DER THEOLOGE
Nr. 107



Hans Böhm, genannt der "Pfeifer von Niklashausen" (1458-1476)
Ein prophetischer Mahner aus dem Wertheimer Land,
vom Würzburger Bischof ermordet
Das Ausmerzungsprinzip der Papstkirche: Unterwerfung oder Scheiterhaufen, heute ersatzweise Rufmord
 


(Die nachfolgende Untersuchung über das Leben von Hans Böhm wurde Informationen entnommen, die in allgemein zugänglichen Lexika zu lesen sind.
Die Fakten wurden - soweit möglich - von ihrer kirchlichen Einfärbung befreit und neu formuliert und zusammengestellt.)

Hans Böhm wurde wahrscheinlich im Jahr 1458 im Helmstadt geboren und lebte im Taubertal in Niklashausen bei Wertheim als Waisenkind und Hirte in ärmlichen Verhältnissen. Er konnte weder lesen noch schreiben oder das Glaubensbekenntnis Kirche aufsagen, hatte als Kind und Jugendlicher allerdings immer den kirchlichen Vorgaben zufolge seine Sünden gebeichtet. In dieser Zeit trug er, wie er als ca. 18-Jähriger sagte, Wahrheiten über Gott "in sich", die nicht mit der Kirchenlehre übereinstimmen. Niklashausen war zu diesem Zeitpunkt bereits ein kleineres Pilgerziel für entsprechend Gläubige. Papst Innozenz VI. hatte eine so genannte "Wallfahrt" zur Kirche in Niklashausen bereits 1354 mit einem angeblich 40-tägigen "Ablass" von Sündenstrafen im Fegefeuer versehen (dem Katholiken sollen also 40 Tage Leidenszeit im angeblich jenseitigen Fegefeuer nach seinem Tod und vor seinem angeblichen Himmelseintritt erlassen werden) - und zwar wegen eines dort aufbewahrten Bildnisses von Maria, das angeblich Wunder habe vollbringen können. An diese katholische Lehre und Volksfrömmigkeit anknüpfend berichtete Hans Böhm, dass ihm Maria im Traum erschienen sei und das Strafgericht über die unersättliche Gier und Gewaltherrschaft der Fürsten und "hohen Geistlichkeit" angekündigt habe.
Damit begab er sich in größte Lebensgefahr. Denn in den Jahren zuvor waren in Würzburg der Überlieferung nach bereits mehrere dem Namen nach nicht mehr bekannte Gottesboten aufgrund ihrer prophetischen Botschaften gefoltert und auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden.


Hans Böhm, wie der Bildhauer und Holzschnitzer Albrecht Dürer ihn ca. 40 Jahre später sah
(http://www.richard-york.co.uk/past/bagpipicsold.html, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2465871)

