Zurück in den Vatikan

Die Taizé-Verschwörung

Der Theologe Nr. 117, aktualisiert am 2.1.2026


Die beliebte Bruderschaft von Taizé in Frankreich gilt als "ökumenisch" oder galt in der Vergangenheit gar als "protestantisch". Mehrere Tausend Jugendliche und auch einige Ältere pilgerten in jedem Jahr dorthin. Doch seit dem Jahr 2005 wird sie von einem römisch-katholischen "Frater" geleitet. Und auch sonst ist die "Ökumene" von Taizé von vorne herein wohl vor allem eine Tarnung einer vatikanischen Langzeit-Strategie. 2022 kam noch mehr Politisches hinzu – auch im Sinne des Vatikan.


Taizé-Gründer Schutz erhält in Rom die katholische Hostie

Zurück in den Schoß des Vatikan

Taizé-Angebote und Vergegenwärtigung von Roger Schutz als Teil des katholischen Weltjugendtags

Frère Roger – "ewig verdammt" oder "heimlich erlöst"?

Papst und Taizé-Prior "eins" in ihrer Religion

Evangelische Jugendliche auf dem Weg zum Papst – Taizé-Jugendtreffen im Jahr 2012 in Rom

"Schleichende Katholisierung" und immer weniger Interesse / Jugendtreffen zur Jahreswende

Sexueller Missbrauch

Taizé-Jugendtreffen 2022/2023 in Rostock im Zeichen der NATO

Und das Treffen 2024/2025 in Estland, dann Paris, dann Lodz


Der evangelische bzw. katholische Theologieprofessor Dr. Klaus Berger (siehe hier) machte klar, dass Ökumene nur als "Unterwerfungsökumene" verstanden werden könne. Das bedeutet, jede Ökumene funktioniere nur insofern, als sich der ökumenische Partner der an der Ökumene beteiligten römisch-katholischen Kirche unterwirft.
Für Martin Luther war das aber noch ganz anders. Er lehrte: "Das Papsttum ... besteht aus Lügen. Darum muss es allein mit dem Wort der Wahrheit vernichtet werden ... Gottes Wort muss dem Papste Abbruch tun, sonst tut´s ihm keine Waffe; denn er ist der Teufel." (Luther Deutsch. Die Werke Martin Luthers in neuer Auswahl für die Gegenwart. Band 9: Tischreden, 3. Auflage, Stuttgart 1960, Nr. 296 und Nr. 297)

Taizé-Gründer Schutz erhält in Rom die katholische Hostie

Wie verhält es sich dann aber nun mit Taizé, mit der ökumenischen bzw. evangelischen Bruderschaft von Taizé und ihrem Gründer Roger Schutz? Roger Schutz (* 12.5.1915) fiel am 16.8.2005 im Alter von 90 Jahren in Taizé selbst einem Messer-Attentat einer, wie es hieß, psychisch kranken Anhängerin aus Rumänien zum Opfer, die sich manchen Berichten zufolge mehr Zuwendung von ihm erhofft hatte. Schutz gehörte zwar offiziell der evangelisch-reformierten Konfession an, praktizierte aber in Taizé die "Einheit" mit der katholischen Kirche so, "dass gerade auch Päpste dem freudig zustimmen" (FAZ, 13.7.2005; Anmerkung: z. B. mit getrenntem Abendmahl innerhalb einer gemeinsamen Veranstaltung bzw. in einem gemeinsamen Raum). Und es war wohl kein Zufall, dass der spätere Papst Benedikt XVI. Roger Schutz bei den Beerdigungsfeierlichkeiten zum Tod von Johannes Paul II. im Jahr 2005 die katholische Hostie reichte, obwohl die römisch-katholische Kirche dies für Evangelische ausdrücklich ablehnt. Vatikan-Sprecher Joaquin Navarro-Falls teilte dazu später mit, dass Roger Schutz gerade in einer Gruppe von katholischen Amtsträgern stand, welche die Hostie erhielten und ließ verlauten: "In dieser Situation erschien es unmöglich, ihm das Allerheiligste Sakrament zu verweigern, zumal sein katholischer (Anmerkung der Redaktion: "!!") Glaube wohl bekannt ist." Und als ob ihm ein entlarvender Versprecher passiert sei, fügte Joaquin Navarro-Valls dann "präzisierend" hinzu, Roger Schutz bejahe "voll den Glauben der katholischen Kirche an die Eucharistie". (Evangelisches Sonntagsblatt Bayern, 17.7.2005)
Da diese jedoch als das entscheidende "Herzstück" des Katholizismus und seiner Dogmenlehre verstanden wird und nicht als ein Lehr-Element neben vielen anderen, stellt sich die Frage, ob diese Aussage nicht auch bedeutet, dass Schutz von seiner umfassenden Überzeugung her eben auch römisch-katholisch und vielleicht nur vordergründig "evangelisch-reformiert" war, und dass Roger Schutz dann als eine Art katholischer "Maulwurf" in protestantischen Gefilden agierte. So wurde sein Verhalten auch durch den offiziell evangelischen Theologieprofessor Klaus Berger, der die "Unterwerfungsökumene" lehrt (siehe oben) und sofort nach Eintritt seines "Ruhestands" aus der evangelischen Kirche ausgetreten und in die katholische eingetreten war,
als ökumenisch vorbildlich bezeichnet.

