Prädestination - Kirchliche Lehre der Vorherbestimmung für ihre Hölle

Der Theologe Nr. 49, aktualisiert am 1.7.2022


Zeitgenossen, die gelernt haben, Herz und Verstand zu gebrauchen, stellen immer mehr auch die Kirchenlehren auf den Prüfstand. Auf den ersten Blick könnte es dabei so erscheinen, als wäre die kirchliche Lehre einer angeblich ewigen, also für den Einzelnen im Jenseits nie endenden Hölle bzw. Verdammnis bereits das Schlimmste, was sich je Menschen ausgedacht haben. Für denjenigen, der diese Lehre befürwortet, sind "Sünde" und schlimmste Schrecken größer und mächtiger als die Liebe des Schöpfergottes, und wer so denkt, der steht damit ein für eine in alle Ewigkeiten getrennte und geteilte Schöpfung in vermeintliche Herrlichkeit einerseits und Horror andererseits.
Doch es gibt noch eine Steigerung dieser Grausamkeit, welche besagt, "Gott" habe den einzelnen von ihm geschaffenen Menschen für dieses Schicksal auch noch vorher bestimmt bzw. er habe dies in seiner Schöpfung so vorher gesehen und bewusst bis heute nichts dagegen unternommen. Und diese kaum vorstellbare Steigerung eines grausamen Gottesbildes ist tatsächlich erfolgt. Denn sie ist Inhalt der kirchlichen Prädestinationslehre, die wir nachfolgend vor allem anhand von Original-Quellen darlegen.
Die hier dokumentierten Quellen sind dabei nicht vollständig. Sie enthalten aber zentrale und wesentliche Aussagen der katholischen und evangelischen Kirche zu diesem Thema.

Die Grundlage für die Prädestinationslehre der Kirchen ist also deren grundsätzliche Lehre von einer ewigen Seligkeit der einen Menschengruppe und einer angeblich ewigen Verdammnis der anderen Gruppe am Ende der Zeiten, also letztlich Himmel oder Hölle; und das angeblich unveränderbar in alle Ewigkeiten, worüber aber einzig die kurze Zeitspanne eines irdischen Erdenlebens darüber entscheiden soll. Darüber hinaus sind die dafür gelehrten Bedingungen bei Berücksichtigung eines allgemein anerkannten gesunden Menschenverstands absurd und haarsträubend. Denn der kirchliche Maßstab für Heil oder Grauen in angeblich alle Ewigkeit sei vor allem die jeweilige Kirchenmitgliedschaft und die uneingeschränkte Bejahung aller entsprechenden Dogmen bzw. Bekenntnisschriften, je nach Konfession aber mit unterschiedlichen Inhalten. Besonders daran wird der wahre Charakter dieser Lehren deutlich: Denn eine Folge davon ist deshalb auch die Verdammung der jeweils anderen, auch wenn das bei den vordergründigen Ökumene-Beteuerungen immer verschwiegen wird.
Die ausführlichen Fakten dazu finden Sie hier. Diese Kirchenlehren einer ewigen Hölle, die sich jeweils widersprechenden Zugangsbedingungen für "Himmel" oder "Hölle" in den einzelnen Konfessionen samt den dazugehörigen ebenfalls unterschiedlichen Prädestinationslehren haben aber nichts mit dem Schöpfergott und mit Jesus, dem Christus, zu tun. Und sie lassen sich auch nicht mit den schillernden und unterschiedlichen Aussagen in ihren eigenen kirchlichen Bibeln vereinbaren. Dies haben wir in Der Theologe Nr. 19 - Es gibt keine ewige Verdammnis, auch nicht in der Bibel ausführlich dargelegt. Wer sich zunächst mit dieser Voraussetzung für die kirchliche Prädestinationslehre näher befassen will, könnte jene Ausgabe des Theologen zuerst lesen. Doch das Nachfolgende ist auch so deutlich und verständlich, und die Schlussfolgerung daraus lautet für immer mehr Menschen: Nie wurde ein grausamerer Gott erfunden als hier, eben der jeweilige Kirchen- und Konfessionsgott bzw. Kirchen- und Konfessionsgötze. Diese verstehen sich als institutionalisiertes Christentum, haben aber nichts mit der Lehre der Gottes- und Nächstenliebe zu tun, welche durch Christus und alle wahren Gottesprophetinnen und -propheten gelehrt und vorgelebt wurde.

 



Zwei Arten von Prädestination?

Kein wesentlicher Unterschied zwischen Vorhersehung oder Vorherbestimmung: Beides mit gleichen Folgen

Paulus (1. Jahrhundert)

Augustinus (4./5. Jahrhundert)

Die römisch-katholische Kirche

Martin Luther

Evangelisch-lutherische Theologen (20. Jahrhundert) über ihren Gründervater Martin Luther

Johannes Calvin

Die Evangelisch-lutherischen Bekenntnisschriften

Die Evangelisch-reformierten Bekenntnisschriften
 



Zwei Arten von Prädestination?
Die kirchliche Theologie unterscheidet bei der Prädestination grundsätzlich zwischen zwei Denkmöglichkeiten,
die sich letztendlich aber nur in der Wortwahl unterscheiden, in der Konsequenz für den Gläubigen allerdings auf das Gleiche hinauslaufen.

