DER THEOLOGE
Nr. 67
Reformationsjubiläum - 500 Jahre Martin Luther
sind genug
Die
"Luther-Dekade" (= "Luther-Jahrzehnt)
von 2008 bis 2017 und die Situation der Kirche heute

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1. Grundsätzliche Überlegungen und
Vorbereitungen
Die so genannte Luther-Dekade
und ihre Finanzierung
Protestantische Dauerkrise
Der Widerspruch zwischen Jesus und Kirche und die
Auslegung der Bibel
Warnung vor der Verehrung Martin Luthers
Kirche und Friedensethik
Martin-Luther-Straßen umbenennen
Toleranz oder moderne Inquisition?
Ist die Kirche "christlich" oder "heidnisch"?
Ökologie und Tiere
Die Bekämpfung von Propheten
Die unmoderne ewige Hölle
Zweierlei Maß
Evangelische und katholische Kirche - durch das Mittelalter
"geeint"
Die Prüfung der kirchlichen Lehre
2. Weitere Nachrichten
3. Interview mit der Lutherbotschafterin Dr. Margot Käßann und
Antwort des Theologen Dieter Potzel
4. Hintergrundliteratur zur Dekade

Beim Angriff der Alliierten auf Dresden stürzte die tonnenschwere
überlebensgroße Luther-Marmor-Statue 1945 vom Sockel - 428 Jahre nach dem
Thesenanschlag.
(SLUB
Dresden/Abt. Deutsche Fotothek, www.deutschefotothek.de /
Richard Peter sen.; Luther im Bild rechts unten am Boden)
Die Statue wurde wieder aufgebaut und die Luther-Verehrung ging nach
1945 weiter. Doch 500 Jahre Luther sind jetzt endlich genug, und die Luther-Ehrungen
sollten jetzt friedlich beendet werden.
1.
Grundsätzliche Überlegungen und Vorbereitungen
Die
so genannte "Luther-Dekade" und ihre Finanzierung
Im Jahr 2017 soll es so weit sein. Die evangelische Reformation feiert
ihr 500. Jubiläum. Als zentrale Orte sind vorgesehen: die Lutherstadt Wittenberg
mit dem Schloss und der Schlosskirche, Eisenach mit der Wartburg, Worms, Torgau,
Coburg und Erfurt. Zu Beginn des Jahres 2007 trafen sich bereits hochrangige
Vertreter der EKD (Evangelische Kirche in Deutschland) in der "Lutherstadt" Wittenberg, um dieses
Jubiläum vorzubereiten. Man spricht von einer "Jubiläums-Dekade" (= Jahrzehnt
des Jubiläums) bzw. von einer Luther-Dekade bzw. Lutherdekade, die am 21.9.2008
mit einem Festgottesdienst in der Lutherstadt Wittenberg festlich eröffnet
wurde.
Wie immer bei kirchlichen
Veranstaltungen hilft der Staat mit Millionen und Abermillionen an Euros. "Mit
jährlich 5 Millionen Euro ab 2011 [bis 2017] will die Bundesregierung das
Reformationsjubiläum im Jahr 2017 fördern", schreibt idea-spektrum (Nr. 10
vom 9.3.2011; siehe auch
http://www.ekd.de/print.php?file=/aktuell_presse/77001.html). Das heißt: Es gibt mindestens 35 Millionen Euro schon einmal
von der Bundesregierung. Zusätzlich zahlen natürlich auch noch die Bundesländer,
die Regierungsbezirke, die Kreise, Städte und Gemeinden – alle für das
mehrjährige Lutherjubiläum der evangelischen Kirche. Dies alles ist jedoch nicht
gerechtfertigt.
Die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtete unter der Überschrift
Protestantische Milieuverengung über das vorbereitende Treffen Anfang 2007 und kam zu dem Ergebnis:
"Die Kirche wird zur Funktionärskirche - das ist gefährlich" (3.2.2007).
Und weiter heißt es dort unter anderem: "Bisherigen Befragungen zufolge haben die meisten
Pfarrer sich schon längst von ihren eigenen Kirchenleitungen distanziert, dass
sie innerlich gekündigt haben."
Zu dieser Einschätzung passt, dass die evangelische Kirche in dieser Form und in diesem Umfang in der Tat hauptsächlich durch die
Milliarden-Subventionen des deutschen Staates am Leben erhalten wird (siehe dazu
www.stop-kirchensubventionen.de).
Doch welches sind die Hintergründe der Dauer-Krise?
Der Widerspruch zwischen Jesus und Kirche und die Auslegung der Bibel
Hier stellt
sich zuerst die grundsätzliche Frage: Wer bzw. was ist
die Evangelische Kirche in Deutschland? Und was ist ihre Lehre?
Hierüber werden die Menschen öffentlich in die Irre geführt.
Nach
außen versucht die evangelische Kirche, den Eindruck zu erwecken, sie wäre eine pluralistische, weltoffene und tolerante
Institution, welche die Botschaft von Jesus, dem Christus vertritt. Laut evangelischer Kirche
kann man diese Botschaft nur in der Bibel finden. Und zwar nicht nur dort,
wo über Jesus selbst berichtet wird; sondern auch in den anderen Büchern der
Bibel, die angeblich alle "Wort Gottes" seien. So meinte Martin Luther
z. B., entscheidend sei, "was Christus treibet". Doch damit bezieht er
sich nicht auf Jesus von Nazareth, sondern auf das Christusverständnis von
Paulus (www.theologe.de/theologe5.htm).
Und prüft man die einzelnen Bücher der Bibel und vergleicht sie, dann kommt man
zu dem Ergebnis: Die Bibel ist voller Widersprüche (www.theologe.de/theologe8.htm).