Zurück in den Schoß des Vatikan

Bereits in der Ausgabe Nr. 12 der Zeitschrift Zeugendienst und Bibelaktion vom Dezember 1964, die vom Zürcher Verlag "Haus der Bibel" (welcher der Genfer Bibelgesellschaft angeschlossen ist) herausgegeben wurde, stand einiges zu diesem Thema zu lesen, was dann am 26.1.1994 in einem Leserbrief in idea-spektrum von Thomas Mayer, M.A. aus Nürnberg, aufgegriffen wurde. Darin heißt es wörtlich: "Weiß man nicht, oder hat man vergessen, 1) dass der Gründer und Leiter von Taizé, Frère Roger, dem afrikanischen Bischof Dupont von Bobo Doulasso einmal wissen ließ, dass er jetzt noch nicht in den Schoß der römisch-katholischen Kirche zurückkehre, weil er sonst allein käme; wenn er aber warte, bis er seinen Auftrag ausgeführt habe, mit einem Teil der Protestanten Frankreichs kommen könne? 2) dass Frère Roger Beobachter des II. Vatikanums gewesen ist? 3) dass die Taizé-Bewegung folglich eine Zurück-nach-Rom-Bewegung ist? ..."
Und wohin der Weg Taizés ging und auch in Zukunft gehen soll, erklärte Papst Benedikt XVI. bei einer Generalaudienz in Castelgandolfo am 17.8.2005, einen Tag nach Frère Rogers Tod. Joseph Ratzinger teilte nämlich mit, dass Roger ihm schrieb, "dass er sich danach sehnt, möglichst bald nach Rom zu kommen, um mich zu treffen und mir zu sagen, dass ´unsere Gemeinschaft von Taizé ihren Weg in Gemeinschaft mit dem Heiligen Vater gehen möchte`" (taize.fr, Artikel Nr. 2652). Worte sind natürlich oft interpretierbar. Doch steckt in dieser vielsagenden Darlegung von einem "Weg in Gemeinschaft" mit dem Papst nicht vielleicht auch die darin nur notdürftig versteckte klarere Aussage, dass die "Gemeinschaft von Taizé" ein Teil der römisch-katholischen Kirche werden möchte?

Taizé-Angebote und Vergegenwärtigung von Roger Schutz als Teil des katholischen Weltjugendtags

Dazu einige weitere Stationen: Die Gemeinschaft von Taizé veranstaltete bis zu den Corona-Einschränkungen regelmäßig um die Jahreswende größere Jugendtreffen in einer europäischen Stadt, und in vielen Orten treffen sich auch das ganze Jahr über vor allem Jugendliche, um die so genannte "Spiritualität" von Taizé zu pflegen. Und vielleicht war der Prior von Taizé, Frère Roger Schutz, in Rom längst als Beauftragter des Vatikan in besonderer Mission bekannt. Immerhin "wurde auch vermutet, Schutz sei formell zur katholischen Kirche konvertiert" (Evangelisches Sonntagsblatt in Bayern, 17.7.2005). So bestätigte nach dem feigen Mord an Roger Schutz der Leiter des Kommissariats der deutschen Bischöfe, Prälat Karl Jüsten, gegenüber dem ZDF Morgenmagazin (17.8.2005), Schutz soll "mit dem Gedanken gespielt haben, katholisch zu werden". "Er sei aber evangelisch geblieben" (spiegel.de, 17.8.2005). Zumindest demnach auf dem Papier. Und den Grund dafür hatte Roger Schutz ja einmal selbst genannt: "Dass er jetzt noch nicht in den Schoß der römisch-katholischen Kirche zurückkehre, weil er sonst allein käme; wenn er aber warte, bis er seinen Auftrag ausgeführt habe, mit einem Teil der Protestanten Frankreichs kommen könne", so die oben genannte Quelle aus der Zeit des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965), und mittlerweile wohl nicht nur Frankreichs.