Mit Leidenschaft für eine bessere Weltordnung und das kommende Friedensreich

Als Alternative zur ausbeuterischen Kirchenmacht rief Hans Böhm nun mit 17 oder 18 Jahren im Frühjahr 1476 eine friedliche Wallfahrt nach Niklashausen aus für eine gottgefällige bessere Weltordnung. Das Reich Gottes werde auf der Erde entstehen, in dem alle Menschen gleich sind und im Gemeinwohl leben. Die weltlichen Obrigkeiten sind in Wirklichkeit "arme Teufel" und werden bald nur für einen Taglohn arbeiten müssen wie andere Tagelöhner auch. Und die in ihren Pfründen schwelgenden reichen Priester und Bischöfe gehören verprügelt. Sie werden eines Tages ihre Tonsur verstecken müssen, um in der Bevölkerung nicht als Priester erkannt zu werden. Böhm hielt auch nichts von der kirchlichen Fegefeuer-Lehre und erklärte, falls eine Seele in der Hölle wäre, würde er sie dort eigenhändig herausführen. Jeder Bürger sollte seinen Lebensunterhalt mit eigener Hände Arbeit verdienen und brüderlich mit den Bedürftigen teilen. Standesunterschiede, Frondienste und Abgaben z. B. an die so genannte "Geistlichkeit" sind abzuschaffen, und der hoheitliche Besitz an Feldern, Wiesen, Weiden, Wäldern und Gewässern ist ins Gemeinwohl zu überführen. Als Voraussetzung sollten zuerst die Pilger, also die einfachen Menschen, die auf die prophetische Botschaft hören, mit dem Sündigen aufhören, damit die Grundlage dafür gelegt ist, dass die bessere Welt auch bald entstehen kann.
Hans Böhms Aufruf zum Gemeinwohl in Wald und Flur (damals "Allmende" genannt) wird heute meist auch als Erlaubnis zum Jagen und Fischen für alle gedeutet, während das Gottesgebot "Du sollst nicht töten" immer auch gegenüber Tieren gemeint ist, wozu Propheten im Namen des Reiches Gottes - z. B. der Prophet Jesaja - bis heute mehrfach mahnten und mahnen.
Das Lebensumfeld der armen Leute damals, die oft nur von der Hand in den Mund lebten, kann allerdings auch nicht ohne Abwägung der Umstände auf eine Stufe mit den heutigen Überflussgesellschaften gestellt werden, in denen das grausame Tierleid ins Apokalyptische und Grässlichste eskalierte und gleichzeitig eine Beendigung des Fleischkonsums so einfach wäre wie nie zuvor. Die Situation Ende des 15. Jahrhunderts lässt sich allerdings vergleichen mit der Situation der armen Menschen zur Zeit von Jesus von Nazareth, in der dieser mit viel Einfühlungsvermögen eine Abkehr vom Fischfang eingeleitet hatte. So ist der genaue Inhalt der durch Hans Böhm gegebenen Botschaft und das damit verbundene Bewusstsein hier nicht sicher zu rekonstruieren.

Als sichtbares Zeichen für die Umkehr der Menschen und das Herbeisehnen des Friedensreiches wurde allerlei eitler Tand, so weit vorhanden, verbrannt (was der Prophet Girolamo Savonarola auch 20 Jahre später in Florenz praktizierte), und Hans Böhm selbst verbrannte als Zeichen seiner eigenen Umkehr seine Pauke, mit der er bisher bei Festen zum Tanz getrommelt hatte, und offenbar auch seine "Pfeife", also seine Flöte.
Stattdessen wurde eine Art "Opferschatz" gesammelt für das Gemeinwohl, soweit die Menschen von ihrem Hab und Gut etwas erübrigen könnten. Hans Böhm machte den Menschen Mut. Die "Gnade" hier in Niklashausen sei größer als die in Rom. Angeblich soll er – vergleichbar den päpstlichen Versprechen bei einer Pilgerfahrt nach Rom – auch einen "vollständigen Ablass" aller vermeintlicher jenseitiger "Sündenstrafen" für das Kommen nach Niklashausen angekündigt haben, was aber sehr zweifelhaft ist, da er Spitzel-Berichten zufolge nichts vom Fegefeuer- und Höllenglauben hielt, womit dann aber auch der "Ablass" zur bloßen Makulatur geworden ist und die Menschen ihn als reine Erfindung der Kirche erkennen können.