1.  Die ursprüngliche Prädestinationslehre des Augustinus (im Folgenden als "Prädestination mit Vorhersehung" bezeichnet)
Augustinus (354 - 430), Kirchenlehrer und Kirchenheiliger, hat nicht nur die Lehre von der unfassbar grausamen ewigen Verdammnis entwickelt, sondern auch noch die Prädestinationslehre, mit der sein Gottesbild in puncto Grausamkeit noch eine weitere Steigerung erfuhr. Nach dieser Lehre ist es einem Teil der Menschen vorherbestimmt - und zwar von Beginn aller Zeiten, also noch vor deren Geburt -, dass sie nach ihrem Erdenleben in einen ewigen "Himmel" gelangen. Für die übrigen Menschen gäbe es statt einer "Vorherbestimmung" lediglich eine "Vorhersehung" (praescientia) Gottes, dass diese ewig verloren gingen, also in die "Hölle" kommen würden. "Himmel" und "Hölle" sind dabei ebenfalls kirchliche Konstrukte. Im katholischen Himmel erwarten den Gläubigen z. B. über 250 Päpste, aber keine Tiere, die auch im evangelischen Konstruktionsmodell fehlen.
Da es laut Kirchenlehre ausgeschlossen ist, dass weitere Menschen den Weg in den "Himmel" finden als die, die von Anbeginn dafür vorherbestimmt sind, landen die nicht für den "Himmel" vorherbestimmten Menschen zwangsläufig in der "Hölle", egal ob sie dafür nach Meinung der Theologen nur "vorhergesehen" oder auch "vorherbestimmt" wurden. Denn ein Nicht-Vorherbestimmter für das Kirchen-Heil wird dadurch ja automatisch für das Unheil "vorhergesehen". Und das ist wiederum dasselbe, als würde man von vorneherein zugeben, dass diese "Vorhersehung" einer Vorherbestimmung zum Unheil gleichkommt. Dies geschieht dann auch offiziell in der so genannten "doppelten Prädestinationslehre".

2.  Die "doppelte Prädestination" (praedestinatio gemina) Luthers und Calvins
Im vermeintlichen Unterschied zu Augustinus vertraten später Luther und Calvin eine so genannte "doppelte Prädestination" (praedestinatio gemina). Die Prädestination wird als "doppelt" bezeichnet, weil nach dieser Lehre beide Menschengruppen von Gott vorherbestimmt sein sollen, nicht nur die Kirchen-Kandidaten für den "Himmel" wie bei Augustinus, sondern auch diejenigen für die "Hölle", die bei Augustinus von Gott dazu "nur" dafür "vorhergesehen" sind. Letzteres, "doppelte Prädestination" genannt, lehren bis heute offiziell die sich auf Johannes Calvin und Huldreich Zwingli gründenden evangelisch-reformierten Kirchen mit Mitgliedern vor allem in der Schweiz, den Niederlanden und den USA. Die bis dahin katholisch übliche Prädestinationslehre gemäß des Kirchenheiligen Augustinus lehren bis heute offiziell die römisch-katholische Kirche und die evangelisch-lutherische Kirche.
N
och einmal als Frage formuliert: Sind dies wirklich zwei grundsätzlich unterschiedliche Arten der Prädestinationslehre oder entsprechen nicht beide Varianten letztlich dem gleichen furchtbaren Gottesbild mit den gleichen Folgen für jeweils Andersdenkende, und die Unterscheidung ist nur eine der unzähligen theologischen Haarspaltereien?
Bevor wir im nächsten Absatz noch einmal näher darauf eingehen, noch die grundsätzliche Klarstellung vorab: Mit dem Gott, den uns Jesus, der Christus, nahe brachte, hat das alles nichts zu tun. Es ist Kirche, und Aspekte von Christus und Seiner Lehre werden dabei nur missbraucht.

Kein wesentlicher Unterschied zwischen "Vorhersehung" oder "Vorherbestimmung": Denn beides soll für das Opfer die gleichen Folgen haben
Auf den ersten Blick gewinnt vielleicht mancher den Eindruck, dass eine "Vorherbestimmung" zum Heil bei gleichzeitiger "Vorhersehung" zum Unheil nicht ganz so schlimm sei als die "Vorherbestimmung" für beides, so wie es Martin Luther und Johannes Calvin gelehrt haben. Und diese theologische Kosmetik ist wohl auch aus diesem Grund so vorgenommen worden. So wird bei den Katholiken und modernen Lutheranern ja offiziell verneint, dass der "Gott" der Kirche irgendwelche Menschen zur angeblichen ewigen Verdammnis "vorherbestimme". Doch der in der Dogmengeschichte der Kirche aufgeblähte Unterschied zwischen beiden theologischen Lehrrichtungen wäre aus der Sicht der Nichtgläubigen, also der in Auge gefassten Opfer, bedeutungslos, wenn es eine derartige Prädestination tatsächlich geben würde. Denn für das angeblich ewig verdammte Kirchenopfer spielt es schlussendlich keine Rolle, ob der Kirchengott dessen ewige Verdammnis vorherbestimmt oder "nur" vorhergesehen habe. Denn "ewige Hölle" wäre nun mal "ewige Hölle", ohne Chance, diesem Zustand je wieder entkommen zu können, wenn das so stimmen würde; gleichgültig ob man sich dort "vorherbestimmt" oder "nur" "vorhergesehen" einfinden müsse. Dass es letztlich kein Unterschied ist, beweist die römisch-katholische Kirche zum Beispiel auch damit, dass dem von ihr Verdammten angeblich von Gott zwar nicht die "ewige Verdammnis" als solche, dafür aber das Ausmaß der angeblich "ewigen Strafe", welche diese Verdammnis beinhalten soll, vorherbestimmt sei. Außenstehende mögen sich darüber nun gedanklich martern, um den vermeintlichen Unterschied zwischen Verdammnisvorhersehung und Strafvorherbestimmung mit ihrem Intellekt nachvollziehen zu können. Man kann es versuchen oder auch nicht, es trägt nicht zur Erhellung bei, sondern der ganze Horror-Komplex bleibt so oder so tiefste menschlich konstruierte Dunkelheit. Hier erscheint aber eine ganz andere Frage angebracht: Was für Menschen mögen das wohl sein, die ihr Gehirn damit belasten, noch solche weiteren Spitzfindigkeiten in die von ihnen erfundenen Grausamkeiten einzuführen?

Dass es sich nur um Spitzfindigkeiten handelt, dazu zur Verdeutlichung ein Vergleich aus einem anderen Bereich: Wie ist das bei einem ermordeten bzw. getöteten Menschen? Aus Sicht des Opfers ist tot gleich tot, einerlei, ob ein irdischer Richter das Verbrechen im Nachhinein als "Totschlag" oder als "Mord" bewertet. Und es macht das Opfer keinen Deut lebendiger, wenn man feststellt, es wäre ja nun immerhin nicht ermordet, sondern "nur" getötet worden. Und was hätte die Seele, die gewaltsam ins Jenseits gebracht worden wäre, davon, wenn man ihr dort ausrichten würde, sie sei, wie nun z. B. von einem Gericht auf der Erde so entschieden worden, gar nicht ermordet, sondern nur getötet worden? Ob das dann eine gute Nachricht für sie ist?

