DER THEOLOGE
Nr. 105


Gewaltopfer der Priester: Wehrlose Kinder
und das Übel der Vertuschung und Verjährung

Das System der Verbrechen an Kindern und deren Vertuschung - doch Seelenmord verjährt nicht


In den USA, im Bundesstaat Pennsylvania, erstellte eine Anklagekammer eine Dokumentation über Vergewaltigungen und andere sexuelle Verbrechen von Priestern an Kindern und über deren Vertuschung durch die kirchlichen Obrigkeiten.
Seit Beginn des 21. Jahrhunderts häuften sich in vielen Ländern die Anklagen gegen Sexualverbrecher im Priestertalar. Ein einziger Priester in den USA hat allein 130 Jungen ab dem Alter von vier Jahren vergewaltigt und missbraucht. Doch seine Vorgesetzten vertuschten immer neue Schwerverbrechen des Würdenträgers, und sie versetzten den Amtsträger jeweils nur von einer Pfarrstelle in die nächste, wo er sich dann neue Kinder-Opfer suchte.
In dieser Ausgabe gehen wir im 1. Teil der Symptomatik bei diesen Verbrechen und deren Vertuschung nach: Warum wurden immer wieder Priester und kirchliche Würdenträger zu Verbrechern dieser Art? Und warum wurden und werden diese hochkriminellen Handlungen von der Vatikankirche immer wieder vertuscht und vor Strafverfolgung geschützt?
Im 2. Teil geht es speziell um die Situation in Deutschland nach der Veröffentlichung des von den Bischöfen selbst in Auftrag gegebenen Berichts über Sexualverbrechen der Priester in Deutschland.


 Teil 1
  1 - Päpstliche Bekundungen: "Alles nur Fassade" - Wie der Vatikan Schwerverbrecher hinter hohen Mauern vor der Polizei schützt

  2 - Kirche in Deutschland: Nicht wissen wollen, was geschehen ist

  3 - Der manipulierte, geschönte und unvollständige Bericht der Deutschen Bischofskonferenz 2018 - Dunkelziffer: 100.000 Opfer

  4 - "Vergewaltigungsphantasien" und "sexualsadistische Assoziationen" als Teil der priesterlichen Gedankenwelt - früher und heute

  5 - Sind die Gewaltphantasien über die Zeiten hinweg die gleichen geblieben?

  6 - Perverse Sexualphantasien der Kirchenlehrer und Kirchenheiligen

  7 - Bischof von Würzburg ließ 18 Schulknaben, ein blindes Mädchen, ein neunjähriges Mädchen  und ein noch jüngeres Schwesterchen bei lebendigem Leib verbrennen

  8 - Früher ließ Vatikan Chorknaben den Penis abschneiden, heute quälte man die Domspatzen

  9 - Katholische Bischöfe contra Polizei als Vertuscher und Wegbereiter neuer grausamer Sexualverbrechen an Kindern - FBI kommt Kirche auf die Spur

10 - Jede andere Organisation, die mit solchen Verbrechen belastet ist, würde längst vom Staat kontrolliert bzw. verboten

11 - Zehntausende Opfer und ein "globales Netzwerk, das Kriminelle versteckt"

12 - Die Kirche sei praktisch unantastbar

13 - Der schändliche Missbrauch des Namens Gottes und der "Seelenmord" als "das wirksamste Mittel, um einen Menschen zu zerstören"

14 - Professorin: Beichtstuhlverbot für Kinder und Jugendliche zu deren Schutz

15 - Hochrangige Amtsträger fordern Papst auf: Treten Sie zurück!

16 - Neue Vorwürfe gegen Franziskus von Opfern aus Argentinien: Als Erzbischof log er, vertuschte und ließ Opfer als Lügner beschimpfen

17 - Die Reaktion des Vatikan: "Annahme verweigert" - Einbruch bei Opfer und Belastungszeuge - Keine Wiedergutmachung

18 - "Jeder Papst spielt diese Rolle"

19 - Der massive Angriff auf Jesus, den Christus und auf Seine Botschaft der Gottes- und Nächstenliebe
 


Teil 1
1 - Päpstliche Bekundungen: "Alles nur Fassade" - Wie der Vatikan Schwerstverbrecher hinter hohen Mauern vor der Polizei schützt

Zu Beginn einige Beispiele aus der über 1300 Seiten starken im Jahr 2018 veröffentlichten Anklageschrift aus Pennsylvania, die Verbrechen aus der Zeit nach dem 2. Weltkrieg bis in die Gegenwart enthält, wie sie in vielen Medien nachzulesen waren: Ein siebenjähriges Mädchen liegt wegen einer Mandeloperation im Krankenhaus, als ein Priester über das Kind im Krankenbett herfällt und es vergewaltigt. Ein anderer Priester zwingt einen neunjährigen Jungen, ihn oral zu befriedigen. Danach "reinigt" er den Mund des Kindes, wie es heißt, mit Weihwasser. Ein Mädchen wird von einem Priester schwanger, der es anschließend zur Abtreibung zwingt. Mit den Worten "Es muss eine sehr schwere Zeit für sie sein" drückt der Bischof sein Mitgefühl aus (zeit.de, 15.8.2018) – aber nicht gegenüber dem Opfer, sondern gegenüber dem Täter, den er daraufhin auf eine andere Pfarrstelle versetzt. Ein ganzes Netzwerk von Priestern tauscht Kinderpornografie aus und reicht zur Vergewaltigung untereinander Jungen weiter, die weitaus häufiger zu Opfern werden als Mädchen.

Da die Kirche vielfach die freiwillige Herausgabe von Archivunterlagen verweigert hatte, ließen Ermittler einen großen Teil der Dokumente beschlagnahmen. Mühsam mussten die Details zusammengetragen werden, um sich einen Überblick zu verschaffen.
Das Ergebnis der Untersuchungen: Über 300 Priester werden allein in Teilen von Pennsylvania als Täter identifiziert, die Sexual-Verbrechen an über 1000 Kinder verübten. Die Ermittler gehen aber von einem Mehrfachen, das heißt, von mehreren Tausend Opfern aus, da man nur auf innerkirchliche Unterlagen und einige Zeugenaussagen zurückgreifen konnte, und weil viele der einst gequälten Kinder bis heute ihr Schicksal nicht öffentlich machten.
"Obwohl die Liste von Priestern lang ist – wir denken nicht, dass wir alle gekriegt haben", sagte der Generalstaatsanwalt von Pennsylvania (welt.de, 15.8.2018). Und der Justizminister des Landes zog aufgrund der Dokumente die Schlussfolgerung: "Die Kirche zeigte den Opfern völlige Verachtung". (spiegel.de, 15.8.2018)

Unter anderem wurden Mädchen im Alter von 1 ½ Jahren zu Opfern von Priestern. Bei älteren Kindern setzten die Amtsträger oft Alkohol und Betäubungsmittel ein, um sie sich sexuell untertan zu machen. Ein Pfarrer missbrauchte viele Jahre lang fünf Schwestern und legte währenddessen ein Archiv mit deren Urin und Menstruationsblut an. Und viele Beispiele mehr. "
Die Priester stigmatisierten die Opfer, sobald sie die Verbrechen gemeldet hatten. Sie leugneten Taten ihrer Brüder, obwohl sie ihnen bekannt waren. Pressemitteilungen der Kirche dokumentieren die Lügen." Und in einer internen Akte war folgende "Jubelnachricht" zu lesen: "´Schlimmer Missbrauchsfall. (Das Opfer) hat uns verklagt ... Wir haben gewonnen.` Das Kind war sieben Jahre alt." (faz.net, 8.9.2018)

Papst Franziskus nannte die Inhalte der Anklageschrift aus Pennsylvania "beschämend und traurig" (stern.de, 17.8.2018), doch er bot den Opfern, deren "Vergebung" er sich erhofft, weder eine Form der "Entschädigung" noch Wiedergutmachung an. Passend dazu wird dem Papst, so zum Beispiel von einer deutschen Tageszeitung, Nachsicht mit vertuschenden Bischöfen vorgeworfen. Über seine Bekundung, angeblich "Null-Toleranz" zu üben, heißt es deshalb: "Alles nur Fassade." (Nordwestzeitung, 31.7.2018)

So gilt im Vatikan auch weiterhin das 1962 erlassene und erst im Jahr 2001 vom damaligen Kardinal Joseph Ratzinger bekräftigte päpstliche Geheimhaltungsgebot bei Androhung der Exkommunikation, wenn es ein innerkirchliches Verfahren gegen einen pädophilen Priester gibt. Die bekannte deutsche Theologin Prof. Dr. Uta Ranke-Heinemann nennt diese päpstliche Anordnung eine "totale Justizbehinderung für die staatlichen Behörden" (NRW 2 auf SAT 1, Oktober 2007). Und genau darum ging und geht es bis heute. Die Geheimhaltung bezieht sich vor allem auf die Polizei und die Strafverfolgungsbehörden weltweit. Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung schreibt dazu:
"Alle Fälle, die bekannt wurden, weil die Opfer sich meldeten, wurden dem Vatikan übergeben – und dort begraben. Die Akten sind der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Auch die Strafverfolgungsbehörden kommen nicht ran. Die Ermittler in Irland, die mit staatlichem Auftrag Kindesmissbrauch in irischen Bistümern untersuchten, fragten mehrfach in Rom an. Vergeblich. Der Vatikan weigerte sich, die Unterlagen herauszugeben. Er ist ein souveräner Staat, umgeben von hohen Mauern. Niemand kann ihn zwingen." (9.9.2018)
Gleichzeitig wird den Opfern und ihren Angehörigen, zum Beispiel den Eltern, vom Vatikan unter Androhung angeblich ewiger Höllenstrafen verboten, zur Polizei zu gehen. Auch heute noch, denn Papst Franziskus hat das päpstliche Geheimhaltungsgebot nicht angetastet. Und er weiß wohl, warum. Allein 3500 pädokriminelle Hochwürden hat der Vatikan eigenen Angaben zufolge zwischen 2001 und 2010 so unter die Obhut eigener Geheim-"Verfahren" genommen und der staatlichen Justiz gezielt entzogen - bis dahin, dass Staatsanwaltschaften nicht einmal eine Antwort bekommen haben.

2 - Kirche in Deutschland: Nicht wissen wollen, was geschehen ist

Tatsache ist: In keinem anderen Verein der Welt durften so fortgesetzt und so scheußlich Verbrechen an wehrlosen Opfern begangen werden, ohne dass der Täter dafür belangt wird. Jede andere Organisation, die mit solchen Verbrechen belastet ist, würde längst schon von der staatlichen Gewalt kontrolliert und verboten werden. Und dass es um das ganze System Kirche geht, darauf zielen auch die Worte des vermeintlich "unabhängigen" Missbrauchsbeauftragten der deutschen Bundesregierung, Johannes-Wilhelm-Rörig. Der CDU-Politiker warnt, wenn auch mit vorsichtigen Worten: "Es sind nicht nur Einzelfälle oder Einzeltäter - es sind immer auch strukturelle Probleme, die sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen ermöglichen". Und weiter: "Diesen Strukturproblemen muss sich die katholische Kirche auch in Deutschland stellen" (fr.de, 17.8.2018). Immerhin eine Aufforderung an die Kirche, so könnte man meinen, denn für ein Kirchenmitglied, das vermutlich auch er ist (denn sonst wäre er nicht in diese Position gekommen), gibt es keine wirkliche "Unabhängigkeit", sondern die Vatikankirche verlangt von allen Mitgliedern unter Androhung des Verlustes des Seelenheils, der Kirche und ihren Interessen zu dienen.
Dass es aber nur ein "frommer" Wunsch des staatlichen Missbrauchsbeauftragten ist, zeigt der bisherige Verlauf der Verbrechensaufarbeitung in Deutschland - wenn zum Beispiel der "Missbrauchsbeauftragte" der Deutschen Bischofskonferenz Seine Exzellenz Dr. Stephan Ackermann einmal beschwichtigend erklärte, man könnte die Verbrecher ja nicht zu "Unmenschen" erklären. Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung zieht daraus die Schlussfolgerung: "
So ist das überall in der katholischen Kirche, und ganz besonders im Vatikan. Anstatt die Täter anzuzeigen und sämtliche Akten den Ermittlungsbehörden zu übergeben, fühlt man sich ihnen verpflichtet." (9.9.2018; faz-net, 8.9.2018)

Die Lösung gemäß der staatlichen Gesetze wäre also sehr einfach: Die Unterlagen über die Verbrechen den staatlichen Ermittlungsbehörden übergeben, so dass die Straftäter im Priestertalar auch in diesem Land vor Gericht müssen und anschließend genauso hinter Gitter kommen würden wie Täter, die keine Priester sind, eventuell mit anschließender Sicherungsverwahrung, falls von den Triebtätern nach Einschätzung von Richtern und neutralen Gutachtern weiterhin eine große Gefahr für Kinder ausgehe. Und nicht ein angenehmes Leben in "Buße" auf Urlaubsreisen mit der "Haushälterin" oder im Kloster oder katholischen Ordenshaus. Doch davon ist Deutschland weiter entfernt als fast alle anderen Länder.