Doch der bereits von Roger Schutz zu seinem späteren Nachfolger in der Leitung der Kommunität bestimmte deutsche "Bruder Alois", mit bürgerlichem Namen Alois Löser, ist ohne Wenn und Aber ein römisch-katholischer "Frater" (= "Bruder"). Die Leitung von Taizé wechselte damit auch ganz offiziell in römisch-katholische Hände.
Auch beim Weltjugendtag in Köln im Jahr 2005, an dessen erstem Tag das Attentat auf Frère Roger Schutz, hatte die römisch-katholische Kirche der Taizé-Gemeinschaft zwei als offizielle "Geistliche Zentren" bestimmte katholische Kirchen zur Verfügung gestellt, damit die Kommunität dort mit den katholischen Pilgern Andachten feiert. Und durch das zeitgleich mit der Eröffnung des römisch-katholischen Weltjugendtags am 16.8. vollzogene Attentat auf Schulz in Taizé wurde dieser in Köln im Rahmen der bekundeten "Bestürzung und Trauer" quasi zur dritten zentralen Person in der Berichterstattung erhoben, neben dem kurz zuvor verstorbenen Johannes Paul II. und dessen Nachfolger Benedikt XVI., der dazu am 17.8. bekundete, am Vortag einen Brief von Schutz erhalten zu haben, in dem dieser bedauerte, aus gesundheitlichen Gründen nicht dabei sein zu können, jedoch auch "mit ganzem Herzen" mitteilte:
"Wir sind in Gemeinschaft mit Ihnen und mit all denen, die jetzt in Köln versammelt sind.`" (zit. nach sendbote.com, 1.9.2019). Und ausgerechnet an diesem Tag hatte die Romkirche dort auch zu einem Treffen der Religionsoberen verschiedener Konfessionen geladen, und Joseph Kardinal Meiser sammelte die anwesenden Jugendlichen in Gedenken an Roger Schutz und verkündete ihnen, der Taizé-Obere sei jetzt "präsent wie Johannes Paul II".

Frère Roger "ewig verdammt" oder "heimlich erlöst"?

Im Äußeren trugen sich Josef Kardinal Meisner und die anderen andere hohen römisch-katholische Würdenträger dann auch in das Kondolenzbuch in der Kölner katholischen Kirche St. Agnes ein, doch so mancher Außenstehenden, der die Lehre der Vatikankirche kennt, hatte dazu schon noch offene Fragen. Tatsache ist nämlich: Die römisch-katholische Kirche lehrt unmissverständlich: "Darum können jene Menschen nicht gerettet werden, die um die katholische Kirche und ihre von Gott durch Christus gestiftete Heilsnotwendigkeit wissen, in sie aber nicht eintreten oder in ihr nicht ausharren wollen." Dies ist der Lehrsatz mit der Randnummer 373 in dem offiziellen Lehrbuch Josef Neuner-Heinrich Roos, Der Glaube der Kirche in den Urkunden der Lehrverkündigung, 13. Auflage, Regensburg 1992. Diese Drohung würde nämlich trotz seiner "Präsenz" in Köln auf einer Ebene mit Johannes Paul II. zutreffen, wenn das stimmt, was Prälat Karl Jüsten erklärt hatte: "Er sei evangelisch geblieben". Die Folge laut diesem Lehrsatz ist dann aus katholischer Lehre unmissverständlich: Kann "nicht gerettet werden". Und der Lehrsatz Nr. 381 ist sogar als "unfehlbare" Glaubenswahrheit gekennzeichnet. Darin heißt es: "[Die heilige römische Kirche] glaubt fest, bekennt und verkündet, dass ´niemand außerhalb der katholischen Kirche, weder Heide` noch Jude noch Ungläubiger oder ein von der Einheit Getrennter des ewigen Lebens teilhaftig wird, vielmehr dem ewigen Feuer verfällt, das dem Teufel und seinen Engeln bereitet ist, wenn er sich nicht vor dem Tod ihr (der Kirche) anschließt." Und diesen Eintritt hätte eben Frère Roger offiziell nicht vollzogen, obwohl es anders lautende Vermutungen gibt, weswegen er nach diesem "unfehlbaren" römisch-katholischen Lehrsatz unmittelbar nach dem Ermordet-Werden auch "dem ewigen Feuer" verfallen wäre. Nichtkatholiken halten das zu Recht für völligen einschüchternden Unsinn. Doch die katholischen Amtsträger sollten endlich so redlich sein und öffentlich zugeben, was ihre Kirche als "unfehlbare" Glaubenswahrheit bekennt und von den Menschen verlangt, und sie sollten endlich ihre Tarn-Strategien und Scheinheiligkeiten beenden, damit die Menschen erfahren, was römisch-katholisch wirklich bedeutet.