Wenn also die römisch-katholische und die evangelisch-lutherische Kirche lehren, ihre Prädestinationslehre sei doch im Kern etwas "Positives", nämlich die Erwählung der angeblich "geretteten" Menschen zum ewigen Heil, dann ist das eine üble Manipulation der Menschen. Denn wenn der kirchlich ausgedachte "Gott" bestimmte Menschen demnach zum "ewigen Heil" prädestiniert (= erwählt), dann bedeutet das nämlich ganz automatisch auch, dass er damit eben die anderen ausdrücklich nicht dafür prädestiniert bzw. erwählt. Und das bedeutet wiederum: "Unterlassene Hilfeleistung" im schwersten aller möglichen Fälle, denn es soll hier ja um eine Weichenstellung für die Unendlichkeit, für die Ewigkeit gehen. Denn das würde nach kirchlicher Lehre dann im Endeffekt für die nicht zum "Heil" Vorherbestimmten automatisch "ewige Hölle" bedeuten.

Zur Vollständigkeit dieses religiösen Rettungs- bzw. Vernichtungswahns könnte hier noch ergänzt werden, dass dieses konfessionelle Glaubensmodell ausschließt, dass es im kirchlichen "Himmel" neben den dafür "Vorherbestimmten" noch weitere menschliche Seelen gibt, die zwar nicht vorherbestimmt waren, es aber trotzdem geschafft hätten. Sondern alle Geretteten wären auch ausnahmslos zusammen dafür vorher bestimmt gewesen, und das grässliche Schicksal aller angeblich ewig Verdammten wäre ausnahmslos von "Gott" so vorher gesehen gewesen. Was für eine Religion! Und was für ein konfessioneller Götze, der ein Menschenleben erschaffen würde, von dem er schon von Beginn an weiß, dass dieses in ewigen Höllenqualen enden würde! Mit Gott, dem Freien Geist, hat das nichts zu tun.

Um es noch einmal zu verdeutlichen: Indem der kirchliche "Götze" oder "Gott" nun also laut der katholischen und evangelischen Prädestinationslehre die "Geretteten" zum Heil vorher bestimmt, bestimmt (!) er die Nicht-Erwählten damit durch Unterlassen automatisch zur ewigen Verdammnis voraus. Daran ändert sich auch nichts, wenn die kirchliche Theologie diesen Sachverhalt mit dem Begriff "Vorhersehung" (praescientia) verbrämt, um ihr Gottesbild damit vermeintlich zu entlasten bzw. zu beschönigen. Einem "Gott", der einen Menschen neu schafft, obwohl er schon beim Schaffungsprozess dessen unendliches, ewiges grässliches Schicksal vorher sehen würde, müsste jeder Mensch mit einem Funken von Ethik und Moral sofort das Schöpfen untersagen, damit nicht noch mehr Unheil geschieht. Denn nach kirchlicher Lehre sind ja bereits wehrlose und hilflose Säuglinge, also Babys, die gerade erst geboren werden, bereits zu einer ewigen Verdammnis vorherbestimmt, was der unsäglichen Grausamkeit der Kirchenlehren (der die unsäglich grausame Kirchengeschichte mit Folter, Morden und Kriegen entspricht) noch einen weiteren grässlichen Aspekt hinzu fügt.
Es gibt also in Wirklichkeit gar keine Prädestinationslehre "nur zum Heil", wie im Katholizismus und Luthertum behauptet wird, sondern jede Form der kirchlichen Prädestinationslehre ist letztlich immer eine so genannte "doppelte Prädestinationsbehauptung", entweder zum "Heil" oder zur "Hölle". So gesehen sind Martin Luther, Johannes Calvin und die evangelisch-reformierten Kirchen nur weniger scheinheilig, während sich die katholische und die spätere lutherische Kirche hinter einem theologischen Wortgeflimmer zu  verstecken versuchen, angeblichen "nur" einer Vorhersehung zu angeblich ewigen Verdammnis.

Nachfolgend nun die Quellen bzw. einige Zitate aus der Literatur hierzu. Die Aufstellung ist, wie gesagt, nicht vollständig und kann jederzeit erweitert werden. Sie enthält aber bereits jetzt alles Wesentliche. Wir haben die Erfahrung gemacht: Wenn es noch eines Anlasses bedurfte, um aus der Kirche auszutreten und dem kirchlichen "Gott", der nur ein Trugbild der Theologen ist, endgültig den Rücken zu kehren, dann war es bei vielen Menschen die Prädestinationslehre, die - wie das meiste andere der kirchlichen Lehren - mit Jesus, dem Christus, und dem Schöpfergott nicht das Geringste zu tun hat. Doch lesen Sie selbst! Manches begann bereits mit der Verfälschung der Lehre Jesu durch Paulus.

Paulus (1. Jahrhundert)

