DER THEOLOGE
Nr. 36


Kirche, kirchliches Christentum und Islam


Die Päpste des Mittelalters und der Neuzeit sahen im Islam vor allem eine Bedrohung der weltweiten kirchlichen Macht, die man durch Krieg bekämpfen müsse. So rief Papst Urban II. am 27. November 1095 zum ersten Kreuzzug auf, um das angebliche Christentum im Nahen Osten von der Herrschaft der Moslems zu befreien. Papst Urban II. wurde dann im Jahr 1881 von Papst Leo XIII. "selig" gesprochen. Bedeutsam für die Kirche ist auch Papst Innozenz III., der im Jahr 1198 zum vierten Kreuzzug und im Jahr 1215 zum fünften Kreuzzug gegen die Muslime aufrief. Die Kreuzzüge fanden dann von 1202-1204 bzw. von 1217-1221 statt.
Papst Innozenz III. forderte auch dazu auf, alle christlichen Abweichler vom Katholizismus zu ermorden, und er rief deshalb auch zum Kreuzzug gegen die urchristlicher Katharer bzw. Albigenser auf (1209-1229), die auf päpstliches Geheiß im Laufe der Jahre allesamt umgebracht wurden. Die Leiche dieses Mordbrenner-Papstes, der eines natürlichen Todes starb, wird seit dem Jahr 1891 in der Kirche San Giovanni in Laterano in Rom von den Gläubigen verehrt.

Auch Martin Luther sah, wie die Päpste, im Islam der türkischen Osmanen die große Bedrohung für das kirchliche Abendland und den Herrschaftsanspruch der Institution Kirche. Der "große Deutsche" rief deshalb die angeblichen "Christen" im Jahr 1529 dazu auf:
"Weil die Christen ... ein jeglicher von seiner Obrigkeit, zum Streit wider die Türken gefordert und berufen werden, sollen sie tun als die treuen und gehorsamen Untertanen (wie sie denn gewisslich tun, so sie rechte Christen sind) und mit Freuden die Faust regen und getrost dreinschlagen, morden, rauben und Schaden tun so viel sie immer mögen, weil [= solange] sie eine Ader regen können ... werden sie darüber erschlagen, wohlan, so sind sie nicht allein Christen, sondern auch gehorsame, treue Untertanen gewesen, die Leib und Gut in Gottes Gehorsam bei ihren Oberherrn zugesetzt haben. Selig und heilig sind sie ewiglich."
(Eine Heerpredigt wider den Türken, D. Mar. Luther. Anno 1529; Tomos 4, S. 494 b-496)
Damit lag der Katholik Martin Luther (der er ja damals noch war) hier ganz auf der Linie der Päpste. Der damalige Papst Clemens VII. nützte die Belagerung Wiens durch die Osmanen im Jahr 1529 dazu, einen Schulterschluss mit dem Kaiser (Karl V.) gegenüber dem gemeinsamen islamischen "Feind" zu vollziehen. Die Verhandlungen führten zu einem erheblichen Machtzuwachs für die Kirche, indem der Papst von nun an z. B. wieder uneingeschränkt über den Kirchenstaat in Rom herrschen konnte.

Kirche ließ Christen foltern und ermorden, die nicht gegen Muslime Krieg führen wollte