Woran soll man sich dann aber halten? Die evangelische Kirche nimmt in
dieser Situation nun für sich
in Anspruch, die Bibel richtig zu interpretieren. Doch Martin Luther,
der als ihr Gründervater angesehen werden kann, stellte sich immer
wieder in
Gegensatz zu Jesus von Nazareth (Der Nachweis dazu z. B. in
www.theologe.de/theologe3.htm).
Und auch die bis heute verbindlichen Bekenntnisschriften der
evangelischen Kirchen (z. B. der einzelnen evangelisch-lutherischen
Landeskirchen) haben
die Botschaft des Jesus von Nazareth verfälscht (www.theologe.de/theologe1.htm).
Und so stößt man relativ einfach auf die Gegensätze zwischen Jesus einerseits
und Martin Luther
bzw. Kirche andererseits, und man könnte fragen: Wer folgt Luther nach, und wer folgt Christus nach?
Und einzelne Pfarrer, denen es ein Anliegen ist, wieder zur ursprünglichen Botschaft von Jesus
zurück zu finden oder zumindest Schritte in diese Richtung zu tun, stehen in Gefahr, als "Irrlehrer" beurteilt zu werden (siehe dazu z. B.
http://www.sonntagsblatt-bayern.de/news/aktuell/2007_14_20_01.htm).
Warnung vor der Helden-Verehrung Martin Luthers
In der Zwischenzeit wächst der Widerstand gegen
die Verehrung Martin Luthers immer mehr. So warnt auch der langjährige
Direktor des Max-Planck-Instituts für Geschichte, Hartmut Lehmann, vor einer
"Heldenverehrung" Martin Luthers (epd, 16.9.2008). "Die evangelische
Kirche", so der Evangelische Pressedienst epd über die Kritik Lehmanns, "täte
gut daran, hier längst bekannte Forschungsergebnisse angemessen zu
berücksichtigen, etwas zu Luthers Antisemitismus, zu seiner Beurteilung anderer
religiöser Glaubensauffassungen oder dem Gehorsam gegenüber Landesherren".
Lehmann wörtlich: "Es ist erstaunlich, wie sehr Theologen, die sonst jeden Satz
der Bibel historisch-kritisch unter die Lupe nehmen, Luther-Legenden ungeprüft
übernehmen". Hartmut Lehmann, zugleich Gründungsdirektor des Deutschen Historischen
Instituts in Washington/USA, spielt damit z. B. auf den "historisch nicht
belegbaren Thesenanschlag" Luthers an, der am 31.10.1517 stattgefunden haben
soll. Dieser sei "früh durch Legendenbildung ´als mutiger Akt der Tat gegen die
Macht des Papstes inszeniert` worden." Langfristig retteten Luther und die
Reformation jedoch die Macht der Papstkirche (siehe dazu unsere These
Der hintergründige Sinn der Reformation).
Trotz immer deutlicherer Kritik an Martin Luther brachte die EKD, die
Evangelische Kirche in Deutschland, sogar eine
Martin-Luther-Medaille heraus. Diese wird seit dem 31.10.2008 jährlich
verliehen an eine Person, die man dieser "Ehrung" für würdig hält.
Diese "Ehrungen" sind dabei manchmal höchst widersprüchlich bis skurril. Im Jahr
2011 wurde damit z. B. der sächsische Oberlandeskirchenrat i.R. Hartmut
Bretschneider ausgezeichnet, der einst in der DDR-Friedensbewegung als
Landesjugendpfarrer die Kampagne "Schwerter zu Pflugscharen" ins Leben rief,
obwohl dieses Prinzip im Gegensatz zu Martin Luther steht, der ständig zum
Einsatz der Schwerter aufrief.
Neben der Luther-Medaille gibt es zahlreiche weitere Ehrungen, z. B. den
Lutherpreis der Stadt Wittenberg, für den die Stadt im Herbst 2012 die russische
Punk-Band Pussy Riot vorgeschlagen hat, die in der russisch-orthodoxen
Hauptkirche Moskaus lautstark zur "Jungfrau" Maria "gebetet" haben, Präsident
Wladimir Putin aus dem Land zu jagen. Martin Luther selbst hätte die jungen
Frauen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit jedoch dem "Henker"
übergeben.
Hier stellt sich nun auch die Frage nach der kirchlichen Ethik beim
Thema "Krieg und Frieden". Das ist deshalb von
Bedeutung, da Vertreter der evangelischen Kirche in der jüngeren
Vergangenheit immer wieder eine Nähe zur so genannten außerparlamentarischen
"Friedensbewegung" in der heutigen Bundesrepublik Deutschland signalisierten. Doch eine Friedensbewegung, welche von den Kirchen gefördert würde, stünde
immer in Gefahr,
letztlich doch zum Steigbügelhalter für
einen neuen Krieg zu werden. Denn in der Vergangenheit war die evangelische Kirche
fast immer für den Krieg (www.theologe.de/theologe6.htm),
und auch in der Gegenwart liebäugelt man immer wieder damit. Jesus von
Nazareth war jedoch Pazifist. Demgegenüber lehrt die evangelische
Kirche, dass sogar die Aufforderungen zum Völkermord im Alten
Testament zur damaligen Zeit "reines Gotteswort" damals gewesen seien bzw. heute
noch seien (www.theologe.de/altes_testament.htm).
Dazu passt, dass der 2011 mit der Luther-Medaille geehrte Hartmut Lehmann, der
in der DDR das Motto "Schwerter zu Pflugscharen" mit unter die Bevölkerung
brachte, diese zweifehlhafte Ehrung tatsächlich annahm. Damit unterstützte er
nämlich die Heuchelei im Protestantismus, wo zwar völlig unverbindlich und
allgemein von "Schwertern zu Pflugscharen" gesprochen wird, aber immer dann zum
Krieg aufgerufen wird, wenn es ins eigene Kalkül passt.