Paulus im Brief an die Römer:
"Geschrieben steht: ´Jakob habe ich geliebt, aber Esau habe ich gehasst.` Was sollen wir nun hierzu sagen? Ist denn Gott ungerecht? Das sei ferne. Denn er spricht zu Mose: ´Wem ich gnädig bin, dem bin ich gnädig; und wessen ich mich erbarme, dessen erbarme ich mich.` So liegt es nun nicht an jemandes Wollen oder Laufen, sondern an Gottes Erbarmen ... So erbarmt er sich nun, wessen er will, und verstockt, wen er will.
Nun sagst du zu mir: ´Warum beschuldigt er uns dann noch? Wer kann seinem Willen widerstehen?` Ja, lieber Mensch, wer bist du denn, dass du mit Gott rechten willst? Spricht auch ein Werk zu seinem Meister: ´Warum machst du mich so?` Hat nicht ein Töpfer Macht über den Ton, aus demselben Klumpen ein Gefäß zu ehrenvollem und ein anderes zu nicht ehrenvollem Gebrauch zu machen? Da Gott seinen Zorn erzeigen und seine Macht kundtun wollte, hat er mit großer Geduld ertragen die Gefäße des Zorns, die zum Verderben bestimmt waren ... Was sollen wir nun hierzu sagen? ...
Wenn du mit deinem Munde bekennst, dass Jesus der Herr ist, und deinem Herzen glaubst, dass ihn Gott von den Toten auferweckt hat, so wirst du gerettet. Denn wenn man von Herzen glaubt, so wird man gerecht; und wenn man mit dem Mund bekennt, so wird man gerettet ... So kommt der Glaube aus der Predigt ... O welch eine Tiefe ... der Erkenntnis Gottes. Wie unbegreiflich sind seine Gerichte und unerforschlich seine Wege!"
(aus Römerbrief, Kapitel 9-11)
Zur Erinnerung: Mit Jesus, dem Christus, und dem Gott, den Er uns nahe brachte, hat dieses Pauluswort nichts zu tun. Doch es kommt noch ärger.


Augustinus (4./5. Jahrhundert)

Der katholische "Heilige" und Kirchenvater Augustinus gilt als der eigentliche Erfinder der Prädestinationslehre. Er war auch der Lehrmeister für den Reformationsmönch Martin Luther, der als junger Mann nach seinem abgebrochenen Studium der Rechtswissenschaften den so genannten "Augustinern" in Erfurt angehörte. Dabei ging Augustinus sogar davon aus, dass die von Gott zum Heil vorherbestimmten Menschen bereits vor (!) der Erschaffung der Welt dazu berufen worden seien, woraus sich der Schluss ergibt, dass dann wohl auch bereits vor der Erschaffung der Welt der Rest demzufolge in einer ewigen Verdammnis enden solle. Dieser konfessionelle Götze ist also laut Kirchenlehre ein solches grässliches Monster, dass er eine Schöpfung ins Leben gerufen hätte, bei der von vornherein feststeht, dass die meisten Menschen in einem entsetzlichen und für alle Ewigkeiten unaufhörlichen Leiden enden werden.

In dem evangelisch-theologischen Lexikon Theologische Realenzyklopädie, Band 27 (Herausgeber Robert Balz, Gerhard Krause, Gerhard Müller, Berlin. New York 1997) steht über Augustins Prädestinationslehre Folgendes geschrieben: Augustinus fand "... zu der Auffassung, dass schon der Beginn des Glaubens Gottes Gabe sei und dass diese Gabe frei sein müsse, da durch Verdienst Erworbenes keine Gnade sei (De praedestinatio sanctorum 3, 2; 6, 2). In einem Gnadenakt hat Gott entschieden, dass bestimmte Menschen erlöst werden sollen (ebd. 11, 6). Diese Gnadenwahl ist Prädestination. Gnade ist Gabe, auf die die Prädestination vorbereitet (ebd. 19, 10) ... Die Gnadenwahl hat ihren Ort in der Vorsehung Gottes (ebd. 32, 16). Er trifft seine Vorherbestimmung zum Heil, nicht aber zur Verdammnis, denn das würde ihn zum Urheber des Bösen machen [was wir bereits als scheinheilige Kosmetik dargestellt haben]. Niemand kann wissen, ob er prädestiniert ist, und darum kann auch niemand seines Heils gewiss sein. Im Gegeneinander ... stehen die zur himmlischen Herrlichkeit Vorherbestimmten denjenigen gegenüber, die nicht in dieser Weise prädestiniert und damit Bürger der Hölle sind (De civitate Dei, X)."
Hier wird also von maßgeblichen und namhaften Theologen klipp und klar zugegeben, dass alle nicht zur kirchenhimmlischen "Herrlichkeit" Prädestinierten demnach "Bürger der Hölle" sind. Mit einem intellektuellen Winkelzug versucht der Kirchenheilige also, sein Gottesbild von der Urheberschaft des Bösen zu entlasten. Dafür wären dann Adam und Eva beim Sündenfall verantwortlich gewesen. Das wäre im Prinzip ja einleuchtend. Doch wie soll es dann weitergehen? Was muss das für ein "Gott" sein, der einen Fehler der von ihm geschaffenen Ur-Menschen zum Anlass nimmt, alle nachfolgenden Menschengenerationen mit ewigen Höllenstrafen zu belegen? Und dass "Vorherbestimmung zum Heil" - mit dem Maßstab der einfachen Logik und  des gesunden Menschenverstands gemessen - auf der andere Seite auch zwangsläufig "Vorherbestimmung zum Unheil" ist, haben wir oben bereits dargelegt. Alles andere ist theologische Haarspalterei und letztlich Volksverdummung.

"Ich rufe auch die Heiligen an. Ich bin mit Augustinus ... befreundet. Man sagt dann auch zu solchen Heiligen: ´Helft mir!`" (Ex-Papst Joseph Ratzinger in "Licht der Welt", Freiburg 2010, S. 32; Link: Die Lehre des Augustinus über die angebliche  ewigen Verdammnis)

Über das Leid, welches die Menschen in der Hölle erfahren würden, schreibt Augustinus, dass es von diesem grässlichen Schmerz keine "Erlösung" gebe wie bei einem Menschen, der z. B. durch den Tod von Schmerzen erlöst würde. Der Kirchenheilige begründet dieses sein an grässlichstem Sadismus nicht zu überbietende Denken auch noch mit den "wunderbaren" Möglichkeiten des "allmächtigen" Schöpfergottes, der es so hat einrichten können.
Augustinus wörtlich:
"Denn dass Leibeswesen auch im Feuer zu leben vermögen, in der Glut, ohne verzehrt zu werden, in der Pein, ohne zu sterben, habe ich oben schon zur Genüge dargetan; sie vermögen es durch Wunderwirkung ihres in jeder Hinsicht allmächtigen Schöpfers. Wer diesem die Kraft dazu abspricht, der weiß nicht, von wem all das Wunderbare herkommt, das er an allen Naturen anstaunt." (De Civitate Dei 21, IX)
Liebe Leserinnen, liebe Leser, sehen Sie das auch so? Dann bleiben Sie katholisch. Für uns ist dies jedoch der Gipfel einer zynischen Verhöhnung des Schöpfergottes, mit dem sich Augustinus, der "Heilige" und Kirchenlehrer der katholischen Kirche, für jeden Menschen, der noch Herz und Verstand hat, entlarvt als Gegner des Schöpfergottes und Vertreter des Systems Baal und seiner dunklen und grausamen Weihungen. Und damit entlarvt er auch seine Kirche.