Wer den Konflikt mit den Türken anders beurteilte, wie z. B. der urchristliche Lehrer Michael Sattler, dem drohte die Kirche mit dem Foltertod. Michael Sattler lehrte laut der gegen ihn verfassten Klageschrift unter Punkt 9, "dass Christen nicht gegen die Türken kämpfen sollen; wenn er die Wahl hätte und ein Krieg überhaupt recht wäre, dann würde er lieber auf Seiten der Türken kämpfen". Und weiter: "Christen dürfen niemandem das Leben nehmen, sie können nur Gott um ihren Schutz anrufen. Wenn die Türken gegen Christen in den Krieg ziehen, so liegt es daran, dass sie es als Muslime nicht besser wissen. Menschen, die sich Christen nennen und Türken töten, sind ´türcken nach dem geist`".
Auch wollte Michael Sattler mit Berufung auf Jesus laut Punkt 3 der Klageschrift keine Säuglinge taufen. Wegen dieser und weiterer Glaubensgründe und seiner Haltung gegenüber dem Islam wird ihm im Jahr 1527 in Rottenburg am Neckar zuerst die Zunge heraus gerissen. Dann werden mit glühenden Schmiedeisen Löcher in seinen Leib gebrannt, danach wird er ganz "zu Pulver" verbrannt. Drei Tage später wird seine Frau, die seine Überzeugungen teilt, solange in den Neckar getaucht, bis sie ertrunken ist (Quelle). Dies nur einmal zur Information über "unsere" Kultur und ihre Wurzeln. Der Theologe Thomas Kaufmann weist in seinem Buch Geschichte der Reformation, Frankfurt am Main, Leipzig 2009 darauf hin, "dass die Angst vor den Türken entscheidend zum Erfolg der Reformation beigetragen habe", so Die Zeit. (Nr. 1, 30.12.2009)

Doch der Konflikt war lange nicht entschieden. Papst Innozenz XI. schmiedete im 17. Jahrhundert eine "Heilige Liga" gegen die Türken, und er stellte aus der Kirchenkasse 1,5 Millionen Gulden für den Krieg zur Verfügung. Dieser wurde dann am 12.9.1683 in der Nähe von Wien bei der Schlacht am Kahlenberg gewonnen, und der Papst gilt seither als "Verteidiger" des angeblich christlichen Abendlandes. Im Jahr 1956 wurde er deshalb, wie der Kreuzzugs-Papst Urban II., von Papst Pius XII. "selig" gesprochen, und seine Knochen werden in einem Glassarg im Petersdom den Gläubigen zur Verehrung präsentiert.

Die Scheinheiligkeit des Papstes

Wie ist es heute? Scheinheilig in hohem Maß war dabei die Regensburger Rede von Papst Benedikt XVI. im Jahr 2006, in der er sich ein Zitat faktisch zu eigen machte, wonach Mohammed nur "Schlechtes und Inhumanes" als Neuerungen gebracht habe, "wie dies, dass er vorgeschrieben hat, den Glauben, den er predigte, durch das Schwert zu verbreiten".
Zwar stehen Aufrufe Mohammeds, Gewalt anzuwenden, im Koran.* Dass es aber die eigene Kirche des Papstes war, die ihren Glauben unter unüberbietbarem Missbrauch des Namens "Christus" auf grässlichste Weise und vielfach ohne jede Ethik und Moral mit dem Schwert verbreitet hat und dass viele der Täter heute als "Heilige" oder "Selige" gelten, erwähnte der Papst bewusst nicht. Auch nicht, dass in seiner eigenen Bibel sogar zum erbarmungslosen Völkermord aufgerufen wird, ohne dass man zuvor angegriffen wurde. 


* Zum Beispiel: "Und kämpft auf Allahs Weg gegen diejenigen, die gegen euch kämpfen, doch übertretet nicht! Allah liebt nicht die Übertreter. Und tötet sie, wo immer ihr auf sie trefft, und vertreibt sie, von wo sie euch vertrieben haben, denn Verfolgung ist schlimmer als Töten! Und kämpft gegen sie, bis es keine Verfolgung mehr gibt und die Religion (allein) Allahs ist. Wenn sie jedoch aufhören, dann darf es kein feindseliges Vorgehen geben außer gegen die Ungerechten." (Sure 2, 190.191.193, zit. nach islam.de) Oder: "Kämpft gegen diejenigen, die nicht an Allah und nicht an den Jüngsten Tag glauben und nicht verbieten, was Allah und Sein Gesandter verboten haben, und nicht die Religion der Wahrheit befolgen ... O die ihr glaubt, kämpft gegen diejenigen, die in eurer Nähe sind von den Ungläubigen! Sie sollen in euch Härte vorfinden. Und wisset, dass Allah mit den Gottesfürchtigen ist! (Sure 9, 29.123, zit. nach islam.de)
 

Wohin führt die Angst vor dem Islam?