3 - Der manipulierte, geschönte und unvollständige Bericht der Deutschen Bischofskonferenz vom September 2018 - Dunkelziffer: 100.000 Opfer

"In Amerika ist vieles öffentlich einsehbar, es sei denn, es ist ausdrücklich geheim. In Deutschland ist es umgekehrt. Es ist erst mal alles geheim, es sei denn, es ist freigegeben. Kirchenakten sind nicht einsehbar, fallen nicht unter das Informationsfreiheitsgesetz." (faz.net, 8.9.2018)
Die Situation in Deutschland beschreibt Sabine Andresen, Vorsitzende der staatlichen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs des weiteren wie folgt: "Man kann nach wie vor sagen, dass die Kirche erst dann Aufarbeitung betreibt, wenn der öffentliche Druck groß ist. Bisher ist nicht zu sehen, dass alle Ebenen der Kirche wirklich wissen wollen, was geschehen ist und was zu diesen Taten geführt hat". (fr.de, 17.8.2018)
Vor allem die von der Deutschen Bischofskonferenz intern eingesetzte Untersuchungskommission, die Ende September 2018 ihren Bericht vorstellt, stand und steht in diesem Sinne unter Kontrolle der Bischöfe. "
Das wahre Ausmaß der sexualisierten Gewalt in der katholischen Kirche erfasse der Bericht aber bei Weitem nicht", schreibt die Süddeutsche Zeitung (sueddeutsche.de, 15.9.2018) und klärt auf, dass die Kommissionsmitglieder nur Bitten an die Kirchen richten durften. "Es gab keinen direkten Zugang zu den kirchlichen Personalakten; die Forscher drückten Kirchenmitarbeitern Fragebögen in die Hand, die gingen dann das Archiv durch."
Dem im Jahr 2011 zunächst mit der Studie beauftragten Kriminologen Dr. Christian Pfeiffer wurde der Auftrag 2013 von den Bischöfen wieder entzogen.
Das Projekt sei "an den Zensur- und Kontrollwünschen der Kirche gescheitert", so der ehemalige Justizminister Niedersachsens und Leiter des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsens (sueddeutsche.de, 8.1.2013). Einmal mehr hofft die Kirche also, die Kontrolle über die Schwerverbrechen in ihren Reihen - unabhängig von der staatlichen Justiz, die für alle anderen Bürger Deutschlands gilt - behalten zu können, auch darüber, was sie zugibt und was geheim bleiben soll. Was veröffentlicht wird, ist also höchstens die Spitze des Eisbergs. Und das sind, wie am 12.9.2018 vorab bekannt geworden: 1670 pädokriminelle Priester in Deutschland als absolutes Minimum, also plus ein sehr großes X, weit darüber hinaus. Es wurden 3677 Opfer identifiziert. "Als Dunkelziffer steht eine 100.000 im Raum." (spiegel.de, 27.9.2018)
In der Diözese Boston in den USA waren es anfangs auch erst ca. neun Verdächtige, schließlich wurden über 200 überführt. Und in Deutschland hatten die Autoren, wie gesagt,
"keinen Zugriff auf Originalakten der katholischen Kirche". Und weiter: "Die Verfasser der Studie verhehlen nicht, dass in mindestens zwei Bistümern Akten manipuliert und vernichtet wurden," so schreibt spiegel.de (12.9.2018). Der neuerliche Vertuschungs-Skandal ist  also schon vor der offiziellen Vorstellung der zensierten Zeilen durch die Bischöfe offensichtlich. Spiegel.de weiter: "Sexualstraftaten, die in Ordensgemeinschaften verübt wurden - etwa im Canisius-Kolleg oder dem Benediktinergymnasium Ettal - sind nicht in den Bericht eingeflossen. Dasselbe gilt für Vorfälle in Kinderheimen, die von der Kirche betrieben werden, oder Übergriffe von kirchlichen Seelsorgern in nichtkirchlichen Einrichtungen. Auch die 500 Opfer körperlicher und sexueller Gewalt bei den Regensburger Domspatzen blieben außen vor. Auf Berichte von Sexualstraftaten in deutschen Diözesen, die direkt der Glaubenskongregation in Rom gemeldet wurden, hatten die Wissenschaftler keinen Zugriff."

Der Bischof Stephan Ackermann ist "empört" (z. B. focus.de, 12.9.2018), aber nicht wegen der Schwerverbrechen seiner "Mitbrüder" an wehrlosen Kindern und der trickreichen weiteren Vertuschungs-Strategie seiner Organisation, sondern wegen der Vorab-Veröffentlichung einiger Inhalte, die man nun zensiert der Öffentlichkeit präsentiert. Deshalb legt auch der von der Kirche 2013 entlassene Jurist Dr. Christian Pfeiffer nach: "Der Täterseite die Datenanalyse zu übertragen, geht gar nicht" (spiegel.de, 12.9.2018). Aber genau das liegt zugrunde. Denn, wie gesagt: Das oberste Prinzip der Kirchenmänner ist hier weiterhin, die völlige Kontrolle über das Thema behalten zu wollen, wie bisher auch. Durch die Vorab-Veröffentlichung einiger Inhalte war man nun genötigt, schon vor deb geplanten Termin zu sagen, dass das Ergebnis der Studie "bedrückend und beschämend" sei, und man konnte keine weiteren 14 Tage an Wortkonstruktionen feilen, die man zuerst dazu sagen wollte.

Dass es bei diesem Thema auch um "Strukturprobleme" geht oder, anders ausgedrückt, um die Schuld der Institution Kirche als Arbeitgeber der Priester, das macht auch die Stellungnahme des Papstes in Rom deutlich. Als eine Hauptursache für die Verbrechen benennt Franziskus nämlich den "Klerikalismus" (welt.de, 20.8.2018). Und diesen so genannten "Klerikalismus", bei dem die Gläubigen zum Priester ehrfurchtsvoll emporschauen anstatt ihn zu behandeln wie jeden anderen Menschen auch,  den gibt es auf der ganzen Welt. Denn Kleriker, was nur ein anderes Wort für Priester ist, sind ja auf allen Kontinenten tätig sind, und von überall her häufen sich auch die Anklagen gegenüber Priestern, die Kinder vergewaltigten. Passend dazu schreibt auch die Anklagekammer in Pennsylvania am Beginn ihrer Dokumentation: "Viele hätten gedacht, das könne nur anderswo geschehen, fernab. Doch nun ´wissen wir die Wahrheit: Es geschah überall`." (nzz.ch, 16.8.2018)

4 - "Vergewaltigungsphantasien" und "sexualsadistische Assoziationen" als Teil der priesterlichen Gedankenwelt - früher und heute

Das bedeutet: Die Anklageschrift mit über 300 identifizierten Priester-Verbrechern aus einem Teilbereich eines US-amerikanischen Bundesstaates enthält nur einen winzigen Bruchteil der weltweit begangenen Straftaten von Priestern an Kindern. An Einzelschicksalen aus dieser Region macht sie beispielhaft deutlich, was hochgerechnet hunderttausendfach und mehr geschah. Demgegenüber gab es bis dahin über so genannte Kleriker und über Klerikalismus vor allem allgemein gehaltene Studien, die aber ebenfalls wenig positiv ausgefallen waren, vor allem beim Thema "Sexualität und Gewalt".
So charakterisiert der bekannte Psychotherapeut und ehemalige katholische Theologieprofessor Dr. Eugen Drewermann in seinem Buch Kleriker die Mentalität unter den Priestern am Beispiel ihrer Frömmigkeit bei der katholischen Marienverehrung. Drewermann spricht von "kastrativem Sexualverlangen, Vergewaltigungs- und Entjungfernungsphantasien, Strafängsten und sadistischen Gegenbesetzungen", verknüpft mit "sexualsadistischen Assoziationen". (Kleriker, S. 512, Olten 1989, S. 512)

Beim Stichwort "sexualsadistische Assoziationen" der Priester denkt man fast zwangsläufig auch an Verhörmethoden im Mittelalter und in der Neuzeit gegenüber Männern und Frauen, die sich die damaligen Priester ausgedacht haben. Zu den Methoden der katholischen Inquisition gehörte auch, den Opfern an ihren Geschlechtsteilen starke Schmerzen zuzufügen. Dabei ging es oft so grausam zu, dass diese Folter den Tod verursachte. Mit der sogenannten "vaginalen Birne" wurde den Frauen zum Beispiel die Gebärmutter und die Eingeweide zerrissen. Brüste wurden mit eisernen Krallen zerfleischt, während ihre Kinder noch zu ihren Füßen saßen und dabei zusehen mussten. Andere Opfer ließ man stundenlang auf scharfkantigen Hölzern sitzen, um die Hoden oder die Vagina und den After zu foltern. Und, um die Schmerzen noch grausamer zu machen, band man zusätzlich schwere Gewichte an die Füße der Opfer.
Sexueller Sadismus prägte auch die katholische so genannte Seelsorge
. So ließ der bekannte Beichtvater Konrad von Marburg, für Papst Gregor IX. der "Brautführer der
Kirche", die deutliche jüngere Königstochter Elisabeth von Thüringen ausziehen, und er schlug mit der Peitsche auf ihren nackten Körper ein, um sie komplett seinen kirchlichen Anweisungen zu unterwerfen.

Bild rechts: Gemälde von Philip Hermogenes Calderon (1833-1898) - Völlige Unterwerfung Elisabeths unter die Kirche 1228 in Gegenwart von Konrad von Marburg und von zwei Nonnen. Konrad schlug auch mit der Peitsche auf die nackte Elisabeth zur Buße für ihr "Sünden" ein. (Gemälde gemeinfrei nach Wikimedia Creative Commons. Public Domain in den USA (http://commons.wikimedia.org/wiki/Template:PD-US))


Und so gab und gibt es Abstufungen sexualsadistischer Praktiken aller Art, von sexuell geprägten Hinrichtungs- und Foltermethoden und Beichtqualen früherer Zeiten bis hin zu Praktiken beim Kindsmissbrauch in unserer Zeit.

 5 - Sind die Gewaltphantasien über die Zeiten hinweg die gleichen geblieben?

Wenn Kinderschändungen durch Priester heute "auf teilweise bestialische Art und Weise" geschehen sind, so die Augsburger Allgemeine Zeitung (augsburger-allgemeine,de, 21.8.2018) und wenn selbst der Papst in Pennsylvania "Gräueltaten" zugegeben hat (welt.de, 20.8.2018), dann kann man auch die Frage stellen: Sind die Gewaltphantasien der Täter über die Zeiten hinweg nicht die gleichen geblieben, auch wenn sie sich heute ein anderes Ventil suchen? Letztlich waren die Foltermethoden des Mittelalters und der Neuzeit auch nichts anderes als sadistische, perverse und sexuell motivierte Handlungen, so wie heute der Missbrauch an Kindern.
Wer eine solche Bilder- und Vorstellungswelt in sich trägt, eventuell aus Handlungen in vergangenen Inkarnationen, und wer diese auszuleben versucht, sucht sich in unserer Zeit also womöglich nur andere Opfer.

Rechts: Die Broschüre Das Priesterjahr ist gratis über info@theologe.de erhältlich. Darin sind auch Erfahrungen mit Opfern enthalten, die ein Kinderpsychiater und eine Sozialarbeiterin gemacht hat. Der Text kann auch im Internet gelesen werden.

So genannte Hexen band man früher oft an Kreuze, ganz ähnlich wie einen Jungen in Pennsylvania in jüngerer Zeit, der sich ausziehen und die Pose des Gekreuzigten einnehmen musste. Seine Peiniger, und es waren mehrere pädophile Priester, haben ihn dann nacheinander - als Beginn der sexuellen Prozeduren – in dieser Stellung fotografiert. Kindern, die sie sexuell gefügig machen konnten, hingen die Amtsträger zum Lob goldene Kreuze um den Hals. Das Goldkettchen um den Hals eines Jungen markierte ihn dann als einen, mit dem man Sex haben konnte.

Von Papst Sixtus V. wird berichtet, wie er 1586 versuchte, Grausamkeiten nach seinem Geschmack noch mit allerlei Beiwerk zu garnieren. So ließ er einmal eine Mutter hinrichten, die beschuldigt wurde, ihre Tochter an einen Liebhaber verkuppelt zu haben. Das junge Mädchen musste zur Hinrichtung ihrer Mutter den Schmuck anlegen, den ihr der Liebhaber geschenkt hatte und sie musste, so eingekleidet, auch noch eine weitere Stunde unter dem Galgen ausharren, während die Leiche der Mutter neben ihr am Strick hing. (Ute Ranke-Heinemann, Eunuchen für das Himmelreich, Hamburg 1988, S. 257 f.)

Dass die Opfer heute andere sind, hat mit der Gesetzgebung zu tun. In der Gegenwart haben kirchliche Amtsträger nicht mehr weitgehend freie Hand gegenüber ihren Opfern wie in den Zeiten der früheren Inquisition, wo sie selbst die Gesetze kontrollieren konnten und straflos zum Beispiel Männern die Geschlechtsorgane foltern oder ganz abtrennen konnten. Da das Zufügen körperlicher Schmerzen und Ausleben perverser Obszönitäten und Gewaltphantasien heute vielfach illegal ist, ergibt sich von daher automatisch die Praktik des Vertuschens. Als man im Umfeld der Täter früher die unumschränkte Macht hatte, sogar über Leben und Tod, war keine solche Vertuschung notwendig, weil einen niemand zur Rechenschaft zog.
Früher ließen gewalttätige Priester der Kirche Gottespropheten umbringen, gottgesandte Männer und Frauen und ganze urchristliche Bewegungen wie Manichäer, Bogumilen, Katharer. Sie wurden bis zum letzten Kind und Säugling umgebracht. Heute leben sie Gewaltphantasien und sexuellen Abartigkeiten an wehrlosen Kindern aus, ob es Ministranten sind, Kinder in kirchlichen Jugendgruppen, Kirchenchören oder im Verwandten- und Freundeskreis der Täter bis hin zu Kleinkindern.
So nannte der Beauftragte der Bundesregierung die Geschehnisse im US-Bundesstaat Pennsylvania auch, ich zitiere, "ein weiteres grausiges Beispiel dafür, mit welcher Ohnmacht Kinder der immensen sexuellen Gewalt katholischer Ordensträger ausgesetzt gewesen seien". (spiegel.de, 17.8.2018)

Und man könnte ergänzen: So wie heute, so auch schon damals. Peter de Rosa, ehemaliger Priester und vormals Dekan der katholischen Fakultät an einem College in London, schrieb über die Priester und Ordensmänner der Dominikaner, die im Mittelalter führend bei der Verfolgung von Urchristen und anderen Andersdenkenden waren: "Sie waren es gewöhnt, sich selbst Schmerzen zuzufügen, und sie hatten eine geistliche Sehnsucht danach, anderen Schmerzen zuzufügen." (Peter de Rosa, Gottes erste Diener, München 2002, S. 205 f.)
So mancher Priester begab sich in eine Therapie, wie auch berichtet wird, doch die Anklagebehörde in Pennsylvania/USA kritisierte in ihrem Bericht ausdrücklich, dass die Vatikankirche des Kindsmissbrauchs angeschuldigte Priester jeweils an psychiatrische Einrichtungen überwiesen hatte, die von ihr selbst betrieben wurden und deren Milieu ja die Verbrechen überhaupt erst gefördert hatte.

6 - Perverse Sexualphantasien der Kirchenlehrer und Kirchenheiligen

Diese Kritik an solchen innerkirchlichen Maßnahmen wird noch verständlicher, wenn man sich mit den Vorbildern dieser Religion näher beschäftigt, vor allem den Kirchenheiligen, und hier wiederum mit den beiden am meisten verehrten Kirchenlehrern, Augustinus und Thomas von Aquin.
Sucht ein pädophiler Priester nämlich Rat bei diesen Kirchenheiligen, was ja offiziell als Teil des "Glaubenslebens" immer wieder empfohlen wird, kommt er sprichwörtlich vom Regen in die Traufe, und womöglich gleitet er in noch tiefere Abgründe perverser Phantasien hinab.
So phantasiert Kirchenvater Augustinus über die Größe des Gliedes des Teufels, das stets erigiert und übergroß sei. Und Thomas von Aquin schult die Katholiken auch darin, wie sie sich den Geschlechtsakt zwischen Teufel und Menschen vorstellen können. Der Teufel könne sich laut dem Kirchenlehrer in weiblicher Verkleidung unter einen Mann legen, mit diesem sexuell verkehren und dabei seinen Samen empfangen. Anschließend kann er sich in einen Mann verwandeln, eine Frau verführen und in diese dann den von ihm eben aufgenommenen männlichen Samen einführen. (Hubertus Mynarek, Die neue Inquisition, Marktheidenfeld 1999, S. 51 f.)