Augustinus weiter wörtlich:
"
Wüsste sie [die Kirche] übrigens von dem einen oder anderen sicher, dass er zu denen gehöre, die, noch im irdischen Leben befindlich, doch vorherbestimmt sind, ins ewige Feuer einzugehen mit dem Teufel, so würde sie für einen solchen so wenig beten wie für den Teufel. Weil sie jedoch über niemand in der Hinsicht Gewissheit hat, so betet sie für alle ihre Feinde, genauer für alle am Leben befindlichen Feinde unter den Menschen, ohne indes für alle erhört zu werden. Sie wird vielmehr nur für die erhört, die, trotzdem sie der Kirche feindlich gegenüberstehen, doch in der Weise vorherbestimmt sind, dass die Kirche in ihrem Gebete für sie Erhörung finden soll und dass aus den Gegnern Kinder der Kirche werden sollen." (De civitate Dei 21, XXIV)

Die römisch-katholische Kirche und ihr erfundener "Gott"
Die römisch-katholische Kirche lehrt offiziell:
"Der gute und gerechte Gott erwählte aus ebendieser Masse des Verderbens gemäß seinem Vorherwissen die, welche er aus Gnade zum Leben vorherbestimmte [Röm 8, 29f; Eph. 1, 11], und bestimmte sie für das ewige Leben vorher; von den übrigen aber, die er nach dem Ratschluss seiner Gerechtigkeit in der Masse des Verderbens zurückließ, wusste er im Voraus, dass sie zugrunde gehen würden, aber er bestimmte nicht vorher, dass sie zugrunde gehen sollten; er bestimmte diesen aber, weil er gerecht ist, die ewige Strafe vorher [Anmerkung: eine absurde Unterscheidung, wie bereits dargelegt]. Und deshalb reden wir lediglich von einer Vorherbestimmung Gottes, die sich entweder auf das Geschenk der Gnade erstreckt oder auf die Vergeltung der Gerechtigkeit." (Synode von Quiercy, Mai 853, zit. nach Denzinger-Hünermann, Kompendium der Glaubensbekenntnisse und kirchlichen Lehrentscheidungen, 42. Auflage, Freiburg 2009, Lehrsatz Nr. 621)


Martin Luther (16. Jahrhundert) und sein "Gott" der Unterwelt
Martin Luther hat sich vor allem in seiner "Haupt"-Schrift De servo arbitrio [= Vom geknechteten Willen] zur Prädestinationslehre geäußert, Quellenangabe: Weimarer Ausgabe der Lutherschriften, WA 18.
Im Folgenden zitieren wir Martin Luther wörtlich. Eine Kommentierung seiner zynischen Vorstellung eines angeblich grausamen Gottes erfolgt an dieser Stelle nicht. Es ist bereits weiter oben dazu alles Wesentliche gesagt. Und manches wird im nächsten Kapitel dazu noch ergänzt, wo es um die lutherischen "Sektenbeauftragten" geht. Doch zunächst Martin Luther wörtlich:

"Solange der Mensch der Ansicht ist, er könne für sein Heil auch nur das Geringste tun, bleibt er im Vertrauen auf sich selbst und verzweifelt nicht ganz an sich … Wer aber keinesfalls daran zweifelt, dass alles am Willen Gottes hängt, der verzweifelt gänzlich an sich selbst, wählt nichts für sich aus und wartet auf den wirkenden Gott." (Martin Luther, De servo arbitrio, Vom geknechteten Willen, Weimarer Ausgabe Nr. 18. S. 632)


"Damit also dem Glauben Raum gegeben wird, ist es notwendig, dass alles, was geglaubt wird, verborgen ist. Es kann aber nicht tiefer verborgen sein als unter dem Gegensatz zum gegenständlichen Objekt, zur Empfindung und Erfahrung. Wenn Gott lebendig macht, tut er es also, indem er tötet; wenn er rechtfertigt, tut er das, indem er schuldig macht; wenn er in den Himmel führt, tut er es, indem er in die Hölle führt, wie die Schrift sagt: ´Der Herr tötet und macht lebendig, führt in die Hölle und wieder heraus`. 1Sam 2[,6] Davon ausführlicher zu reden ist hier nicht der Platz; wer unsere Schriften gelesen hat, dem ist dies ganz vertraut. So verbirgt Gott seine ewige Güte und Barmherzigkeit unter ewigem Zorn, die Gerechtigkeit unter Ungerechtigkeit. Das ist der höchste Grad des Glaubens, zu glauben, jener [Gott] sei gütig, der so wenige rettet und so viele verdammt; zu glauben, dass er gerecht ist, der uns durch seinen Willen unabänderlich verdammenswert macht, so dass er, Erasmus [von Rotterdam] zufolge, an den Qualen der Unglücklichen Gefallen zu haben und eher hassens- als liebenswert zu sein scheint. Wenn ich also auf irgendeine Weise begreifen könnte, wie denn dieser Gott barmherzig und gerecht ist, der solchen Zorn und solche Ungerechtigkeit zeigt, wäre der Glaube nicht nötig. Da es nun nicht begriffen werden kann, wird Raum gegeben zur Einübung des Glaubens, indem Derartiges gepredigt und öffentlich verbreitet wird; und zwar nur so, dass, indem Gott tötet, der Glaube an das Leben im Tod eingeübt wird." (Martin Luther, De servo arbitrio, Vom geknechteten Willen, Weimarer Ausgabe Nr. 18. S. 633)

"Auf diese Weise ist der menschliche Wille mitten zwischen beide gestellt, ganz wie ein Reittier, wenn Gott darauf sitzt, will er und geht, wohin Gott will … Wenn der Satan darauf sitzt, will er und geht, wohin der Satan will. Und er hat nicht die Entscheidungsfreiheit, zu einem der Reiter zu laufen oder ihn zu suchen, sondern die Reiter selbst streiten darum, ihn festzuhalten und zu besitzen." (Martin Luther, De servo arbitrio, Weimarer Ausgabe 18, S. 634 f.)