Im Jahr 2015 änderte sich das gesellschaftliche Klima in Deutschland aufgrund von ca. einer Million von muslimischen Flüchtlingen und Einwanderern, aufgrund von Gewalt gegen Frauen, an der vielfach auch muslimische Männer beteiligt waren und durch Terroranschläge in Europa im Namen des Islam, die mit "Vergeltung" für die bis heute ungesühnten Kreuzzüge der Kirche begründet werden. Wer an das Urwissen von der möglichen Reinkarnation glaubt, für den ist vorstellbar, dass einstige Opfer sich auch nach Jahrhunderten an einstigen Tätern rächen wollen. Das geistige Ziel von Reinkarnationen wäre jedoch Versöhnung, was tiefe Reue für alles voraus setzt, was man selbst oder "Seinesgleichen" an Negativem getan hat, und es beinhaltet auch eine Wiedergutmachung, was von den Institutionen Kirche nie getan wurde. Die Selbsterkenntnis und gegenseitige Vergebung entspricht der Lehre von Jesus von Nazareth, des Freien Geistes, der jeden Menschen ermahnte, zunächst den den "Balken" im eigenen Auge zu entfernen im Vergleich zum "Splitter" im Auge des Gegners oder Kontrahenten.

Die gesellschaftlichen Auseinandersetzungen nahmen ab ca. 2015 immer mehr Züge von aufkeimenden "Religionskriegen" an, wobei die Großkirchen vordergründig immer islamfreundlicher wurden. Während der neue Papst Franziskus in Rom sich dabei öffentlichkeitswirksam als Religionsführer präsentierte, der mit oberflächlich sanften Worten alle anderen Religionen unter seine Fittiche zu bringen versucht (während deren Anhänger aber weiterhin per katholischem Dogma angeblich ewig verdammt werden), hofieren auch protestantische Kirchenführer vermehrt den Islam und erwägen sogar Privilegien. Dahinter steckt zu einem großen Teil die Angst der Institutionen Kirche vor Verlust der eigenen Privilegien, sobald ein wirklich weltanschaulich neutraler Staat sich nicht länger zum Spielball und Büttel von äußeren Religionen machen ließe, und wenn in Zukunft tatsächlich nach den Werten des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland regiert würde. Dieses sieht die Religionsfreiheit für alle gesetzestreuen Religionen und Religionsgemeinschaften vor, welche das Grundgesetz als oberste Richtschnur anerkennen, nicht jedoch die massive Privilegierung von Religionen - wie in Deutschland der beiden deutschen Großkirchen - und ihrer totalitären Ansprüche sowie die Verharmlosung von Gewalt im Namen der Religion.

Die teilweise Hofierung des Islam durch die Großkirchen kann aber auch vor folgendem Hintergrund betrachtet werden: Seit dem 19. Jahrhundert schürten die Kirchen die Kriege, und die im Krieg entstandene Not in der Bevölkerung nützte wiederum vor allem den Kirchen. Verunsicherte und leidende Menschen, die zuvor zu Hunderttausenden den geistig toten Kirchen den Rücken gekehrt hatten, strömten nun vielfach in der Not zurück.
Aufgrund der Religionsauseinandersetzungen ab 2015 ist nun in Deutschland zu beobachten: Seit Jahren hatten die Menschen die Institutionen Kirche verlassen oder hatten sich als ersten Schritt zumindest schon innerlich davon distanziert. Nun aber, aufgrund von Terroranschlägen mit islamistischem Hintergrund, starken Zuwanderungen von Muslimen und Angst vor dem Islam wandten sich manche wieder der angeblich "christlichen" "Leitkultur" zu. Plötzlich wird vermehrt gefordert, den Neubau von Minaretten zu verbieten, aber entsprechend hohe Kirchtürme mit lautem Glockengeläut weiterhin zu erlauben. Die Konflikte mit gewaltbereiten Ausprägungen des Islam nützen insofern also den Kirchen, und es ist Wachsamkeit geboten, wie im Schatten dieser Auseinandersetzungen andere religiöse Minderheiten behandelt werden.
Steckt hinter so manchem nicht vielleicht sogar Kalkül von bestimmten Kräften? Seit Jahrhunderten ist es zumindest so: Die Not, die von den Kirchen entscheidend mit verursacht wurde, trieb viele Leute wieder dort hinein. Deshalb: Wachet auf, ruft uns die Stimme!
Doch eines ist anders als beispielsweise in den letzten 200 Jahren: Wir leben in einer mächtigen Zeitenwende, und dieses Mal wird es keinen Aufschwung für die Institutionen Kirche geben. Das Misstrauen gegen alle äußeren Religionen, gleich wie sie sich nennen, wächst weltweit, und immer mehr Menschen merken, dass die beiden Ego-Parteien Politik und Kirche die Verhältnisse und vor allem ihre eigene Geschichte nur schönreden, aber keine wirklichen Lösungen anbieten.
 