70.000 Menschen unter freiem Himmel hören die Botschaft

Der junge Hans Böhm löste einen Sturm der Begeisterung in der Bevölkerung aus, die sich der Gewaltherrschaft von Fürsten, Bischöfe und deren Gefolge hilflos ausgesetzt sahen und um deren Lasterleben wussten. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Kunde von der neuen Bewegung. Und in nur wenigen Wochen kamen 40.000 bis 70.000 Menschen auf den Feldern bei Niklashausen zusammen, um den Beginn einer neuen Zeit einzuleiten. Ein riesiges Feldlager für die Übernachtungen wurde eingerichtet, und ein Mönch und einige weitere Mitstreiter hatten Hans Böhm geholfen, alles aufzubauen und zu organisieren.
Dazu gehörte auch ein so genannter Begarde, der einer Bewegung der Nächstenliebe außerhalb der Kirchenmauern angehörte, die von den Kirchenführern zeitweise zähneknirschend geduldet, letztlich aber grausam verfolgt wurde wie alle Menschen, denen von der Priesterkaste der Stempel "Ketzer" oder "Häretiker" aufgedrückt wurde. So genannte (weibliche) Beginen oder (männliche) Begarden waren Teil einer Bewegung von Brüdern und Schwestern des Freien Geistes in Mitteleuropa, deren Existenz von der Kirchengeschichtsschreibung bis heute weitgehend unterdrückt wird. Und auf dem Mühlberg bei Niklashausen lebte in einer heute noch zu besichtigenden "Begardhenhöhle" oder "Begardenhöhle" einer dieser Männer offenbar als Einsiedler und konnte den "Pfeifer" ebenfalls beraten und unterstützen.

Die Bischöfe von Würzburg und Mainz waren aufgeschreckt. Niklashausen lag zwischen den beiden Bischofssitzen und zwar näher an Würzburg, aber knapp auf Mainzer "Hoheitsgebiet"; Wilhelm Graf von Wertheim war Domherr in Mainz und seit 1477 Generalvikar in Köln. Und der Bischof von Würzburg sandte sowohl Spitzel und Provokateure als auch bibelkundige Theologen nach Niklashausen ins Feldlager. Die Gelehrten des Würzburger Bischofs konnten den vollmächtigen Ansprachen Böhms jedoch nichts entgegen setzen und sind nach einiger Zeit unter dem Spott vieler Menschen wieder zurück in die Bischofsresidenz nach Würzburg zurück gekehrt.

Die dunkle Vorahnung der baldigen Hinrichtung / Es begann mit einer infamen Lüge der Kirche

Von Hans Böhm sind in dunkler Vorahnung des nun Kommenden folgende Worte überliefert: "Vor Gott gibt es keinen Bann." Und: "Die Priester sagen, ich sei ein Ketzer, und wollen mich verbrennen. Wüssten sie, was ein Ketzer ist, würden sie erkennen, dass sie selbst Ketzer sind und ich keiner. Verbrennen sie mich aber als Ketzer, werden sie bemerken, dass sie große Schuld auf sich laden, die auf sie zurückfallen wird."
Da die Theologen des Bischofs die Bewegung nicht in kirchliche Bahnen lenken konnten, schlug das System Baal nun tatsächlich grausam und gnadenlos zu. Dies alles geschah im Frühjahr und Sommer 1476 innerhalb nur weniger Wochen.
Es begann mit der infamen Lüge des Würzburger Domherren Georg von Giech, der auch Bischof Rudolf II. beim Kultgepränge im Würzburger Dom vertrat: Ein Kriegsheer aus Schweizer Bauern wäre angeblich auf dem Weg aus der Schweiz nach Niklashausen, um sich dort zum Krieg gegen die Obrigkeiten mit den Pilgern in Niklashausen zu verbünden.
Mit dieser Lüge erzwang der Würzburger Bischof Rudolf II. von Scherenberg zunächst ein Verbot der Wallfahrt für alle Untertanen auch bei allen benachbarten Landesherren und Fürsten, die anfangs mit ihrer Verurteilung und dem Verbot noch gezögert hatten, doch aufgrund der von Scherenberg beschworenen "Gefahr" zustimmten.