Martin-Luther-Straßen umbenennen
Widerstand gegen die Martin-Luther-Verehrung gibt es mittlerweile von vielen Seiten.
So schlagen wir vor, die verbleibende Zeit der "Luther-Dekade" zu nützen, um die
Martin-Luther-Straßen und -Plätze in Deutschland Zug um Zug umzubenennen
(siehe dazu das Interview).
Denn Martin Luther ist in keinster Weise ein Vorbild, selbst wenn man die
Umstände der damaligen Zeit berücksichtigt (siehe
www.theologe.de/theologe3.htm).
Und die Verteidigung Luthers mit dem Argument, Luther sei eben ein "Kind seiner
Zeit gewesen", ist scheinheilig und Unsinn. Denn so wie Luther ein "Kind
seiner Zeit" war, so waren es selbstverständlich auch seine zahllosen
Opfer, so dass diese Ausrede nicht gilt. Es stellt sich stattdessen die
Frage: Welche Menschen aus dieser "Zeit" sollen heute als vorbildlich gelten?
Denn es gab es auch in der damaligen Zeit aufrechte Friedensstifter, die Männern
wie Luther, die im Machtkampf der Obrigkeiten ihre Ansichten mit dem Schwert
durchsetzen wollten, die Stirn geboten haben, z. B. die
Zwickauer Propheten. Martin Luther hatte sie massiv bekämpft und ihre kleine
urchristliche Gemeinschaft und ihre gesellschaftliche Existenz zerstört, doch
sie ließen sich nicht beugen. Doch heute sind sie fast in Vergessenheit geraten.
Toleranz oder moderne Inquisition?
Wenn man heute die "Beurteilung anderer
Glaubensauffassungen" durch Luther kritisiert (siehe
hier), dann stellt sich natürlich auch die Frage: Wie verhält sich die Kirche nun heute gegenüber anderen Gemeinschaften?
Vordergründig gibt sich die evangelische Kirche, wie bereits gesagt,
tolerant. Und besonders die wenigen in Deutschland nach 1945 übrig gebliebenen jüdischen Mitbürger
und ihre Nachkommen werden heute vom Protestantismus hofiert.
Dabei wird die eigene kirchliche Vergangenheit erheblich beschönigt oder gar
verfälscht. In der Weimarer Republik und im Dritten Reich hatte man
nämlich
"Juden und Sekten" gemeinsam und mit den gleichen Methoden bekämpft, was an vielen
Beispielen in der Dokumentation
Die evangelische Kirche und der Holocaust
nachgewiesen wird. Heute sind aus bekannten Gründen nur noch die "Sekten"
als Gegner übrig
geblieben. Siehe oben und siehe dazu auch:
Martin Luther und die Juden
Der antisemitische Landesbischof Meiser
Und gegenüber diesen so genannten "Sekten" haben vor allem die
Lutheraner in unserer Zeit die Inquisition wieder belebt (www.theologe.de/theologe12.htm).
Die evangelische Kirche hat nämlich damit in Deutschland Ende der 60er-Jahre des
letzten Jahrhunderts begonnen und ein Netz so genannter
"Sektenbeauftragter" aufgebaut. Die katholische Kirche zog dann ca. 10 Jahre
später nach.
Ist die Kirche "christlich" oder "heidnisch"?
Die modernen Inquisitoren der Kirche werfen ihnen missliebigen
Minderheiten dabei vor, "Sekten" zu sein. Damit projizieren sie
aber nur auf andere, was sie sich treffend selbst
vorhalten könnten, nämlich ihrerseits "Sekten" zu sein. Im Fall der evangelischen
Kirche heißt das: Sie ist eine Abspaltung
("Sekte" von lateinisch "secare" = abspalten) von der katholischen Kirche. Und diese Kirche könnte wiederum als eine Sekte = Abspaltung vom Urchristentum
betrachtet werden. Streng genommen ist die katholische Kirche jedoch nicht
einmal so sehr eine Abspaltung vom Urchristentum. Sondern sie ist viel mehr die Nachfolgerin antiker
heidnischer Götzenkulte (z. B. des Mithras-Kultes), in die man einige Aspekte der
Botschaft von Jesus hinein gewoben hat. Zahlreiche Belege sind bei
www.theologe.de/kirche_verrat-an-jesus-dem-christus.htm
aufgeführt. Man könnte auch sagen: Die kirchlichen Kulte haben sich ein
christliches Mäntelchen umgehängt, eine Art "Schafspelz", um Jesus, den Christus, auf diese Weise geschickt zu vereinnahmen
und in den eigenen Sumpf hinein zu ziehen.
Betrachtet man das
komplette Lehrgebäude und das Erscheinungsbild der beiden Großkirchen in
Deutschland, könnte man beide als heidnische Götzenkulte bezeichnen. Wobei die evangelische
Kirche einige der Kulte reformiert hat, so dass das "Heidnische" dort auf den
ersten Blick nicht so sehr auffällt wie
in der katholischen Kirche. Die Belege dafür in den vielen
Einzelfällen lesen Sie in
www.theologe.de/kirche_verrat-an-jesus-dem-christus.htm.
Und auch der neuerliche Einstieg der Kirchen in die ökologische
Bewegung ist mehr eine Bewegung aus dem Zeitgeist heraus als aus dem
Zentrum der kirchlichen Lehre. Die Kirche handelt hier als
"Trittbrettfahrerin", denn ihre Lehre hat bis heute nachweislich gegenteilige und
schlimme Folgen für den ganzen Planeten Erde. So hat die Natur- und Tierfeindlichkeit im
europäischen Abendland
kirchliche Wurzeln bzw. Ursachen
(www.theologe.de/theologe7.htm#4).