Wir sind keine Christen der katholischen Kirche Roms. Unser Glaube basiert auf der Lehre des Jesus von Nazareth und nicht auf der Lehre der römischen Kirche.
Jesus wollte keine Kreuzzüge. Doch die römisch-katholische Kirche missbraucht seit Jahrhundert Seinen guten Namen. Wir distanzieren uns von der so genannten "christlichen Lehre" der römischen Vatikan-Kirche und folgen nur der reinen Lehre des Jesus von Nazareth.
Wir sind gegen äußere Religionen und ihre Machtansprüche, Rechthabereien und Rechtfertigungen von Kriegen und Gewalt. Denn Jesus, der Christus, lehrte den Weg der Friedfertigkeit. Und Er sprach: "Mein Reich ist nicht von dieser Welt."
 


 


 


Unser Anliegen
:
Wir bewerten den Islam ausdrücklich nicht
. Auch nicht seinen Stifter Mohammed oder weitere Lehrer dieser Religion. Das mögen diejenigen tun, die dies als ihre Aufgabe betrachten.
Wir wenden uns jedoch dagegen, dass ein verfälschtes Christentum den Namen von Jesus, dem Christus, missbraucht, um einen Kulturkampf gegen den Islam zu führen oder gar Kriege gegen islamisch geprägte Länder zu befürworten
. Jesus von Nazareth hat nie einen Krieg befürwortet oder gerechtfertigt. Und der Gott, an den Er glaubte und mit dem Er eins war und ist, ist nicht mit den Armeen des so genannten "Westens".
Anstatt die Botschaft des Christus vorzuleben, wird Sein guter Name durch die so genannte Christenheit und ihre Kirchenführer auf vielfältige Weise missbraucht und Seine Lehre dabei mit Füßen getreten. Dadurch entstanden und entstehen in islamischen Ländern weiterhin falsche Vorstellungen von Jesus, dem Christus.
Wir helfen deshalb mit, aufzuklären, dass diese Art von äußerem Christentum mit dem Mann aus Nazareth und Seiner Bergpredigt nichts zu tun hat.
Auch der Kirchenlehrer Paulus hat die Botschaft von Christus teilweise geändert und verfälscht, und viele Aussagen der Bibel sind ebenfalls gegen den Christus Gottes und nicht für Ihn.
Wir befürworten allerdings auch nicht, wenn Jesus von Nazareth, der Christus Gottes, so dargestellt wird, als würde Er sich den Lehren Mohammeds im Koran oder anderen Religionen und deren Zielen unterordnen.
Denn Christus ist der Freie Geist, ohne Religion und Dogma, und Seine Botschaft gilt Menschen aller Kulturen weltweit. Und Er spricht heute wieder durch das Prophetische Wort der Gegenwart.
 

 

Die Kreuzzüge sind noch lebendig - Was sind die Ursachen der Aggressionen, die sich vielfach in der islamischen Welt gegen den Westen aufgebaut haben?
"Dieser Kreuzzug wird einige Zeit dauern", verkündete der amerikanische Präsident George W. Bush nach dem Beginn der Eroberung Afghanistans im Oktober 2001. Wenige Tage später korrigierte er sich: Er habe dabei nicht an einen "Kreuzzug" im Sinne eines "Religionskrieges" gedacht. Hatten ihn seine Berater darüber aufgeklärt, wie lebendig im Orient die Erinnerung an die 900 Jahre zurückliegenden Schreckenstaten der so genannten "christlichen" Kreuzritter ist? Besonnene Kommentatoren mahnten schon sehr bald nach den Terroranschlägen in New York, dass eine militärische Vergeltung nur weitere unschuldige Opfer fordern und weitere Terrorakte nach sich ziehen werde. Man müsse vielmehr nach den Ursachen des Hasses und der Aggressionen forschen, die sich in weiten Teilen der islamischen Welt gegen den Westen, insbesondere gegen die Vereinigten Staaten, zusammengebraut hätten.

