Varroa-Milbe eingeschleppt wurde, sind der Bestand an Bienen und auch die Anzahl von Imkern drastisch zurückgegangen. Dies müsste uns eigentlich Anlass zu großer Sorge geben.

Manche sagen ja, es wäre Ausbeutung, den Bienen den Honig wegzunehmen.

Bei uns ist die Imkerei nicht auf Profit ausgerichtet. Doch gibt es je nach Nektarangebot genug Honig, der einfach übrig ist. Die Bienen nehmen ja keinen Urlaub. Das liegt nicht in ihrem Wesen. Und sie haben von Natur aus eine Sieben-Tage-Woche. Eine Bienenwohnung besteht aus mehreren Etagen mit »Magazinen«. Im unteren und zweiten Magazin befindet sich der Brutraum. Dagegen wird der Honig in den oberen Etagen eingelagert. Ist der für den Honig vorgesehene Raum gefüllt, dann lagern die Bienen ihren Honig im Bereich des Brutnestes ein. Damit würde der Königin aber die Möglichkeit genommen, viele Eier zu legen – die Anzahl der Arbeitsbienen schwindet. Deshalb entnehmen wir aus dem Honigraum Waben mit reifem Honig und schleudern diesen. So wird dort wieder Platz geschaffen und das Brutnest kann sich wieder ausweiten für ausreichend Nachwuchs. Die Bienen geben uns von dem überschüssigen Honig gerne. Ich bin sicher, sie wollen damit den Menschen einen Dienst leisten.


Vielen Dank für das Gespräch!

 

 

 

Nachrichten:

23.10. / 27.10.2006 - Planen deutsche Waldbesitzer die Ausrottung des Rotwilds? - Während der Mensch weltweit die Lungen des Planeten Erde, den Regenwald, vernichtet und damit zehntausendfaches Artensterben sowie den ökologischen Zusammenbruch der Zivilisation und millionenfachen Tod und Siechtum vorantreibt, geht es auch in deutschen Wäldern immer brutaler zu. Obwohl die Mutter Erde Lebensraum für Menschen, Tiere und Pflanzen sein soll, maßen sich die Menschen in der kirchenchristlichen Tradition gemäß 1. Mose 1, 28 ("Macht euch die Erde untertan") und 1. Mose 9, 2 ("Furcht und Schrecken vor euch sei über allen Tieren auf Erden") die absolute Herrschaft über die Natur und ihre gnadenlose Ausbeutung für ihren Profit an. "Der Wald muss Gewinn abwerfen", so z. B. der Revierleiter der römisch-katholischen Stiftung Juliusspital in Würzburg (Main-Post, 23.10.2006). Geschmälert wird dieser Gewinn nach Meinung von ausschließlich profitorientierten "Waldbesitzern" vor allem von Rotwild (Hirschen) und Rehen, die sich im Wald vor den Jägern verstecken müssen und dort natürlich auch etwas zum Essen brauchen.
 
Millimetergenau wird von den "Experten" dabei jeder Baum danach abgesucht, ob vielleicht ein Hirsch oder Reh daran geknabbert hat. Die Untersuchungen sind die Vorarbeiten für die Hinrichtungsquoten der Wildtiere, die im Anschluss daran festgelegt werden. In diesem Zusammenhang wurden zuletzt sogar Forderungen laut, Rotwild nur noch "in eigens definierten Rotwildgebieten zu dulden" (Main-Post, 23.10.2006). Praktisch heißt das: Hirsche, Hirschkühe und ihre Kälber würden - wie so viele Wildtierarten vorher - in freier Natur ausgerottet und nur noch in bestimmten Revieren oder Wildparks ertragen. Nur dann, so die dahinter stehende Logik, würde das Holz der Bäume den maximalen Profit abwerfen. Die Logik ist die gleiche wie bei der Vernichtung des Regenwalds in anderen Erdteilen: "Profit für den menschlichen Nutzer, Leiden und Tod der Tiere sind egal, und ´Nach mir die Sintflut`".