Was Frère Roger betrifft, hatten ausgerechnet die Beileidsbekundung von Papst Benedikt XVI. und Joseph Kardinal Meisner erneut den Verdacht erhärtet, Schutz sei doch im Geheimen der römisch-katholischen Kirche beigetreten. Joseph Ratzinger erklärte nämlich auch noch: "Frère Roger ruht in den Armen der nie endenden Güte und der ewigen Liebe. Er ist in die Freude eingegangen, die nie zu Ende gehende" (kreuz.net, 17.8.2005). Das könnte zwar im Prinzip auch bedeuten: Der Papst ist offiziell ein "Häretiker", weil er dem dem "unfehlbaren" Lehrsatz Nr. 381 widerspricht. Oder Roger Schutz hatte sich doch der römisch-katholischen Kirche angeschlossen, und es wird nur offiziell verleugnet, um die Evangelischen nicht zu verschrecken und weiter im vordergründigen Taizé-System, wie es sich offiziell präsentiert, einzubinden. Oder es gibt eine geheime römisch-katholische Lehraussage, wonach bestimmte Protestanten, Orthodoxe, Juden, Moslems usw. von den Folgen des Satzes Nr. 381 ausgenommen sind; nämlich diejenigen, die zum Beispiel nur zum Schein oder um einer bestimmten Herrschaftstaktik willen äußerlich evangelisch-lutherisch, orthodox, jüdisch, muslimisch usw. sind, in Wirklichkeit aber offiziell oder inoffiziell als Art "Agenten" des Vatikans in den jeweils anderen Konfessionen tätig sind.

Papst und Taizé-Prior "eins" in ihrer Religion

Alles zusammen waren auf jeden Fall deutliche Indizien, wohin von Taizé aus die Reise geht oder schon unmerklich gegangen war und noch weiter geht. Ebenso deutlich ist, dass Schutz-Nachfolger Alois Löser seither jährlich eine Privataudienz bei Papst Benedikt XVI. hatte. Bei einer "Privataudienz" dringt nichts über den Inhalt der Gespräche nach außen, es ist also in diesem Sinne ein anderes Wort für ein Geheimtreffen. Ob diese Treffen unter Franziskus und Leo XIV. fortgesetzt werden, ist wahrscheinlich, uns allerdings nicht bekannt.
"Bruder" Alois hatte beim Amtsverzicht von Joseph Ratzinger als Papst im Jahr 2013 dessen kurz zuvor ausgesprochenes Lob gegenüber ihm, dem neuen Taizé-Prior, noch einmal betont. Joseph Ratzinger hatte sich dabei auf das letzte gemeinsamen Treffen der beiden bezogen und gesagt, "
wie schön es ist, eins zu sein in Christus" (taize.fr, Artikel Nr. 15324). Das heißt aber dann zunächst einmal nur: Der Prior sitzt im gleichen Boot mit einer Organisation, über die der Historiker Karlheinz Deschner einmal schrieb, er kenne "in Antike, Mittelalter und Neuzeit, einschließlich und besonders des 20. Jahrhunderts, keine Organisation der Welt, die zugleich so lange, so fortgesetzt und so scheußlich mit Verbrechen belastet ist wie die ... Kirche, ganz besonders die römisch-katholische Kirche" (in: Die beleidigte Kirche, Freiburg 1986, S. 42 f.), und sie nehmen quasi im Schlepptau ihre Anhänger mit. Sowohl die unzähligen ungesühnten und noch nicht wieder gut gemachten Verbrechen im Namen von Christus bis hin zu den Sexualverbrechen an Kindern, als auch die bis heute vatikanisch verbindlichen Verfluchungen sind aber ein unüberbietbarer Missbrauch des Namens Christus und damit für einen Nachfolger von Christus auch eine Verhöhnung des Schöpfergottes beispiellosen Ausmaßes (siehe dazu z. B. hoellenlehre_der_katholischen_kirche.htm)

Im Dezember 2023 übergab Bruder Alois dann die Leitung nach 18 Jahren allerdings an Bruder Matthew (Frére Matthew) aus Großbritannien, mit bürgerlichem Namen Andrew Thorpe, der aus der dortigen anglikanischen Staatskirche stammt, die schon des längeren der römisch-katholischen Kirche näher steht als die meisten evangelischen Kirchen. Eine Kursänderung der Bruderschaft ist damit allerdings nicht verbunden. Sondern auch dies passt zur Taizé-Strategie. Denn auch die Anglikaner sollen ja zurück nach Rom. Doch noch ein weiterer Blick auf das, was bis dahin geschah:

Führt die Kommunität von Taizé die evangelischen Jugendlichen dem Papst zu? / Taizé-Jugendtreffen im Jahr 2012 in Rom. Joseph Ratzinger stand bereit