Diese Haltung entspricht zugleich der Bergpredigt des Jesus von Nazareth: Nicht zurückschlagen, sondern zunächst den eigenen Anteil suchen: "Ziehe zuerst den Balken aus deinem eigenen Auge!" In einer Zeit der gezielt angefachten Emotionen haben es die besonnenen Stimmen schwer, Gehör zu finden. In Deutschland herrsche eine "Sozialarbeitermentalität", war in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung abfällig zu lesen: Man müsse die Terroristen nur verstehen, um den Konflikt zu lösen. Eine solche Meinung zeigt, wie gering in unserer angeblich christlich geprägten Zivilisation das Wissen um die ursprüngliche Lehre des Nazareners ist. Verständnis allein reicht nicht aus, um einen Konflikt zu lösen. Der Suche nach den Ursachen muss die Erkenntnis des eigenen Anteils und dessen Bereinigung folgen: durch Reue, Bitte um Vergebung, Vergebung und Nicht-mehr-Tun. Darin liegt die einzige Chance, den Kreislauf der Gewalt zu durchbrechen. Doch dieses schlichte Gebot des Nazareners passt kaum in eine markige Politikerrede, mit der Stimmen gewonnen werden sollen.

Was wäre denn die Aufgabe der Christen in den letzten beiden Jahrtausenden gewesen? Die Lehre des Jesus von Nazareth hinauszutragen, und zwar durch das eigene Vorbild. Stattdessen ließen sie es zu, dass eine äußere Institution Kirche das freie Urchristentum in sein Gegenteil verkehrte: in eine Staatsreligion mit heidnischen Kulten und verwirrenden Dogmen, die Kriege rechtfertigte und anzettelte und Andersgläubige blutig verfolgte. Als der Islam im siebten und achten Jahrhundert binnen hundert Jahren ein Weltreich von Spanien bis Persien eroberte, ließen sich die meisten Christen freiwillig zu dieser neuen Religion bekehren. Ihr eigener Glaube hatte seine spirituelle Kraft längst verloren. Die Päpste steuerten auf der Basis der kirchlichen Dogmen von Rom aus ein grausames Machtimperium.

Als die katholischen Kreuzritter 1099 Jerusalem eroberten, ermordeten sie in einem Blutrausch ohnegleichen sämtliche etwa 70.000 Einwohner, unter ihnen auch etliche Christen, und wateten bis zu den Knöcheln im Blut. Der islamische Heerführer Saladin lässt hingegen nach der Rückeroberung der Stadt (1187) viele Tausend Christen gegen Bezahlung (Arme sogar ohne Bezahlung) abziehen. Er ist fassungslos, als sich herausstellt, dass reiche Europäer (darunter auch die "Geistlichkeit") ihr Vermögen nicht dazu verwenden, ihre Glaubensgenossen freizukaufen, sondern ihre Schätze mit sich führen. Dennoch blieb die Grausamkeit der "fränkischen" Ritter (die ihren Gegnern zum Teil die Köpfe abschnitten und sie mit Katapulten über die Mauern belagerter Städte schleuderten) nicht ohne Folgen für den Islam. Die Kreuzzüge der vom Papst mit dem Versprechen des vollständigen Sündenablasses fanatisierten "Christen" bildeten die Geburtsstunde auch eines islamisch geprägten religiösen Fanatismus.

Besonders gefürchtet waren hier die "Haschischin" oder "Assassinen", die, möglicherweise durch Drogen ("Haschisch") aufgeputscht, Selbstmordattentate verübten – nicht nur auf Christen, sondern auch auf muslimische Herrscher, die nach ihrer Ansicht vom "rechten Weg" der Religion abgewichen waren. Ihr Anführer war der "Alte vom Berge", der im zwölften Jahrhundert in Syrien und Persien junge Fanatiker um sich scharte. So wie in unseren Tagen die überwältigende Mehrheit der Muslime die Terroranschläge der heutigen Selbstmordattentäter entschieden verurteilt, so stießen auch die Assassinen seinerzeit bei ihren Glaubensbrüdern auf Ablehnung.