Der Überfall der bischöflichen Reiter und die Entführung von Hans Böhm

Doch die Menschen hielten sich in ihrem inneren und äußeren Aufbruch kaum daran, woraufhin man hinter den Würzburger Mauern beschloss, Hans Böhm als nächsten Schritt gefangen zu nehmen und zu ermorden, wenn er nicht widerruft. So  schickte der Bischof in der Nacht vom 12.7. auf den 13.7.1476, von Freitag auf Samstag, insgesamt 34 bischöfliche Reiter aus Würzburg in das Feldlager bei Wertheim, um Hans Böhm zu entführen. Bischöfliche Spitzel im Lager zeigten den Reitern den Schlafplatz des Gotteskünders und schlichen sich mit ihnen an. Der unbewaffnete und wehrlose junge Mann wurde aus dem Schlaf gerissen und in einer Blitzaktion zusammen mit dem ihn unterstützenden Mönch gefesselt und geknebelt, nach Würzburg entführt und dort ins Verlies geworfen. Sechs Tage später wurde er dann in Würzburg bei lebendigem Leib verbrannt, nachdem er zwischenzeitlich auch einmal in Aschaffenburg unter der Gerichtsbarkeit des Mainzer Bischofs verhört worden war.
Der in der Kirche bis heute hoch verehrte Fürstbischof Rudolf II. von Scherenberg wollte durch Folter aus Hans Böhm zuvor noch Namen von Verbündeten und Mitstreitern herauspressen und eine Beichte angeblich gewalttätiger Ziele von ihm hören, doch Böhm hielt in den Torturen wahrscheinlich stand und ließ sich nicht erpressen.

Der friedliche Marsch für die Befreiung Böhms endet im Kanonenfeuer des Bischofs / Massaker in einem Kirchhof

Noch am Abend des gleichen Tages nach seiner Entführung, am Samstagabend, den 13.7.1476, hatten sich 16.000 Menschen Männer, Frauen und Kinder zu Fuß und unbewaffnet von Niklashausen auf den Weg nach Würzburg gemacht, um sich für die Befreiung des entführten prophetischen Künders einzusetzen. Es war ein gewaltiger Zug mit mehr als dreimal so viel Menschen wie die Einwohner Würzburgs. In Würzburg lebten damals 5000 Menschen unter der Knute der Kirchenherren. Am nächsten Morgen, am Sonntag, den 14.7., zur sonstigen kirchlichen Versammlungszeit, kamen sie dort an. Sie sangen Lieder, und viele hatten eine Kerze in der Hand.
Doch die bewaffneten Truppen des Bischofs ließen sie nicht über den Main in die Stadt ziehen. Stattdessen bewegten sie die Menschen mit der listigen und hinterhältigen Beschwichtigung zum Rückzug, dass der Bischof einmal selbst eine Predigt des jungen Propheten hören wolle und ihn deshalb einbestellt habe. In der Zwischenzeit wurden auf der Burg aber schon die Kanonen in Bereitschaft gebracht, die seit dem 14. Jahrhundert in Kriegen verwendeten grausamen Feuerwaffen.
Als die vom Nachtmarsch erschöpften Menschen bereits friedlich auf dem Rückweg waren, ließ der Bischof aus den Kanonen das Feuer auf die wehrlosen und friedlichen Menschen eröffnen. Eine nicht bekannte Anzahl der Menschen kam ums Leben, viele wurden schwer verletzt. Die Freunde von Hans Böhm, die ein aufrichtiges christliches Leben anstrebten, gerieten im Kanonenhagel in Panik, und die Reiter der Exzellenz setzen ihnen nach und erstachen unter anderem zwölf Männer, die sie für Anführer des Zuges hielten. Eine große Zahl von Männern, Frauen und Kindern floh nach Büttelbrunn, heute Waldbüttelbrunn, um im dortigen Kirchhof Schutz vor den Truppen des Bischofs zu suchen, und auch sie wurden von den Angreifern dort massakriert.

Das Ausmerzungsprinzip der Papstkirche zu allen Zeiten: Tod allen "Ketzern" /
Der "Pfeifer" verbrennt bei lebendigem Leib

Am Freitag, den 19.7.1476, fünf Tage später, folgte dann die Hinrichtung Hans Böhms. So wurde auf dem Schottenanger in Würzburg vor der heutigen evangelisch-lutherischen Deutschhauskirche der Scheiterhaufen für ihn errichtet, um ihn wegen "Ketzerei" zu ermorden. Er sei des "Teufels Diener" und er habe mithilfe des Teufels die Erscheinung Marias nur vorgetäuscht und die Menschen verhext. Zur Abschreckung und um Böhm die Folgen seines Wirkens vor Augen zu führen, ließ man dort zuvor zwei Bauern, die man offenbar willkürlich zusammen mit ihm gefangen setzte, vor den Augen des entsetzten Gotteskünders köpfen. Anschließend wurde der 17- oder 18-Jährige selbst an einen Pfahl gefesselt und bei lebendigem Leib verbrannt. Er hat gebetet und gesungen, bis seine Stimme in den Flammen und im Rauch erstickte.