Die Kirche hat nämlich alleine dem Menschen eine "gottesebenbildliche"
Sonderstellung in der Schöpfung zuerkannt, und ihm die Erlaubnis gegeben, alle
anderen Geschöpfe zu seinem Wohl quälen und töten zu dürfen. Und gerade die Tiere leiden bis heute fürchterlich unter dieser
Tradition (www.theologe.de/tiere_kirche.htm),
die mit einer notwendigen Ökologie (und - religiös gesprochen - der Einheit der
"Schöpfung Gottes") nichts zu tun hat.
Religiöse Minderheiten, die z. B. schon seit vielen Jahren und
Jahrzehnten vor einer Klimakatastrophe warnen (als vieles noch
rechtzeitig gewesen wäre), wurden und werden von der Kirche als "Endzeitapostel"
und "Sektierer" lächerlich gemacht. Auch das hat Tradition. Denn zu allen Zeiten
haben die Kirchen Propheten und aufrichtige Gottesboten verleumdet und
verfolgt. Zu Zeiten Luthers die Zwickauer Propheten (siehe oben) oder die
Katharer im 13. Jahrhundert, siehe z. B.
http://www.theologe.de/elisabeth_von_thueringen.htm#Katharer. Als
Aufhänger für die kirchlichen Verfolgungen dienten manchmal Kleinigkeiten, oder
es wurde einfach gelogen. Dabei projiziert die Kirche bis heute eigene Untaten,
Verbrechen und Skandale auf religiöse Minderheiten (www.theologe.de/kirche_hoelle.htm)
und baut so ein Feindbild auf. In Wirklichkeit waren die Gottespropheten aller
Zeiten, von denen auch im Neuen Testament noch die Rede ist (z. B. 1.
Korinther 12, 28; Epheser 3, 5), unbescholtene Mitbürger. Und sie sprachen
aus einer geistigen Vollmacht heraus. Die Kirche jedoch hat diese Vollmacht
nicht, und sie hängt stattdessen am finanziellen Tropf des Staates. Und sie wird
vor allem durch den Kirche-Staat-Filz bzw. dem Kartell von Kirche und Politik am
Leben gehalten
(www.theologe.de/kirche_staat.htm).
Und was die wenigsten Gläubigen wissen: Nicht nur die katholische,
sondern auch die evangelische Kirche
lehrt einen grausamen Gott und eine ewige Hölle, auch wenn es
als unmodern gilt, darüber zu predigen. Doch es zählt nicht, was gerade
modern ist, sondern was in den Bekenntnisschriften der evangelischen
Kirchen verbindlich festgelegt ist. Eine "ewige Hölle" ist
jedoch eine kirchliche Erfindung zur Einschüchterung der Menschen, und sie hat
ebenfalls nichts mit Jesus von Nazareth zu tun. Mehr zu den bis heute für den
Protestantismus verbindliche Höllenlehre der evangelischen Bekenntnisschriften
lesen Sie
hier.
Ein Vertreter
der kirchlichen Lehre war z. B. auch der
evangelische Pastor und stellvertretende Superintendent
Klaus Geyer,
der für den grausamen Mord an seiner Frau verurteilt worden. Zwar hat der
Pfarrer trotz erdrückender schwerwiegendster Indizien gegen ihn den Mord
abgestritten, doch kam noch so manches andere ans Tageslicht, so dass in der
Presse zu lesen war: "Wie war das noch mit den Zehn Geboten? Und welche hat
dieser Pastor eigentlich nicht gebrochen?” (Sonntagsblatt, 3.4.1998)
Während die Kirche viele kleinere Gemeinschaften scharf bekämpft und
kritisiert und dazu tatsächliches oder vermeintliches Fehlverhalten in diesen
Gruppen heran zieht, erwartet sie von der Gesellschaft, dass man ihr
Verbrechen
oder Skandale in ihren eigenen Reihen nicht zurechnet. Hier wird also immer mit
zweierlei Maß gemessen.
PS: Während Klaus Geyer sich
übrigens dem politisch "linken" Flügel der Kirche
zurechnete, gibt es auch einen konservativen bzw. "evangelikalen"
Flügel. Ein
Vorbild dafür ist z. B. der US-amerikanische Evangelist
Billy Graham. Er unterstützte z.
B. alle zu seine Lebzeiten von der US-Regierung geführten Kriege.
Die Ökumene oder: Evangelische und katholische Kirche - durch das Mittelalter "geeint"
Schließlich spielt auch die Ökumene zwischen evangelischen und
katholischen Kirchenmitgliedern eine große Rolle in der evangelischen
Kirche. Doch hier gibt es nur deshalb vordergründige "Erfolgsmeldungen", weil weder die
meisten Protestanten wissen, was evangelisch ist, noch die meisten
Katholiken, was katholisch ist. Immerhin haben beide Konfessionen
gemeinsam, dass sie nicht christlich sind, wie in den oben genannten
Schriften mehrfach nachgewiesen wird.
Anlässlich des bevorstehenden Reformationsjubiläums bemühen sich derzeit die
deutschen Politiker (einschließlich Vertreter von den Grünen und der
Linkspartei), den Vatikan zur Teilnahme an den Feierlichkeiten zu
bewegen. So wurden die Bundestagsabgeordneten am 29. bzw. 30.10.2008 von
Benedikt XVI. zu einer Generalaudienz empfangen (idea, 31.10.2008). "Zwar
wissen wir, dass der über Martin Luther ausgesprochene Bann mit dem Tod endet",
sagte in diesem Zusammenhang der CSU-Politiker Peter Gauweiler. "Trotzdem wäre
es ein Zeichen mit mächtiger Symbolkraft, wenn der Papst den Bann förmlich lösen
würde, so wie Papst Johannes Paul II. die Verurteilungen Galileo Galileis
aufgehoben hatte."