Wer, wie die ersten Christen und auch die Urchristen von heute, um die Tatsache wiederholter Erdenleben weiß, die Möglichkeit der Reinkarnation, wird sich über solch frappierende historische Parallelen zur heutigen Zeit nicht wundern. Er wird auch vermuten müssen, dass sich die Schrecken der Kreuzzüge nicht nur in das kollektive historische Gedächtnis der Muslime eingegraben haben, sondern auch in die Seelen vieler Menschen, die damals als Sarazenen von angeblichen "Christen" - in Wirklichkeit von nichtchristlichen Katholiken - im Namen
"Gottes" umgebracht wurden. Wer hat sie darüber aufgeklärt, dass diese Grausamkeiten in Wirklichkeit das Gegenteil des Willens Gottes waren? Den Hass auf alles Westliche und Christliche hat so manche Seele womöglich wieder in ihre jetzige Einverleibung mitgebracht. Sind die Ermordeten von damals womöglich heute wieder inkarniert und rächen sie sich am so genannten Christentum und den von den Institutionen Kirche geprägten westlichen Staaten?

Anlässe für solche Gefühle lieferten die so genannten "Christen" aber auch im 20. Jahrhundert zur Genüge. Der politische Islamismus (der nicht mit dem Islam zu verwechseln ist) entstand um 1928 in Ägypten als Kampf gegen die Kolonialherrschaft der Briten, die man als "moderne Kreuzfahrer" ansah. Auch das Eingreifen französischer (ab 1920) und israelisch-amerikanischer Truppen (1982) im Libanon wurde von den muslimischen Arabern als "Feldzug der Kreuzritter" angesehen. "Die USA betrachten die islamische Welt als Hinterhof, in dem ihr Erdöl sprudelt", so Oliver Fahrni in der Zeitung Die Woche. "Sie haben den Irak gegen den Iran in einen Krieg gehetzt, der eine Million Tote forderte, und danach den Irak ‘in die Steinzeit gebombt`". "Wir diktieren, was andere Länder für Regierungen haben, wie sie ihre Wirtschaft organisieren, ob sie einen Kredit von der Weltbank bekommen", so der US-Politikwissenschaftler Ronald Steel. Und der Religionswissenschaftler Prof. Norbert Klaes aus Würzburg stellt zur Kolonialgeschichte fest: "Die Araber fanden weder Brüderlichkeit noch Gleichheit und auch keine Nächstenliebe. Stattdessen wurden sie unterdrückt, sie verarmten."

Weder die von den Kolonialmächten vielen Ländern aufgezwungene kapitalistische noch die aus der Sowjetunion importierte sozialistische Gesellschaftsordnung konnten die drängenden Probleme der islamischen Länder lösen. Der Westen hat als Vorbild versagt. Nun wenden sich viele in ihrer Verzweiflung der Vision eines islamischen Gottesstaates zu und sehen den westlichen Lebensstil und seine Entartungen – Pornographie, Gewaltverherrlichung, Drogensucht – als das Böse schlechthin an.
Umgekehrt bezeichnete der amerikanische Präsident die Bekämpfung des Terrors als einen "Kampf des Guten gegen das Böse". Doch was ist das "Gute" im Sinne der Bergpredigt? Zurückschlagen? Erneut zuschlagen wie in früheren Jahrhunderten? Die alleinige Schuld beim anderen suchen? Was würde geschehen, wenn die Mächtigen der westlichen Welt samt ihrer Kirchenführer eingestehen würden, dass sie die friedfertige Lehre des Nazareners bis heute in ihr Gegenteil verkehrt haben? Wenn sie die Völker der armen Länder um Vergebung bitten würden für all das, was im Namen Gottes durch Ihresgleichen an Bösem geschah? Vielleicht hätte der Friede dann noch eine Chance. Werden die Bombardements der westlichen Länder im Namen des kirchlichen Gottes jedoch fortgesetzt, muss mit einer weiteren Radikalisierung des Islamismus gerechnet werden.