Umso befremdlicher für Außenstehende wirken vor diesem Hintergrund die Aussagen von Papst Benedikt XVI., die er in seinem Buch Licht der Welt niederschrieb, ich zitiere: "Ich rufe auch die Heiligen an. Ich bin mit Augustinus, mit Thomas von Aquin befreundet. Man sagt dann auch zu solchen Heiligen: ´Helft mir!" (Benedikt XVI., Licht der Welt, Freiburg 2010, S. 32)
Auch wenn der Papst an dieser Stelle nicht explizit über die Sexuallehren der Kirchenheiligen spricht, betont er damit auf seine Weise eine Kontinuität zwischen Vergangenheit und Gegenwart in seiner Religion.
Die obszönen Vorstellungen dieser Kirchenlehrer waren außerdem keine bloßen Theorien, die auch heutigen Katholiken abartig erscheinen mögen. In dem Werk Der Hexenhammer, das in Europa in der Neuzeit zur Grundlage für Tausende von Folterungen und Ermordungen wurde, entwickelten die Autoren, zwei Dominikaner-Mönche, die Sexuallehre von Thomas von Aquin weiter, indem sie ausführten: Der Teufel verfüge eigens über eine Frisch- bzw. eine Wärmevorrichtung, um den Samen von einem Geschlechtsakt zum nächsten zu transportieren.

Und Papst Innozenz VIII. baute im 15. Jahrhundert seine kirchenamtliche päpstliche Lehrverkündigung ebenfalls darauf auf und unterstellte allen so genannten Ketzern, wozu auch die Urchristen aller Jahrhunderte gehören, sie würden solche sexuellen Praktiken mit dem Teufel auch vollziehen, obwohl sie der Kirchenlehrer Thomas von Aquin in seiner klerikalen Phantasie nur erfunden hatte. Die Folgen für die zu Unrecht mit diesen wahnhaften Sexual-Phantasien der Priester Beschuldigten waren Todesstrafen, oder wie es mit einem gewissen Zynismus in manchen Lexika heißt: "Innozenz VIII. wurde bekannt durch die Förderung von Inquisition und Hexenverfolgung." (zit. nach Wikipedia - Stand: 31.8.2018)
Und mit diesen Männern, ob es nun Augustinus, Thomas von Aquin oder Papst Innozenz VIII. sind, müssen sich im staatlich finanzierten (!) katholischen Theologie-Studium heute auch jene Männer beschäftigen, die in der jüngeren Vergangenheit bald zu Tausenden Kinder vergewaltigten.

7 - Bischof von Würzburg ließ 18 Schulknaben, ein blindes Mädchen, ein neunjähriges Mädchen  und ein noch jüngeres Schwesterchen bei lebendigem Leib verbrennen

Und die eigenen Kirchengeschichte bietet den Priestern auch weiteres "Anschauungsmaterial" für Grausamkeiten gegenüber Kindern.
So ließ der bekannte Würzburger Bischof Adolf von Ehrenberg noch im 17. Jahrhundert Kinder ermorden, die er der "Hexerei" beschuldigte. Während er in der katholischen Überlieferung dafür gelobt wird, ein neues Gesangbuch eingeführt zu haben, ließ er auf einem anderen Feld seiner bischöflichen Tätigkeit im benachbarten Gerolzhofen einen Verbrennungsofen bauen, damit die Ermordungen seiner Mitmenschen, die er der Hexerei bezichtigte, schneller möglich war. Und hierbei wurden eben auch Kinder nicht verschont. So ließ Exzellenz Adolf von Ehrenberg bei lebendigem Leib verbrennen: "18 Schulknaben, ein blindes Mädchen, ein neunjähriges Mädchen und sein noch jüngeres Schwesterchen." (zit. nach Das Kettenopfer, S. 329)
Und wer heute in den Würzburger Dom gehen möchte, um dort seine Religion zu praktizieren, so wie die Priester dieser Region, der kann dies gleich in den Kirchenbänken neben dem Grabmal von Bischof Adolf von Ehrenberg tun, der dort in knieender Gebetshaltung in Stein gehauen wurde. Und zeitweise waren es in den letzten Jahren gerade in dieser Diözese nahezu ein Dutzend beschuldigter Kirchentäter, denen man sexuelle Verbrechen oder Vergehen an Kindern vorhielt.

Betrachtet man den Bogen von der Inquisition früherer Jahre bis in die von Kinderschänder-Verbrechen durch Priester unserer Zeit geprägte moderne Kirchengeschichte, dann passen dazu die Worte des Religionswissenschaftlers Prof. Dr. Hubertus Mynarek von einer, ich zitiere, "bis in die Gegenwart hineinreichenden Obsession vieler Menschen von einer ganzen Flut mannigfaltigster sexueller Vorstellungen, perversester Obszönitäten und schlimmster ekklesiogener Neurosen." (Die neue Inquisition, Marktheidenfeld 1999, S. 51)

8 - Früher ließ Vatikan Chorknaben den Penis abschneiden, heute quälte man die Domspatzen

So wurden in den letzten Jahren auch ca. 700 Schand- und Gewalttaten an den Jungen der Regensburger Domspatzen aufgedeckt, wobei auch hier die Tradition der Kirche ein Beispiel für sexuell abartige Vorstellungen der speziell kirchlichen Art bietet.
Im Bereich der Kirchenmusik führte die Romkirche im 16. Jahrhundert nämlich die so genannten Kastratenchöre ein. Dazu wurden den Knaben, oftmals Waisenkinder, vor dem Stimmbruch die Hoden und manchmal auch gleich der Penis mit einen Messer abgeschnitten, was ein großer Teil nicht überlebte, vor allem durch nachfolgende Infektionen. Diejenigen, die diese brutale Tortur überlebten, mussten ein entsprechend elendes Leben führen. Sie behielten ihre hohen vorpubertären Stimmen, wurden aber nur bei entsprechender Singleistung in den Vatikan-Chor aufgenommen. Als Kastraten oder Eunuchen mussten sie den Rest ihres Lebens die katholische Geistlichkeit und deren Anhänger mit frommen Gesängen unterhalten. Und sie bekamen darüber hinaus, wie die Priester selbst, Eheverbot. Erst im Jahr 1924 starb der letzte Kastrat des Petersdoms in Rom, nachzulesen in vielen Quellen zu diesem Thema.

Zusammenfassend kann man noch einmal wiederholen: Letztlich waren die kirchlichen Folter- oder Drangsalierungsmethoden früherer Epochen auch nichts anderes als sadistische, perverse und sexuell motivierte Handlungen, ähnlich wie die Kinderschänderverbrechen heutiger Priester. Geändert hat sich allerdings der Umgang damit. Fakt ist: In unserer Zeit vertuschen sie Verbrechen, während die Schandtaten an unschuldigen Mitmenschen früher nicht vertuscht werden mussten. Denn damals waren sie Ausdruck ihrer totalitären Gewaltherrschaft gewesen und als solche von diesem Herrschaftssystem legitimiert.

9 - Katholische Bischöfe contra Polizei als Vertuscher und Wegbereiter neuer grausamer Sexualverbrechen an Kindern - FBI kommt Kirche auf die Spur

In dem Bericht der Geschworenen der Anklagekammer aus Pennsylvania aus dem Jahr 2018 steht zu lesen: "Priester haben kleine Jungen und Mädchen vergewaltigt, und die Männer ..., die die Verantwortung trugen, haben nicht nur nichts getan, sie haben es auch noch gedeckt. Jahrzehntelang." (saarbruecker-zeitung.de, 15.8.2018)
So wurde beispielsweise Pastor Ernest Paone, der wegen sexueller Gewalt an Kindern wiederholt ins Zentrum innerkirchlicher Ermittlungen geriet, unter allen möglichen Vorwänden versetzt. Und der Erzbischof und Franziskus-Freund Donald Wuerl, Exzellenz von Washington, zählt zum Kreis der Bischöfe, die sich für Paones Tauglichkeit als Seelenhirte verbürgten. Der bekannte Erzbischof leitete von 1988 bis 2006 das Erzbistum Pittsburg, einen der Verbrechens-Schwerpunkte in Pennsylvania. Nach massivem Druck von außen ist er zwar im Oktober 2018 offiziell zurück getreten, nachdem er "Fehleinschätzungen" und "Unzulänglichkeiten" eingestanden habe, bleibt aber als so genannter "Administrator" und damit sein eigener Vertreter als Erzbischof vom Washington erst einmal weiterhin im Amt.
Die Verfasser des Reports auf den USA zitieren auch eine interne Anweisung anlässlich solcher Versetzungen wie unter Bischof Wuerl - wörtlich: "Sagt den Gemeindemitgliedern, er sei wegen Krankheit beurlaubt oder habe einen Nervenzusammenbruch erlitten. Oder sagt am besten nichts" (saarbruecker-zeitung.de, 15.8.2018). Es habe ein ausgeklügeltes Drehbuch zur Vertuschung der Wahrheit gegeben, so die Schlussfolgerung von Josh Shapiro, dem Generalstaatsanwalt von Pennsylvania.

Die Neue Zürcher Zeitung schreibt zu der Vertuschungspraxis der Vatikankirche, die auch in Pennsylvania angewandt wurde: "Dies sei der Grund dafür, dass die meisten Fälle des Missbrauchs verjährt seien. Laut kanonischem Recht habe jede Diözese ein geheimes Archiv zu führen, dessen Schlüssel der Bischof verwahre. Dort seien Angaben über mutmassliche oder tatsächliche Fälle versteckt worden. Dieses Vorgehen sei so systematisch gewesen, dass es dem FBI aufgefallen sei. Das FBI rekonstruierte ein Muster, wie die Kirche handelte. Demnach ging es primär darum, zu verhindern, dass die Polizei von Anschuldigungen Wind bekam. So bestand die Sprachregelung, in internen Dokumenten klare Begriffe zu umgehen, nicht von ´Vergewaltigung` zu schreiben, sondern von ´nicht angemessenem Verhalten` oder ´Grenzproblemen`." (nzz.ch, 16.8.2018)
Diese Aussagen sollte man in ihrem Kern noch einmal deutlich herausstellen: Die Kirche vertuschte, damit die Verbrechen ihrer Amtsträger verjähren und sie nicht dafür zur Rechenschaft gezogen werden.
Und die Neue Zürcher Zeitung schreibt weiter: "Falls ein Priester wegen Kindsmissbrauchs versetzt werden musste, habe die Kirche über die Gründe Stillschweigen bewahrt, die Schäfchen am neuen Ort unwissend gelassen und neuen Missbrauch ermöglicht."

10 - Jede andere Organisation, die mit solchen Verbrechen belastet ist, würde längst vom Staat kontrolliert bzw. verboten

Liebe Leserinnen, liebe Leser, und ist dieser kirchenamtliche Schutz der Täter, so dass sich diese immer neue Opfer suchen konnten, nicht ebenfalls hochgradig kriminell? Und es geschah nicht nur dieser Region. Sondern, wie es in der Anklageschrift aus diesem US-amerikanischen Bundesstaat schon heißt: "Doch nun ´wissen wir die Wahrheit: Es geschah überall`."
So kann man an dieser Stelle nur noch einmal wiederholen: In keiner anderen Organisation der Welt durften so fortgesetzt und so scheußlich Verbrechen an wehrlosen Opfern begangen werden, ohne dass der Täter dafür belangt wird. Jede andere Organisation, die mit solchen Verbrechen belastet ist, würde längst schon von der staatlichen Gewalt kontrolliert bzw. verboten werden.

Stattdessen konnte es sich die Papstkirche an ihren höchsten Stellen sogar leisten, dieses wohl von allen Staaten der Welt als kriminell strafrechtlich verfolgte Verhalten auch noch als vorbildlich hinzustellen. Als nämlich ein französischer Bischof einen Kinder-Serienvergewaltiger im Priestertalar deckte und seine grausamen Verbrechen vertuschte und dafür in Frankreich zumindest zu einem Jahr Gefängnis auf Bewährung verurteilt wurde, erhielt der Bischof dafür von Kardinal Hoyos aus Rom in Absprache mit dem damaligen Papst Johannes Paul II. höchstes Lob, wörtlich: "Sie haben gut gehandelt und ich freue mich über einen Bischofskollegen, der in den Augen der Geschichte und aller anderen Bischöfe auf der Welt das Gefängnis dem Verrat an einem Priesterbruder vorgezogen hat.  Der Heilige Vater erlaubte mir, diesen Brief an alle Bischöfe in der Welt zu schicken und wir stellten ihn auch ins Internet." (ntv.de, 18.4.2010)
Der Bischof wurde also aus dem Vatikan dafür gelobt, dass er den Serien-Vergewaltiger nicht an die Polizei "verraten" hatte, so die Sprachregelung, und dass er dafür in Kauf nahm, von der staatlichen Justiz wegen Vertuschung und Begünstigung weiter Verbrechen belangt zu werden. Soweit also die Strategie des Vatikans unter dem Kirchenheiligen Papst Johannes Paul II.

11 - Zehntausende Opfer und ein "globales Netzwerk, das Kriminelle versteckt"

Dass sich daran in der Folgezeit offenbar auch nichts geändert hatte, zeigte ein französisches Autoren-Team in einem Film auf. Die Dokumentation Das Schweigen der Hirten (Frankreich 2017) wurde im Jahr 2018 auch in Deutschland beim ZDF gezeigt, und die Autoren kamen darin zu folgendem Ergebnis: "Unsere Recherchen enthüllen, wie die Kirche im großen Stil ihre Fälle von Kindesmissbrauch vertuscht. Interne Dokumente belegen: Die Täter werden systematisch geschützt und immer wieder in andere Länder versetzt. Eines der häufigsten Ziele: Afrika. Wir folgen den Spuren der pädophilen Priester … ein globales Netzwerk, das kriminelle Mitbrüder vor einer Strafverfolgung versteckt. Die Zahl der Opfer geht vermutlich in die Zehntausende. Und eine Spur führt direkt in den Vatikan."
Dies geschah unter Mithilfe von Klöstern und katholischen Ordenshäusern. So wurde zum Beispiel ein französischer Ordenspriester, der acht Jungen vergewaltigt hatte, als kircheninterne Maßnahme einfach nach Mozambique versetzt, wo die Gläubigen dessen verbrecherische Ader nicht kannten - eine der immer wieder praktizierten "geografischen Lösungen", wie die Journalisten es dokumentierten – und gleichzeitig die Antwort auf die ihre Frage: "Wie kann jemand fast 20 Jahre von Polizei und Justiz unbehelligt bleiben?"