Dabei sind Hirsche und Rehe (Rotwild und Rehwild) von Natur aus gar keine Waldtiere. Sie lieben die Weite von Feldern und Wiesen und würden dort auch Nahrung maßvoll zu sich nehmen (nur das Nötigste - im Gegensatz zur Völlerei des Menschen und seiner maßlosen Überproduktion von Fleischbergen und Ekelfleisch). Doch auf jedem Quadratmeter lauern den Tieren in Deutschland die Jäger auf - am Tag und in der Nacht und fast zu jeder Jahreszeit. Und ausschließlich profitorientierte Landwirte und Waldbesitzer gönnen den Tieren im übertragenen Sinn "kein Körnlein", weil sie dieses dann nicht mehr verkaufen können. Deshalb wird ständig nach den Jägern geschrien, weil ein Tier, das etwas isst, automatisch als "Schädling" gilt. Und mögliche "Futterwiesen" (wo der Landwirt kein so großes Problem hätte) sind schon lange zu "Totschießwiesen" geworden, weil die Tiere dort am leichtesten umgebracht werden können. Viele Tiere trauen sich deshalb gar nicht mehr aus dem Wald heraus. Durch den permanenten Stress der Flucht vor den Jägern brauchen die Tiere auch viel mehr Nahrung als normalerweise üblich und verbeißen sich auch deshalb an Bäumen. Außerdem gerät das sich selbst ökologisch regulierende Fortpflanzungsverhalten der Tiere aus dem Ruder, da der Mensch ständig die gewachsenen Familienstrukturen zerschießt. Hinzu kommt vereinzelt eine Geburtensteigerung durch massive Mast einzelner Jäger. Dahinter steckt meist die Überlegung, möglichst viele Tiere umbringen zu wollen, um mit dem Ertrag des Fleisches wiederum die Jagdpacht bezahlen zu können, für sich selbst noch einen Profit zu haben und um durch hohe Abschussquoten bei den Tötungskollegen gut da zu stehen.

Die Hauptschuld an dieser furchtbaren Entwicklung trägt die Kirche. Sie hat den Tieren die Gefühle und die unsterbliche Seele abgesprochen und beschlossen, dass das 5. Gebot ("Du sollst nicht töten") nicht gegenüber den Tieren gilt (siehe dazu Der Theologe Nr. 7, Teil 4 - Mensch und Tier - Absturz in die Barbarei durch das kirchliche Christentum). "Gott hat die Tiere unter die Herrschaft des Menschen gestellt", heißt es im Katholischen Katechismus (Nr. 2417). Doch was wäre das für ein Gott, der diese bestialische Herrschaft erlaubt und absegnet? Die Kirche jedoch tut es, und in den Reihen von Jägern, profitorientierten Waldbesitzern und Landwirten finden sich überdurchschnittlich viele treue Kirchenmitglieder. Und eine vegetarische Lebensweise ist unter Kirchenmitgliedern nach wie vor sehr selten oder gar verpönt. Und umgekehrt: Unter den Vegetarier, die nicht mehr die Nachfrage nach Wildfleisch und anderem Fleisch anheizen, sind überdurchschnittlich viele Kirchenaussteiger.

Das jüngste Beispiel für die kirchliche Scheinheiligkeit erlebten die Besucher der Hubertusmesse im Wiener Stephansdom am 21.10.2006, wo folgende Bitte an den Kirchengott gerichtet wurde: "Herr, vergib all jenen, welche die Jagd und das jagdliche Brauchtum nicht verstehen und nicht akzeptieren!"

Doch mittlerweile ist es weltweit spürbar: Die Erde, die Natur und alle Lebensformen gehorchen dem egoistischen Tyrannen Mensch und seinen kirchlichen Segensspendern nicht mehr. Der Mensch hat sich die Mutter Erde, seinen besten Freund, zum Feind gemacht. Jetzt schlägt die Erde zurück. Und der Mord an den Tieren führt immer mehr zum Tod der Menschen. Die Apokalypse hat bereits begonnen ...