"Vieles tut Gott, was er uns durch sein Wort nicht zeigt. Vieles auch will er, von dem er durch sein Wort nicht zeigt, dass er es will. So will er nicht den Tod des Sünders, nämlich nach dem Wort 1Tim 2,4; er will ihn aber nach jenem unausforschlichen Willen. Wir sollen aber auf das Wort schauen und jenen unausforschlichen Willen stehen lassen … Es genügt zu wissen, dass in Gott ein unausforschlicher Wille da ist [Anmerkung: Jesus und die Gottespropheten lehrten solches nicht]. Was aber dieser Wille und warum und inwiefern er es will, das darf man schlechterdings nicht fragen, zu erkunden wünschen, sich darum kümmern oder berühren, sondern nur fürchten und anbeten … Warum aber jene Majestät diese Schuld unseres Willens nicht wegnimmt oder ihn bei allen verwandelt, da es doch nicht in der Macht des Menschen liegt, oder warum er ihm das zurechnet, obwohl der Mensch davon nicht frei sein kann, das darf man nicht fragen, und wenn du auch viel fragst, du wirst es niemals erfahren, wie Paulus Röm 11 sagt: ´Wer bist du denn, dass du mit Gott rechten willst?`" (Martin Luther, De servo arbitrio, Weimarer Ausgabe 18, S. 685 f.)


Liebe Leserinnen, liebe Leser, nennen Sie sich noch "lutherisch"? Dann wissen Sie jetzt, welcher Macht man Sie übereignet hat. Den Eltern, die das meist aus Unkenntnis bei Ihrer Taufe getan haben, als Sie noch Säugling waren, sollten Sie jedoch von Herzen vergeben. Denn die meisten Eltern haben es gut gemeint. Aber sie wurden genauso in die Irre geführt wie wir alle, bevor wir uns mit diesen Themen näher beschäftigt haben.

Die evangelisch-lutherischen "Sektenbeauftragten" Dr. Werner Thiede und Dr. Wolfgang Behnk (20. Jahrhundert) über ihren Gründervater Martin Luther und den von ihm erfundenen grausamen "Götzen"

Problematisch sei Martin Luthers Annahme, so zunächst hier ein Satz des Beauftragten Prof. Dr. Werner Thiede, "dass ein Teil der Menschen endgültig nicht gerettet wird - Menschen nämlich, die nicht aus freiem Willen von Gott abgefallen, sondern von Gott zur ewigen Verdammnis vorherbestimmt worden sind ... Entsprechend nimmt er [Luther] an, dass sich im Leben vor dem Tode am Glauben oder Unglauben eines Menschen zeigt, ob er sozusagen in Richtung Himmel oder Hölle nach dem Tode fährt. In diesem Sinne formuliert er: Wer an Christus ´glaubt, hat das Leben, wer nicht, ist verdammt. Das Urteil ist längst ergangen` (Weimarer Ausgabe 41, 430, 1-3)." (Werner Thiede, Auferstehungshoffnung nach Martin Luther, EZW-Texte (Evangelische Zentrale für Weltanschauungsfragen), Impulse Nr. 34, Stuttgart 1992, S. 19)

Ein spezieller Experte unter den Theologen für die Auslegung der Lutherschrift De servo arbitrio (Vom geknechteten Willen) ist der ehemalige "Sektenbeauftragte" und Kirchenrat Dr. Wolfgang Behnk. Er hat mit diesem Thema seinen theologischen Doktorgrad erworben. Deshalb hier vor allem einige Zitate aus dieser Promotion mit dem Titel Contra Liberum Arbitrium Pro Gratia Dei (Gegen den Freien Willen Für die Gnade Gottes), die in der Ausgabe Der Theologe Nr. 1 ausführlich besprochen ist.
Dr. Wolfgang Behnk kann deshalb hier auch als "Hüter" der reinen evangelisch-lutherischen Lehre verstanden werden gegen moderne Veränderungsversuche. Auch wenn er Martin Luther als Person im Sinne der späteren "Evangelisch-lutherischen Bekenntnisschriften" (in denen ein paar Änderungen an Luthers ursprünglichen Lehre vorgenommen wurden) ansatzweise ein wenig kritisiert, so betrachtet er dessen Lehre dennoch als "letztlich verbindlich" (S. 397). Außerdem haben wir eingangs bereits darauf hingewiesen, dass der Unterschied zwischen der Prädestinationslehre Martin Luthers (meist "doppelte Prädestination" genannt) und der unter Rückgriff auf den Kirchenheiligen Augustinus scheinbaren Abmilderung durch die evangelisch-lutherischen Bekenntnisschriften  für die Opfer letztlich bedeutungslos ist.


Nun im Folgenden etwas ausführlicher der Beauftragte Dr. Wolfgang Behnk über Luther:
"Der Wille des Menschen hat mithin über seine eigene Verstockung keinerlei Macht, sondern ist dem ihn verstockenden Willen Gottes – wenngleich willig und verantwortlich – ausgeliefert. Wird dadurch aber nicht Gottes Güte und Gerechtigkeit in Frage gestellt? Luther beantwortet diese Frage unter Verwendung eines Bildes entschieden negativ. Weil der menschliche Wille das Gute nicht wollen kann, sondern immer nur das Böse, darum kann man ihn mit Ton oder unbestelltem Land vergleichen, auf welchen die Sonne scheint; trotz ihrer lenitas (Weichheit), so der Reformator, bewirkt sie, dass der Ton immer härter und das unbestellte Land immer dorniger wird."
(Der lutherische Theologe Dr. Wolfgang Behnk in: Contra Liberum Arbitrium Pro Gratia Dei, Frankfurt 1982, S. 334)