Im Jahr 2011/2012 fand das alljährliche Jugendtreffen der Bruderschaft von Taizé, wo die entsprechende Spiritualität gepflegt wurde, dann in Berlin statt. Papst Joseph Ratzinger schickte entsprechende Grußworte nach Berlin und wartete 2012 dann im Vatikan dann selbst auf die Jugendlichen. Denn zum nächsten Jugendtreffen 2012/2013 reisten die Jugendlichen schließlich nach Rom und in den Vatikan. Dieser Ort und dieser Zeitpunkt sind dabei, nach allem, was bisher bekannt wurde, nicht nur vordergründig zu betrachten. Denn, angesichts der beispiellosen Verbrechensgeschichte ungeschönt formuliert: Taizé stand schon seit Jahrzehnten für eine auf Weichheit und Unmerklichkeit angelegte allmähliche Vereinnahmung bzw. Verschlingung durch den "Drachen", der seinen Schlund zumindest ganz weit offen hat. Und bei näherem Hinsehen zeigt sich so manches mehr: Dass die Bruderschaft von Taizé zum Beispiel ein Kreuz als Emblem gewählt hatte, das einem früheren Kreuzfahrer-Kreuz nachempfunden wurde, unter dem im Mittelalter die Welt mit Blut und Tränen überzogen wurde (siehe links), ist mit Sicherheit auch kein Zufall, sondern ganz bewusst gewählt.

Taizé-Kreuz (links) und Templer-Kreuz von kriegerischen mittelalterlichen Kreuzfahrern (rechts). Sicher ist die Ähnlichkeit kein Zufall.

Foto rechts: Leviathan; Urheber: Castrocane, 2008; GNU-Lizenz für freie Dokumentation


"Schleichende Katholisierung" und immer weniger Interesse

Inzwischen nahmen aber auch immer mehr Taizé-Besucher die schleichende Katholisierung der einst protestantischen Kommunität wahr. So wurde in einem Leserbrief von Anneliese Göpfert in idea-spektrum Nr. 40/2015 vom 30.9.2015 Kritik an der Spiritualität von Taizé geübt am Beispiel der Anbetung eines Kreuzes, das dort auf den Boden gelegt wurde: "Die meisten derjenigen, die sich zum Kreuz begaben, legten den Weg auf den Knien rutschend zurück. Wer – wie ich – den Weg aufrecht zurücklegen wollte, musste sich geradezu hasserfüllte Blicke von einigen der Knieenden gefallen lassen. Ein ungutes Gefühl blieb zurück. Im Nachhinein ist mir klar geworden, dass in Taizé eine schleichende Katholisierung stattfindet: Taizé ist der Inbegriff der Ökumene, die nur eine Zugrichtung kennt: zurück nach Rom."

[2017-2022] Zum alljährlichen Taizé-Jugendtreffen zwischen Weihnachten und Neujahr, im Jahr 2017 in Basel in der Schweiz, waren in jenem Jahr auch überwiegend katholische Jugendliche aus Polen und der Ukraine angereist. Allein die Teilnehmer aus Polen stellten mit ca. 5000 von ca. 15.000 Teilnehmern die mit Abstand größte Gruppe, gefolgt von den Ukrainern mit 2800 Teilnehmern. "Papst Franziskus hat die Teilnehmer des 40. Europäischen Jugendtreffens der christlichen Gemeinschaft von Taizé im Schweizer Basel zum ökumenischen Miteinander ermutigt", heißt es in einer Meldung der Katholischen Presseagentur Österreich KAP vom 28.12.2017.