Die Neue Zürcher Zeitung schreibt darüber hinaus: "Die Kirche signalisierte den Tätern über Jahrzehnte, dass sie für ihre Verbrechen keine Konsequenzen zu befürchten hatten." (nzz.ch, 18.8.2018)
Dazu haben die Kirchenoberen auch immer wieder massiven Einfluss auf Polizei und Justiz genommen.
Die renommierte Wochenzeitung Die Zeit schreibt über den Bericht aus den USA: "Priester und Bischöfe intervenierten bei Polizei und Justiz, um Ermittlungen niederzuschlagen oder nach einer der seltenen Verurteilungen Straferlasse zu erwirken." (zeit.de, 24.8.2018)

12 - Die Kirche sei praktisch unantastbar

Dabei wagten Opfer und ihre Eltern ohnehin nur selten den Gang zu den Behörden. Die Zeit weiter: "Geschah dies doch, so lehnten Justizbeamte Ermittlungen aus Sorge um ihre Karriere ab."
Dazu ein weiteres Beispiel aus einem anderen Kontinent: Ein 12jähriger Junge aus Kamerun, der von einem Priester innerhalb eines Monats viermal vergewaltigt wurde, vertraute sich seinen Eltern an. Diese zeigten den Würdenträger an, doch es gab nicht einmal Ermittlungen. Der oberste Staatsanwalt und sein Stellvertreter hätten ihnen gesagt: "Priester können nicht vor Gericht gebracht werden … Sie sagten, das sei so, als würde man die katholische Kirche anklagen." Und eine Mitarbeiterin des Justizministeriums wollte mit ihrer Zeugenaussage, die Kirche sei praktisch unantastbar, lieber nicht namentlich genannt werden. (Das Schweigen der Hirten, Frankreich 2017)

Welche große innerer Hürde der missbrauchte Junge und seine Eltern mit dem Gang zur Polizei genommen haben, kann man kaum nachvollziehen. Denn die Veröffentlichung aus den USA ist allenfalls ein weiterer Anfang. In vielen Ländern, darunter in den afrikanischen Staaten, sitzt die Kirche immer noch so hoch auf dem Ross, dass schon von daher die Verbrechen ihrer Amtsträger nicht verfolgt werden. Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung schreibt: "In Polen zum Beispiel läuft ein Opfer eher Gefahr, wegen Denunziation zur Rechenschaft gezogen zu werden, als dass der Täter belangt wird. Auch in Italien ist es merkwürdig still. Von afrikanischen Ländern ganz zu schweigen. Dort würde sich niemand wegen sexuellem Missbrauch durch einen Priester zu erkennen geben. Das wäre eine Schande – für das Opfer." (9.9.2018)

Das Magazin Publik forum schreibt, wie die Vatikankirche von oberster Stelle schon lange vor der gehäuften Aufdeckung der Verbrechen politischen Druck  auf die Regierungen in den vielen Ländern ausübte: "Soeben kam ans Licht, wie der unter dem polnischen Papst mächtige Kardinalstaatssekretär Angelo Sodano immer wieder mittels diplomatischem Druck versuchte, mit fremden Staats- und Regierungschefs fest zu vereinbaren, dass Missbrauchstaten des Klerus nicht entschädigt werden müssen (etwa in der Republik Irland) und dass katholische Archive über die Täter und ihre Verbrechen nicht geöffnet werden dürften." (publik-forum.de, 16.8.2018)

Wer von den Gläubigen jedoch in jüngerer Zeit auf gravierende Änderungen hoffte, der wurde zuletzt ein ums andere Mal eines Besseren belehrt. In ihrem aktuellen Bericht aus dem Jahr 2018 fordert die Justiz Pennsylvanias beispielsweise neue Gesetze, die das Verschweigen von Sexualstraftaten durch den Klerus unter Strafe stellen Auch sollen endlich die Verjährungsfristen aufgehoben werden, damit die Opfer auch materielle Wiedergutmachung erhalten können. Doch, so die Neue Zürcher Zeitung, "die Bischöfe machen ihren politischen Einfluss gegen diese Reformen geltend". (nzz.ch, 18.8.2018)
Dies taten sie auch in der jüngeren Vergangenheit mit viel politischer Lobbyarbeit, wozu intern auch erhebliche Finanzmittel eingesetzt wurden. So haben sie "mit dafür gesorgt, dass es keine Ausweitung der Verjährungsfrist für sexuelle Gewalttaten gab", schreibt Publik forum, was bedeutet: Die Verbrechen ihrer Priester müssen aus Sicht der katholischen Lobby-Arbeit auch in Zukunft möglichst schnell verjähren.

13 - Der schändliche Missbrauch des Namens Gottes und der "Seelenmord" als "das wirksamste Mittel, um einen Menschen zu zerstören"

Eines der Opfer, der 55jährige James van Sickle, der 1981 von einem Pfarrer missbraucht wurde, nennt dies im Rückblick: "Mord an meiner Seele", und er beklagt diese staatliche Verjährung, obwohl doch klar sei: "Mord verjährt bekanntlich nicht." (saarbruecker-zeitung.de, 15.8.2018)
In ihrem Standardwerk Seelenmord (Hamburg 2001) bezeichnet die Schweizer Psychotherapie-Dozentin Ursula Wirtz den "Seelenmord" als einen "Angriff … auf die Identität des Kindes", und ihre Kollegin Monika Gerstendörfer stimmt ihr zu, wenn sie schreibt: "Es gibt tatsächlich keine zuverlässigere Methode, einem Menschen die Existenz zu nehmen, als an ihr oder ihm sexualisierte Gewalt auszuüben. Diese Gewaltform ist das wirksamste Vehikel, um einen Menschen zu zerstören." (zit. nach netzwerkb.org, 15.1.2011)
Und tatsächlich haben Vergewaltigungen und andere Varianten abscheulicher sexueller Perversionen durch Priester zahllose Kinder und Jugendliche in tiefste Verzweiflung und sogar in den Selbstmord getrieben, was eine weitere furchtbare Parallele zu Folteropfern aller Jahrhunderte ist, deren Persönlichkeit durch die Folter zerstört wurde und die ihr Leben selbst beendeten - darunter der bekannte Philosoph Jean Amery, der von der SS gefoltert wurde, das KZ in Auschwitz überlebte, aber zeitlebens unter diesen Erfahrungen litt.

Und bei Priestern kommt noch massiv belastend hinzu, dass sie als angebliche "Männer Gottes" auftreten und damit auch in unzähligen Fällen das Gottvertrauen der Kinder zerstörten, so dass diese auch von daher völlig haltlos wurden – mit grausamen Folgen.
"Später, wenn sie das Wort ´Gott?` gehört habe, sei sie an den Missbrauch erinnert worden", sagt zum Beispiel eine 37-jährige Frau namens Carolyn aus den USA gegenüber dem Magazin Spiegel online (16.8.2018). Die junge Frau fiel bereits als 18 Monate junges Mädchen in die Hände ihres priesterlichen Peinigers. "Als sie älter wurde, habe er immer seine Hände an ihr gehabt." Immer, wenn sie das Wort "Gott" gehört habe, musste sie an den Schwerverbrecher im Talar denken. "´Ich glaubte immer, mein ganzes Leben sei eine Lüge`, sagt Carolyn. ´Es ist einsam, wenn dein Wort gegen Gottes Wort steht.`", so ihre Worte, weil sie den Priester fälschlicherweise als einen Verkünder von "Gottes Wort" betrachtete.
Andere Opfer wurden von den Tätern auf zynische Art und Weise damit "getröstet", dass man ihnen sagte, sie dürften sich als Instrument Gottes fühlen.

Auch der schon genannte 12-jährige Junge aus Kamerun, der mehrfach von einem Priester vergewaltigt wurde, erzählt, wie der katholische Würdenträger auch den Namen Gottes auf das Schändlichste mit in seine Verbrechen hinein zog. Der Priester habe ihm anschließend gedroht, ich zitiere: "Wenn ich es irgendjemandem sage, würde ich sterben oder verrückt werden. Es sei ein Geheimnis der Kirche. Er sagte, ich hätte jetzt einen Pakt mit Gott geschlossen" - die Frage ist: "Pakt" mit welchem Gott?
Die afrikanischen Jungen, die unabhängig voneinander von ihm vergewaltigt wurden und die ihn auf Fotos wieder erkannten, stempelte er, als man ihn zur Rede stellte, als Lügner ab. Ermittelt wurde weder in Kamerun gegen ihn, noch in Italien, wohin ihn sein Orden versetzt hat, noch in Frankreich, dem Land, aus dem er stammt – trotz Strafanzeige in Afrika.
So und so ähnlich setzten sich in der ganzen Welt also Verbrechenstragödien fort, wie auch aus der Anklageschrift aus Pennsylvania hervor geht. Publik forum schreibt: "Wenn gequälte Kinder zuhause klagten, glaubten ihnen die Eltern oft nicht – denn zu ´heilig` war der Priester. Die Bischöfe schauten in fast allen Fällen weg." (publik-forum.de, 16.8.2018)

14 - Professorin: Beichtstuhlverbot für Kinder und Jugendliche zu deren Schutz

Lapidar heißt es dann in den Medien: das meiste davon ist verjährt. Doch Seelenmord verjährt nie. Niemals - auch wenn in der Vatikankirche bisher mit allem Raffinement vertuscht und taktiert wurde, um ihre Priester-Verbrecher in eine angebliche Verjährung hinüber zu retten.
Der Seelenmord, den die Priester und alle Bischöfe, die ihnen die Fortsetzung ihrer Verbrechen ermöglichten, auf dem Gewissen haben, hat das Leben so vieler junger Menschen zerstört. Es sind Zehntausende von Opfern und zigtausende von Tätern im Talar. Alleine ein Opfer-Netzwerk aus den USA, das sich bezeichnenderweise "Netzwerk der Überlebenden" nennt, hat eine Kartei mit zuletzt ca. 4400 kriminellen Priestern angelegt, die sich in jüngster Zeit sexuell an Kindern vergangen haben.

Doch die Priesterkaste unserer Zeit zieht weiter alle Register. So müsse das kirchliche "Beichtgeheimnis" gewahrt bleiben, wird immer wieder argumentiert, auch bei Vergewaltigung von Kindern durch Priester. Solches erzürnte im Jahr 2011 die damalige Regierung Irlands so sehr, dass sie ein Gesetz verabschiedete, wonach Vergewaltigung von Kindern nicht mehr vom kirchlichen Beichtgeheimnis geschützt wird. Doch aus einem Bericht aus dem Jahr 2017 ging hervor, dass das Gesetz bis dahin kein einziges Mal angewendet wurde. In anderen Staaten wie der Schweiz im Jahr 2012 scheiterte ein solches Gesetz von vorneherein, und in Deutschland haben sich die Politiker nicht einmal darum bemüht. Dabei ist das so genannte Beichtgeheimnis in diesem Zusammenhang nichts anderes als ein Verbrechensgeheimnis. Die Theologieprofessorin Dr. Uta Ranke-Heinemann nannte den Beichtstuhl darüber hinaus einmal eine "Kontaktbörse für Sexualneurotiker" (neues-deutschland.de, 17.9.2010), und sie forderte weiterhin, der Beichtstuhl sollte für Kinder und Jugendliche verboten werden.

15 - Hochrangige Amtsträger fordern Papst auf: Treten Sie zurück!

So mancher gläubige Katholik setzte zwischenzeitlich die Hoffnung auf Papst Franziskus, worauf eine desto größere Ernüchterung folgte. Diese gipfelt in der Forderung des ehemaligen vatikanischen Nuntius in den USA, Carlo Maria Vigano, Papst Franziskus solle zurücktreten, wie in nahezu allen Medien zu lesen war. Dies solle er gemeinsam mit den Kardinälen und Bischöfen tun, die alle miteinander die Schandtaten von Kardinal Theodore McCarrick vertuscht hätten, einst Erzbischof von Washington D.C. in den USA. Der Kardinal sei im Vatikan schon lange bekannt dafür gewesen, angehende Priester sexuell zu missbrauchen und wird beschuldigt, sich auch an mindestens zwei minderjährigen Jungen sexuell vergangen zu haben. Die Rücktrittsforderung gegenüber dem Papst von einem ranghohen Priester und ehemaligen Diplomaten des Vatikanstaats kommt nicht überraschend, da es dem Papst zuletzt nicht mehr gelungen war, den Eindruck aufrecht zu erhalten, als ginge er mit "Null-Toleranz" gegen die Sexualverbrechen und ihre Vertuschung vor. "Alles nur Fassade", so kommentierte, wie bereits erwähnt, kurz zuvor die deutsche Nordwestzeitung (31.7.2018) und weist auf weitere Beispiele hin, die diese These stützen.
Unmittelbar nachdem der Bericht aus Pennsylvania veröffentlicht wurde, reagierte der Papst noch mit salonfähigen Worten, wie "das gesamte Volk Gottes" müsse "sich daran beteiligen, auf die Übel des Missbrauchs und der Vertuschung zu antworten". (faz.net, 20.8.2018)
Doch was hat das "Volk Gottes" mit den Verbrechern in der katholischen Institution zu tun? Diese führt zwar immer wieder den Namen Gottes und Seines Sohnes Christus im Mund. Doch ihre Dogmen, Lehrverkündigungen und Handlungen widersprechen der Botschaft des Jesus von Nazareth in so vielen Aspekten, dass es immer mehr Zeitgenossen nicht mehr akzeptieren, wenn man dort "Gott" oder das "Volk Gottes" zu vereinnahmen versucht – angefangen damit, dass Jesus von Nazareth weder Priester noch Dogmen oder Sakramente einsetzte noch Kulthäuser aus Stein bauen ließ bis hin zu den unzähligen Kriegen und Verfolgungen Andersdenkenden auf Veranlassung der katholischen Institution. Und bis hin zu den Zehntausenden von Verbrechen an Kindern und deren Vertuschung.