Auch der Mainzer Kardinal Karl Lehmann sprach in diese Richtung. Es sei gut, so
Lehmann in seiner Predigt am Reformationstag in Bonn, "wenn wir gemeinsam in den
nächsten Jahren bis 2017 das Vorhaben realisieren, zusammen zu beschreiben, wie
wir die Reformation beurteilen und bewerten". Evangelische und katholische
Kirche seien durch die mittelalterliche Welt "enger geeint, als uns manche
Polemik zu denken übrig lässt" (luther500.de, Rundbrief 16.1.2009).
Das Wort "Mittelalter" trifft dabei den Nagel auf den Kopf, denn sowohl die
Päpste als auch Martin Luther pochten darauf, dass sie "Recht" haben und dass
ihre Rechthaberei mit Gewalt die Welt regieren müsse. Und so erfüllt sich auch
der Wunsch mancher Kirchenmitglieder, dass beide mittelalterlichen Kirchen z. B.
im Jahr 2017 zumindest einen gemeinsamen dritten Ökumenischen Kirchentag
zelebrieren (nach den Ökumenischen Kirchentagen 2003 in Berlin und 2010 in
München) nicht. Geplant ist 2017 ein evangelischer Kirchentag in Berlin und der
Lutherstadt Wittenberg.
Die Prüfung der kirchlichen Lehre
Warum die Ökumene letztlich eine Augenwischerei ist, wird schnell klar,
wenn man sich z. B. einmal näher mit der römisch-katholischen Lehre beschäftigt.
Und wer an dieser Stelle mehr über den römisch-katholischen
Glauben wissen möchte, mit dem sich die Evangelischen ökumenisch
verbrüdern wollen, der ist eingeladen, einen
Glaubenstest zu machen. Und wer Näheres über die
evangelisch-lutherische Lehre wissen möchte? Die aussagekräftigste Darlegung der
Lehre Luthers und der evangelisch-lutherische Lehre heute findet sich bei
www.theologe.de/theologe1.htm.
Eine Schlussfolgerung aus diesen Darlegungen und Studien ist: Die Evangelische Kirche
mag sich "evangelisch"
nennen und die katholische Kirche "katholisch". Doch beide sollten
so ehrlich sein und zugeben, dass ihr Glaube nicht mit Jesus von Nazareth und
seiner Lehre übereinstimmt. Sie sollen sich deshalb nicht mehr "christlich"
nennen. Widersprüche zwischen Jesus, dem Christus und Martin Luther sind z. B.
in Der Theologe Nr. 3 gegenüber gestellt. Vor
allem die auf Martin Luther aufbauenede evangelische
Rechtfertigungslehre ist nicht
christlich.
So wurde vor ca. 500 Jahren die römisch-katholische Kirche zwar "reformiert".
Doch hat man dabei nur ein paar grobe und für jeden offensichtliche Widersprüche
zu Jesus von Nazareth entschärft. Im Ergebnis wurde der Verrat an Jesus, dem
Christus, damit nur etwas besser verschleiert und auf zwei Großorganisationen
verteilt.
4.6.2009 - Evangelische Landeskirche in Bayern
rüstet auf. Drei neue Pfarrstellen für das Reformationsjubiläum -
Ungeachtet der massiven Kritik an dem Tun (vgl. Der Theologe Nr. 3) und
der Lehre Martin Luthers (vgl. z. B. Der Theologe Nr. 35) will die evangelische
Kirche das Luther- bzw. Reformationsjubiläum so richtig feiern. Dafür werden
z. B. in den bayerischen Dekanaten Augsburg, Coburg und Nürnberg jeweils
eine eigene neue Pfarrstelle geschaffen (Evangelisches Sonntagsblatt Nr.
22/2009).
16.8.2009 -
Jubiläum der
evangelischen Kirche: Bundesland Thüringen schafft eigene Stelle / Jubilare
reisen zum Papst / Projekt "Wege zu Luther"-
Der Staat wird einmal mehr vor den Karren der Kirche
gespannt.
Das Bundesland Thüringen finanziert eine eigene Stelle im Kultusministerium für
das Kirchenjubiläum. Und auch die Kirche selbst plant viele Aktionen, z. B. im
Januar 2011 eine Reise nach Rom "auf Luthers Spuren" mit dem "Höhepunkt": ein
Gottesdienst mit Papst Benedikt XVI. Ob das allerdings im Sinne Luthers ist, für
den der Papst der "Antichrist" war? Hinzu kommen Projekte, die sich
"Lutherfinder" oder "Wege zu Luther" nennen. Das dunkle Wüten dieses Mannes und
das Unheil, das er über die Menschen brachte, wird natürlich ganz oder
weitgehend ausgeblendet. Auch, dass Martin Luther die Lehre von Jesus,
dem Christus, verfälschte (siehe dazu
unten die Hintergrundliteratur). Deshalb
schlagen wir vor, dass die Kirche sich besinnt und anlässlich ihres Jubiläums
Buße tut für die Verbrechen, die ihre Gründer und seine Nachfolger taten
(siehe dazu: Offene Briefe an Bischof Huber). Ein
kleiner Leitfaden dazu könnte die "Kriminalgeschichte des Christentums" von
Karlheinz Deschner sein, die ab dem 16. Jahrhundert auch die evangelische Kirche
betrifft.
Geplant ist derzeit 2011 auch eine Ausstellung über das evangelische Pfarrhaus,
das Martin Luther begründet hat - mit namhaften Zeitgenossen, die in einem
solchen Pfarrhaus aufgewachsen sind und dort geprägt wurden: Auf
Nobelpreisträger wird hingewiesen und auf "Personen wie Gudrun Ensslin,
Gründungsmitglied der RAF, oder Bundeskanzlerin Angela Merkel".