Im Namen der Kirche und zum Ruhm ihrer Bischöfe - In der Chronik der Würzburger Bischöfe aus dem 16. Jahrhundert, hier der Echter-Chronik, wird der Triumph ihres dämonischen Wütens auch mit der Verbrennung des Gottesboten Hans Böhm illustriert. Zwei Bauern, die an das Prophetische Wort glaubten, hieben die Vasallen des Bischofs die Köpfe ab. Niemand sollte er mehr wagen, die Kirche und ihre "hohe Geistlichkeit" zu kritisieren. (Gemeinfrei nach Wikimedia Commons, http://fries.informatik.uni-wuerzburg.de/login/020dpi_jpeg_display/folio_2_0511r.html, uploaded by Hoss 2006)

Die nachträgliche Rufmordkampagne seiner Exzellenz Bischof Rudolf II. von Scherenberg, Fürstbischof von Würzburg

Um jedes Andenken an Hans Böhm auszurotten, wurde die Asche anschließend in den Main verstreut. Gegen die Kirche in Niklashausen wurde der Kirchenbann verhängt, und alles für die Kleriker brauchbare Inventar wurde von dort geraubt und in den Mainzer Dom verfrachtet. Die von den Pilgern für das Gemeinwohl gesammelten Wertsachen wurden ebenfalls geraubt, und die Beute wurde zwischen dem Bischof von Mainz und dem Grafen von Wertheim aufgeteilt. Die Menschen hatten in Niklashausen so viel zusammengelegt, dass mit diesem Raubgut bedeutende Baumaßnahmen an der Bischofsresidenz in Mainz vorgenommen werden konnten. (Die an den Raubmorden beteiligte Grafschaft Wertheim mit der Kirche in Michelrieth schloss sich ca. 50 Jahre später der Reformation an.) Als Unterstützer von Hans Böhm und Mitanführer wurde der Ritter Kunz von Thunfeld aus dem nahen Steigerwald und sein Sohn Michael ausgemacht, die zunächst fliehen konnten. Auf Bitten ihrer Verwandten ließ sie die bischöfliche Gerichtsbarkeit in Würzburg am Leben - allerdings nur unter der Bedingung, keine Rache zu üben, sich komplett zu unterwerfen und alle ihre Besitzungen dem Würzburg Hochstift im fürstbischöflichen Bistum zu übereignen. So also und so ähnlich entstand der Reichtum der Kirche, für den sie sich noch im 21. Jahrhundert jährlich mit Milliarden an Euro vom Staat angeblich "entschädigen" lässt, weil den katholischen Fürstbischöfen Anfang des 19. Jahrhunderts die Reichslehen entzogen wurden.

Die Verleumdungs- und Rufmordkampagne des Bischofs / Hans Böhm und der spätere Bauernkrieg

Um die Bevölkerung wieder in den kirchlichen Würgegriff zu bekommen und die Hinrichtung des prophetischen Künders im Nachhinein zu rechtfertigen, startete die Exzellenz Fürstbischof Rudolf II. von Scherenberg eine systematische Desinformations- und Rufmordkampagne gegen das Mordopfer, den im Nachhinein vor allem als "Narren" hingestellten Hans Böhm, mit dem Ziel, ihn der Lächerlichkeit preiszugeben und die riesige Bewegung aus dem Volk als von ihm verführt und aufständisch zu verleumden. Die spätere Geschichtsschreibung hatte Böhm deshalb gelegentlich auch als einen Vorläufer der 49 Jahre später einsetzenden und auf das Verlangen Martin Luthers hin nach wenigen Wochen im Jahr 1525 grausam niedergeschlagenen Bauernaufstände betrachtet (70.000 bis 100.000 ermordete Bauern, Familienangehörige und Unbeteiligte), obwohl Hans Böhm sich immer für einen friedlichen Wandel eingesetzt hatte.