Der ehemalige Botschafter des Vatikan in den USA, Carlo Maria Vigano, teilte nun mit, sein "Gewissen gebiete" ihm, die Wahrheit bekannt zu machen, da "die Korruption die Spitze der Hierarchie der Kirche erreicht hat" (de.catholicnewsagency.com, 26.8.2018). Schon vor über 10 Jahren habe er darauf hingewiesen, so wörtlich, "so schnell wie möglich einzugreifen, indem man McCarrick den Kardinalshut abnimmt", gegen den schon damals Vorwürfe "von großer Heftigkeit und Abscheulichkeit" auf dem Tisch lagen. Doch Vigano stieß auf taube Ohren, was sich nach dem Amtswechsel von Benedikt auf Franziskus noch verschlimmerte.
"Er [Papst Franziskus] wusste spätestens seit dem 23. Juni 2013, dass McCarrick ein Serientäter war", sagte Erzbischof Viganò, aber obwohl Franziskus dies also wusste, "deckte er ihn bis zum bitteren Ende". Nicht nur, dass Franziskus "die Sanktionen, die Papst Benedikt gegen ihn verhängt hatte, nicht berücksichtigte", so der ehemalige Nuntius, sondern er habe den Serientäter auch zu "seinem vertrauten Berater" gemacht, zum meistgehörten Amtsträger für die Beziehungen zur damaligen Obama-Regierung der USA. Und nicht nur bei McCarrick hätte sich Franziskus so verhalten. Auch gegenüber Kardinal Maradiaga und dessen Vertuschungsgebaren in Honduras. Wiederum, so die Klage des ehemaligen Nuntius, "verteidigt" der Papst "seinen Mann" bis zum "bitteren Ende". Nun solle der Papst aber "seine Fehler anerkennen" und durch den Rücktritt die Konsequenzen ziehen.

16 - Neue Vorwürfe gegen Franziskus von Opfern aus Argentinien: Als Erzbischof log er, vertuschte und ließ Opfer als Lügner beschimpfen

Schon einige Monate zuvor wurden heftige Anschuldigungen gegen Papst Franziskus öffentlich.
Die dokumentarische Reportage Das Schweigen der Hirten eines französischen Fernsehteams aus dem Jahr 2017 weist zum Beispiel darauf hin, dass Papst Franziskus vier Kardinäle in seinem Kardinalsrat, dem mächtigsten Gremium im Vatikan, toleriert, die der Vertuschung beschuldigt werden, und es wird die Frage gestellt: "Vielleicht, weil die gleichen Vorwürfe auch gegen ihn erhoben wurden."
Der Filmbericht gibt auch eine Antwort. Der Papst schrieb im Rückblick auf seine Zeit als Erzbischof von Buenos Aires, dass es in seiner Diözese keine pädophilen Priester gab – was jedoch mehrere Opfer, die ihr Leid öffentlich machten, völlig anders sehen. "Er wollte es nie zugeben. Aber es ist eine Lüge", sagt eines der Opfer frei aus sich heraus.
Sieben Erwachsene mittleren Alters trafen sich mit den Autoren der Sendung. Sie alle haben damals an den damaligen Erzbischof Bergoglio geschrieben und die an ihnen verübten Schandtaten berichtet, doch keiner hat eine Antwort bekommen. Hier einige ihrer Stellungnahmen dazu: "Er empfängt alle diese Berühmtheiten wie Leonardo di Caprio und öffnet ihnen seine Türen. Für uns hatte er nicht einmal ein paar Zeilen, um zu sagen, dass es ihm leid tut."
"Ich erwarte nichts von ihm und glaube ihm nicht."
"Ich habe so gelitten und war so enttäuscht. Denn der Papst hat als Erzbischof hier nichts unternommen. Jeder sagte mir ´Schreib ihm. Er muss antworten.` Aber es kam nichts. Ich bin wirklich tief enttäuscht."

Die Frau, die von ihrer Enttäuschung berichtet, weint, während sie das sagt, und das Autorenteam setzt die Reportage mit den Worten fort: "Warum interessierte sich Franziskus damals scheinbar nicht für den Schmerz dieser Menschen? Und er soll sogar versucht haben, Ermittlungen der Justiz zu beeinflussen, und zwar im Fall von Pater Grassi, der größte Missbrauchsskandal der argentinischen Kirche."
Gemeint ist der Priester Julio Cesar Grassi, der nach Abschluss der Untersuchungen zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Doch die argentinische Bischofskonferenz setzte alles daran, ihn wieder frei zu bekommen und gab dazu ein so genanntes "Gegengutachten" in Auftrag, das den Kindern Falschaussagen, Lügen und Betrug vorwarf. Als Auftraggeber wird in einer neueren Auflage dieses kirchlichen Auftragswerks namentlich genannt der Präsident der Bischofskonferenz, "Kardinal Jorge Mario Bergoglio, der heutige Papst", so wörtlich. Kardinal Bergoglio habe den Richtern diesen Text persönlich geschickt, wozu sich der Berufungsrichter, spätere Justizminister Argentiniens und anschließende Richter am Obersten Gericht des Landes ebenfalls äußerte. Diese Studie sei einseitig, manchmal "extrem einseitig" zugunsten des verurteilten Priesters und, so wörtlich: "Die Kirche versuchte damit sehr subtil, Druck auf die Richter auszuüben."

17 - Die Reaktion des Vatikan: "Annahme verweigert" - Einbruch bei Opfer und Belastungszeuge - Keine Wiedergutmachung

Daraufhin angesprochen stritt der Papst im Rahmen einer Generalaudienz auf dem Petersplatz alles ab. Er habe angeblich weder die argentinische Justiz zu beeinflussen versucht noch eine Entlastungsstudie für den verurteilten Priester in Auftrag gegeben, obwohl sein Name auf dem Buchrücken der Veröffentlichung ausdrücklich als Auftraggeber genannt wird. Und auf einen Brief mit detaillierten Fragen dazu bekamen die Fragesteller nie eine Antwort.
Eine Handlungsweise, welche die Professorin Dr. Uta Ranke-Heinemann schon aus der Vergangenheit her kennt. So wies sie darauf hin, dass Schriftstücke staatlicher Behörden vom Vatikan sogar ungeöffnet zurückgeschickt wurden, und sie nannte dazu ein Schreiben von Staatsanwalt Romley aus Arizona/USA an Kardinalstaatssekretär Sodano hin. Auf dem Umschlag stand: "Annahme verweigert". (zit. nach Wikipedia - Stand: 31.8.2018)

Unterdessen gehen die Leiden der Opfer meist weiter. So berichtet ein Hauptbelastungszeuge gegen den argentinischen Priester Grassi, für den sich die Kirche unter Kardinal Bergoglio so energisch eingesetzt hatte: "Ich bekam Drohungen. Und es sind wirklich Leute bei mir eingebrochen. Sie haben alle Schlösser zertrümmert. Sie haben persönliche Dinge gestohlen, darunter mögliche Beweise wie eine Cassette von Senor Grassi. Zum Schluss hat die Justiz dann für meine Sicherheit gesorgt und mich in ein Zeugenschutzprogramm gesteckt."
Und weiter: "Es gibt nur einen Satz, den ich Pater Grassi glaube. ´Bergoglio lässt mich niemals fallen`. Jetzt ist Bergoglio Papst Franziskus. Aber er hat sich nie gegen Grassi gestellt. Ich bin davon überzeugt. Er hat ihn nie fallen gelassen." (Das Schweigen der Hirten, Frankreich 2017)
Leider, so muss man hinzufügen, hat offenbar keines der bekannten deutschen Medien über die Anschuldigungen gegen Papst Franziskus berichtet, nachdem der Film mit diesen Inhalten im Mai 2018 auch im deutschen Fernsehen zu sehen war.

Erst nachdem Ex-Nuntius Carlo Maria Vigano im August den Papst und mit ihm viele der vertuschenden Kardinäle und Bischöfe deswegen zum Rücktritt aufforderte, während der Papst gerade in Irland weilte, ließ sich vieles nicht mehr unter dem Teppich halten. Doch Franziskus reagierte wie gehabt und wie er sich bisher leisten konnte, da ihn alle hochrangigen Politiker dieser Welt hofieren, bei ihm Privataudienzen erbitten und seinen Ring küssen. Seine Reaktion auf den Brief des ehemaligen Nuntius: "Ich werde dazu kein Wort sagen". Und weiter: "Lesen Sie den Brief aufmerksam und fällen Sie Ihr eigenes Urteil" (spiegel.de, 27.8.2018). Man könnte auch folgern: Hier verschlug es selbst dem sonst so wortgewandten und geschickten Kirchenführer die Sprache, weil kein Trick der Welt und keine Ausflüchte die immer offensichtlicheren Fakten verdrängen können.
Auch zu der Dokumentation der Verbrechen über 300 Priester in Pennsylvania, die Kinder vergewaltigten und missbrauchten, wolle er - Quellen aus dem Vatikan zufolge - über seine ersten Bekundungen hinaus keine Stellung mehr beziehen.
Also nichts Neues aus dem Vatikan: Keine Entschädigungsangebote der Kirche, keine Wiedergutmachung! Keine Aufhebung der Verjährungsfristen oder beispielsweise ein Zugeständnis, auf die strafrechtliche Verjährung bei Schandtaten an Kindern durch Priester zu verzichten. Keine personellen Konsequenzen, keine weiteren Maßnahmen. Auch keine Abschaffung des päpstlichen Geheimhaltungsgebots unter Androhung der Exkommunikation, wenn gegen einen Verbrecher ein innerkirchliches Verfahren läuft. Und auch kein Rücktritt des Papstes oder von vertuschenden Kardinälen und Bischöfen.

18 - "Jeder Papst spielt diese Rolle"

Der Kirchenkritiker Karlheinz Deschner schrieb im Jahr 1990 über die Vatikankirche über und ihre Päpste: "Auf solchem Riesenberg von Verbrechen und Betrug ist es ganz gleich, wer obenauf sitzt und regiert." (Oben ohne, Reinbek 1997, S. 355)
Und als man ihn im Jahr 2013 befragte, was er über den neuen Papst Franziskus denkt, erklärte er: "Gewiss wird jeder Papst seine Rolle etwas anders spielen, aber jeder Papst spielt diese Rolle - und einstweilen spielt die Welt auch noch mit." (sueddeutsche.de, 12.11.2013)

Das bedeutet dann zum Beispiel: In keinem anderen Verein der Welt durften so fortgesetzt und so scheußlich Verbrechen an wehrlosen Opfern begangen werden, ohne dass der Täter dafür belangt wurden. Jede andere Organisation, die mit solchen Verbrechen belastet ist, würde längst schon von der staatlichen Gewalt kontrolliert und als Konsequenz verboten werden. Doch hier spielte die Welt, einstweilen noch mit, wie Karlheinz Deschner es nennt.
So schleppt sich auch das innerkirchliche Verfahren gegen Erzbischof Apuron aus Guam/USA im Jahr 2018 weiter hin: 2 ½ Jahre, nachdem die Klagen von vier Jungen und seinem eigenen Neffen bekannt wurden, von ihm vergewaltigt worden zu sein, war der Erzbischof nach wie vor nur beurlaubt, konnte also im wahrsten Sinne des Wortes Urlaub machen und durfte seinen Bischofstitel immer noch führen. Die Jesuitenzeitschrift America hatte unterdessen vorgeschlagen, dass Bischöfe und Priester angesichts der neuerlichen Anklagen einen Tag von Fasten und öffentlicher Reue abhalten sollten (vaticannews.va, 21.8.2018) - also mal etwas weniger essen statt Gefängnis.

19 - Der massive Angriff auf Jesus, den Christus und auf Seine Botschaft der Gottes- und Nächstenliebe

Liebe Leserinnen, liebe Leser,
mithilfe vieler Worte und von äußeren Geschäftigkeiten haben die Priester in allen Zeitepochen vertuscht, worin ihre Gefühls-, Empfindungs- und Gedankenwelt besteht und wozu sie fähig waren und heute sind. Und da dies auf schändlichste Weise alles im Namen von Christus geschah und geschieht, zeigt sich darin in Geschichte und Gegenwart auch der massive Angriff auf Jesus, den Christus und auf Seinen Ruf an alle Menschen, welcher sinngemäß lautet: "Kommt her alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch die Last abnehmen". So steht es schon in den Bibeln der Kirchen (Matthäusevangelium 11, 29). Dieser Ruf geht heute durch Prophetenwort wieder in alle Welt hinaus, und er beinhaltet sinngemäß: "Fürchtet euch nicht. Gott ist kein strafender, Er ist kein zürnender Gott. Er ist der Anker in Eurer Seele - Gott in uns, Christus in uns." Und: "Kehrt wieder heim, Menschenkinder, findet wieder den Weg zurück in eure ewige Heimat".
Boten des Reiches Gottes haben uns dazu zu allen Zeiten den Weg der Gottes- und Nächstenliebe offenbart, von Abraham bis Gabriele. Es ist auch der Weg der Selbsterkenntnis, der Reue, der Bitte um Vergebung, der Wiedergutmachung und der Umkehr - ohne Priester, ohne Pfarrer, ohne Hochwürden, ohne Exzellenzen, ohne Kirchenräte und ohne Päpste.

Früher ließ die Institution Kirche die Nachfolger von Christus ermorden, weil sie sich nicht den religiösen Hierarchien und den von diesen Hierarchien bis heute proklamierten Machtansprüchen unterwarfen. Und heute wurde und wird zigtausendfach den Menschen vom Kindesalter an dieser Weg zu Christus im eigenen Herzen verbaut. Dies geschieht, indem Priester durch sexuelle Verbrechen deren Persönlichkeit zerstören und sie so daran hindern, Gott in sich zu suchen und zu finden. Dies ist der Seelenmord. Denn der gute Name "Christus" wird durch die Verbrecher im Priestergewand von den Opfern immer in Verbindung gebracht mit dem Leid, das ihnen von diesen Männern zugefügt wurde. Eben weil sich die Amtsträger zur Täuschung mit den Etiketten "Männer Gottes" oder "Hirten" oder gar "Gottes Diener" schmücken. So verursachen sie, dass die Liebe Gottes und die Erlöserkraft des Christus aus der Sicht der Opfer mit in den Sumpf von Verbrechen und Niedertracht hinuntergezogen werden. Dies wurde an mehreren Beispielen in dieser Sendung belegt.
Unzählige geschändete Opfer konnten durch die an ihnen verübten Verbrechen der Talarträger kein Vertrauen mehr zu Christus und zu Gott, dem liebenden Vater-Mutter-Gott, aufbauen. Denn die Täter und ihre vertuschenden Komplizen führen sie bis heute damit in die Irre, dass sie, die Verbrecher, mit Gott im Bunde seien, während sie in Wirklichkeit - für alle Menschen offensichtlich – immer wieder die Belange des Widersachers Gottes vertreten haben, in der Überlieferung "Baal" oder "Götze Baal" genannt.
Und da hinter all dem, wie viele Untersuchungen zeigen, auch ein System steckt bzw. systematische Vorgehensweisen bei den Taten und deren Vertuschung, haben wir es hier auch mit dem "System Baal" zu tun. Dieses System trachtet seit je her danach, alles auszumerzen, was von Gott, dem Freien Geist, auf diese Erde kam und kommt. Und dies geschieht gemäß ihrer eigenen Lehrverkündigung, "alles auszumerzen", was gegen ihren Glauben sei, dass es zum Beispiel für das Seelenheil angeblich Priester und eine Institution Kirche benötige - nachzulesen in ihren eigenen Lehrbüchern.
Ausgemerzt wird auch die Arglosigkeit und das noch unverdorbene Gottvertrauen von Kindern, die noch nicht mit Priestern und kirchlichen Ritualen in Berührung gekommen sind und über die Jesus von Nazareth einst sagte: "Werdet wie die Kinder, sonst könnt ihr das Reich Gottes nicht empfangen." (Matthäusevangelium 18, 3)
Das Bewusstsein von arglosen und Gott vertrauenden Kinder haben Tausende von Talarträger, die Gott und Christus nur für ihre eigenen Machtzwecke missbrauchen, zerstört: Durch Vergewaltigungen, Seelenmord, Vertuschungen und, indem den Opfern vielfach nicht geglaubt wurde. Und daran tragen auch diejenigen die Mitschuld, die - wie zum Beispiel viele Politiker - mit diesen Männern im Boot sitzen und welche das Milieu, das diese Verbrechen hervorbrachte, auf die eine oder andere Weise unterstützen.