"Demgegenüber wird die Prädestination in DSA [Luthers Schrift "De servo arbitrio" = Vom geknechteten Willen] durchaus so gedacht, dass Gottes ewige Erwählung oder Verwerfung des Menschen zum Heil oder zur Verdammnis auch auf Ewigkeit hin gültig ist. Die Frage ist nur, ob Luther die Verdammung lediglich als Strafzuweisung Gottes unter der Voraussetzung der durch den Menschen ursächlich bedingten Sünde versteht, oder ob die Verdammnis bereits in eine weitergehende Verwerfung eingebettet ist, die über sie hinaus auch noch die Bestimmung des Menschen zum Bösen, d. h. die Verursachung der Sünde, umfasst, was wiederum mit der Schuldfrage engstens zusammenhängt." (Der lutherische Theologe Dr. Wolfgang Behnk in: Contra Liberum Arbitrium Pro Gratia Dei, Frankfurt 1982, S. 347)

"Allerdings, so Luther, bringt ein solcher Glaube an Gottes Erwählung in Christo auch schwere und schwerste Anfechtungen mit sich. Eine von ihnen besteht in der schmerzlichen Demütigung, die durch die Verneinung unseres freien Willens entsteht; jedoch gelangen wir gerade auf dem Weg einer derartigen humilatio (Erniedrigung) zu der Gewissheit, dass Gott allein uns zu erretten vermag. Eine andere Anfechtung ist schwerer: Sie besteht in der Verzweiflung, dass es offenbar eine ganze Anzahl von Menschen gibt, die nicht zu den electi (Auserwählten) gehören; Luther quantifiziert sie als die Zahl jener, die der Heilige Geist nicht gebessert hat, sondern im Unglauben verloren gehen lässt." (Der lutherische Theologe Dr. Wolfgang Behnk in: Contra Liberum Arbitrium Pro Gratia Dei, Frankfurt 1982, S. 353)

"... der Empfang des Heils und des Unheils hängt allein davon ab, ... welche Menschen er [Gott] verloren gehen lassen will, und welche nicht ... Luther ... präzisiert auch, ... was er [Gott] will, nämlich den Tod des Sünders, den er keineswegs betrauert oder gar aufzuheben bereit ist. Und zwar aus dem bereits vorgebrachten Grund, dass Gott ´omnia in omnibus` (= alles in allem) wirkt, auch den Tod." (Der lutherische Theologe Dr. Wolfgang Behnk in: Contra Liberum Arbitrium Pro Gratia Dei, Frankfurt 1982, S. 362)

Liebe Leserinnen, liebe Leser! Wenn Sie das auch glauben, dann bleiben Sie lutherisch!

Johannes Calvin (16. Jahrhundert) und sein erfundener "Gott"
Der große evangelische Reformator Johannes Calvin (1509-1564) lehrt, Prädestination sei "die ewige Anordnung Gottes, derzufolge er bei sich beschloss, was aus jedem Menschen werden sollte nach seinem Willen. Denn sie werden nicht alle mit der gleichen Bestimmung geschaffen, sondern den einen wird das ewige Leben, den anderen die ewige Verdammnis im Voraus verordnet." (Johannes Calvin, Institutio Christianae religionis III, XXI, 5)

Die evangelisch-lutherischen Bekenntnisschriften (16. Jahrhundert bis heute) und der intellektuelle Trick einer "Vorsehung Gottes"

"Die ewige Wahl Gottes aber, Gottes Verordnung zur Seligkeit, geht nicht zumal über die Frommen und Bösen, sondern allein über die Kinder Gottes, die zum ewigen Leben erwählet und verordnet sind, ´ehe der Welt Grund gelegt ward` … Die Vorsehung Gottes sieht und weiß zuvor auch das Böse, aber nicht so, dass es Gottes gnädiger Wille wäre, dass es geschehen sollte; sondern was der verkehrte, böse Wille des Teufels und der Menschen vornehmen und tun werden und wolle, das sieht und weiß Gott alles zuvor, und hält seine Vorsehung auch in den bösen Händeln oder Werken ihre Ordnung, dass von Gott dem Bösen, welches Gott nicht will, sein Ziel und Maß gesetzt wird, wie ferne es gehen und wie lang es währen solle, wann und wie er’s hindern und strafen wölle ... Wie Gott in seinem Rat verordnet hat, dass der Heilige Geist die Auserwählten durchs Wort berufen, erleuchten und belehren und dass er alle die, so durch rechten Glauben Christum annehmen, gerecht und selig machen wölle; also hat er auch in seinem Rat beschlossen, dass er diejenigen, so durch Wort berufen werden, wann sie das Wort von sich stoßen und dem Heiligen Geist, der in ihnen durchs Wort kräftig sein und wirken will, widerstreben und darin verharren, sie verstocken, verwerfen und verdammen wölle." (Konkordienformel, Solida Declaratio XI., Von der ewigen Vorsehung, 1580, zit. nach Bekenntnisschriften der Evangelisch-Lutherischen Kirche, Göttingen 1980, S. 1075)
Siehe oben: Zur "Vorhersehung" als einer verkappten "Vorherbestimmung"


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Die evangelisch-reformierten Bekenntnisschriften und ihr furchtbares Gottesbild (16. / 17. Jahrhundert bis heute)
Zunächst scheint es positiv zu klingen, wenn es im Heidelberger Katechismus heißt:
"Was glaubst du von der ´heiligen, allgemeinen, christlichen Kirche`? Ich glaube, dass der Sohn Gottes aus dem ganzen Menschengeschlecht sich eine auserwählte Gemeinde zum ewigen Leben durch seinen Geist und Wort in Einigkeit des wahren Glaubens von Anbeginn der Welt bis ans Ende versammelt, schützt und erhält und dass auch ich ein lebendiges Glied dieser Gemeinde bin." (Heidelberger Katechismus, 1563, Frage 54)
Mit dieser Formulierung vermeidet der Heidelberger Katechismus zwar eine klare Aussage zur Prädestination, bringt sie aber in den Worten "auserwählte Gemeinde" trotzdem zum Ausdruck.
Das Helvetische Bekenntnis von 1566 versucht es dann dadurch schönzureden, dass man ja nicht wisse, wer auf welcher Seite stünde, nur, dass die Erwählten eine "geringe Zahl" seien. Desto schlimmer. Warum "schöpft" dieser Gott so viele Menschen, wenn er dann nur eine "geringe Zahl" von ihnen erwählt, nicht grausam zu leiden?
Wörtlich:
"Obwohl nur Gott weiß, wer die Seinen sind und da und dort [in der Schrift] die geringe Zahl der Erwählten erwähnt wird, muss man doch für alle das Beste hoffen und darf nicht vorschnell jemanden den Verworfenen beizählen." (Kapitel X)