Die offiziellen Denkmäler für die Mörder und das private Denkmal für ihr Opfer

Erst im Jahr 2001 setzte ihm der ehemalige Würzburger Oberbürgermeister Klaus Zeitler, der 1984 auch der Ansiedlung von Betrieben mit urchristlichen Zielen im Stadtteil Heuchelhof positiv gegenüberstand, am Hinrichtungsort auf dem Würzburger Schottenanger ein kleines privates Denkmal, das aber bei den offiziellen Stadtführungen zu den Denkmälern der Kirchenheiligen ignoriert wird. Ein offizielles Denkmal bekam er in Würzburg nie, lediglich dieses private genehmigte man. Ein Denkmal für Hans Böhm wurde auch in Helmstadt gestiftet, das ihn mit Flöte zeigt und ihn als "Pfeifer von Niklashausen, geboren in Helmstadt" bezeichnet, allerdings auch erst 2007, mehr als 500 Jahre nach seiner Ermordung.

Ein lebensgroßes Ehren-Denkmal aus Stein jedoch erhielt der Mörderbischof Rudolf II. von Scherenberg in seinem Geburtstort Frankenwinheim bei Gerolzhofen, dazu neben vielen anderen Verbrechern ein Grabmal im Würzburger Dom, von dem bekannten Bildhauer Tilman Riemenschneider gestaltet, eines der Ziele bei heutigen Stadtführungen in Würzburg. Und bis heute ist das Haupttor zum Eingang auf die Feste Marienberg in Würzburg das Scherenbergtor.
Auch der Lügen-Domherr und Bischofs-Stellvertreter Georg von Giech ist im Würzburger Dom begraben, und ihm wird dort ebenfalls mit einer monumentalen Grabplatte gehuldigt, die ihn mit Eucharistiekelch in der Hand zeigt.

Wie man den prophetischen Mahner zum "Sackpfeifer" und "Narren" machte und die Erinnerung ins Folkloristische zog

Nicht als Gottesmahner oder Prophet sollte er, wenn überhaupt, bis heute in Erinnerung bleiben, sondern so, wie er vor seinem öffentlichen Wirken mit Flöte und Pauke zum Tanze gespielt hatte, obwohl er zumindest die Pauke selbst verbrannt hatte, weil er sein Leben geändert hatte. So ging er auch als "Pauker" bzw. "Pfeifer von Niklashausen" in die Geschichte ein oder als "Pfeiferhannes" oder noch abwertender im Hinblick auf seine vielleicht noch kindliche Jugend als "Pfeiferhänslein" oder "Pfeiferhänsle".
Im Ort Niklashausen, heute zusammen mit dem benachbarten Gambach in Werbach eingemeindet, gibt es immerhin eine kleine "Pfeiferstube" bzw. ein "Pfeifermuseum" mit einigen Dokumenten, Gegenständen und Accessoires aus der damaligen Zeit. Allerdings sind nur Schriftstücke erhalten, die "ausschließlich von fürstlichen und geistlichen Amtsträgern mit grundsätzlich feindlichen Vorbehalten gegenüber Hans Böhm verfasst worden" (Wikipedia). Gegen ein geringes Eintrittsgeld kann sich der Interessierte in einem Nachbarhaus den Schlüssel für den Besuch des "Pfeifermuseums" ausleihen. Auch eine "Pfeiferhalle" gibt es im Ort und eine Pfeiferstraße, allerdings direkt neben einer Martin-Luther-Straße, und die Dorfkirche von Niklashausen ist seit der Reformation evangelisch. Die Gaststätte "Pfeiferhannes" in Wertheim trug eine Zeitlang ebenfalls diesen überlieferten ablenkenden Namen von Hans Böhm, womit man an ihn als "Pfeifer" statt als "Propheten" oder prophetischen Künder oder Mahner gedenkt oder statt als einen mutigen und gerechten jungen Mann mit einer Bedeutung, die weit über Niklashausen, Wertheim und Franken hinaus reicht, ja auch über Deutschland hinaus. Die Gaststätte wurde dann auch in den letzten Jahren umbenannt.
Gemäß den vorläufigen "Siegern" der Geschichte aufgrund von Raub, Mord und Kriegen wurde stattdessen das 8 km von Niklashausen entfernte Kloster Bronnbach zu einem Publikumsmagneten ausgebaut, mit einem Bernhardssaal zu Ehren des heilig gesprochenen Kreuzzugspredigers und Massenmörders Bernhard von Clairvaux (1090-1153), Vorläufer der päpstlichen Inquisition und in gewisser Weise auch der islamistischen Attentäter, der einst den Bau des Klosters angeregt hatte und der offenbar auch die grausamen Mörder von Hans Böhm inspiriert hatte, z. B. mit seinem Christus verhöhnenden Aufruf:
"Der Christ rühmt sich, wenn er einen Ungläubigen tötet."