 

Mehr zu diesem Thema lesen Sie in https://www.theologe.de/schwarzbuch_katholische-kirche.htm


Teil 2
Kaum waren die entsetzten Kommentare über die Ergebnisse einer staatlichen Kommission im US-Bundesstaat Pennsylvania über die Sexualverbrechen von Priestern an Kindern und Jugendlichen verklungen – da gelangten im September 2018 schon die nächsten Schreckensmeldungen an die Öffentlichkeit. Noch ehe die deutschen Bischöfe die Ergebnisse einer Studie über den "sexuellen Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester" in Deutschland der Öffentlichkeit vorstellen konnten, wurden bereits erste Ergebnisse der von der Bischofskonferenz in Auftrag gegebenen Studie bekannt. Irgend jemand hatte die Ergebnisse schon vorab an die Presse weitergeleitet.
Die Süddeutsche Zeitung wertete diese Vorabveröffentlichung als "ein Misstrauensvotum aus dem Kreis der Wissenschaftler gegen die Auftraggeber. Es resultiert aus den Beschränkungen der Forschung. Nur ein Drittel der Bistümer öffnete alle Aktenschränke."
(13.9.2018)
Ein Teil der Akten über die Missbrauchsfälle war zudem offensichtlich vernichtet worden. Und die beauftragten Wissenschaftler der Universitäten Mannheim, Gießen und Heidelberg durften die Akten nicht einmal selbst auswerten – sie bekamen sie gar nicht zu Gesicht. Sie durften nur Fragebögen an die beteiligten Diözesen schicken, die dann von kirchlichen Mitarbeitern ausgefüllt wurden. Immerhin kam trotz allem heraus: Mindestens 1670 klerikale Täter haben von 1946 bis 2014 mindestens 3677 Kinder und Jugendliche sexuell missbraucht.
Von "Einzelfällen" kann man da jedenfalls schon lange nicht mehr sprechen. Doch wie geht es jetzt weiter?

20 - Die Kirche wollte in allem die Kontrolle behalten. Vertuschung für den Machterhalt

21 - Die Priester gründen ihre Macht  auf Ungleichheit, Zwang, Manipulation, Einschüchterung und Opfer

22 - Pyramide der Unterordnung mit strafendem Götzen an der Spitze

23 - Kirchliche Gewaltphantasien: Vernichtung bis zum letzten Kind oder leben lassen für Vergewaltigungen

24 - Wie der Seelenmord durch den Priester fortwirkt

25 - Kinder werden daran gehindert, Gott in sich selbst zu suchen und zu finden, ca. 200.000 Kinderopfer durch Sexualverbrechen von Pfarrern allein in Deutschland

26 - Zeitung Main-Echo: Kirche, die solche Verbrechen zuließ, schaffe sich selbst ab, "ihr Platz ist der Müllhaufen der Geschichte"

27 - Kriminologe: "Verbale Erschütterungsrhetorik" der Bischöfe "überzeugt nicht". Alles bleibe unter der Decke

28 - Opfervertreter: Studie soll Interesse an Aufklärung nur simulieren; Befürchtung, dass Öffentlichkeit ruhig gestellt werden soll

29 - Experte vergleicht Vatikankirche mit Mafia: Die Politik der Omertà

30 - Auch der Papst auf der Täterseite

31 - Keine neuen Verträge, sondern Sache des Staatsanwaltes

32 - Kirchliche Paralleljustiz: "Hostienschändung" schlimmer als Kinderschändung

33 - Verbrechensvertuschung quasi zum Staatsziel erhoben, unter Androhung angeblich ewiger Hölle

34 - Herrschenden Parteien lassen Staat weiterhin hohe kirchliche Amtsträger und deren Ausbildung finanzieren und sie mit Privilegien überhäufen

35 - Was muss noch alles passieren?

36 - CDU gegen Strafe für verantwortliche Kirchenvertreter

37 - Der Schmutz kommt nicht von außen, sondern von innen
 


20 - Die Kirche wollte in allem die Kontrolle behalten. Vertuschung für den Machterhalt

Bevor wir auf die Ergebnisse näher eingehen, können wir zunächst feststellen: Die Kirche wollte in allem die Kontrolle behalten. Und daran war bereits der erste Anlauf zu dieser Studie im Jahr 2013 gescheitert. Der mit dieser ersten Studie beauftragte und wieder entlassene renommierte Kriminologe Christian Pfeiffer sagte Mitte September 2018 gegenüber der Passauer Neuen Presse, er selbst habe die Studie abgebrochen, denn die Bischöfe "wollten sich vorbehalten, uns Veröffentlichungen zu verbieten, sie wollten das letzte Wort haben, wie der Forschungsbericht auszusehen habe. Zensur ist forschungsfeindlich und indiskutabel." (25.9.2018)

Einer der beiden Kardinäle, die die Wissenschaftlern damals einer solchen Zensur unterwerfen wollten und dadurch die Studie um einiges verzögerten, war nach Aussage von Pfeiffer niemand anderer als Kardinal Reinhard Marx, der dann im Jahr 2018 als Vorsitzender der deutschen Bischofskonferenz die Ergebnisse vorstellte. Die Bischöfe hätten die Ergebnisse der Studie allerdings gerne selbst als erstes der Öffentlichkeit präsentiert. Aus gutem Grund. "Das hätte die Zahlen nicht kleiner gemacht", schreibt dazu die Hannoversche Allgemeine, "aber es hätte die Bischöfe als aktive Aufklärer erscheinen lassen. Sie hätten kontrolliert, was wann an die Öffentlichkeit gelangt. Nur ist ihnen das nicht gelungen … Nun wirken die Bischöfe wie Getriebene. Wie Schuldige, von denen eine Reaktion erwartet wird." (26.9.2018)

Diese Reaktion wurde allerdings bereits 2010 von der Öffentlichkeit erwartet, als nämlich plötzlich Hunderte von Sexualverbrechen von Priestern bekannt wurden, ausgehend vom katholischen Canisius-Kolleg in Berlin. Der Jesuitenpater Klaus Mertes hatte seinerzeit als Leiter des Kollegs die Aufdeckung dieser Fälle veranlasst, und seine Aussagen acht Jahre später werden von der Wochenbeilage Christ und Welt so zitiert (20.9.2018): "´Kontrollverlust zulassen: ich vermute, dass es genau dies ist, worum es jetzt geht.` Kontrollerhalt sei einer der entscheidenden Gründe für Vertuschung von Missbrauch, sagt Mertes." Und weiter: "Kontrollverlust ist Machtverlust. Und da sind wir beim entscheidenden Thema des Missbrauchs: Macht. Man war nicht bereit, Macht loszulassen oder das Ansehen von Machtpositionen zu gefährden – und hat deswegen vertuscht.’"
Und der Journalist kommentiert dies dann mit folgenden Worten: "Macht loslassen. Ist das für eine Institution, die vom Seelenheil spricht, aber ihre Energie seit Jahrhunderten auf Einfluss und dessen Festigung verwendet, überhaupt denkbar?"

21 - Die Priester gründen ihre Macht  auf Ungleichheit, Zwang, Manipulation, Einschüchterung und Opfer

Auch in der erwähnten Studie wurde als ein wesentlicher Risikofaktor für die Sexualverbrechen der "Missbrauch klerikaler Macht" benannt (Neue Bildpost, 29.8.2018). Die Studie bezeichnet "den herrschenden Klerikalismus in der Kirche, in dem der geweihte Priester eine übergeordnete Machtposition innehält, als eine wichtige Ursache für Missbrauch." (BR.de, 29.9.2018)
Matthias Katsch, selbst Betroffener, spricht vom "Priester als Machthaber, mit Zölibat ausgestattet, in dieser ganzen geheimnisvollen Atmosphäre und Verehrung, die ihm entgegengebracht wird." (Die Welt, 30.9.2018)

Doch wer hat diese Priesterkaste installiert? Jesus von Nazareth, der Mitregent des Reiches Gottes, war es nicht. Er, der Friedefürst, hat keine privilegierte Kaste von Priestern eingesetzt, die sich zwischen Gott, dem Ewigen, und die Menschen schiebt und behauptet, den Willen Gottes zu kennen. In Wirklichkeit geht es hier um einen ganz anderen Willen, der mit der Drohung einer angeblich ewigen Hölle durchgesetzt wird, die Gott, der Ewige, nie eingerichtet hat.

Die Priesterkaste gründet ihre Macht auf Ungleichheit, auf absolute Herrschaft, auf inneren und äußeren Zwang, auf Manipulation und Einschüchterung – und auf das Opfer. Früher haben sie Menschen geopfert, dann Tiere – angeblich, um einen "zornigen Gott" zu besänftigen. Doch was ist das für ein Gott? Es ist der Gott der Unterwelt, und die ihn anbeten, sind die Widersacher Gottes, die wir im weitesten Sinne als das System Baal bezeichnen können. Ihr Ziel ist es, möglichst viele Menschen davon abzuhalten, Gott im eigenen Inneren zu suchen und zu finden.

22 - Pyramide der Unterordnung mit strafendem Götzen an der Spitze

Und wenn dann Papst Franziskus und auch die deutschen Bischöfe plötzlich selbst vom "Klerikalismus" als eine der Hauptursachen der kircheneigenen Verbrechen sprechen, dann ist das wohl weniger eine tiefe Selbsterkenntnis oder Selbstkritik. Für diesen Fall müsste die Kirche nämlich auch einiges an ihrem System ändern. Sondern es ist eher ein schlauer Schachzug. Papst Bergoglio deutet den Klerikalismus nämlich kurzerhand als eine Art "persönlicher Schwäche" mancher Kleriker.
Der Klerikalismus ist aber keine persönliche Schwäche Einzelner. Er gehört zum Wesen der Priesterkaste selbst. Diese Kaste ist ihrer Struktur nach ein männerbündisches hierarchisches System, in der einer den anderen deckt, damit nichts nach außen dringt. Es ist eine Pyramide der Unterordnung, in dem der Priester den Laien gebietet, der Bischof den Priestern, der Papst den Bischöfen, und an die Spitze dieser diktatorischen Hierarchie haben die Talarträger einen angeblich strafenden Gott, einen strafenden Götzen gestellt, der alle unter ihm angeblich mit der ewigen Verdammnis bedroht.

23 - Kirchliche Gewaltphantasien: Vernichtung bis zum letzten Kind oder leben lassen für Vergewaltigungen

Alle Gottespropheten, die Gott, der Freie Geist der Unendlichkeit, immer wieder zu uns Menschen sandte, brachten uns hingegen die Botschaft: Gott in uns! Gott, der Freie Geist, ist im Urgrund jeder Seele und jedes beseelten Menschen zu finden. Und um Ihm, dem All-Einen, näherzukommen, brauchen wir weder Priester noch Steingebäude, denn jeder Mensch ist selbst der Tempel des heiligen Geistes. Doch von Beginn an haben die Priestermänner der jeweiligen Zeitepochen die Gesandten Gottes, die Gottespropheten, verfolgt und viele von ihnen umgebracht, auch Jesus von Nazareth, den größten Gottespropheten. Und auch nach Jesus von Nazareth haben die Talarträger in ihren wechselnden Gewandungen gottgesandte Männer und Frauen und ganze urchristliche Bewegungen wie Manichäer, Bogomilen, Katharer ausgerottet. Sie wurden bis zum letzten Kind und Säugling umgebracht oder eben für Vergewaltigungen am Leben gelassen, wie sie es auch ihren Bibeln entnehmen, in welcher ihr Götze zum Beispiel befohlen hat: "So tötet nun alles, was männlich ist unter den Kindern, und alle Frauen, die nicht mehr Jungfrauen sind; aber alle Mädchen, die unberührt sind, die lasst für euch leben." (Numeri 31, 18)
Im Mittelalter haben sie ihre Gewaltphantasien ausgelebt an Ketzern und an Hexen und ließen diese im Namen Gottes grausam quälen und ermorden. Heute leben ungezählte Priester ihre Gewaltphantasien und sexuellen Abartigkeiten an wehrlosen Kindern aus. Lapidar heißt es dann in den Medien: Das meiste davon ist verjährt. Doch Seelenmord verjährt nie.

24 - Wie der Seelenmord durch den Priester fortwirkt

Und die seelische Belastung für den Täter von Sexualverbrechen fasste Jesus, der Christus Gottes, der Überlieferung nach in die sinngemäßen Worte: "Wer einem von diesen Kleinen, die an mich glauben, etwas Böses antut, für den wäre es besser, er würde mit einem Mühlstein um den Hals im Meer versenkt." (Matthäus 18, 6)

Das beinhaltet auch: Die Täter sind nicht nur für die körperlichen Schmerzen verantwortlich, die sie den Kindern oder Jugendlichen zufügen, sondern auch für den seelischen Abgrund, in den sie so manche Kinderseele stoßen, und der mit dem Begriff "Seelenmord" bezeichnet werden kann. Ein angeblicher "Mann Gottes" hat ihnen etwas angetan, worunter die Mehrzahl von ihnen ein Leben lang zu leiden hat. Diese jungen Menschen bekommen sozusagen "lebenslänglich", während die Täter meist straffrei ausgehen oder nur versetzt werden. Mehr als die Hälfte der Verbrechensopfer, so die Ergebnisse der Studie, haben gravierende Probleme in Beziehungen, mehr als ein Drittel im Beruf, viele leiden zudem unter sogenannten posttraumatischen Belastungsstörungen, unter Angstzuständen, Drogenmissbrauch, Schlafstörungen oder Selbstmordgedanken. Vor allem aber ist den meisten von ihnen der Weg, Gott in sich selbst zu suchen und zu finden, für lange Zeit verbaut.