Und was "Ökumene" für den Vatikan bedeutet, formulierte bekanntlich der damalige Bamberger Erzbischof Schick mit den sinngemäßen Worten: Wir sind derzeit eine Milliarde Katholiken. Wenn die Ökumene vorankommt, was ich sehr wünsche, werden es bald zwei Milliarden sein (ZDF, 31.5.2007). Auch bei den so genannten Workshops dominieren als Referenten römisch-katholische Würdenträger; es erschien insgesamt als eine Art "Katholisch für Anfänger"– eben mit Rücksicht auf Protestanten, die noch nicht daran gewöhnt sind, auf den Knien in Richtung auf ein Kreuz hin zu rutschen.
Allerdings sind die "zwei Milliarden" illusorisch. Denn das Interesse an Taizé lässt ebenso massiv nach wie das Interesse an anderen Angeboten der Großkonfessionen. Ihre Zeit ist trotz anhaltender Nachwehen und gelegentlicher Strohfeuer abgelaufen. Während 1992 nach Wien, 1994 nach München oder 1998 nach Mailand noch ca. 100.000 Jugendliche kamen und auch in den Jahren dazwischen ca. 70.000 und etwas mehr, war es in Basel nur noch ein Bruchteil davon, überwiegend, wie gesagt, aus Polen und der Ukraine, wo die Vatikankirche massive auch politische Machtinteressen verfolgt und entsprechend an Aufwand investiert. Die beiden nächsten Taize-Jugendtreffen wurden dann auch wieder in katholischen Hochburgen veranstaltet, zunächst in Madrid, wo sich der Niedergang auch 2018/2019 fortsetzte und nur noch ca. 15.000 Teilnehmer insgesamt kamen, davon nur noch 750 aus Deutschland. Und es folgte Breslau (= Wroclaw) im stark katholisch geprägten Polen (2019 auf 2020). 2020 traf man sich dann zwischenzeitlich nur noch in Taizé selbst und übertrug Veranstaltungen online. Und von 2021 auf 2022 fand das Treffen nur noch als Online-Übertragung aus Turin statt, ganz ohne Besucher bis auf ein paar Jugendliche aus Turin und Umgebung. Allen, die sich darüber hinaus Internet zuschalten, vor allem aus Osteuropa, versicherte der Kardinalstaatssekretär des Vatikan, Pietro Parolin: Der Papst "vertraut euch dem Schutz der Jungfrau Maria an" (vaticannews.va, 30.12.2021), eine weitere Geste allmählicher Vereinnahmung noch-restprotestantischer oder noch-orthodoxer Jugendlicher innerhalb der Taizé-Bewegung.

Sexueller Missbrauch

Und ab dem Jahr 2020 geriet auch die Bruderschaft von Taizé in negativen Schlagzeilen aufgrund der Aufdeckung von sexuellem Missbrauch durch drei Taizé-Brüder zwischen den 50er- und den 80er-Jahren, von denen zwei bereits gestorben sind.
Dazu die Meldung aus dem Jahr 2020
Sexualverbrechen bzw. sexueller "Missbrauch" von Taizé-Brüdern an Jugendlichen. Einer der Täter lebt noch vor Ort in der Gemeinschaft, wird aber nach offiziellen Angaben aber von Jugendlichen fern gehalten.

Aktualisierung: In Wikipedia heißt es unter anderem [Stand: 15.12.2024]: "Anfang Dezember 2022 gestand der Ordensleiter ein, dass durch mangelnde Transparenz und Aufklärungswille das Leiden der Opfer verstärkt worden sei. Wenige Tage später berichtete der Deutschlandfunk über die Fälle und deren unzureichende Aufarbeitung durch die Gemeinschaft. Im Zuge der Recherchen wandten sich viele Betroffene an den Sender und äußerten Sorgen hinsichtlich der Sicherheit von Heranwachsenden auf dem bevorstehenden Europatreffen des Ordens in Rostock."

Taizé-Jugendtreffen 2022/2023 in Rostock im Zeichen der NATO

Denn vom 28.12.2022 bis zum 1.1.2023 fand in Rostock nach der Corona-Pause wieder ein reales Taizé-Jugendtreffen statt und nicht nur ein digitales im Internet. Treffpunkt war Rostock in Deutschland an der Ostsee, und ca. 4500 Jugendliche, also nur noch ein Bruchteil der Teilnehmer früherer Treffen. Dafür setzte man unverkennbare politische Akzente.
In Zeiten des eskalierenden Krieges Russland-Ukraine und der massiven Waffenlieferungen und Kriegs-Einmischung durch die NATO war das Logo des Taizé-Jugendtreffens (siehe links die obere Hälfte) teilweise an das NATO-Logo (siehe links die untere Hälfte) angelehnt. In das Taizé-Logo oben ist, wie man im Vergleich sieht, fast identisch das NATO-Logo unten eingearbeitet. Das ist offenbar kein Zufall. Das Nato-Emblem soll einen Kompass darstellen, "
der die Nato auf dem richtigen Weg des Friedens halte", so der vermeintlich angestrebte Zweck der Nato-Mitgliedsstaaten gemäß einer Erklärung auf der Internet-Seite der Bundesregierung (bundesregierung.de). Diesem Kompass nachempfunden erscheint dieser Stern dann im Taizé-Jugendtreffen-Logo