Hans Böhm jedoch ist in der von der Kirche geprägten oder gesteuerten Überlieferung bis heute mit dem Makel eines musizierenden Narren behaftet und wird oft als so genannter "Schwärmer" verleumdet. Bereits 18 Jahre nach seiner Ermordung wurde er in dem bekannten Buch Das Narrenschiff von Sebastian Brant aus dem Jahr 1494 im Hinblick auf den zur Flöte zugehörigen Flötensack verspottet als "Sackpfeifer"; und so auch in einem Holzschnitt von Albrecht Dürer aus dem Jahr 1514. Das zeigt aber auch, wie gegenwärtig damals die prophetische Bewegung auch 20 bzw. 40 Jahre später noch war. Ihr Opfer, der prophetische Künder Hans Böhm ist jedoch mit der Zeit weitgehend in Vergessenheit geraten, ganz wie es die Vatikankirche wollte und will und nach ihr auch die Lutherkirche.
Diese kleine Untersuchung soll mithelfen, ihn zu rehabilitieren und ihm seinen gebührenden Platz zuzuweisen in der Geschichte der Befreiung der Völker von der Knechtschaft des dämonischen Systems und seiner irdischen Statthalter in Kirche und Staat.  
 


 

Der Text kann wie folgt zitiert werden:
Zeitschrift "Der Theologe", Herausgeber Dieter Potzel, Ausgabe Nr. 107, Ein prophetische Mahner aus dem Wertheimer Land, vom Würzburger Bischof ermordet, Wertheim 2019, zit. nach https://www.theologe.de/hans-boehm-pfeifer-von-niklashausen.htm, Fassung vom 17.5.2019,
Copyright © und Impressum siehe hier.

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Wahre Gottespropheten, von Abraham bis Gabriele

Das Kettenopfer
von Matthias Holzbauer, Dieter Potzel und Alfred Schulte

Sie wurden verhöhnt, verfolgt und oft grausam gefoltert, zu Tode gesteinigt, dem Hungertod im Kerker ausgeliefert, lebendig verbrannt …
und dennoch kamen sie immer wieder auf die Erde, um den Menschen das Ewige Wort des Einen Gottes, des Freien Geistes, zu bringen: die Gesandten Gottes aus dem Reich Gottes, Seine Propheten und Prophetinnen und viele gerechte Männer und Frauen.
Die größten Feinde der Wortträger Gottes waren und sind die Priestermänner, die bis heute mit allen nur möglichen Mitteln versuchen, das Wort des Freien Geistes, das Wort der Gottes- und Nächstenliebe auszulöschen. Das Leben aller Gottespropheten stellt im Wechsel der Zeiten ein einziges, Jahrtausende langes Kettenopfer dar – ein Opfer aus Liebe zu Gott für alle Menschen und Seelen und für die gesamte Schöpfung.

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