Für die Kinder und Jugendlichen, die von Pfarrern oder Priestern zur Bedürfnisbefriedigung missbraucht werden, ist bereits die körperliche Qual oft die Hölle. Zum Repertoire der Täter zählen auch brutale Vergewaltigungen, brutale Gewalt. Die Verbrechensopfer müssen aber zusätzlich meist auch noch das erdulden, was der Kirchenhistoriker Hubert Wolf als "religiöse Keule" bezeichnet. Im ZDF beschrieb er das so: "Ich kann nämlich sagen: Der liebe Gott will es so, und wenn du das nicht machst, kommst du in die Hölle." (ZDF, Gottes missbrauchte Kinder, 30.9.2018)
Das bestätigt der Kinderpsychiater Andreas Krüger aus seiner Praxiserfahrung gegenüber der Tageszeitung Die Welt: "Wenn Gott ins Spiel kommt, werde es besonders schwierig … Viele Täter instrumentalisierten ihre Rolle als Priester, der in Gottes Auftrag handle. Sie vermittelten dem Opfer, dass alles, was ihnen zustoße, Gottes Wille sei. Dass sie vom Teufel bestraft würden, wenn sie dem Priester nicht zu Willen seien. Oder gar, dass Gott dem Priester befohlen habe, sie mit dem Missbrauch zu bestrafen. So suggerieren sie dem Kind: du bist selbst schuld, deine Schlechtigkeit ist der Grund für meine Tat’." (30.9.2018)

25 - Kinder werden daran gehindert, Gott in sich selbst zu suchen und zu finden, ca. 200.000 Kinderopfer durch Sexualverbrechen von Pfarrern allein in Deutschland

Liebe Leserinnen, liebe Leser! Wer ist es, der sich so etwas ausdenkt? Wer steckt dahinter, wenn ein Priester, ein angeblicher Mann Gottes, einem Kind mit dem strafenden Gott droht, um seine Macht über dieses Kind für seine primitiven Bedürfnisse zu missbrauchen? Wer will, dass Kinder und Jugendliche auf so grausame Weise daran gehindert werden, Gott in sich selbst zu suchen und zu finden? Der Gott der Liebe, den Jesus von Nazareth lehrte, den alle Gottespropheten den Menschen nahebrachten, kann es nicht sein. Es ist seit alters her die Absicht der Widersacher Gottes: Den Menschen den Zugang zu Gott in ihrem eigenen Inneren zu verwehren.

Hinter jedem der durch den Bericht bekannt gewordenen 3677 Opfer steht also ein konkretes Leid, ein konkretes Schicksal – aber machen wir uns bewusst: Dies ist immer nur eine Mindestzahl. Nur zehn der 27 Bistümer werteten, soweit überhaupt vorhanden, die Akten bis zum Jahr 1946 zurück aus, die anderen begannen erst im Jahr 2000. Und nur die schwersten Fälle schafften es überhaupt in diese Akten; vieles davon wurde auch noch ausgelagert in Sonderarchive. Vor allem aber fehlen in dieser Studie alle Orden, alle Klöster, alle Internate und kirchlichen Schulen, alle Kinder- und Waisenheime, die es nach dem Krieg in großer Zahl gab. Tausende von Opfern finden sich in dieser Studie also gar nicht wieder.

Zum Vergleich: Eine andere Studie im Auftrag des Kompetenzzentrums für Kinderschutz in Ulm, bei der es neben sexuellem Missbrauch auch im Misshandlungen ging, hat laut Tagesspiegel Berlin ergeben, dass "bezogen auf die Gesamtbevölkerung in Deutschland im Alter ab 14 Jahre mit etwa 200.000 Opfern von Geistlichen beider Konfessionen gerechnet werden muss. Was bedeutet: Die katholische Kirche ist mit dem Aufklärungsauftrag nicht allein, auch die evangelische muss sich Rechenschaft ablegen. Und zwar in aller Öffentlichkeit." (26.9.2018)
Die Wochenzeitung Die Zeit schreibt zu dieser ungeheuren Anzahl von Sexualverbrechen unter der Überschrift: "Das Sündikat", und ich zitiere: "Kein Wunder, wenn die Kirche nun angstgetrieben reagiert. Es geht nicht mehr um ihren Ruf, es geht um ihre Existenz." (20.9.2018)

 26 - Zeitung Main-Echo: Kirche, die solche Verbrechen zuließ, schaffe sich selbst ab, "ihr Platz ist der Müllhaufen der Geschichte"

Und es stellt sich hier in der Tat die Frage nach der Existenzberechtigung eines solchen religiösen Konglomerats. In einem Kommentar in der – sicherlich nicht als besonders kirchenkritisch einzuschätzenden – Tageszeitung Main-Echo lesen wir: "Eine hierarchisch organisierte Glaubensgemeinschaft, die Nächstenliebe predigt und vorgibt, vor allem für die Schwächsten da zu sein, es zugleich aber zulässt, dass sich über Jahrzehnte tausende ihrer Vertreter an Kindern vergehen, die eigentlich von ihnen beschützt werden sollten, braucht kein Mensch. Sie schafft sich selbst ab. Ihr Platz ist der Müllhaufen der Geschichte. Und da wird die Kirche auch enden, wenn sie sich nicht grundlegend ändert." (26.9.2018)
Und da wäre jetzt die Frage: Was haben die Bischöfe bei der Vorstellung der Studie angekündigt? Was wollen sie konkret ändern?

Kardinal Reinhard Marx bekundete am 25. September 2018 in Fulda zunächst, er schäme sich "für das Vertrauen, das zerstört wurde … Wir haben den Opfern nicht zugehört. All das darf nicht folgenlos bleiben." (Neue Osnabrücker Zeitung, 25.9.2018)
Am Tag darauf wurde den Medien dann mitgeteilt, was die versammelten Bischöfe als "Maßnahmenpaket gegen Missbrauch" beschlossen hatten. Sie kündigten einen "transparenten Gesprächsprozess" mit Experten über den Zölibat und die Sexualmoral der Kirche an, des weiteren eine Überprüfung der Entschädigungsleistungen an die Opfer und die Einrichtung externer und unabhängiger Anlaufstellen für Betroffene. Auch wollen sie mehr als bisher "Begegnungen mit Betroffenen" suchen. Weiter heißt es in der Erklärung: "Wir wollen klären, wer über die Täter hinaus Verantwortung institutioneller Art für das Missbrauchsgeschehen … getragen hat." und: "Ohne eine unabhängige Aufarbeitung gibt es keine wirksame Veränderung und Gerechtigkeit." (domradio.de, 27.9.2018)

27 - Kriminologe: "Verbale Erschütterungsrhetorik" der Bischöfe "überzeugt nicht". Alles bleibe unter der Decke

Der letzte Satz ist sehr geschickt formuliert, denn es geht aus ihm nicht hervor, ob die Bischöfe eine solche unabhängige Aufarbeitung überhaupt wollen. Offenbar konnten sie sich darauf nicht einigen, sodass am Ende doch wieder jede Diözese selbst entscheiden wird, was sie zu tun beabsichtigt. Entsprechend kritisch waren die Kommentare der Experten. "Diese ganze verbale Erschütterungsrhetorik … überzeugt mich nicht, solange die Kirche nicht konsequent ist und die Dinge nicht wirklich offenlegt", sagte der erwähnte Kriminologe Christian Pfeiffer. (katholisch.de, 27.9.2018)
Denn das Entscheidende fehle in der jetzigen Studie noch: "Wir wissen nicht, wer die Verantwortlichen sind." Hätte man die Studie hingegen so durchgeführt wie von ihm vorgeschlagen, dann "hätten die Forscher ja genau gewusst, welche Diözesen sich vorbildlich verhalten haben und wo Täter gedeckt wurden" (Passauer Neue Presse, 25.9.2018). Dies bleibe bisher alles noch unter der Decke.

Wenn die Bischöfe also wirklich, wie angekündigt, klären wollten, "wer über die Täter hinaus Verantwortung institutioneller Art für das Missbrauchsgeschehen getragen hat", dann könnten sie sofort damit beginnen, und zwar bei sich selbst. Kardinal Marx etwa wurde während seiner Zeit als Bischof von Trier öffentlich kritisiert, weil er sich um Missbrauchsfälle in seinem Bistum zu wenig und zu spät gekümmert habe. Ähnliches gilt für seine Nachfolger auf dem Trierer Bischofsstuhl, Joseph Ackermann, den offiziellen Missbrauchsbeauftragten der Bischofskonferenz. Und wenn es Kardinal Marx wirklich um eine möglichst rasche externe Aufarbeitung ginge, dann bräuchte er nur die Missbrauchsstudie, die er bereits im Jahr 2010 für das Erzbistum München und Freising von einer renommierten Rechtsanwaltskanzlei anfertigen ließ, endlich veröffentlichen. Denn diese Studie liegt seither in seinem Geheimarchiv. Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vermutet, dies hinge damit zusammen, dass aus der Studie hervorgehen könne, welche Rolle der frühere Münchner Erzbischof und spätere Papst Joseph Ratzinger bei der Versetzung zweier Missbrauchstäter gespielt habe. (23.9.2018)

28 - Opfervertreter: Studie soll Interesse an Aufklärung nur simulieren; Befürchtung, dass Öffentlichkeit ruhig gestellt werden soll

Im Jahr 2010 geschah es übrigens auch, dass Kirche und Staat unter dem Schock der zahllosen Sexualverbrechen an Kindern durch Priester und Pfarrer, die bekannt geworden waren, einträchtig vereinbarten, in Zukunft bei der Aufklärung dieser Verbrechen enger mit dem Staat zusammenzuarbeiten. 2018 ist man davon weiter entfernt als je zuvor. Und da stellt sich im Rückblick schon die Frage, ob die Strategie, erst einmal eine große Studie zu erstellen, wirklich der viel beschworenen Aufklärung und Transparenz dienen sollte oder nicht vielmehr von Beginn an der Verschleierung und dem Zeitgewinn. Dieser Verdacht kommt auch in einem Kommentar von Spiegel online zum Ausdruck, wo es unter der Überschrift "Valium fürs Volk" heißt: "Opfervertreter vom ´Eckigen Tisch` befürchten, dass die Studie die Öffentlichkeit lediglich ruhigstellen soll. So wolkig wie Kirchenvertreter auf Fragen nach konkreten Folgen des Berichts reagierten, liegt die Vermutung nahe: die Bischofskonferenz hat die Studie benutzt, um Interesse an einer profunden Aufklärung zu simulieren." (25.9.2018)

29 - Experte vergleicht Vatikankirche mit Mafia: Die Politik der Omertà

Und auch für die "Begegnung mit Betroffenen", denen man "endlich zuhören" wolle, hätten die Kirchenvertreter schon viele Jahre Zeit gehabt. Dies jetzt erneut anzukündigen, klingt für die Betroffenen eher zynisch. Für sie wäre es wichtig, dass die Täter, die ihnen soviel Böses angetan haben, endlich zur Rechenschaft gezogen werden, dass Ross und Reiter genannt werden, dass die Taten nicht weiter vertuscht und die Täter geschützt werden und dass sich die Kirche ihnen gegenüber um eine angemessene Wiedergutmachung bemüht statt allenfalls ein paar Almosen zu geben. Doch wie die Studie zeigt, wurde nur gegen ein Drittel der Täter jemals Anzeige erstattet, und auch das meist von den Betroffenen oder ihren Angehörigen, fast nie von Kirchenvertretern. Viele der Täter wurden einfach nur versetzt und konnten weiter Verbrechen begehen. Geholfen wurde meist nur den Tätern, nicht den Opfern. Für die Opfer der Verbrechen ist jedoch "Vertuschung genauso schlimm wie Missbrauch", sagt der italienische Journalist Emiliano Fittipaldi. Er vergleicht die Vertuschungspraxis der Kirche mit dem Schweigegebot der italienischen Mafia, der "Omertá", und sagt weiter: "Die Politik der Omertà hat es diesem Krebsgeschwür erst ermöglicht, sich auszubreiten. Hohe Geistliche haben mitgeholfen, sexuelle Übergriffe systematisch zu vertuschen. Dafür müssen sie zur Rechenschaft gezogen werden." (Neue Zürcher Zeitung, 27.9.2018)

30 - Auch der Papst auf der Täterseite

"Hohe Geistliche haben mitgeholfen" – wen genau meint der Journalist? Papst Franziskus hatte ja vor einigen Jahren angekündigt, ein kirchliches Tribunal einzurichten, vor dem Bischöfe angeklagt werden könnten, die Sexualverbrechen vertuscht haben. Doch davon ist mittlerweile keine Rede mehr. Warum wohl? Möglicherweise, weil sich sonst auch Papst Bergoglio selbst vor diesem Tribunal verantworten müsste? Als Erzbischof von Buenos Aires hatte er sich taub gestellt, als sich einige von seinen Diözesanpriestern missbrauchte Argentinierinnen hilfesuchend an ihn gewandt hatten. In einem Fall setzte er sich sogar für einen der Kinderschänder ein und ließ ein mehrbändiges Exposé erstellen, um ihm vor Gericht zu helfen. Ohne Erfolg – der Mann wurde zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. Die Wochenzeitung Die Zeit schrieb dazu: "Der Papst ist nicht die Lösung, sondern Teil des Problems, insofern er Teil seiner Kirche ist." (30.8.2018)

31 - Keine neuen Verträge, sondern Sache des Staatsanwaltes

Die Vatikankirche ist also ganz offensichtlich weder willig noch fähig, die von ihren Amtsträgern begangenen Verbrechen selbst aufzuklären und die notwendige Transparenz herzustellen, weder im Vatikan noch in Deutschland. Johannes-Wilhelm Rörig, der Missbrauchsbeauftragte der deutschen Bundesregierung, forderte daher zusätzliche "Staat-Kirchen-Verträge, die für den Bereich der Aufklärung und Aufarbeitung von Missbrauch abgeschlossen werden – Verträge zwischen Bund und Bischofskonferenz oder evangelischer Kirche, den Ländern und den Bistümern beziehungsweise Landeskirchen." (Süddeutsche Zeitung, 24.9.2018)

Doch wozu braucht man da Verträge? Der Rechtsstaat ist doch verpflichtet, für die Sicherheit seiner Bürger zu sorgen und Straftaten, gleich von wem sie begangen werden, unverzüglich aufzudecken und die Täter zur Rechenschaft zu ziehen. Wozu braucht es also Verträge? Soll der Staat Verträge mit Institutionen abschließen, die schwere Verbrechen ihrer Amtsträger vertuscht haben? Er müsste doch den Staatsanwalt hinschicken! Im US-Bundessstaat Pennsylvania haben die Behörden kurzerhand die Kirchenakten beschlagnahmt, als es mit der Aufklärung nicht recht voranging. Wieso geschieht so etwas nicht in Deutschland? Wieso soll die Kirche hier schon wieder Vorrechte genießen?