(Thüringer Landeszeitung, 15.8.2009;
http://www.tlz.de/tlz/tlz.erfurt.volltext.php?kennung=on4tlzLOKStaErfurt40037&zulieferer=tlz&kategorie=LOK&rubrik=Stadt®ion=Erfurt&auftritt=TLZ&dbserver=1)
31.10.2009 -
Stürzt EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann Martin Luther
vom Sockel?
Siehe dazu
http://www.christus-oder-kirche.de/downloads/pressemitteilung-kaessmann-lutherkirche-29.10..pdf
Vgl. dazu Offene Briefe von Urchristen an
den vormaligen EKD-Ratsvorsitzenden Bischof Wolfgang Huber
28.11.2009 -
Wann sagt die
Kirche endlich die Wahrheit über Martin Luther?
Lesen Sie das Interview mit Prof. Dr. Bernd Rebe, von 1983-1999
Präsident der Technischen Universität Braunschweig unter
http://www.newsclick.de/index.jsp/menuid/291585/artid/11322224
2.2.2011 - Neu:
Adolf Hitler als
Vorkämpfer der Ökumene - Die
evangelische Kirche möchte das Lutherjubiläum im Jahr 2017 ökumenisch
gestalten. Lesen Sie dazu
http://www.theologe.de/adolf-hitler_martin-luther.htm
7.6.2011 -
500 Jahre Luther sind
genug - Handzettel auf dem
Kirchentag in Dresden - Neben den
5,5 Millionen Euro, die der Freistaat Sachsen für den Evangelischen Kirchentag
bezahlt, rückte in Dresden auch das laufende Reformationsjubiläum der Kirche in
den Mittelpunkt. Dafür zahlt allein die Bundesregierung Jahr für Jahr fünf
Millionen Euro, also schon mal 35 Millionen. Von der
grundgesetzlich gebotenen Trennung von Staat und Kirche halten die etablierten
Politiker wenig bis nichts. Immer mehr Bürger sagen jedoch: "500 Jahre Luther
sind genug". Unter diesem Motto wurde auf dem 33. Deutschen Evangelischen
Kirchentag auch
ein aufklärender Handzettel an die Menschen verteilt.
4.7.2011 -
Lutherischer Bischof:
"2017 soll unser heiliges Jahr werden"
- Lutheristen und Katholiken werden sich immer ähnlicher und entlarven immer
mehr ihren Widerspruch zu Jesus, dem Christus. Nach dem katholischen "heiligen"
Jahr 2000 erklärte der lutherische Landebischof von Württemberg, Otfried July,
"2017 soll unser heiliges Jahr werden" (zit. nach Evangelisches Sonntagsblatt
Nr. 25, 29.7.2011). Er will dabei die römisch-katholische und orthodoxe
Kirche mit einbeziehen. Martin Luther hat die Lehre des
Jesus von Nazareth vielfach ins Gegenteil verkehrt. Für Jesus gab es auch
keine "heiligen" Jahre, da für ihn Gott allein heilig ist (vgl. z. B.
Johannes 17, 11).
7.7.2011 -
500 Jahre Luther
sind genug - Die kritische Seite zum Reformationsjubiläum jetzt auch auf
Facebook
-
http://www.facebook.com/pages/500-Jahre-Luther-sind-genug-die-kritische-Seite-zum-Reformationsjubil%C3%A4um/145290285546567
21.10.2011 -
14.11. / 16.11.2011 -
Morde an neun türkischen
Kleinhändlern und eines Griechen durch Rechtsradikale in Deutschland - Die geistige Verantwortung
Martin Luthers für Gewalt gegen Andersdenkende, Andersgläubige und Menschen aus
anderen Staaten / Staat soll Beteiligung am Luther-Jubiläum stoppen - Die Mordserie an unschuldigen Männern türkischer Herkunft
und einem Griechen erschüttern die Menschen. Gleichzeitig wird in Deutschland
Martin Luther und das 500jährige Jubiläum der so genannten Reformation gefeiert.
Dies passt beides nicht zusammen. Denn Martin Luther hat mit erschreckenden
Worten dazu aufgerufen, "Türken" zu töten. Wörtlich:
"Weil die Christen ... ein jeglicher von seiner
Obrigkeit, zum Streit wider die Türken gefordert und berufen werden, sollen
sie tun als die treuen und gehorsamen Untertanen (wie sie denn gewisslich
tun, so sie rechte Christen sind) und mit Freuden die Faust regen und
getrost dreinschlagen, morden, rauben und Schaden tun so viel sie immer
mögen, weil sie eine Ader regen können ... werden sie darüber erschlagen,
wohlan, so sind sie nicht allein Christen, sondern auch gehorsame, treue
Untertanen gewesen, die Leib und Gut in Gottes Gehorsam bei ihren Oberherrn
zugesetzt haben. Selig und heilig sind sie ewiglich ..."
(Eine Heerpredigt wider den Türken, D. Mar.
Luther. Anno 1529; Tomos 4, S. 494 b-496)
"Mit Freuden die Faust regen und getrost
dreinschlagen, morden, rauben und Schaden tun so viel sie immer mögen" - das
haben die Terroristen auch getan. Der Unterschied ist, dass Luther seine
Anweisung für den von der Obrigkeit angeordneten Krieg gegen das türkische =
Osmanische Reich gegeben hat und nicht für verdeckte Kriege,
Untergrundaktivitäten oder private Konflikte. Doch wie sich mehr und mehr heraus stellt, waren staatliche
Einrichtungen offenbar
auch in die Morde an den türkischen Mitbürgern verstrickt. So war ein
Mitarbeiter des Verfassungsschutzes nachweislich bei sechs der neun Morde in der Nähe der
Tatorte (bild.de, 15.11.2011) und blieb dennoch unbehelligt und von
Staats wegen geschützt. "Der sollte
unschuldig sein, das merkten wir von Anfang an",
so ein Ermittler des Landeskriminalamtes (bild.de, 16.11.2011). Außerdem hat eine Verfassungsschutzbehörde die
Terroristen vermutlich mit falschen Ausweispapieren versorgt. Umgekehrt beklagen
beschuldigte ehemalige Verfassungsschützer "Unregelmäßigkeiten bei der Polizei". Und die
Angehörigen der Opfer wurden teilweise damit seelisch gequält, dass man dort
nach Verbindungen zur "türkischen Mafia" oder zum Drogenmilieu forschte und
Hinweisen der Angehörigen zum Rechtsradikalismus offenbar gar nicht nachging
(bild.de, 14.11.2011).