Dazu noch ein paar Hintergründe: Bereits aus dem Jahr 2018 stammt die Nato-Entscheidung, die Stadt Rostock zum Nato-Hauptquartier in Europa auszubauen, was gegen die so genannten 2+4-Vereinbarungen (der damals beiden deutschen Staaten und der vier "Siegermächte" des 2. Weltkriegs) bei der deutschen Einheit verstößt. Bereits jetzt ist Rostock einer der größten Nato-Stützpunkte in Europa. Und durch die Nato-Osterweiterung mit Schweden und Finnland schwärmen westliche Konflikt-Eskalations-Politiker jetzt schon von der Ostsee als einem "Nato-Meer" (z. B. die seit 2024 als EU-Außenbeauftragte tätige und massivst gegen die Politik Russlands eingestellte junge estnische Politikern Kaja Kallas; spiegel.de, 20.5.2022), was die militärische Bedeutung Rostocks noch weiter erhöht, während die bisherigen militärischen Kräfteverhältnisse damit entscheidend zu Ungunsten des Ostens und seiner Sicherheitsinteressen verändert werden, was dieser als eskalierende Bedrohung empfindet. Und anscheinend knüpfen die Taizé-Verantwortlichen an diese Zusammenhänge an, denn nur wenig später wurde Tallinn, die Hauptstadt Estlands, zum Ort des Taizé-Jugendtreffens 2024/2025 auserkoren, und damit ein Milieu das stark von der feindlichen Eskalation gegenüber dem Osten geprägt ist.

Passend dazu war bereits einer der weiteren nachdrücklichen Kriegsbefürworter auf westlicher Seite, der lutherische Pfarrer Joachim Gauck, beim Jugendtreffen in Rostock als prominenter Redner bzw. im Sinne des dort gehuldigtem "Gottes" als betender Teilnehmer eingesetzt.
Einprägsam für viele Beobachter des Zeitgeschehens war ein Foto, als der lutherische Pfarrer als damaliger deutschen Bundespräsident am 7.6.2014 auf "ökumenische" Art mit katholischem Rosenkranz in der Hand über den Maidan-Platz in Kiew schritt, um dort im Nachklang zu dem gewaltsamen Umsturzes durch die pro-westlichen Aufständischen seine Aufwartung zu machen (hdg.de). Zuletzt warnte Pfarrer Gauck vor einem Nachgeben gegen über den Interessen Russlands. Er verglich den Präsidenten Russlands stattdessen mit dem deutschen Diktator Adolf Hitler und sprach: "Adolf Hitler hat auch gedacht, der Westen ist zu weich und die Engländer sind sowieso dekadent, und die Polen sowieso verweichlicht." (in der Sendung Maybritt Illner vom 15.12.2022)
Als auf solche Weise gegen die Regierung Russlands agierender früherer deutscher Bundespräsident war Pfarrer Gauck auch dadurch aufgefallen, dass er schon am 1.9.2014, zum 75. Jahrestag des Ausbruchs der 2. Weltkriegs durch den Angriff Deutschlands, die russische Regierung massivst beschimpfte und bei seiner damaligen Ansprache offenbar nicht auf die ca. 20 Millionen russischen Opfer einging. Nun wurde er also mit seinen "Erfahrungen" 2022/2023 zu einem der Haupt-Akteure gegenüber den Jugendlichen beim Taizé-Treffen.

Dass die Friedensbotschaft des Jesus von Nazareth im krassen Gegensatz zur Nato-Politik, zur Kriegspolitik aller Seiten und zur politischen Agitation von Pfarrer Gauck im Sinne der nationalistischen Ukraine-Regierung steht, legte sich als dunkler Schleier auch einmal mehr auf die Taizé-Aktivitäten, während man dort vordergründig vorgibt, das eigene Tun sei angeblich im Sinne von Christus. Auch hier weitet ein Blick nach Rom das Verständnis für die Dinge. Papst und Vatikan hatten seit langem ein deutliches Interesse an Machtveränderungen in der Ukraine, denn parallel zur Nato-Osterweiterung hat die Vatikankirche ebenfalls eine Osterweiterung ihres Macht- bzw. Einflussbereichs im Sinn, der über die Ukraine auch nach Russland übergreifen soll. In diesem Zusammenhang stellte sich der Vatikan von Anfang der politischen Konflikte an auf die Seite der damaligen pro-westlichen Aufständischen und der nachfolgenden nationalistischen Regierung mit anfangs teilweise offener faschistischer Regierungsbeteiligung. Die römisch-katholische Seelsorge stärke den "Kampfgeist der Soldaten und freiwilligen Kämpfer" (focus.de, 16.5.2014), so unmissverständlich der von Franziskus neu zum katholischen Bischof in der Ostukraine ernannte Stanislaw Szyrokoradiuk, der auch bereits beim Maidan-Aufstand im Sinne der römisch-katholischen Kirche mitgemischt hatte, auch wenn der Papst sich dann 2022 manchmal anders äußerte als der offizielle westliche Kriegskurs.