In der Nachfolge Johannes Calvins beschließt die Evangelisch-Reformierte Kirche auf der Dordrechter Synode in den Jahren 1618 und 1619 in Dordrecht/Niederlande dann aber doch unmissverständlich die angebliche Vorherbestimmung jedes Menschen entweder zur ewigen Seligkeit oder zur ewigen Hölle, beides als angeblichen "ewigen Ratschluss" ihres "Gottes". In den Lehrregeln von Dordrecht, die - gleich den katholischen und lutherischen Lehren - nichts mit Jesus, dem Christus, und mit dem Schöpfergott, den Er uns nahe brachte, zu tun haben, heißt es unter anderem:

"Dass aber zur Zeit einige mit dem Glauben beschenkt werden, andere nicht, das geht aus Gottes ewigem Ratschluss hervor, denn alle seine Werke weiß Gott von Ewigkeit. Nach diesem Ratschluss erweicht er die Herzen der Auserwählten gnädiglich, mögen sie noch so hart sein, und führt sie zum Glauben, die Nichtauserwählten aber überlässt er nach gerechtem Urteil ihrer Bosheit und Verhärtung ..." (Artikel 6)

"Und wie Gott selbst am weisesten ist, unveränderlich, allwissend und allmächtig, so kann die von ihm geschehene Erwählung weder unterbrochen, noch verändert, noch widerrufen oder abgebrochen werden, noch können die Erwählten verworfen, noch kann ihre Zahl vermindert werden." (Artikel 11)

Ein neues Bekenntnis für die Dämonen - Die Dordrechter Synode beratschlagt

"Übrigens erläutert und empfiehlt uns die Heilige Schrift dadurch vorzüglich diese ewige und unverdiente Gnade der Erwählung, dass sie ferner bezeugt, dass nicht alle Menschen erwählt sind, sondern einige nicht erwählt oder bei der Erwählung Gottes übergangen, die Gott nämlich nach seinem freien, gerechten, untadeligen und unveränderlichen Wohlgefallen in dem gemeinsamen Elend, in das sie sich durch ihre Schuld gestürzt haben, zu lassen und sie nicht mit dem seligmachenden Glauben und der Gnade der Sinnesänderung zu beschenken, sondern sie, auf ihren Wegen und unter dem gerechten Gericht lassend, endlich nicht nur wegen ihres Unglaubens, sondern auch wegen ihrer übrigen Sünden zur Bezeugung seiner Gerechtigkeit zu verdammen und ewig zu strafen beschlossen hat. Und dies ist der Ratschluss der Verwerfung, der Gott keineswegs zum Urheber der Sünde (das zu denken eine Lästerung wäre), sondern zum furchtbaren, untadeligen und gerechten Richter und Rächer macht." (Artikel 15)

Wie Augustinus versuchen auch die Kirchenmänner der Dordrechter Synode, ihr Gottesbild zu beschönigen, indem sie behaupten, dass ihr "Gott" ja nicht "Urheber der Sünde" sei, wofür beim "Sündenfall" die Urmenschen Adam und Eva verantwortlich gewesen seien. Doch
wir können es an dieser Stelle nur noch einmal wiederholen: Was muss das für ein "Gott" sein, der einen Fehler der von ihm geschaffenen Ur-Menschen zum Anlass nähme, von nun an für alle Ewigkeiten Menschen in eine ewige Hölle zu verwerfen bzw. durch unterlassene Hilfeleistung dort unsäglich und unendlich leiden zu lassen.
Die Dordrechter Synode antwortet darauf mit einem Verweis auf Paulus, einem der ersten Fälscher der Lehre von Christus:
"
Demjenigen aber, der gegen diese Gnade der unverdienten Erwählung und die Strenge der gerechten Verwerfung murrt, setzen wir die Worte des Apostels entgegen: ´Ja, o Mensch, wer bist denn du, dass du mit Gott rechten willst? […]` (Röm 9,20) ... Wie unergründlich sind seine Gerichte, und wie unausforschlich seine Wege!" (Artikel 18)

Zum Schluss:
Der niederländische Politiker Johan van Oldenbarnevelt, der neben der evangelisch-reformierten Kirchenmeinung der "doppelten Prädestination" auch die Glaubensvariante tolerieren wollte, dass Gott nicht das Schicksal jedes Menschen vorher bestimmt habe, wurde vier Tage nach dem Ende der Synode von Dordrecht im Jahr 1619 deswegen hingerichtet. Man hat ihm den Kopf abgeschlagen.
Seine theologischen und politischen Gegner und ihr Religionswahn hatten sich durchgesetzt.
Die Lehrregeln von Dordrecht (= Five points of Calvinism) zählen bis heute zum verbindlichen Lehrbekenntnis evangelisch-reformierter Kirchen, auch in der Schweiz und den USA. Auf der Synode von Dordrecht wurde auch der Heidelberger Katechismus von 1563 als zentrale Bekenntnisschrift der Evangelisch-Reformierten Kirche anerkannt.

 

Der Text  kann wie folgt zitiert werden:
Zeitschrift "Der Theologe", Herausgeber Dieter Potzel, Ausgabe Nr. 49, Prädestination: Kirchliche Lehre der Vorherbestimmung für ihre Hölle, zit. nach theologe.de (vollständige Internet-Adresse siehe oben im entsprechenden Adressfeld, Fassung vom 1.7.2022,
Copyright © und Impressum siehe hier.

 

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