Auch die Motive bei Martin Luther und den heutigen Tätern sind vergleichbar und die
Gewissenlosigkeit hinter beiden. Für den mittelalterlich denkenden Martin Luther waren
andersdenkende und andersgläubige Menschen eine Bedrohung der "Ordnung" eines
Landes, weswegen er die Regierung aufforderte, Angehörige religiöser
Minderheiten hinrichten zu lassen oder die jüdischen Mitbürger zu vertreiben
(mehr dazu in Der Theologe Nr. 3). Hinzu kommt,
dass die heutigen Mörder sich in einem "Krieg" wähnen, für
den Martin Luther das brutale Morden ja ausdrücklich legitimierte. So sieht es
z. B. der norwegische Massenmörder von jungen
Sozialisten, der Lutheraner Anders Breivig, der 69 junge Menschen unter
anderem wegen deren Sympathie mit Moslems hinrichtete und der einige weitere mit
einer Autobombe tötete und sich dabei auch auf die Kreuzzüge der
römisch-katholischen Kirche berief.
Dass
Menschen anderer Nationalität und anderen Glaubens friedlich nach Deutschland
übersiedeln und sich dort in guter Nachbarschaft eine Existenz aufbauen, wäre
für Martin Luther von vorne herein überhaupt nicht hinnehmbar gewesen. Nicht
auszudenken, wie Martin Luther damals reagiert hätte, wenn sich bereits im 16. Jahrhundert
Muslime aus dem Osmanischen Reich friedlich in Deutschland hätten niederlassen
wollen. Und auch wenn Martin Luther damals nicht private Morde oder terroristische Akte
ohne Zustimmung der Obrigkeit rechtfertigte (wobei es ja eben auch noch gar
keine türkischen Nachbarn gab), sondern immer nur die jeweilige
Regierung zu Morden aufstachelte, und wenn ihn Lutheraner wie der norwegische
Massenmörder
Breivig falsch verstehen, so sollte das dennoch endlich Grund genug sein, Luther
nicht mehr zu ehren und zu feiern.
Und warum wird Luther geehrt und gefeiert? Für
manchen hat er die Türe in Richtung Aufklärung geöffnet, weil er deutlich
gemacht hat,
dass das Papsttum in Rom mit Christus nicht das Geringste zu tun hat und dass
der ganze katholische Kult "Larven- und Narrenwerks ohne Maß" ist.
Doch gerade davon
haben sich seine Nachfolger, die heutigen Kirchenführer der Lutheristen, ja
mittlerweile distanziert. Stattdessen bettelt man den Papst nahezu, dass er doch
die Lutheraner wieder als "richtige Kirche" anerkennt anstatt sie nur als
"kirchliche Gemeinschaft" zu bezeichnen und abzuwerten. Wozu dann aber
die Luther-Feiern? Ein Vertreter der "Gewissensfreiheit" war
Luther auch nicht, denn er forderte nur die "Freiheit", die Bibel
anders auszulegen als der Papst, keine allgemeine Gewissensfreiheit. Und betrachtet man noch so manches andere von dem, was Luther
dachte und tat, dann ist das ebenfalls alles andere als ein Grund zum Feiern (siehe auch
hier).
Und keine Energie geht verloren, und was der eine gedanklich in die Welt setzt,
infiziert einen anderen, den Gedanken Taten folgen zu lassen. Wer zum
Morden von Menschen einer anderen Nationalität aufruft, auch wenn es "nur" für
den Kriegsfall gedacht ist, trägt mit eine geistige Verantwortung dafür, wenn es
dann tatsächlich zu Morden kommt, wenn auch in einem etwas anderen Zusammenhang
bzw. wenn Mörder sich dann den "Kriegsfall" eben konstruieren.
Und kann denn ausgeschlossen werden, dass die unheilvolle Ausschüttung
des Reformators "wider die Türken" bis heute nachwirkt und auch viele Rechtsradikale
in ihrem Tun beeinflusst? Nach Adolf
Hitler war Martin Luther z. B. ein "Riese" und einer der größten Deutschen, die
es je gab.
Und zu dem Thema "Religion und Rassismus" ist jetzt
auch eine Studie
der Bielfelder Psychologieprofessorin Beate Küpper erschienen, von der die
Welt berichtet (14.11.2011):
http://www.welt.de/wissenschaft/article13715140/Je-religioeser-desto-anfaelliger-fuer-Vorurteile.html
Eines der Ergebnisse:
"Besonders oft neigten Protestanten in
den östlichen Bundesländern zu rassistischen Äußerungen".
Oder: "Die
These ´Es leben zu viele Ausländer in Deutschland` fanden ebenfalls über 60
Prozent der ´sehr religiösen` Protestanten richtig." Wenn also die
evangelischen Kirche heute gegen Rechtsradikalismus protestiert, warum
distanziert sie sich dann nicht auch unmissverständlich von Martin Luther und
den geistigen Wurzeln, die er in die Gesellschaft eingepflanzt hat, anstatt ihn
10 Jahre lang beim Reformationsjubiläum (2007-2017) sogar besonders zu huldigen?
Oder warum verzichtet sie nicht auf die Martin-Luther-Kirchen und
Martin-Luther-Häuser und sucht sich andere Namensgeber? Und warum gibt es dann
heute in fast jeder Stadt immer noch eine Martin-Luther-Straße, und die Kirche
würde gegen den Versuch einer Umbenennung vermutlich energischer protestieren
als gegen jeden Rechtsradikalismus?