"Jede andere Organisation mit Abhängigkeits- und Machtstrukturen, die ermöglichen, dass tausende von Männern sich jahrzehntelang an abertausenden Kindern und Jugendlichenvergehen konnten, würde aus gutem Grund vom Staat aufgelöst werden." Das schrieb die SPD-Landtagsfraktion von Schleswig-Holstein in einer Pressemitteilung, und weiter: "Die Aufklärung kann nicht mehr durch eigene Gutachter oder ohne staatlichen Zugriff auf Archive und Zeugen erfolgen." (zit. nach hpd.de, 27.9.2018)

Dazu wäre es aber auch notwendig, die Paralleljustiz der Kirche zu beenden. In kircheninternen Verfahren, auch das kam bei der deutschen Studie heraus, wurden viele der Täter gar nicht belangt; die meisten erhielten wie gesagt nur geringfügige Strafen – und die Öffentlichkeit erfuhr von all dem fast nichts.

32 - Kirchliche Paralleljustiz: "Hostienschändung" schlimmer als Kinderschändung

Es blieb dem Moderator der ZDF-Satiresendung Heute-Show, Oliver Welke, vorbehalten, einen naheliegenden Gedanken zu äußern: "Warum darf die Kirche gegen sich selber ermitteln? Das kann doch nicht wahr sein! Seit wann untersuchen Täter ihre eigenen Straftaten? Ja, das nennt man Paralleljustiz. Bei arabischen Clans regen wir uns zu Recht auf, wenn die mit ihren eigenen Friedensrichtern kommen. Bei der Kirche ist es okay."
Auch wenn diese Äußerung in einer Satiresendung fiel: Sie ist durchaus ernst zu nehmen. Das Magazin Stern berichtete Anfang Oktober 2018, dass das Justizministerium des Bundeslandes Bayern im Jahr 2014 "eine länderübergreifende Arbeitsgruppe gegen ´Paralleljustiz` gründete." Dabei "standen jedoch nur islamische Friedensrichter im Focus. Nicht die Paralleljustiz der katholischen Kirche." (stern.de, 4.10.2018)

Das zeigt einmal mehr die Macht der Kirche, den Staat im Staat, an den sich die Politiker offensichtlich noch immer nicht herantrauen. Nach dem Kirchenrecht ist der kirchlich unerlaubte Umgang mit einer Hostie beim katholischen Abendmahl "die schwerste Straftat, die man begehen kann", so der katholische Theologieprofessor Thomas Schüller im Jahr 2007, nachdem ein Kirchenbesucher eine solche Oblate in seine Tasche steckte und mit nach Hause nehmen wollte.
(Frankfurter Rundschau, 13.1.2007)
 Die Kirche spricht von Hostienschändung. Das würde aber auch bedeuten, dass für das Kirchenrecht der Vatikankirche eine so genannte Schändung einer Hostie noch immer ein schlimmeres Vergehen als die Schändung eines Kindes ist.

33 - Verbrechensvertuschung quasi zum Staatsziel erhoben, unter Androhung angeblich ewiger Hölle

Diese Lehre wurde bis heute nicht geändert, obwohl der Papst dies in seiner Machtvollkommenheit als absoluter Monarch jederzeit könnte. Und geändert wurde auch eine Bestimmung nicht, die im Vatikan im Jahr 1962 erlassen wurde und wonach jeder Fall von Kindsmissbrauch dem Vatikan – und nicht etwa staatlichen Behörden! – unverzüglich gemeldet werden muss, und von da an als "päpstliches Geheimnis" gilt. Als "päpstliches Geheimnis" – man muss sich das vorstellen! Und mehr noch: Wer es ausplaudert, dem wird die Exkommunikation, der Ausschluss aus der Kirchengemeinschaft, angedroht und damit praktisch auch die angeblich ewige Hölle!
Von Kardinal Ratzinger, dem späteren Papst, wurde diese Bestimmung im Jahr 2001 sogar noch einmal bekräftigt. Bis heute wurde sie nicht aufgehoben. Da wurde also die Vertuschung sozusagen zum Staatsziel des Vatikanstaats erhoben. Matthias Katsch, Sprecher deutscher Missbrauchsopfer, stellt dazu fest: "Wenn Kirchenstrukturen bleiben, die Missbrauch ermöglicht haben, dann stellt das den Sinn der Aufarbeitung infrage." (Die Zeit, 27.9.2018)

34 - Herrschende Parteien in Deutschland lassen Staat weiterhin hohe kirchliche Amtsträger und deren Ausbildung finanzieren und diese mit Privilegien überhäufen

Und mit so einem Staat, mit so einer Institution, soll man dann weitere Verträge schließen, wie der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung vorschlägt? Man braucht sich ja nur die bisherigen Staatsverträge und Konkordate des deutschen Staates mit den Kirchen ansehen, um zu sehen, was bei solchen Verträgen herauskommt. Mit diesen Verträgen wurden und werden immer nur Privilegien der Kirchen abgesichert – und vor allem werden in diesen Verträgen jährliche dreistellige überwiegend pauschale Millionenzahlungen der einzelnen deutschen Bundesländer an die steinreichen Kirchen vereinbart, in die unter anderem die Gehälter der Kardinäle, Bischöfe und Landesbischöfe und anderer hochrangiger Würdenträger eingerechnet sind, in der Regel 10.000 Euro im Monat und mehr. Das wird vom deutschen Steuerzahler alles pauschal mitfinanziert, ob er will oder nicht, ob er in einer Kirche ist oder nicht. Und in diese Verträge haben die Kirchen schlauerweise jedes Mal sogenannte "Ewigkeitsklauseln" eingebaut, die besagen, dass sie nur in beiderseitigem Einvernehmen geändert werden können. Sie sind also unter den bisherigen Gepflogenheiten nicht kündbar. Der Steuerzahler soll ewig weiterzahlen – so wollen es die Kirchen, gleich wie viele Verbrechen ihre Amtsträger begehen.

Der Steuerzahler soll auch weiterhin die Ausbildung der Theologen an staatlichen Universitäten bezahlen, den Religionsunterricht an staatlichen Schulen, die Militärseelsorge und für diverse Steuerbefreiungen der schwerreichen Kirchenkonzerne aufkommen. Insgesamt beläuft sich das auf mehr als 18 Milliarden Euro jedes Jahr für beide Kirchen, und da sind – wohlgemerkt! – die Kirchensteuer und die Zahlungen des Staates für kirchliche Sozialleistungen noch gar nicht mitgerechnet.

35 - Was muss noch alles passieren?

Und mindestens die Hälfte dieser Steuergelder geht also an eine Kirche, die ihre tausendfach straffällig gewordenen Ritualbeamten nach wie vor einer Strafverfolgung zu schützen versucht, die ein System der Vertuschung krimineller Taten organisiert hat und den Opfern nicht einmal angemessene Entschädigungen zu zahlen bereit ist. Was muss noch alles passieren, wie viele Anlässe braucht es eigentlich noch, bis die Politiker bereit sind, die zahllosen Privilegien zu beenden, über die diese Kirche bis heute verfügt – immer auf Kosten aller Steuerzahler? Und bis sie ihrer Aufgabe nachkommen, nämlich: alles zu unternehmen, damit die Kinder im Land vor den Vertretern dieses klerikalen Systems geschützt werden.

Wohlgemerkt: Diese Privilegien, von denen hier nur ein verschwindend kleiner Teil aufgezählt wurde, waren noch nie gerechtfertigt. Denn nach der Verfassung müssten alle Menschen und damit auch alle Glaubensrichtungen gleich behandelt werden. Niemand darf aufgrund seines Glaubens oder seiner Religion bevorzugt oder benachteiligt werden, heißt es sinngemäß im deutschen Grundgesetz. Die kirchlichen Religionsbeamten behaupten zwar immer, es stünden ihnen aufgrund angeblicher Enteignungen in napoleonischer Zeit sozusagen auf ewig erhebliche Entschädigungen zu. Doch das ist längst als dreiste Geschichtsfälschung entlarvt, auch wenn die in ihrer Mehrzahl kirchenhörigen Politiker und Journalisten dies bis heute nicht zur Kenntnis nehmen wollen. Durch diesen frechen Betrug haben sich die Kirchen über die Jahrzehnte hinweg Milliarden und Abermilliarden aus dem Steuersäckel erschlichen. Diese Zahlungen müssten also umgehend und ersatzlos gestrichen werden.

36 - CDU gegen Strafe für verantwortliche Kirchenvertreter

Erst zaghaft regen sich nun erste Stimmen, die das längst überfällige Ende dieser Privilegien und Subventionen ins Auge fassen. In der Fernsehsendung Berlin direkt (ZDF) vom 23. September 2018 etwa stellte die Moderatorin fest: "Keinem anderen Interessenverband gewährt der Staat so viele Privilegien. Doch eine Beschneidung eben dieser: nicht vorstellbar in der Union." Denn gleich darauf kommt der Bundstagsabgeordnete Marcus Weinberg von der CDU ins Bild, der sagt: "Ich glaube, den Kirchenvertretern muss man keine Strafe aufbürden. Ich glaube, die sind durch die Vorfälle gestraft genug. Und ich glaube, die katholische Kirche sind die allerersten, ist die erste Instanz, die unter diesen Missbrauchsvorfällen leidet."

Wie mögen solche Worte auf die Opfer wirken? Hier sieht man einmal mehr, wie groß die Macht der Kirchen noch immer ist, gerade unter Politikern. Ein gewählter Volksvertreter hat hier erkennbar mehr Mitleid mit den Religionsfunktionären, die sich endlich einmal ihrer persönlichen Verantwortung stellen müssten, als mit den Verbrechensopfern – und auch mehr als mit den Steuerzahlern, die für diese Institution mit Milliarden jedes Jahr zur Kasse gebeten werden.

Der Politologe Carsten Frerk hat schon vor Jahren in mehreren Büchern herausgearbeitet, wie die großen kirchlichen Religionskonglomerate in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg auf sehr geschickte Weise ihre Befugnisse auf Kosten des Staates immer weiter ausdehnten, quasi einen Staat im Staate aufbauten und immer weiter ausbauten. Die bizarre Paralleljustiz der Vatikankirche für alle Arten von Verbrechen ihrer Amtsträger ist nur ein Beispiel für diese selbstherrliche Anmaßung. Und willfährige Politiker spielen bis heute dabei mit. Man beanstandet heute mit Recht die Macht der Lobbyisten aus den Wirtschaftskonzernen – aber die größte Lobby wird dabei immer vergessen: die Kirchenlobby! Wie viele Kinderschänderverbrechen hätten vermieden werden können, wenn beherzte Politiker hier rechtzeitig eingeschritten wären? Doch die gab es nicht, und es gibt sie auch bis heute kaum.

Und damit dies so bleibt, damit die Kirche ihre Privilegien und ihre Macht über viele Seelen behalten kann, suchen die Klerikalisten einmal mehr nach Durchhalteparolen und Ausflüchten – und nach einem Sündenbock, dem sie das das eigene Versagen aufbürden können.

37 - Der Schmutz kommt nicht von außen, sondern von innen


So forderte Papst Franziskus alle Katholiken auf, im Monat Oktober 2018 täglich einen Rosenkranz zu beten, und zwar "zum Schutz der Kirche gegen den Teufel". (katholisch.de, 29.9.2018)
In ähnlicher Weise hatte schon sein Vorgänger Benedikt im Jahr 2010 gesagt, als Hunderte von Sexualverrechen bekannt geworden waren: "Der Teufel habe der Kirche Schmutz ins Gesicht geworfen!" Die Wochenzeitung Die Zeit erinnert an diese Aussage und kommentiert: "Wenn überhaupt, dann hatte ja wohl die Kirche Jesus Schmutz ins Gesicht geworfen", und sie zitiert den Jesuitenpater Klaus Mertes, der meint: "Weg mit den peinlichen Sauberkeitsmetaphern, von wegen die Kirche müsse gereinigt werden! Als käme der Schmutz von außen!" (Die Zeit, 27.9.2018)

Auf dem Rückflug von einer Reise ins Baltikum versuchte Franziskus dann ein weiteres Mal, die Sexualverbrechen seiner Priester herunterzuspielen, indem er sagte, "es sei unfair, heutige moralische Maßstäbe an frühere Vertuschungen von sexuellen Übergriffen durch Priester anzulegen". Damit tut er so, als ob diese Verbrechen nur "früher" stattgefunden hätten! Und gleichzeitig gibt er damit indirekt zu, dass die Maßstäbe der Bergpredigt des Jesus von Nazareth offenbar nicht für ihn und für seine Kirche gelten. Denn die Goldene Regel der Bergpredigt ist nicht nur ein heutiger Maßstab. Sie gibt es seit weit mehr als 2000 Jahren und sie gehört zum Urwissen der Menschheit: "Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem andern zu!"

Jesus von Nazareth über die Priester und Schriftgelehrten:
"Innen sind sie voll Knochen, Schmutz und Verwesung".
(Matthäus 23, 27; evangelisch-katholische Einheitsübersetzung)
 

In der Messe, die in Fulda Ende September der Vorstellung der sogenannten Missbrauchsstudie vorausging, sagte Kardinal Marx: "Bitten wir den Herrn in dieser herausfordernden Stunde der Kirche, dass wir neu mutig werden, den Weg der Kirche einzuschlagen, den Jesus von uns will. Er verlässt die Kirche nicht."

Doch welcher "Herr" kann sich hier angesprochen fühlen? Jesus, der Christus, der Erlöser aller Seelen und beseelten Menschen, kann es nämlich nicht sein. Denn Er, der Friedefürst, hat wie gesagt nie eine Kirche gegründet und ist auch nie in eine eingetreten. Er sagte als Jesus von Nazareth zu den Priestern Seiner Zeit: "Ihr stammt von unten, Ich stamme von oben. … Ihr habt den Teufel zum Vater, und ihr wollt das tun, wonach es eurem Vater verlangt." (Johannes 8, 44)

Liebe Leserinnen, liebe Leser! Immer mehr Menschen erfassen heute, dass Gott, der Ewige, gar nicht in äußeren Religionskonglomeraten oder in Häusern aus Stein zu finden ist, sondern in ihrem eigenen Inneren. So wie es auch Jesus von Nazareth gelehrt hat: "Das Reich Gottes ist inwendig in euch." Es liegt also an jedem einzelnen, zu entscheiden, wem er sich anvertrauen will: äußeren Führern eines hierarchischen Systems, das vielfach an der Vertuschung krimineller Aktivitäten beteiligt ist, oder dem Christus Gottes, der mit Seiner Kraft in jedem von uns lebt.
 


 

Der Text  kann wie folgt zitiert werden:
Zeitschrift "Der Theologe", Hrsg. Dieter Potzel, Ausgabe Nr. 105: Dieter Potzel, Matthias Holzbauer, Gewaltopfer der Priester und das Übel der Vertuschung und Verjährung, zit. nach https://www.theologe.de/vergewaltigung-von-kindern_vertuschung_keine-verjaehrung.htm, Fassung vom 17.10.2018,
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