Passend zur Einmischung in diesen Kriegsherd war der Taizé-Prior Alois Löser unmittelbar vor dem Jugendtreffen in Rostock 2022 in die Ukraine gereist und hatte dort fünf Tage lang auch über die Weihnachtstage verbracht. Und von dort sind dann auch wiederum Jugendliche nach Rostock gereist. Dazu die Frage: In entsprechender Kriegsstimmung, wie sie dort den herrschenden offiziellen Main-Stream prägen, dass man "bis zum letzten Tropfen Blut" (Der ukrainische ehemalige Box-Profi Wladimir Klitschko) für seine politischen Interessen und gegen den "Feind" kämpfen werde? Und indem man damit die ganze Zivilisation an den Rand eines atomaren Untergangs bringt? Dass ein Veraantwortlicher aus dem Taizé-Umfeld gemäß der Lehre von Jesus von Nazareth den Krieg beenden wollte und in Rostock auch eine dementsprechende Botschaft weitergeben wollte, ist zumindest nicht bekannt. War es anders und teilt man es uns mit, werden wir es hier auch veröffentlichen. Laut dem weltlich hochrangigen Taizé-Gast Pfarrer Gauck ist der Pazifismus ein Ansatz, "der nicht zum Guten führt, sondern der die Dominanz der Bösen, der Verbrecher und der Unmenschlichen zementieren würde" (merkur.de, 14.7.2022). Das gilt nach seiner Pfarrer-Ansicht dann auch für die Lehre Jesu, sie zementiere demzufolge also ebenfalls die Dominanz der "Unmenschlichen". So wird der Sohn Gottes und Erlöser auch bei diesem Treffen von so manchem wieder ans Kreuz geschlagen. Vgl. dazu auch Der Theologe Nr. 63 – Pfarrer, Priester und Pastoren: Gegenspieler von Jesus, dem Christus.

Und das Treffen 2024/2025 in Estland, dann Paris, dann Lodz

Zum Jahreswechsel 2023/2024 fand das nächste Taizé-Jugendteffen dann in Ljubljana, der Hauptstadt Sloweniens statt. Die Teilnehmerzahl war ungefähr gleich so hoch wie im Vorjahr in Rostock. 5000 Teilnehmer wurden hier und da genannt. Für 2024/2025 plante man schließlich, erneut an der Ostsee zusammen zu kommen, dieses Mal, wie oben bereits erwähnt, in Tallinn in Estland, einem Land, dessen Regierung den westlichen Kurs gegenüber Russland und seiner Regierung kompromisslos weiter eskaliert und deren damalige junge Regierungschefin Kaja Kallas zwischenzeitlich sogar als neue NATO-Generalsekretärin erwogen wurde, bevor sie dann EU-Außenbeauftragte wurde. Sie triumphierte bereits im Jahr 2022, dass die Ostsee durch die NATO-Erweiterung um Finnland und Schweden nunmehr zum "NATO-Meer" werde (spiegel.de, 20.5.2022). Also, denn: Taizé-Jugendtreffen 2024 gemäß dieser Sichtweise dann zum zweiten Mal nach Rostock direkt ans "Nato-Meer", jetzt ins benachbarte Tallinn.
Die Taizé-Bruderschaft selbst äußerst sich in diesem Sinne ebenfalls politisch: Das Treffen soll offiziell dazu beitragen, "den Kontinent als ein gemeinsames Haus wieder aufzubauen und eine Zukunft des Friedens zu schaffen" (taize.fr). Und ähnliche Ankündigungen gab es dann im Vorfeld zum nächsten Treffen 2025/2026 in Paris. Zu einem echten Frieden im Sinne des Christus würde aber gehören, sich nicht die NATO-Politik zu Eigen zu machen, sondern die Bergpredigt des Jesus von Nazareth, und, indem man gemäß der von Ihm gelehrten Goldenen Regel alles das, was man vom Kriegsgegner oder im persönlichen Umgang mit anderen Menschen verlangt, zuerst diesen gegenüber selbst zu tun und auf diese Weise echte Friedensbereitschaft und ein Miteinander zu signalisieren.

Ende 2025 schickte Papst Leo XIV. Grußworte zum Jugendtreffen nach Paris und betonte dabei den "besonderen kirchlichen Moment", nämlich den Abschluss des kirchenheiligen Jahres 2025 (domradio.de, 27.12.2025) täglich auch in der mit Staatsmilliarden wieder aufgebauten Kathedrale Notre-Dame, dem Menetekel des Untergangs, und so, als sei Taizé schon komplett einverleibt. 2026/2027 soll es dann noch Lodz in Polen gehen, einem weiteren Land, dessen Politiker das Kriegsgeschehen gegen den Osten forcieren und wo der Vatikan beim Sturz des Kommunismus entscheidend mitgewirkt hatte.


Der Text kann wie folgt zitiert werden:
Zeitschrift "Der Theologe", Herausgeber Dieter Potzel, Ausgabe Nr. 117: Zurück in den Vatikan: Die Taizé-Verschwörung, zit. nach theologe.de/taize-verschwoerung.htm, Fassung vom 2.1.2026,
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