Unser demokratischer Rechtsstaat gründet
weder auf dem katholischen noch auf dem evangelisch-lutherischen
Staatsverständnis, sondern auf den Werten der Aufklärung und den Prinzipien
Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Einheit und Gerechtigkeit. Für diese Werte
steht auch der große Weisheitslehrer Jesus von Nazareth. Mit der Kirche und
ihren Werten und ihrem Missbrauch des Namens Christus über all´ die Jahrhunderte
hat das alles nichts zu tun. Und deshalb sollte der Staat seine Unterstützung
bei den Luther-Feiern (2007-2017) auch stoppen bzw. rückgängig machen und stattdessen die
Werte des Grundgesetzes fördern.
Die Finanzierung des Papstbesuches und die Rede
des Papstes im Deutschen Bundestag waren ein schwerer Fehler der Politiker. Doch
man sollte den einen schweren Fehler nicht mit einem zweiten schweren Fehler zu
kompensieren versuchen, sondern einfach endlich die Bremse einlegen und Aufklärung und Demokratie
fördern statt die Kirche.
1.11. / 24.11.2012 -
Lutherische Kirche plant Ausklang der Luther-Dekade in Berlin und Wittenberg
- Regierender Bürgermeister Wowereit bereitet sich auf neue X-Millionen-Subvention
für die Kirche vor
- Mit einem evangelischen Kirchentag 2017 in Berlin und der Lutherstadt
Wittenberg will man auf die Zielgerade der so genannten "Luther-Dekade" gehen. Die Zeit bis
dahin sollte man nützen, um die unheilvollen Folgen des Wirkens von Martin
Luther aufzuarbeiten, so dass man den Kirchenmitgliedern im Jahr 2017 sagen
kann: 500 Jahre Martin Luther sind genug.
Der Regierende Bürgermeister von Berlin,
der Katholik Klaus Wowereit, erklärte dazu: "Ihm
sei klar, dass sich so eine große Veranstaltung nicht selbst trage. Der
Regierende Bürgermeister rechnet damit, dass die Stadt einen hohen einstelligen
Millionenbetrag beisteuern wird" (Berliner Zeitung, 24.11.2012). Da das
Bundesland Berlin hoch verschuldet ist, der Pleite nahe, müssen für diese
Millionen dann aber
letztlich wieder andere aufkommen.
24.11.2012 -
Neue kritische Bücher
zum Reformationsjubiläum -
Hubertus Mynarek - Luther ohne Mythos: Das
Böse im Reformator /
Bernd Rebe, Die geschönte
Reformation. Warum Martin Luther uns kein Vorbild mehr sein kann.
Gratis-Ausgaben des Theologen siehe unten.
5.1.2013 -
Evangelische
Kirche plant 34. Evangelischen Kirchentag in Hamburg
- Lesen Sie dazu:
Schöngefärbtes Motto "So viel du brauchst" - Politischer Wille, den
Hungertod zu beenden, geht weiter zurück
5.1.2013 -
"Der
ganze Luther" - Reformationsjubiläum entwickelt sich zunehmend zum Bumerang für
die Lutherkirche - In
Die Zeit vom 27.12.2012 heißt es: "Je näher das Reformationsjubiläum
rückt, desto fremder wirkt der Reformator". In dem ZEIT-"Dossier" wird auch die
Biografie des Historikers Heinz Schilling, Martin Luther
aus dem Beck-Verlag München (2012) vorgestellt, und es heißt: "Frauen
beschränkte er [Luther] auf die Rolle der tätigen Hausfrau, sorgenden Mutter und
unterstützenden Gattin. Das war rückschrittlicher als das Mittelalter und führte
´nicht unmittelbar in die Moderne`. Den Ungehorsam seiner Söhne strafte er mit
Brutalität."
Der Kirchenhistoriker Thomas
Kaufmann spricht vom "ganzen Luther", eine "gebrochene, verhärtete ´notorisch
überforderte Gestalt`", so Die Zeit.
Im Jahr 2012 gab die Ex-Landesbischöfin und offizielle Luther-Botschafterin Dr. Margot Käßmann der evangelischen Zeitschrift
idea-spektrum (Nr. 24/2012 vom 13.6.2012) ein Interview zu Martin Luther und der so genannten Lutherdekade. Wir veröffentlichen an dieser Stelle im Rahmen des gesetzlichen Zitierrechts einen Auszug aus diesem Interview, nämlich einige der Fragen und die entsprechenden Antworten dazu von Dr. Margot Käßmann lt. idea-spektrum. Im Anschluss daran antwortet Dieter Potzel, ehemaliger evangelisch-lutherischer Pfarrer und Herausgeber der Online-Zeitschrift Der Theologe, ebenfalls auf die an Frau Dr. Käßmann gestellte Frage. Zur Klarstellung noch ein wichtiger Hinweis: Die nachfolgenden Antworten des ehemaligen protestantischen Pfarrers stehen nicht in idea-spektrum, sondern sind nur auf dieser Seite - 500 Jahre Martin Luther sind genug - veröffentlicht.
4. Hintergrundliteratur zur Dekade
Einige der hier vorgestellten Schriften gibt es auch als kostenlose
Druckschriften.
Der Theologe Nr. 1: Wer folgt Luther nach und
wer folgt Christus nach? Die geheimen Abgründe der evangelischen Kirche
Der Theologe Nr. 3: So spricht Martin Luther
- so spricht Jesus von Nazareth: Ein Vergleich
Der Theologe Nr. 8: Wie der Teufel in der Bibel
hauste
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Der Text kann wie folgt zitiert werden: |
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