PS: Einen kleinen Gegenpol haben einige Landwirte aufgebaut, die auch mit einer Stiftung zusammenarbeiten, die wieder Lebensraum für Tiere erwirbt, wo diese nicht gejagt und erschossen werden und wo sie genügend Nahrung finden. Nähere Informationen bei www.gabriele-stiftung.de

(wird fortgesetzt)


 

Der Text  kann wie folgt zitiert werden:
Zeitschrift "Der Theologe", Hrsg. Dieter Potzel, Ausgabe Nr. 73, Dem stummen Frühling entgegen: Die Ausrottung der Tiere auf der Erde, Wertheim 2013, zit. nach
http://www.theologe.de/ausrottung_der_tiere.htm, Fassung vom 21.8.2013,
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Link zur TV-Gesprächsrunde "Der Krieg gegen die Tiere und ein Plädoyer für die All-Einheit des Lebens":
Gott, der Ewige, gab allen Lebewesen Seinen Lebensodem und beauftragte den Menschen, die Erde in Liebe und Fürsorge für die anderen Geschöpfe zu bebauen und zu bewahren. Menschen und Tieren wurden die Pflanzen zur Nahrung gegeben. Die Priesterkaste äußerer Religionen jedoch verlangte Tieropfer und erlaubte das Morden der Tiere und den Fleischkonsum. Jesus von Nazareth sprach gegen die Tieropfer, und Er wollte auch den Fleischverzehr beenden, wie apokryphe Schriften außerhalb der Bibel belegen. Die Institutionen Kirche jedoch folgen nicht Ihm, sondern den heidnischen Priesterkulten nach. Sie sprechen den Tieren die unsterbliche Seele, die Vernunft und die volle Leidensfähigkeit ab, und Tiere werden bis heute im deutschen Recht und in vergleichbaren Rechtsauffassungen wie “Sachen” behandelt. Die übrige Gottesschöpfung wird von der Kirche vollends als “leblos” herunter gestuft, und man gibt sie – wie die Tiere – zur hemmungslosen Ausbeutung frei. Ausschweifende Worthülsen über die “Bewahrung der Schöpfung” ändern daran wenig und werden vor allem als “Alibi” hinzu gefügt. Es herrscht weiterhin von den Kirchen legitimierter Krieg gegen die Schöpfung Gottes. Und Vegetarier verflucht man in bis heute gültigen Lehrsätzen aus der Zeit der Spätantike in eine angeblich ewige Hölle.

Die Missachtung allen nichtmenschlichen Lebens bis hin zur Massentierhaltung mit ihren grausamen Schlachtfabriken, bis hin zu millionenfachen furchtbarsten Tierversuchen und bis hin zur Vergiftung, Manipulation und Zerstörung der ganzen Schöpfung, alles das ist die “Frucht” der Entwicklung des kirchlichen Abendlands. Als Bedingung für dieses Wüten wird bis heute genannt, dass es dem vermeintlichen “Nutzen” des Menschen diene müsse. Doch den Krieg gegen die Tiere und die Naturreiche kann die Menschheit, die äußeren Religionen hörig ist, nicht gewinnen. Denn die Mutter Erde, die des Menschen guter Freund sein will und zum Feind gemacht wurde, wehrt sich gegen ihre Zerstörung. Dieser Feind kann von keiner Nation und von keiner Allianz von Nationen zerbombt werden. Da nützt es auch nichts, wenn die Vatikankirche verlangt, bei den Grauen insofern “Maß” zu halten, dass auch zukünftige Generationen die Erde und die Tiere noch zu ihrem” Nutzen” gebrauchen und ausbeuten können. Denn das kosmische Gesetz “Was der Mensch sät, das wird er ernten” gilt auch im Hinblick auf das Furchtbare, das der Mensch den Tieren antut.

Nachfolger des Christus Gottes achten das Leben in allen Lebewesen. Sie betrachten die Tiere als ihre kleinen Brüder und Schwestern, die ihren Schutz benötigen und einen Lebensraum, der ihrer würdig ist. Nachfolger Jesu verzehren nicht das Fleisch der Tiere und streben danach, das Friedensreich Wirklichkeit werden zu lassen, von dem bereits Gott, der All-Eine, durch den Gottespropheten Jesaja sprach: “Dann wohnt der Wolf beim Lamm, der Panther liegt beim Böcklein. Kalb und Löwe weiden zusammen, ein kleiner Knabe kann sie hüten. Kuh und Bärin freunden sich an, ihre Jungen liegen nebeneinander. Der Löwe isst Stroh wie das Rind. Der Säugling spielt vor dem Schlupfloch der Natter, das Kind streckt seine Hand in die Höhle der Schlange. Man tut nichts Böses mehr und begeht kein Verbrechen auf Meinen ganzen heiligen Berg.”
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