"Den Kreuzfahrern hatten die Päpste in der Tat die Erlaubnis gegeben, Ungläubige zu töten, die – wie man formulierte – Gott erzürnten, weil sie mit ihren unreinen Riten jene heiligen Stätten besudelten, über die der Herr Jesus Christus gewandelt war. Solchen Gottesfrevel hatten die Ungläubigen mit ihrem Blut zu sühnen. Schon Papst Urban II. (1088 bis 1099) hatte in seinen Kreuzzugspredigten den Rachepsalm 79* in den Vordergrund gestellt ("Vor unseren Augen sollen die Heiden die Rache erfahren für das vergossene Blut deiner Frommen"). Und in der Logik dieser Sühne durch Blut hatten die Kreuzfahrer 1099 die wehrlose nichtchristliche Bevölkerung Jerusalems geradezu abgeschlachtet."
(Der Historiker Gerd Althoff über Papst Urban II., dem großen Vorbild des norwegischen Massenmörders Anders Breivig, zit. nach http://www.fr-online.de/kultur/gewalttaetiges-erbe-der-kreuzfahrer/-/1472786/8722698/-/index.html)

Der "selige" Papst Urban II. gab den Befehle zum Massenmord an den "Ungläubigen". Bis heute wird er im Katholizismus hochverehrt. Hier sein Denkmal in Clermont-Ferrand in Frankreich auf dem "Siegesplatz" über die "Ungläubigen". In dieser Stadt rief der selig gesprochene absolutistische Führer der römisch-katholischen Kirche im Jahr 1095 den ersten Kreuzzug aus. Auch der Massenmörder Anders Breivig aus Norwegen huldigt ihn als "größten Kreuzfahrer-Helden aller Zeiten"
(Foto: GNU-Lizenz für freie Dokumentation).

* Psalm 79: "Gott, es sind Heiden in dein Erbe eingefallen; die haben deinen heiligen Tempel entweiht und aus Jerusalem einen Steinhaufen gemacht ... Herr, ... schütte deinen Grimm auf die Völker, die dich nicht kennen, und auf die Königreiche, die deinen Namen nicht anrufen ... Warum lässt du die Heiden sagen: ´Wo ist nun ihr Gott?` Lass unter den Heiden vor unseren Augen kundwerden, die Vergeltung für das Blut deiner Knechte, das vergossen ist ... und vergilt unseren Nachbarn siebenfach auf ihr Haupt ihr Schmähen, mit dem sie dich, Herr, geschmäht haben. Wir aber sind dein Volk."
Auch dieser Psalm ist für die römisch-katholische Kirche bis heute "wahres" und "verbindliches" "Wort Gottes". Und ihr Anführer durfte im Deutschen Bundestag sprechen und mutige Abgeordnete, die der Rede fern blieben, wurden von Abgeordneten von CDU und CSU und von Bischöfen heftig kritisiert.

 

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Der weitere Inhalt dieser Ausgabe ist bis auf Weiteres nicht mehr zugänglich.
Eine Ausgabe mit teilweise ähnlichen Inhalten ist
Der Theologe Nr. 90 - Warum sind die Kreuzzüge noch nicht beendet?
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: Gesprächsrunde zu den Kreuzzügen:
- Sind Täter und Opfer von damals heute wieder inkarniert?
- Wie sich die Kirche entlarvt
CHRISTUS ODER VATIKAN
http://www.der-freie-geist.de/video/christus-oder-vatikan
 


Link: Der Theologe-TV
RELIGIONSKRIEG IM CHRISTLICHEN LAND?
Jesus von Nazareth gründete keine Religion
http://www.der-freie-geist.de/video/der-theologe_religionskrieg

 

Der Text kann wie folgt zitiert werden:
Zeitschrift "Der Theologe", Hrsg. Dieter Potzel, Ausgabe Nr. 36, Kirche, kirchliches Christentum und Islam, zitiert nach http://www.theologe.de/kirche_islam.htm, Fassung vom 5.6.2017,
Copyright © und Impressum siehe hier.

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